Am Sonntag beginnt im südfranzösischen Cannes die Film- und Fernsehmesse Mip-TV. Auch wenn vor Ort die Sonne scheinen sollte, die angereisten Filmproduzenten, Senderchefs und Rechtehändler werden keineswegs ein sonniges Gemüt mitbringen.Ihnen treibt die größer werdende Finanzkrise Sorgenfaltenzusehends ins Gesicht.
Das Filmgeschäft ist hoch riskant. Nicht erst seit dem Zusammenbruch des Kirch-Imperiums vor Jahren, haben die Geldinstitute gelernt, die Finanzierung von Kinofilmen und Fernsehserien mit spitzen Fingern anzufassen. Marktteilnehmer fürchten nun, dass die Banken angesichts mancher Milliarden schwerer Abschreibung auf desolate Immobiliengeschäfte noch restriktiver bei der Vergabe von Krediten werden.
Tatsächlich vergeht kaum noch ein Tag ohne neue Horrormeldungen. Erst heute sorgen die Schweizer UBS und die Deutsche Bank wieder für Aufregung. Das lässt die überwiegend mittelständischen Filmproduzenten in Europa nicht kalt. Denn sie brauchen das Vertrauen und das Geld der Banken, um im Wettbewerb mit Hollywood mithalten zu können. Die Budgets werden aller Unkenrufe zum Trotz immer größer. Selbst zweiteilige Miniserien für das Fernsehen sind bereits im oberen einstelligenen Millionenbereich angelangt.
Die Mediaagenturen schlagen bereits Alarm. Gestern gingen bei der Publicis-Tochter Zenith die Warnlampen an. Die in den USA ausgelöste Immobilien- und Bankenkrise werde negative Folgen für die gesamt Medienbranche in Nordamerika und Europa haben, unken die Experten. Zenith geht für dieses Jahr nur noch von einem Wachstum von 3,8 Prozent in Europa und Nordamerika aus. Im Dezember prognostizierte die einflussreiche Mediaagentur noch einen Sprung von 4,4 Prozent. Die kleiner werdenden Etats vieler Fernsehsender werden die Produzenten schnell zu spüren bekommen.
