Pin muss noch nicht sterben. Mit einer Finanzspritze sichert der Medienkonzern Axel Springer vorerst das Überleben des privaten Briefzustellers Pin Group. Konzernchef Mathias Döpfner holte sich gestern im Aufsichtsrat des „Bild“-Konzerns die Rückdeckung für zusätzliche Millionen von Euro, um die Geschäfte von Pin weiter zu führen.
Durch die geplante Einführung des Mindestlohns von 9,80 Euro für private Briefzusteller droht der Pin Group die Insolvenz. Nach Angaben von Unternehmensinsidern sind die Minderheitsgesellschafter nicht mehr bereit, zusätzliche Millionen für den laufenden Betrieb von Pin nachzuschießen.
Springer will offenbar rund zehn Mill. Euro bereitzustellen, um das laufende Geschäft nicht zu gefährden. Weitere fünf Mill. Euro sollen von den Minderheitsgesellschaftern kommen. Das Zeitungs- und Zeitschriftenhaus Springer hält 63,7 Prozent der Anteile.
Springer-Chef Döpfner steht unter ungeheurem Druck. Er muss die Notbremse ziehen, um noch größeren Schaden zum Nachteil der Aktionäre abzuwenden. An einen Antrag auf Insolvenz bei Pin führt womöglich kein Weg vorbei. Pin ist unter den derzeitigen Bedingungen praktisch unverkäuflich. Wer will schon in ein schwieriges Geschäft mit so hohen Mindestlöhnen einsteigen? Zudem ist das Anwerben neuer Kunden praktisch zum Stillstand gekommen. Wer lässt schon seine Rechnung über einen Briefdienst zustellen, dessen Zukunft ungewiss ist?
Der letzte Joker, der Bundesrat, sticht auch nicht mehr. Am 20. Dezember wollen die Länderchefs den vorgeschlagenen Mindestlohn durchwinken. Die Chancen für ein Veto der Ministerpräsidenten sind derzeit gleich null. Das ist bitter. Eine Vorentscheidung fällt bereits am nächsten Donnerstag. Dann entscheidet der Bundestag über den Mindestlohn für die Zusteller. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", hieß es gestern vieldeutig in Gesellschafterkreisen.
