Artikel zum Thema: Internet

Lycos und das Desaster für Christoph Mohn

Christoph Mohn wird am 12. Dezember in Amsterdam im Hotel Okura (Ferdinand Bolstraat 333) viele Fragen zu beantworten haben. Denn auf der Hauptversammlung will der Vorstandschef des Internetunternehmens Lycos Europe sein Unternehmen "beerdigen". Nur 50 Mio. Euro sollen an die Aktionäre fließen. Wo bleibt eigentlich das restliche Geld? Schließlich hat das in den Niederlanden notierten Börsenunternehmen zum 30. September noch liquide Mittel von 139,2 Mio. Euro ausgewiesen. Das gibt es eine Lücke.

Lycos Europe – das ist eine traurige Geschichte, die filmreif ist. "Das ist eine brutale Landung für Christoph", sagte ein Insider in Gütersloh. Als der Milliardärssohn Christoph Mohn mit seinem Internetkonzern Lycos Europe auf dem Höhepunkt der New Economy im Frühjahr 2000 an die Börse ging, war der Jubel groß. Die Aktie war bei der Emission 33-mal (!) überzeichnet. Wegen der riesigen Nachfrage musste das Papier der Bertelsmann-Tochter verlost werden. Doch der einstige Börsenstar entwickelte sich schnell zur legendären Lachnummer. Egal ob Web 1.0 oder Web 2.0 – Lycos Europe lag stets messerscharf daneben. Nun gibt Christoph Mohn endgültig auf.

Er verkauft zwei Drittel seiner Internetgeschäfte. Der Rest wird einfach eingestellt. 500 Jobs gehen kaputt. Allein in Gütersloh sind es 220 Arbeitspläzte. Mehr als 200 Stellen fallen in der armenischen Hauptstadt Eriwan weg. Dort hatte Lycos seine Software-Schmiede.

Für den Konzernlenker und Großaktionär Christoph Mohn ist das traurige Ende seines Unternehmens ein Drama. Denn der Sohn des legendären Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn hat damit seinen unternehmerischen Kredit verspielt. Seit dem Börsengang hat er über 600 Millionen Euro verbrannt. In elf Jahren hat Mohn kein tragfähiges Geschäftsmodell für seine Firma gefunden. Am Ende zog sogar Großaktionär Bertelsmann die schützende Hand zurück. Das ist bitter. Schließlich sitzt der Sohn von Liz und Reinhard Mohn seit zwei Jahren im Aufsichtsrat von Europas größtem Medienkonzern.

Das Desaster des Mohn-Sprösslings wird Folgen für den Generationswechsel bei Bertelsmann haben. Denn der 43-jährige Betriebswirt soll keine zentrale Rolle mehr spielen. Sein 87-jähriger Vater sieht offenbar seine Schwester Brigitte, eine frühere McKinsey-Beraterin, als künftige Chefin der Familie. Für seinen Sohn hatte Reinhard Mohn zuletzt öffentlich nur wenige anerkennende Worte übrig. Er lobte seine große Eigenständigkeit. Aber genau diese Eigenständigkeit ist dem Unternehmer Christoph Mohn nun zum Verhängnis geworden.

Auch für Aufsichtsratschef Jürgen Richter ist Lycos kein Ruhmesblatt. Zuletzt prügelte der frühere Chef des Zeitungskonzerns Axel Springer noch auf seinen Nachfolger Mathias Döpfner in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein. Doch nun ist Richter selbst gescheitert. Fünf Jahre versuchte er für Christoph Mohn die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Alles vergeblich. Um Christoph Mohn ist es in Gütersloh einsam geworden. Selbst Aufsichtsratschef Richter ließ sich am Tag des Waterloos nicht mit Christoph Mohn von den Lokaljournalisten in Gütersloh ablichten.

Für den Verlierer spendet nicht einmal die ansonsten kommunikative Bertelsmann-Zentrale ein paar trostende Worte. Viele fragen sich: wo liegt die Zukunft für Christoph Mohn? In Gütersloh gibt es derzeit noch keine Antwort.

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Christoph Mohn, das Sorgenkind der Bertelsmann-Familie

Der Internetunternehmer Christoph Mohn hat heute einen schweren Tag gehabt. Der Vorstanschef von Lycos Europe musste seine traurige Jahresbilanz vorlegen. Das Ergebnis ist verheerend. Der Sohn der Bertelsmann-Patriarchenfamilie hat seine Verluste mehr als verdreifacht. Lycos schreibt tiefrote Zahlen.

Mohn, der privat in Gütersloh zuhause ist, hat es mal wieder nicht geschafft, das Ruder herum zu reißen. Im Gegenteil: Lycos Europe hat 2007 sein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit)  auf
minus 44,0 Millionen Euro verschlechtert. Im Vorjahr waren es noch minus 13,1 Millionen Euro.

Das ist bitter für den Unternehmer-Sohn und Bertelsmann-Aufsichtsrat. Denn so leidet sein Ansehen bei Europas größtem Medienkonzern weiter. Hinter vorgehaltener Hand gibt es von den hart gesottenen Bertelsmann-Managern nur noch Häme für Lycos Europe und die unternehmerische Leistung von Christoph Mohn.

Doch der Milliardärssohn ist nicht zu stoppen. Bei Bertelsmann steht Lycos Europe unter Naturschutz. So lange das Unternehmen mit offiziellen Sitz im holländischen Haarlem noch Geld aus dem Börsengang auf dem Höhepunkt der New Economy hat, darf der persönlich sympathische Christoph Mohn weiter Geld verbrennen. Das stört niemand mehr. Bertelsmann und auch der Partner Telefonica haben Lycos Europe längst abgeschrieben.

Bei Bertelsmann mit einem Umsatz von fast zwanzig Milliarden Euro spielt die Internetfirma ohnehin keine wirtschaftliche Rolle. Unter diesem Gesichtspunkt ist es auch egal, wenn der Umsatz von Lycos Europe im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf knapp 77 Millionen Euro eingebrochen ist.

Wie Christoph Mohn, das Sorgenkind in der Bertelsmann-Familie, aus der Nummer wieder heraus kommen will, ist offen. Dem Bertelsmann-Management ist das ganz recht. Denn solange er mit Lycos Europe beschäftigt ist, lässt er den Vorstand des Medienkonzerns schalten und walten.

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Die mobile Medienwelt und der überschätzte Markt der Handy-Spiele

Die Spielebranche ist zweifellos ein Wachtumsmotor in der Unterhaltungsindustrie. Doch wenn ein Nutzer Spaß haben will, sitzt er noch immer vor einem großen Bildschirm – egal ob im Arbeits- oder Wohnzimmer. Denn das Spielen auf dem kleinen Bildschirm eines Handys macht derzeit offenbar wenig Spaß.

Nach Angaben des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 beliefen sich die Spiele-Umsätze durch das Herunterladen von Games im Internet auf das Handy gerade mal 59 Mill. Euro im Jahr 2006 in Deutschland. Zahlen für 2007 liegen noch nicht vor. Eines ist aber klar: mobile gaming ist ein mehr als überschaubarer Markt, über den seit Jahren nichtsdestotrotz euphorisch disktutiert wird.

Auch die Aussichten sind gar nicht so großartig wie lange prognostiziert. Branchenverbände wie Bitkom erwarten bis 2010 im Bereich von mobile gaming gerade einen Umsatz von 222 Mill. Euro. Für eine solche Summe kann man in Hollywood nicht einmal zwei große Spielfilme produzieren.

Angesichts der Tatsache, dass es in Deutschland mehr Mobiltelefone als Festnetzanschlüsse gibt, ist der Markt der Handy-Spiele mehr als enttäuschend.

Warum kommt der Markt nicht voran?

Zum einen liegt es an der geringen Innovation im Bereich Gaming. Ob Spiele zu Fernsehsendungen wie "Galileo" oder "Quiz Taxi" wirklich den Markt vorantreiben, erscheint zweifelhaft. Zum anderen sind derzeit gerade für jugendliche Zielgruppen die Preise für die Spiele per Handy noch zu hoch. Zudem sind die Verbraucher durch die Diskussion um Standards – UMTS, DMB, DVB-H – stark verunsichert.

Es bleibt spannend, wie schnell es den Telekom-Riesen und Geräteherstellern gelingt wird, die Voraussetzungen zu schaffen, dass mobile gaming sich tatsächlich zu einem echten Markt entwickeln.

Das ist auch ein Thema für den Digital Life Design (DLD) in München, der vom Medienkonzern Burda ausgerichtet wird. Denn wenn es nach dem Willen von Geräteherstellern wie Nokia geht, werden die mobilen Endgeräte zukünftig die wichtigste Plattform für den Medienkonsum werden. Wie schnell sich die Entwicklung vollzieht, steht allerdings in den Sternen. Es wird nicht zuletzt auch vom Spielemarkt abhängigen. Das Gaming könnte wie ein Katalysator in der mobilen Medienwelt funktionieren, wenn die Konzerne die richtigen Weichen stellen.

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Christiane zu Salm 2.0 – Die Einkaufstour geht weiter

Jetzt ist Christiane zu Salm, die Gründerin des Quizsenders Neun Live, wieder fündig geworden. Die gebürtige Mainzerin hat sich am Münchener Finanzportal Sharewise beteiligt. Bei dem Unternehmen handelt es sich um ein Community-Portal bei dem Mitglieder Aktientipps abgeben. Die registrierten Teilnehmer prognostizieren, ob Aktien steigen oder fallen. Tagesaktuell werden dann die Vorhersagen mit der Kursentwicklung verglichen. Zur Höhe des Investments wurden keine Angaben gemacht. Die Mehrheit an dem neu gegründeten Unternehmen behalten weiter die Sharewise-Gründer Stefan Nothegger (33) und Nicolas Plögert (31).

Die 40-Jährige hat bisher Minderheitsbeteiligungen an verschiedenen profitablen Internet- und Werbefirmen erworben.Mit dem Einstieg bei dem erst im August gegründete Aktionärsportal Sharewise hat die Medienunternehmerin erstmals auch einen Verlustbringer im Portfolio. Derzeit zählt Sharewise bereits 600 registrierte Benutzer, berichtet Gründer Plögert.  

Die Zeiten des Trash-TV sind für Christiane zu Salm längst vorbei. Die ehemalige Fernsehmanagerin hat sich zur Wagniskapitalgeberin gewandelt. Im Frühjahr hat sie ihren Fonds About Change Ventures mit mittlerweile 100 Mill. Euro gegründet. Seitdem geht die Finanzinvestorin Christiane zu Salm auf Einkaufstour. » Weiterlesen

Anonyme Traueranzeige für Lycos Europe

Christoph Mohn, Gründer und Vorstandschef der Internetfirma Lycos Europe, ist in seiner westfälischen Heimat alles andere als beliebt. Der Sohn des Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn wird von manchem Kleinanleger in Gütersloh für die herbe Aktienverluste verantwortlich gemacht. Viele Sparer aus dem ostwestfälischen Städtchen  hatten damals auf dem Internethype im Jahr 2000 ihr Geld in der Firma des jungen Mohns gesteckt und viel, manchmal sehr viel Geld verloren.

Der Unmut flaut nicht ab. Aus Gütersloh kam dieser Tage ein eigenartiger Brief in die Redaktion geflattert. Es war eine anonyme Traueranzeige für Lycos Europe. In schwarzem Trauerrand wurde das lange Leiden der Firma geschildert: 97 Prozent sank der Kurs seit dem Börsengang. Goldman Sachs und Deutsche Bank brachten die Bertelsmann-Firma zu einem Preis von 24 Euro im März 2000 an die Börse. Zuletzt war das Papier von Lycos Europe nicht einmal einen Euro wert! "Kapitalmarktorientierung: Null? Analystenabdeckung: Fehlanzeige? – In stiller Trauer ob der vermeidbaren Peinlichkeit: Anlegergemeinde und Aktienkultur", heißt es in der Traueranzeige.

Wie es geht es weiter mit der traurigen Internetfirma aus Gütersloh? Am 31. Juli wissen wir mehr. Da droht der nächste Zwischenbericht vom CEO Christoph Mohn.

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Internetwerbung boomt und boomt und boomt

Das Stirnrunzeln in den amerikanischen Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen wird noch größer. Denn die Wachstumsraten für die Internetwerbung in den USA fallen höher als erwartet aus. Um Sage und Schreibe 35 Prozent stiegen die Ausgaben für Reklame im Internet. Nach einer Untersuchung von PricewaterhouseCoopers waren es im vergangenen Jahr in den USA bereits 16,9 Mrd. Dollar. Das Schlimmste: 72 Prozent des Kuchen kassieren die zehn Top-Internetseiten ab. Das heißt, die Marktkonzentration nimmt weiter zu. Und die Printbranche? Sie schaut größtenteils in die Röhre.

Experten in den USA gehen davon aus, dass in diesem Jahr bereits mehr als sieben Prozent aller Werbeausgaben ins Netz fließen könnten. Im vergangenen war es 5,9 Prozent. 2005 erst 4,7 Prozent. Angesichts dieser Entwicklung wird sich die Kauflust der Medienkonzerne im Internet noch vergrößern. Die Preise werden weiter steigen. Vielleicht haben ja Microsoft und Google trotz der investierten Milliarden recht billig eingekauft? Und die Medienkonzerne. Angesichts der riesigen Summen können sie kaum noch mithalten.

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