Ende des Jahres wirft Fred Kogel bei der Constantin Film das Handtuch. Der langjährige Filmmanager will es aber noch einmal wissen. Am liebsten würde der 49Jährige eine Rekordbilanz vorlegen. Doch das wird nicht einfach. Über Erfolg und Nichterfolg entscheidet der "Baader-Meinhof-Komplex". Der komplizierte RAF-Film, der Ende September in den deutschen Kinos anläuft, entscheidet über Kogels Abgang.
Die Verfilmung des Bestsellers des früheren "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust war für die Constantin bislang ein teures Vergnügen. Produzent Bernd Eichinger investierte in das Terror-Epos einen zweistelligen Millionen-Betrag. Nun will Constantin Kasse machen. Als ich heute mit Fred Kogel sprach, hängte er die Erfolgslatte ziemlich hoch. Der Film soll noch mehr Zuschauer in die Kinos locken als der Blockbuster "Die Welle". Diesen Streifen sahen immerhin 2,6 Millionen Zuschauer.
Doch selbst wenn die konzerneigene Messlatte von der Eichinger-Produktion nicht übersprungen werden sollte, kann Kogel durchaus mit Stolz geschwellter Brust die Konzernzentrale in Münchener Stadtteil Schwabing verlassen. Denn heute steht die Constantin als größter konzernunabhängiger Filmkonzern auf einem festen Fundament. Der Aufbau eines TV-Produktionsgeschäfts, das Kogel konsequent betrieb, macht das Geschäft berechenbar und solide. Durch die Internationalisierung des Geschäft gibt es sogar ein wenig Phantasie. Zuletzt ist die Constantin nach Polen, Kroatien und in die Türkei expandiert.
Es wird spannend sein, wenn der bisheriger Aufsichtsratschef Bernhard Burgener bei der Constantin den Chefsessel übernimmt. Wird es einen Richtungswechsel geben? Kommt es zu einem Delisting an der Börse? Zieht EM-Großaktionär Leo Kirch am Ende die Fäden?
Burgener wird alle Hände voll zu tun haben. Denn der Schweizer übernimmt bereits im September dem Vorstandsvorsitz des Medienunternehmens EM Sport, der über die Filmfirma Highlight, rund 95 Prozent der Aktien an der Constantin gehören. Sozusagen im Nebenjob macht er dann auch noch die Constantin. Mal sehen, ob diese Konstellation wirklich eine gute Idee ist.
Fred Kogel freut sich unterdessen auf die Freiheit. Endlich wieder Unternehmer – so lautet seine Devise. Auf dem heißen Stuhl als Chef des Krisen geschüttelten Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 hat der Medienmillionär keine Lust. Warum auch? Mit über drei Milliarden Euro Schulden ist das Unternehmen wie eine Schildkröte auf dem Rücken. Manager von der Kragenweite eines Kogels wissen das und winken dankend ab.










Ein Kommentar zu “Constantin-Chef Kogel setzt auf den RAF-Film”
Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Abgang von Fred Kogel vom “Baader Meinhof Komplex” verdorben wird. Nach allem was ich höre, wird der Film schon im Vorfeld heiß diskutiert. Zumal es endlich wieder einmal eine deutsche Kinoproduktion ist, die das Potential hat, die Massen zu fesseln. Meiner Ansicht nach eine sichere Sache – schließlich gibt es kaum Themen, die in Deutschland so polarisieren und fesseln wie die RAF! Glückwunsch an Constantin für den Mut, den Terror der RAF auf die Kinoleinwand zu bringen!