»Dr. Hans-Peter Siebenhaar 13. October 2008, 08:51 Uhr

Die fetten Jahre sind vorbei – Finanzkrise verunsichert Filmbranche in Cannes

Da nützt selbst der beste Sonnenschein nichts: Auf Europas größter Film- und Fernsehmesse Mipcom in Cannes ist die Verunsicherung wegen der Finanzkrise groß. Fernsehmanager, Produzenten und Rechtehändler sehen in diesen Tagen an der Croisette noch öfters auf den Blackberry, um die neuesten Nachrichten aus der Finanzwelt sofort zu erfahren.

Die Krisen geschüttelte Branche, die sich gerne die Welt schön redet, ist vorsichtig. Denn die meisten Rechtehändler wie der frühere Kirch-Vize Jan Mojto von der Beta-Film wissen, dass der Niedergang des Werbemarktes durch die Finanzkrise noch beschleunigt wird. Die immer neuen Sparbemühungen bekommen auch die Sender und damit die Produzenten zu spüren. Öffentlich-rechtliche Töchter wie der Filmrechtehändler Telepool haben es da leichter. Sie können auf den soliden Gesellschafter ARD in diesen schweren Zeiten setzen.

Wird die Marktbereinigung durch die Finanzkrise beschleunigt? In diesen Tagen zählt offenbar Größe. Die Branche ist sich einig, dass vor allem für kleine und mittlere Produzenten die Luft künftig dünn werden könnte. Schon jetzt läuft die Marktbereinigung auf vollen Touren. Zuletzt hatte der britische Privatsender ITV die kleine Berliner Filmfirma Imago übernommen. Über andere Übernahmen wird an der Croisette bereits fleißig spekuliert.

Die Stimmung auf Europas Film- und Fernsehmesse in Cannes ist gedrückt. "Ich erinnere mich noch gut an der Messe nach dem 11. September 2001. Damals flogen die Amerikaner aus Angst nicht nach Cannes", sagt ein Rechthändler, der das Geschäft aus dem Effeff kennt. Diesmal sind die Amerikaner doch noch gekommen. Doch die Taschen sind mit Dollars längst nicht mehr so gefüllt. Ähnlich wie damals nach dem 11. September erwarten die meisten Unternehmen harte Zeiten für die Branche, die sich gerade im vergangenen Jahr im Licht des unternehmherischen Erfolgs sonnen konnte.

Die Paranoia in der Branche ist groß. Denn an der Croisette werden derzeit die neuesten Geschichte ausgetauscht, was denn mit den Geld in Zeiten der Börsenpanik zu tun sei. Geschichten von Menschen kursieren, die aus lauter Angst ihren Sparstrumpf angeblich im Wald vergraben haben. Andere geben Tipps, wo man sich kurzfristig noch mit Goldbarren eindecken kann.

Die Gastronomen an der südfranzösischen Küste gehen unterdessen auf Nummer sicher. In einem Nobelrestaurant bei Cannes wird nur Bargeld akzeptiert – auch ein Modell in Krisenzeiten, um Liquidität zu sichern.

»Dr. Hans-Peter Siebenhaar 13. October 2008, 08:51 Uhr

    Ein Kommentar zu “Die fetten Jahre sind vorbei – Finanzkrise verunsichert Filmbranche in Cannes”


  1. Ralf Becher says:

    Da sollten sich eigentlich neue Chancen durch Umstrukturierungen und Prozessoptimierungen ergeben. Vielleicht führt es auch zu Übernahmen oder Zusammenschlüssen kleiner oder mittlerer Produktionsfirmen.