Künftig wird das große Geld im deutschen Fernsehen ohne Springer verdient. Der plötzliche Ausstieg des Berliner Zeitungsverlags beim Münchener Fernsehkonzern gleicht einem finanziellen Befreiungsschlag. Denn der Verkauf der zwölfprozentigen Beteiligung für 509 Millionen Euro entspricht fast genau dem Kaufpreis für die Mehrheitsübernahme an dem privaten Postdienstleister Pin im Sommer. Wenn Springer den Herausforderer der Deutschen Post womöglich bereits am Freitag in die Insolvenz schicken will, kann frisches Geld aus Aktiengeschäften nicht schaden.
Einen Traum erfüllte sich der Zeitungsverleger Axel Cäsar Springer noch zu Lebzeiten: Das private Verlegerfernsehen. Der geniale „Bild“-Erfinder stieg in den achtziger Jahren in das damals umstrittene Privat-TV ein. Endlich war das Monopol von ARD und ZDF gebrochen. Große und lukrative Möglichkeiten eröffneten sich nun. Der charismatische Großverleger begründete seinen Einstieg aber auch mit den „immensen Gefahren für das gedruckte Wort“.
Seit den Anfängen des Privatfernsehens in Deutschland vor über zwei Jahrzehnten spielt Springer eine wichtige Rolle. Mit dem gestern angekündigten Verkauf der Beteiligung an der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 hat der heutige Springer-Chef Mathias Döpfner den alten Traum des Konzerngründers 22 Jahre nach dessen Tod platzen lassen.
