»Dr. Hans-Peter Siebenhaar 18. Februar 2010, 11:21 Uhr

Google droht im Streit mit den Buchverlegern eine Niederlage

Im Gerichtssaal 23B im New Yorker District Court in der Pearl Street geht es an diesem Freitagmorgen um die Zukunft von Google. Richter Denny Chin soll den monatelangen Streit über eine kostenlose Online-Bibliothek des Internetgiganten beenden. Google will mit der Digitalisierung vergriffener Bücher endlich ein Milliardengeschäft in Angriff nehmen. Doch der Widerstand gegen ein drohendes Monopol wächst und wächst. Die Liste der Gegner wird immer länger. Heute werden unter anderen Erzrivale Microsoft, der Internethändler Amazon, der Telefonriese AT&T, aber auch die Regierungen von Deutschland und Frankreich ihre Kritik vortragen. Die Chancen auf einen Erfolg Googles vor dem New Yorker Gericht schmelzen wie derzeit der Schnee in der Sonne.  Google droht eine schmerzliche Niederlage im Streit mit den Buchverlagen.

Der Internetgigant aus dem kalifornischen Mountain View eröffnet immer neue Fronten. So will der Konzern ein eigenes ultraschnelles Breitbandnetz in den USA aufbauen. Mit dem Betriebssystem Android greift das Unternehmen Software-, Handy- und Chiphersteller an. Mit dem neuen Dienst Buzz will Google auch noch im Geschäft der sozialen Netzwerke wie Facebook & Co. mitmischen. So können die Nutzer von Google-Mail Kurzbotschaften in Echtzeit an ihre Kontakte verschicken. Mittlerweile vergeht kaum noch eine Woche ohne neue Projekte und Produkte.

Der kometenhafte Aufstieg der Suchmaschine zum weltgrößten Internetkonzern sorgt offenbar für grenzenloses Selbstbewusstsein. Manche nennen es mittlerweile auch Arroganz. Selbstzweifel haben die gerade einmal zwölf Jahre alte Firma seit ihrer Gründung noch nie geplagt. Die Milliardengewinne haben den Konzern längst immun gegen Kritiker gemacht. Doch mittlerweile wird klar: Google verzettelt sich.

Die Zahl der Gegner wächst kontinuierlich. Intel und Nokia haben beispielsweise angekündigt, gemeinsam das Betriebssystem Android angreifen zu wollen. Europas größter Telekomkonzern Telefónica hat der Suchmaschine gedroht, sie künftig für die Nutzung des Online-Netzes zur Kasse zu bitten.

Unterdessen zerbricht Googles Nimbus der Unfehlbarkeit. Die Pannen häufen sich. Der Twitter-Dienst Buzz legte einen Fehlstart hin. Nachdem die Nutzer auf die Barrikaden gegangen sind, musste Google nun auch den Datenschutz für Buzz überarbeiten. Nicht der Algorithmus von Google entscheidet nun, wer auf der individuellen Freundesliste erscheint, sondern der Nutzer selbst. Und das unspektakuläre Mobiltelefon Nexus One wird trotz großspuriger Ankündigungen nicht die Kommunikationswelt revolutionieren. Der Konkurrent Apple kann sich also mit seinem Multimediahandy iPhone getrost zurücklehnen.

Google verheddert sich immer öfter. Längst wird nicht alles zu Gold, was die Suchmaschine anfasst. Die fatale Entwicklung erinnert an Microsoft in den neunziger Jahren. Der weltgrößte Softwarekonzern wollte damals in ganz neue Bereiche wie beispielsweise die Spielebranche vordringen. Doch statt satte Gewinne einzustreichen, musste Microsoft viel Lehrgeld zahlen. Ganz nebenbei wurde der Konzern wegen seiner Monopolstellung mit Windows zum Buhmann der Computerwelt.

Eine ähnliche Entwicklung scheint nun auch Google zu nehmen. Das Werbegeschäft der Suchmaschine brummt. Ansonsten gibt es aber jede Menge Baustellen. Auf welchen wackeligen Fundament so manches Projekt wie beispielsweise die Online-Bibliothek steht, könnte sich schneller zeigen, als es dem Architekten namens Google recht ist. Am Freitag entscheidet Richter Denny Chin.

»Dr. Hans-Peter Siebenhaar 18. Februar 2010, 11:21 Uhr

    3 Kommentare zu “Google droht im Streit mit den Buchverlegern eine Niederlage”


  1. Seba sagt:

    @Ansonsten gibt es aber jede Menge Baustellen.

    Google – muss man ehrlich sagen – hat sich auch echt viel vorgenommen! Echt.. verdammt viel! Sowas wie ein Universum-Imperium .. und das obgleich schon das Suma Geschäft ein Welt-Imperium ist.

    Ciao Seba

  2. Nicole Haase sagt:

    Nachtrag:
    Diesen Artikel haben wir unseren Lnkempfehlungen zum Thema Google hinzugefügt:
    http://bit.ly/dcKH6G

  3. Nicole Haase sagt:

    Dann sollten wir uns vielleicht alle lieber fragen: What would Apple do?
    http://bit.ly/bgixmz

    Statt allein der Analyse von Jeff Jarvis zu folgen.