» 10. Februar 2008, 17:23 Uhr

Die Berlinale täuscht – ein Ende der Kinokrise ist nicht in Sicht

Die Berlinale ist ein Schönwetter-Veranstaltung. Die Filmbranche klopft sich gegenseitig auf die Schultern. Die Eitelkeit wird rund um den Berlinale-Palast am Potsdamer Platz grenzenlos gepflegt. Dabei sieht es in der Branche düster aus.

Der deutsche Film lahmt, und die Kinos darben. Es gibt nur wenige Manager, die offen die Probleme in der selbstverliebten Filmbranche benennen. Eine rühmliche Ausnahme ist  Fred Kogel, Vorstandschef der Constantin Film.  Der Berlinale-Veteran weiß: „Das Kino steht unter massivem Konkurrenzdruck. Längst setzen den Filmtheatern nicht nur immer neue Fernsehkanäle zu, sondern auch die DVD und das Internet mit seinen Bewegtbildern, Computerspielen."

Die Aussichten für dieses Jahr sind durchwachsen. Der frühere Chef des Berliner Privatsenders Sat 1 glaubt daher nicht an ein Ende der Kinokrise. „Die Fußball-Europameisterschaft im Sommer ist eine massive Konkurrenz. Im Vergleich zur WM vor zwei Jahren fehlt uns diesmal ein Sönke-Wortmann-Film über die deutsche Nationalmannschaft“, sagte mir Kogel. Zudem beschert der dreimonatige Streik der Drehbuchautoren in Hollywood den Kinos weltiweit weitere Nachteile.

Den Filmtheater droht nämlich der publikumsträchtige Nachschub auszugehen. „Durch den Streik in Hollywood ist eine Lücke gerissen worden“, berichtet Filmproduzent Kogel. Der Konflikt in Hollywood habe auch Folgen für die Berlinale. „Der Streik hinterlässt auf der Berlinale seine Spuren. Auf der Messe European Film Market fehlen zumindest bis jetzt interessante neue Filme“, klagt der Constantin-Chef. Die Messe European Film Market auf der Berlinale ist nach Cannes und Los Angeles der wichtigste Marktplatz der Branche.

Der Arbeitskampf zwischen Drehbuchautoren und Studios in Hollywood soll nach einer Abstimmung über einen ausgehandelten Kompromiss voraussichtlich noch in dieser Woche beendet werden. Die Zahlen, die die Filmförderanstalt in Berlin, vergangene Woche vorlegte, sind ernüchternd. Im vergangenen Jahr kamen über acht Prozent weniger Besucher in die deutschen Kinos.

Nach Angaben der Filmförderanstalt gingen die Einnahmen um 5,7 Prozent auf rund 768 Mill. Euro zurück. Der Marktanteil deutscher Filme sank auf 18,9 Prozent. Im Vorjahr war es noch knapp 26 Prozent gewesen. Auch die börsennotierte Münchner Firma Constantin Film litt darunter. "Das Jahr 2007 war schwierig. Der Filmverleih hat uns im vergangenen Jahr Verluste beschert. Wir haben uns in den anderen Geschäftsfelder angestrengt, um diese Verluste auszubügeln", sagt Kogel.

» 10. Februar 2008, 17:23 Uhr