Eigentlich kann die ARD bereits die Sektflaschen kalt stellen. Denn der Freibrief für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Internet ist zum Greifen nahe. Zum Abschluss ihrer Intendantentagung in Bonn trommelte noch einmal ARD-Vorsitzender Fritz Raff für mehr Freiheiten bei der geplanten Expansion im Internet.
Was brauchen ARD und ZDF? Sie benötigen eine Änderung des Rundfunkstaatsvertrages, der ihnen erlaubt nicht nur Text und Videos zum Programm, sondern generell ins Netz zu stellen. Die Chancen dafür stehen offenbar nicht einmal schlecht. Denn die Zeitungsverleger, die jahrelang die Online-Expansion bekämpft haben, fallen derzeit um. Raff leistet derzeit vor und und hinter den Kulissen der Politik wahre Überzeugungsarbeit.
"Die ARD appelliert an die Länder, die Chancen zu realisieren, die ein leistungsfähiger öffentlich-rechtlicher Rundfunk für die publizistische und kulturelle Vielfalt in Deutschland. In der digitalen Medienwelt geht das nur, wenn man den Auftrag nicht auf Hörfunk und Fernsehen beschränkt“, sagt der Intendant des Saarländischen Rundfunks Raff. Dabei gehe es dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht darum, das Internet zu einer zusätzlichen Einnahmequelle zu machen. „Wir werden und wollen keine elektronische Tageszeitung produzieren“, sagt Raff an die Adresse der Verlage.
Die Front der Zeitungs- und Zeitschriftenverlage hat inzwischen tiefe Risse bekommen. So hatte vor Wochen der Essener Zeitungskonzern WAZ eine Kooperation mit dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) vereinbart. Die Zusammenarbeit soll noch im Frühjahr starten. Künftig wird die größte Sendeanstalt der ARD sowohl Fernseh- als auch Radiobeiträge für das WAZ-Internetportal „Der Westen“ liefern. Die WAZ-Gruppe ist der erste Zeitungsgigant, der mit einer öffentlich-rechtlichen Anstalt im Online-Bereich zusammen arbeitet. Der rundfunkpolitisch erfahrene ARD-Chef Raff will mit Unterstützung seiner Intendantenkollegen künftig das Internet neben Radio und Fernsehen zur dritten Vertriebsplattform ausbauen.
Die ARD erwarte, „dass eben Online nicht ein dürftiges Ergänzungspflänzlein sein kann, sondern dass Online neben Fernsehen und Hörfunk ein wesentliches Programmangebot des öffentlich rechtlichen Rundfunks darstellt“, fodert der politisch als clever geltende ARD-Vorsitzende. Seine Bitten werden in den Staatskanzleien sicher nicht ungehört bleiben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Denn die Ministerpräsidenten der Länder, die qua Verfassung für den Rundfunk zuständig sind, brauchen die ARD wie die Luft zum Atmen. Es sind die Landessender, die ihnen das Podium für den großen Auftritt bieten. Denn bei den Privaten haben die MPs längst kein Forum mehr. Immer häufiger drängt sich daher der Eindruck auf, die ARD kontrolliert die Länderchefs als umgekehrt. Fritz Raff wird es freuen.










2 Kommentare zu “ARD fordert den Freibrief für das Internet”
@Die ARD appelliert an die Länder, die Chancen zu realisieren, die ein leistungsfähiger öffentlich-rechtlicher Rundfunk für die publizistische und kulturelle Vielfalt in Deutschland…
Also ich würde gerne sofort etwas zum “Nachtcafe” bloggen, wo geht das und wird von dem Moderator gelesen?
Diese männlich oriente Angstdiskussion (gerade läuft sie noch im Nachtcafe) ist eine gelungene Männer Angstthema Diskussion.
Endlich werden Männerängste ernst genommen und diskutiert. Ein Fortschritt in der Feminismusfrage.
Der Gleichberechtigung zuliebe, bitte aber auch ein Frauenangstthema. Ursache und Wirkung. Das Thema ist nicht ursächlich angesprochen worden. Sondern lediglich Stalkerprobleme die auch Männer haben.
Mariana Mayer
Es dreht sich bei diesem Moloch doch nicht um die Vertretung öffentlichen Interesses, sondern ums Geld. Also, wieviel wollen die dafür, dass sie dem “öffentlichen Auftrag” bis ins Ehebett nachkommen. Da sind doch sicher schon Zahlen genannt worden? Oder kommt das hinterher, wenn man sich die Gesetze geschaffen hat? Die Länderchefs werden sich den Vorteil für den Internetbenutzer sicher etwas kosten lassen, denn es dreht sich ja nicht um ihr Geld, das da mittels grundgesetzwidrigem Verhaltens und sie stützende Gesetzgebung aus dem Bürger herausgepresst wird. Wie steht die Sache eigentlich vor dem Verfassungsgericht mit der Klage gegen die Gebühren für die “neuartigen Empfangsgeräte” und vor dem EU Gerichtshof? Der einzige Weg, diesem Klüngel das Handwerk zu legen.
Ach ja, da stand einmal in meinem Lokalblatt, dass der GEZ-”Beamte” auch schon einmal ein Messer im Bauch vom “Kunden” hatte. Nur einmal ein Schlaglicht, wie die Sache ganz unten gesehen und verstanden wird.