» 13. September 2011, 15:53 Uhr

Rolling Stones – der rollende Rubel

Eine gute Nachricht: Die Rolling Stones planen zum 50-jährigen Bestehen der Band im nächsten Jahr eine Welttour. Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts trafen sich im Büro ihres Managements in London, um über das Vorhaben zu sprechen. Das berichtete die britische Zeitung “Daily Mail”. “Schön wäre es, zum Jubiläum im Marquee Club zu feiern, da, wo alles begann”, sagte Sänger Mick Jagger am Wochenende. Am 12. Juli 1962 gaben die Stones ihr erstes Konzert überhaupt.

Die Jubiläumstour könnte ein riesiges Geschäft für das steinreiche Quartett werden, sollte sie einen ähnlichen Umfang haben wie die letzte Tournee vor vier Jahren. Der Konzertreigen “A Bigger Bang” sorgte mit Einnahmen von umgerechnet 400 Millionen Euro für einen Rekord im Musikgeschäft. Bei ihren letzten Auftritten in Deutschland, die von einer Tochter des Konzernveranstalters CTS Eventim organisiert wurden, lagen die Kartenpreise zwischen 80 und 200 Euro. Weltweit verkauften die Stones rund 4,5 Millionen Tickets bei 147 Konzerten in 32 Ländern.

“Die Rolling Stones sind ein Beweis dafür, dass sich eine jahrzehntelange Aufbauarbeit für die Künstler und für die Musikindustrie lohnt”, sagte Dieter Gorny, Chef des Bundesverbands Musikindustrie. Tatsächlich ist die Attraktivität der Band ungebrochen. “Die Rolling Stones sind dank ihres grandiosen Lebenswerks immer noch eine starke Marke, die generationenübergreifend ankommt”, sagte mir Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandschef von CTS Eventim. “Seit einem halben Jahrhundert steht die Band für spektakuläre Livemusik. Es gibt nicht viele Künstler, die schon so lange in der ersten Liga spielen”, sagte der Chef des größten Konzertveranstalters in Deutschland. Auch Gorny, früher Chef des Musiksenders Viva, ist von der Zugkraft des Quartetts überzeugt: “Die Band hat eine ungebrochene Symbolkraft und Magie, denn sie steht für den Beginn des Pop-Zeitalters.”

Die Vorbereitungen für die Jubiläumstour stehen erst am Anfang. Der Umfang der Konzertreihe sowie die Auftrittsorte sind noch nicht bekannt. Offen ist auch, ob CTS Eventim bei der Vermarktung eine Rolle spielen wird.

Die Begeisterung der vier älteren Herren für einen Konzertmarathon rund um die Welt ist groß. Schon im Juli sagte Gitarrist Wood der britischen Zeitung “Evening Standard”: “Ich weiß, dass Keith das voll unterstützt wie der Rest der Jungs.” Mick Jagger ist 68 Jahre alt, Keith Richards 67, Ron Wood 64 und Schlagzeuger Charlie Watts 70.

Doch bevor es auf Tour geht, macht Jagger einen Alleingang – es ist bereits sein fünfter. Er veröffentlicht mit der Band “Super Heavy” ein neues Album, um “Musiker aus unterschiedlichsten Kulturen und Regionen zusammenzubringen”. Im Interview mit dem ZDF sagte er: “Es ist keine Weltmusik. Es ist ein Experiment.” Das neue Werk, an dem Eurythmics-Gitarrist Dave Stuart und Bob Marleys Sohn Damian mitwirkten, wird nach Angaben von Universal Music Mitte des Monats erscheinen. Bei den Internethändlern Amazon und iTunes kann das Album, das Soul, Reggae und Bollywood musikalisch mixt, vorbestellt werden. Die Platte wird von Universal Music, dem größten Musikkonzern der Welt, vertrieben.

Für Universal, eine Tochter des Vivendi-Konzerns, wäre die Jubiläumstour wirtschaftlich hochinteressant. Denn der globale Konzertreigen würde die Nachfrage nach den mehr als 200 Songs, die Jagger und Richards geschrieben haben, erneut anheizen. “Für Universal sind die Rolling Stones eine Frage des Prestiges”, sagte ein Brancheninsider. Das Geschäft mit Live-Auftritten läuft gut. Für die Bands sind Konzerte lukrativer als CD-Verkäufe. “Aufgrund der Markenkraft konnten große Bands die Einbußen durch die rückläufigen CD-Verkäufe kompensieren”, sagte Gorny. Mit Live-Auftritten setzt die Musikbranche doppelt so viel um wie mit dem Verkauf von Tonträgern.

Bei den Stones soll die Quote nach Meinung von Insidern sogar noch deutlich höher liegen. Verlässliche Zahlen veröffentlichen weder die Band noch die Musikfirmen. Mick Jagger, ehemals Student an der London School of Economics, gilt als ausgebuffter Geschäftsmann, wenn es um die Vermarktung der ältesten Rockband der Welt geht.

Eigene Memoiren will Jagger trotz des hohen Interesses der Buchbranche nicht schreiben. “Auf die eigene Vergangenheit zurückzuschauen, ist schlecht für die Psyche”, sagte die Rocklegende zuletzt. 2010 hatte sein Kollege Keith Richards einen Rückblick auf sein wildes Leben mit Musik, Drogen und Luxus geschrieben. Das Buch “Life” wurde ein Welterfolg. Jüngst wurde Richards im Londoner Royal Opera House mit dem vom Magazin “GQ” vergebenen Award “Schriftsteller des Jahres” ausgezeichnet.

» 13. September 2011, 15:53 Uhr

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