Biathlon, Fechten, Fußball, Kajak, Reiten, Rodeln, Rudern, Segeln, Tischtennis, Turnen – die Liste der Sportrechte von ARD und ZDF ist lang, sehr lang. Denn die Öffentlich-Rechtlichen kaufen mit einem Sport-Programmbudget von 780 Millionen Euro (2008) in schöner Regelmäßigkeit den Markt leer. Eine eigene Unternehmenstochter namens Sport A verfügt über eine opulente Finanzausstattung. Die unter Gebührenzahlern nahezu unbekannte Firma in München hat seit Jahren die Spendierhosen an. Allein für die Übertragungen der Fußball-Bundesliga in der samstäglichen ARD-”Sportschau” wurden rund 100 Millionen Euro gezahlt. Die Vereine reiben sich zurecht die Hände. Denn der Preis ist schließlich reine Fiktion. Schließlich gibt es in dieser Preislage keine privaten Konkurrenten mehr. RTL und Pro Sieben Sat 1 wissen ganz genau, dass sich derartige Sportrechte nie und immer rechnen. Sie lassen sich durch Werbung schlichtweg nicht finanzieren.
Um Geld brauchen sich ARD und ZDF traditionell wenig Sorgen machen. Sie schöpfen aus dem Vollen. Die Gebühreneinzugszentrale GEZ in Köln spült ihnen Jahr für Jahr fast acht Milliarden Euro in die Kassen. Schon heute ist die ARD nach Bertelsmann der zweitgrößte Medienkonzern des Landes. Sie beschäftigt rund 20 000 festangestellte Mitarbeiter, besitzt zwölf Fernseh-, 64 Hörfunkprogramme, 16 Orchester und Chöre, vier Bigbands und einen Kinderchor sowie eine Unzahl an Internettöchtern. Insgesamt zählen ARD, ZDF und Deutschlandradio über 51 000 Mitarbeiter – mehr als mancher Dax-Konzern. Mit der Entscheidung der Bundesländer, die bisherige Gerätegebühr ab 2013 auf eine Haushaltsgebühr umzustellen, haben die Öffentlich-Rechtlichen ihre opulenten Finanzen nun auch noch bis zum Sankt Nimmerleins-Tag gesichert.
Derartige Perspektiven machen reich und satt. ARD und ZDF haben kein Einnahmeproblem, sondern ein Ausgabeproblem. Wie verschwenderisch sie mit dem Geld der GEZ-Gebührenzahler umgehen, hat nun der Privatsenderverband VPRT analysiert. Er schätzt, dass die Öffentlich-Rechtlichen bei gleicher Programmqualität mindestens eine Milliarde Euro einsparen könnten. Natürlich ist bei dieser Finanzanalyse viel Eigennutz dabei. Das ändert aber nichts an der Richtigkeit der Aussage.
Ist eine Sparsumme von einer Milliarde Euro absurd hoch? Keineswegs. Eine solche Kostensenkung ist durchaus realistisch. Im Gegensatz zu ARD und ZDF exerziert die private Konkurrenz seit langem das effiziente Sparen vor. Beispielsweise hat RTL-Chef Gerhard Zeiler allein im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres – auf dem Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise – die Kosten seiner Sender um 200 Millionen Euro gedrückt. Trotz des Spareifers liefen die Zuschauer nicht weg. In wichtigen Ländern blieb die Quote der RTL-Sender konstant, in Deutschland legte sie sogar noch zu.
Und ARD und ZDF? Sie jammern auf höchstem Niveau. Ein Sparwillen ist nur rudimentär zu erkennen. So hat der SWR-Intendant und derzeitige ARD-Vorsitzende, Peter Boudgoust, angekündigt, in seiner Rundfunkanstalt mit Einkünften von 1,17 Milliarden Euro in diesem Jahr jährlich 1,5 Prozent (!) sparen zu wollen. Boudgoust, ein Hardliner in den Reihen der ARD, verfügt intern über ein opulentes Rundfunkreich. Zwölf Jahre nach der Fusion der beiden ARD-Anstalten im Südwesten zählt der SWR noch immer über knapp 3 700 Angestellte – mehr als alle RTL-Sender zusammen. Der SWR hat es in all den Jahren nur geschafft, 535 Arbeitsplätze abzubauen. Von schwäbischer Sparsamkeit ist bislang wenig zu spüren.











4 Kommentare zu “Beim Sparen schalten ARD und ZDF ab”
[...] Beim Sparen schalten ARD und ZDF ab [...]
[...] und viele andere behandelten sie als aufregende Neuigkeit, der Medienredakteur des „Handelsblattes” verbrämte die Pi-mal-Daumen-Rechnung gleich zur [...]
Was für eine Quelle gibt es dafür?
Spitze!
Dazu fällt mir noch ein, dass bei dieser Leichtathletik-EM in Barcelona pro deutschem Sportler drei (!) Funktionäre der öffentlich rechtlichen Sender an Bord waren.