Artikel vom 5. Dezember 2007

Bertelsmann lässt RTL-Chef Zeiler in der Türkei in die Röhre schauen

RTL-Chef Gerhard Zeiler hatte einen Traum, den Einstieg in den rasch waschenden Fernsehmarkt in der Türkei. Über Monate arbeitete der Österreicher und seine Luxemburger Manager an dem Milliardengeschäft. Er wollte beim Medienkonzern ATV-Sabah, dem  in der Türkei Fernsehsender und verschiedene Zeitungen gehören, einsteigen. Doch dieser Plan ist jetzt gescheitert. Der RTL-Mutterkonzern Bertelsmann machte Zeiler einen dicken Strich durch die Rechnung.

Der scheidende Bertelsmann-Chef Gunter Thielen und sein listiger Finanzvorstand Thomas Rabe entschieden sich stattdessen für den Rückkauf des rund zehnprozentigen Aktienpakets an der RTL Group. Das Geschäft wird Bertelsmann voraussichtlich bis zu 1,3 Mrd. Euro kosten. Angesichts des riesigen Schuldenberges blieb da am Ende kein Geld mehr für Zeiler und seine Pläne in der Türkei.

Zeiler, der mit seinem europäischen Fernseh- und Radiokonzern in der Türkei endlich mal einen richtigen großen Deal perfekt machen wollte, ist derzeit frustriert. Denn er konnte sich in Gütersloh nicht durchsetzen. Das schwächt seine Position im Konzern.

Stattdessen muss RTL weiter als Dukatenesel für Bertelsmann herhalten. "Wir RTLer sind es, die den Schuldenberg der Mohns abarbeiten müssen", klagte ein enttäuschter RTL-Manager. Rabe ist in der Luxemburger Holding derzeit nicht gerade gern gesehen. Der frühere RTL-Vorstand, der selbst mal den Chefsessel bei RTL einnehmen wollte, aber den Machtkampf gegen Zeiler verlor, gilt als Drahtzieher des Aktienrückkaufs. Rabes Einfluss wächst. Mit seinem kometenhaften Aufstieg hat sich der Wahl-Berliner mit dem feinen Gaumen aber nicht nur Freunde im Konzern gemacht.

Bis zuletzt hatte Zeiler offenbar um grünes Licht aus Gütersloh gekämpft. Der gut informierte Kollege von dpa berichtete heute, der Einstieg in der Türkei wegen des günstigen Dollarkurses vergleichsweise lukrativ gewesen sei. Da hat er recht. Die Mediengruppe ATV-Sabah ging für den einzig übrig gebliebenen Bieter Turkuaz für nur 746 Mill. Euro über den Tisch. Das ist bitter für RTLer, die bei Deals immer besonders gut rechnen können.

Doch Zeiler muss nun gute Miene zum bösen Spiel in Gütersloh machen. Nächste Woche wird der neue Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski vor den 600 Top-Manager in Berlin zum Big Boss gekürt. Da gilt es Einheit zu demonstrieren. Die Öffentlichkeitsarbeiter in Gütersloh trommeln bereits für die strategische Grundsatzrede des bisherigen Arvato-Chefs Ostrowski. Die Rede soll angeblich bereits schon geschrieben sein.

Wohlfeile Worte wird es sicher viele geben. Nur fehlen dem neuen Bertelsmann-Chef die Milliarden, um in der Champions League der weltweiten Medienkonzerne mitzuspielen. Das ist für eine früheren Mittelstürmer wie Ostrowski bitter.

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