Endlich bringt die Bundesregierung den Mut auf, ein neues Kapitel in Sachen Medienrecht zu schreiben. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger trat gestern in ihrer Rede vor der Berliner Akademie der Wissenschaften für die Einführung eines Leistungsschutzrechtes ein. Die liberale Politikerin will mit der Reform des Urheberrechts besser die Leistungen von Journalisten und Verlagen schützen und vor allem die effektive Durchsetzung der Rechte gegen die Internetkonzerne verbessern. So sollen Google & Co. bei Urheberrechtsverstößen stärker in die Pflicht genommen werden.
Bisher haben Internetunternehmen mit Inhalten von Zeitungen und Zeitschriften Erlöse generiert, ohne die Verlage angemessen zu beteiligen. Mit der Novelle werden womöglich schon bald Lizenzgebühren fällig. In den vergangenen Jahren hing das Urheberrecht den Marktveränderungen meilenweit hinterher. Eine Anpassung an die neue Arithmetik des Mediengeschäfts ist daher überfällig.
Die klassische Medienindustrie steht zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor enormen strukturellen und technischen Herausforderungen. Wenn es um ihre Inhalte ging, hatten Autoren und Verlage bei Google & Co. seit dem Beginn der massenhaften Nutzung des Internets vor über anderthalb Jahrzehnten stets das Nachsehen. Für die Verlagsbranche wird die gesetzliche Verankerung des Leistungsschutzrechtes daher ein Meilenstein sein.
Die “schleichende Enteignung” der Verlage durch die Internetriesen, von der Verleger Hubert Burda gerne spricht, hätte damit ein Ende. Bislang haben die Medienunternehmen weitgehend vergeblich mit Suchmaschinen wie Google oder sozialen Netzwerken wie Facebook verhandelt, um faire Spielregeln für den Umgang mit Inhalten zu vereinbaren. Nun spricht der Gesetzgeber endlich ein Machtwort.
Eines ist aber auch klar: Das Ende der digitalen Ausbeutung durch ein verbessertes Urheberrecht ist noch lange kein Allheilmittel für die Verlagsbranche. Die Gesetzesnovellierung wird allein nicht reichen, damit die Printbranche wieder an goldene Zeiten anknüpfen kann. Dafür braucht es unternehmerischen Mut und Geschäftsmodelle, die in der neuen Medienwelt bestehen.











7 Kommentare zu “Berlin macht ernst: Ende der Freibeuterei von Google & Co.”
Der erste Satz ließ mir schon den Kinnladen nach unten klappen, leider hat die Printbranche ebenso wie Film und Musikbranche das Internet schlichtweg verschlafen, jetzt zu heulen und am Rockzipfel des Gesetzgebers zerren ist einfach nur traurig und lässt blicken wie schlecht es der Branche wirkliche geht – abseits des Finanziellen.
Das LSR ist der Witz des Jahres, wenn da nicht die Tatsache währe das es das Grundrecht auf Meinungsfreieheit mit den Füssen tritt.
Unfassbarer Unsinn. Das beginnt mit jenem BGH-Urteil und geht weiter über die schlichte Tatsache, dass Google News anzeigenfrei ist. Wenn das, was Google macht, unterbunden wird, wird damit das Zitatrecht angegriffen. Und ohne Zitatrecht keine Pressefreiheit – mir wird gerade ehct übel.
Mir scheint, Herr SIebenhaar redet der Verlegerlobby nach dem Munde ohne so etwas wie logisches Nachdenken anzuwenden.
Das ist wirklich einer der schwächsten und oberflächlichsten Kommentare, den man zu dem Thema finden kann. Schade.
Lieber Herr Siebenhaar,
leider muss ich mich meinem Redner anschließen. Dass Google für Inhalte auf Google News nichts zahlt, ist kein “Freibeutertum”, sondern nach BGH-Urteil (Paperboy) nicht vergütungspflichtig und geschieht im Übrigen mit Duldung der Verlage, die ein Spidering jederzeit stoppen könnten (robot.txt).
Der “Preis”, den Verlage für “Snippet” erzielen ist ein Marktergebnis und bewegt sich auf geltendem Recht. Ich bedauere daher, dass ein einer Qualitätspublikation wie “Handelsblatt” hier mit Freibeuter-Metaphern gearbeit wird.
Man könnte sich vielmehr fragen, wieso die bestehende Freibeuterei zwischen Verlagen eigentlich abgabenfrei bleiben soll. Übrigens würde durch die Abgabenpflicht, die die Ministerin keinesfalls zugesagt hat, auch Burdas Freibeutermaschine Nachrichten.de abgabenpflichtig.
Also: Bitte ordnungspolitischer Verstand vor Berufsstand-Rentseeking.
Es ist kaum so glauben, dass ein Kommentatoren einen noch bräsigeren Text schreiben kann als es die Rede der Justizministerin sowieso schon war.
Wer seine Texte nicht in einer großen Suchmaschine haben will, kann sich mit einfachsten Mitteln selbst entfernen. Wer einen Finde-Service nicht benutzen will, soll es lassen.
Außerdem bezweifle ich, dass weder die Ministerin noch der werte Schreiber jener obigen Zeilen jemals google books angeschaut hat. Copyrightgeschützte Bücher konnten dort immer nur in wenigen, das Suchwort treffende Zeilen gefunden werden. Aktuelle Bücher kann man umfangreicher einsehen – weil die Verlage dies Verkaufsfördernd finden.
Naja, und wer google news tatsächlich als Bedrohung seines Geschäftsmodell sieht, dem sollte man eh keinen Medienbetrieb im 21. Jahrhundert anvertrauen.
Die Rede der Ministerin, angekündigt als Grundsatz-Rede ist eine Schande für die in Teilen vorhandene Intelligenz dieses Ministeriums. Fehlerhaft, ohne klare Richtung, innovationsfeindlich und eine digitale Bankrotterklärung.
[...] This post was mentioned on Twitter by Eva Maria Goldmann, Karlheinz Stannies and Christoph Kappes, ojour.de. ojour.de said: Linktipp: Handelsblatt.com/Mediawatcher: Berlin macht ernst: Ende der Freibeuterei von Google & Co.: http://tinyurl.com/2uurul8 [...]
Auf wiedersehen, Ihr Dinosaurier.
http://www.bullshitblog.de/2010/06/auf-wiedersehen-ihr-dinosaurier/
Alles was mir dazu einfällt: Welche siechende Industrie retten wir als nächstes?
Regierungen ihr seid einfach zu kurzsichtig.