Artikel aus dem Juli 2011

Keine Sternstunde für Thomas Leif

Noch braucht der umstrittene TV-Journalist Thomas Leif nicht zittern. Der Südwestrundfunk (SWR) will trotz des Finanzskandals an seinem Chefreporter festhalten. Das bestätigte mir eine Sprecherin der ARD-Anstalt heute in Stuttgart. Thomas Leif selbst war für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar.

Der 52-jährige Moderator der Polit-Talkshow „2+Leif“ soll als Vorsitzender der renommierten deutschen Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche illegal Steuergelder abgezweigt haben. Durch falsche Förderanträge erhielt der Verein, der sich für Qualitätsjournalismus einsetzt, von der Bundeszentrale für Politische Bildung offenbar ungerechtfertigt Zuschüsse in Höhe von 75 000 Euro. Nach Bekanntwerden des Sachverhalts wurde Leif am Wochenende als Vorsitzender des Netzwerks zum Rücktritt gezwungen. Leif hat die Verantwortung für den Finanzskandal übernommen. Wirtschaftsprüfer, welche die Buchhaltung von 2007 bis 2010 überprüft hatten, stellten fest, dass nicht alle Einnahmen korrekt angegeben worden waren. Die 75 000 Euro sind von Netzwerk Recherche „vorsorglich“ zurückgezahlt worden. Keine Sternstunde für Thomas Leif.

Thomas Leif stand bereits seit zehn Jahren an der Spitze des Vereins. Der Fall ist für die ARD besonders peinlich. Denn der SWR-Chefreporter mit Sitz in Mainz gilt als journalistischer „Saubermann“, der seit Jahrzehnten gegen Vetternwirtschaft und Korruption kämpft. Nun steht der TV-Moralapostel selbst im Kreuzfeuer der Kritik. Beim SWR hat der angeblich selbstgerechte Chefreporter nur noch wenige Freunde, berichten Kollegen. Hinter vorgehaltener Hand macht sich in den Reihen der ARD Schadenfreude breit. Manche sprechen vom “Größenwahn” eines eitlen Mannes.

Journalistisch steht der egozentrische Reporter ohnehin im Abseits. Seine letzte große TV-Reportage mit dem Titel „Quoten, Klicks & Kohle“ zum Streit um die Internetoffensive von ARD/ZDF löste bei vielen Zuschauern Kopfschütteln aus. Sie war wegen ihrer Einseitigkeit scharf kritisiert worden. Sogar der Rundfunkrat beschäftigte sich mit der Reportage.

Leif ist Mitglied von Transparency International und als Honorarprofessor für Politische Wissenschaft an der Unniversität Koblenz-Landau tätig.