Bundesliga: Runter mit den Spielergehältern!

Wenn Christian Seifert öffentlich auftritt, gibt er den Strahlemann – wie zuletzt beim Horizont-Award in Frankfurt. Der Geschäftführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat allen Grund, bester Laune zu sein. Denn in der Saison 2008/2009 haben die 36 Profiklubs eine Rekord-Bilanz vorlegt. Zum ersten Mal hat es die Liga geschafft, die Grenze von zwei Milliarden Euro zu überspringen. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage steigerte der deutsche Profi-Fußball seine Erlöse um mehr als fünf Prozent auf 2,036 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Vor vier Jahren war es noch 1,52 Milliarden Euro.

Kann die DFL diese Erfolgsgeschichte aber weiter schreiben? Die schwache Konjunktur geht auch am deutschen Fußball nicht spurlos vorüber. Heute steht die Liga auf drei Standbeinen: erstens auf Umsätzen mit Eintrittskarten, zweitens auf Einnahmen aus Werbung und Sponsoring, drittens auf Erlösen aus dem Fernsehgeschäft. Keine dieser Umsatzquellen lässt sich aber weiter kräftig steigern.

Die Tickets in den Stadien können nicht beliebig verteuert werden, auch wenn sie im europäischen Vergleich durchaus noch preiswert sind. Bereits im vergangenen Jahr wurden Eintrittskarten um fünf Prozent teurer. Das größte Problem sind aber die Werbeeinnahmen. In der vergangenen Saison nahm die Liga knapp 594 Millionen Euro ein. Luft nach oben gibt es derzeit aber kaum. Denn die Fernsehbranche stöhnt unter dem Rückgang der Reklamespots. Weniger Werbekunden und großzügige Rabatte setzen den Sendern derzeit schwer zu. Beispielsweise schreibt das DSF, ein treuer Kunde der DFL, rote Zahlen. Der Hauptfinanzier der Liga, der Bezahlsender Sky, steht ohnehin mit dem Rücken zur Wand. Erst kürzlich hatte Großaktionär Rupert Murdoch mit seinem Medienkonzern News Corp. das Problemkind mit frischem Geld versorgt. Die Liga muss sich daher auf härtere Zeiten einstellen.

Selbst im Rekordjahr sind bei genauer Betrachtung die Ergebnisse durchwachsen. Denn Gewinne macht nur die Erste Liga, die Zweitligisten schreiben insgesamt rote Zahlen.

Bei den Klubs kommt es nun darauf an, die Kosten im Griff zu behalten. Größter Posten sind die Spielergehälter. Allein in der vergangenen Saison flossen 821 Millionen Euro auf die Konten der Fußballstars. Das sind rund 40 Prozent des Liga-Umsatzes. Dieser Anteil ist im internationalen Vergleich durchaus tolerabel. Doch wenn der Fußball wirtschaftlich gesunden will, muss er die Gehälter der Helden des grünen Rasens weiter drücken. Schließlich schreiben nur elf Erstligisten und fünf Vereine der zweiten Liga überhaupt schwarze Zahlen.

Noch ist die Bundesliga in einer wirtschaftlich guten Verfassung. Die riesigen Schulden, wie sie Vereine wie Manchester United drücken, sind hier zu Lande unbekannt. Doch mit Verbindlichkeiten von 709 Mio. Euro haben die Profiklubs einen Schuldenberg angehäuft wie seit Jahren nicht mehr. Die Vereine brauchen daher eine konsequente Kostendisziplin.

Der Profi-Fußball in Deutschland steht nur dann auf einer wirtschaftlich gesunden Basis, wenn er nicht nur den sportlichen Erfolg vermehrt, sondern auch die Gewinne maximiert.

Telekom sitzt Murdoch im Nacken

Die Deutsche Telekom sitzt Rupert Murdoch im Nacken. Der Bonner Gigant kaufte für wenig Geld die Live-Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga und startete im Frühjahr 2009 die Vermarktung seines Bezahlangebots “Liga total”. Die Telekom unterbietet dabei die Preise von Murdochs Bezahlsender Sky. Der Konzern hat mit seinem Internetfernsehangebot “Entertain” von T-Home die Grenze von einer Million Abonnenten bereits Anfang Dezember überschritten, 2010 soll eine halbe Million dazukommen. Das sind schlechte Nachrichten für Murdoch und sein schwieriges TV-Investment in Deutschland.

Für die Telekom ist das Fernsehen nur ein Vehikel, noch mehr Kombipakete aus Telefon, Internet und Fernsehen – in der Branche Triple-Play genannt – zu verkaufen. Mit dem Verkauf von Bezahlinhalten rüttelt der Magenta-Konzern die traditionelle Fernsehbranche mächtig auf. Für den Giganten Telekom hingegen ist das Geschäft mit der Mattscheibe noch ein bescheidenes Business.

Längst tobt der Kampf um den Geldbeutel des Fernsehzuschauers. Die Telekom hat gute Chancen, sich dabei ein großes Stück heraus zu schneiden. Mit ihrer geschickten Werbekampagne und ihrem umfangreichen Filialnetz ist sie näher am Kunden als der TV-Konkurrent Sky. Die Murdoch-Tochter ist ohnehin durch Führungswechsel und rote Zahlen gelähmt.

Mit dem Ausbau ihres Fernseh- und Video-on-Demand-Angebots rüstet sich die Telekom auch gegen die immer bedrohlichere Konkurrenz aus dem Kabel. Seitdem John Malone plant, sich zum deutschen Kabelkönig aufzuschwingen, schrillen in Bonn die Alarmglocken. Konzernchef René Obermann und seine Vorstandskollegen beobachten mit Sorge die nächsten Schritte des amerikanischen Medientycoons, der mit seinem Konzern Liberty Global im vergangenen November für 3,5 Milliarden Euro für den zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreiber Unitymedia gekauft hat. Dem Geschäft muss nur noch die Europäische Kommission zustimmen.

In der Schnelligkeit des Netzes sind die Kabelkonzerne jetzt schon klar überlegen. Deshalb rüstet die Telekom gerade im Fernsehbereich weiter auf. Nichts ist unmöglich, heißt die Strategie. Mit immer neuen Vertriebsideen ködert die Telekom beispielsweise die Fußballfans. So sind nun auch einzelne Bundesliga-Spieltage spontan buchbar.

Im Gegensatz zur Konkurrenz bietet die Telekom mit ihrem technischen Partner Constantin Medien sämtliche Partien in hochauflösender Qualität (HDTV). Hinzu kommt das wachsende Angebot aus der Online-Videothek, das werbefreie Serien wie “Desperate Housewives” frei Haus liefert.

Es besteht kein Zweifel: Die Nutzung des Fernsehens über das Internet – egal ob auf Fernsehbildschirmen oder Handys – wird die Medienindustrie dramatisch verändern. Die Telekom hat sich mit ihren TV-Offensive eine gute Ausgangsposition im Kampf um den Kunden verschafft.

Sky steht mit dem Rücken zur Wand

Für den deutschen Fernsehmarkt ist das Engagement des Medientycoons Rupert Murdoch beim Bezahlsender Sky (früher Premiere) ein Geschenk. Nach Jahren der Abstinenz investiert ein großer ausländischer Medienkonzern kontinuierlich in die Branche.

Die Kehrseite der Medaille: Neuer Name, neues Image, neues Programm – und trotzdem kommt der Bezahlsender Sky nicht voran. Immer neue Managementwechsel haben selbst in den eigenen Reihen von Sky das Vertrauen erschüttert.

Nun soll es der designierte Vorstandschef Brian Sullivan richten. Der Amerikaner, bewährter Fahrensmann von Murdoch beim britischen Bezahlsender BSkyB, ist bereits seit wenigen Tagen in der Unterföhringer Konzernzentrale aktiv. Zum 1. April wird er offiziell den Chefsessel bei dem Krisenunternehmen übernehmen. Nach nur 14 Monaten löste Murdoch im Dezember 2009 den von ihm eingesetzten Deutschlandchef Mark Williams ab. Nun soll Sullivan den Sender in die Gewinnzone hieven. Doch Sky steht mit dem Rücken zur Wand.

Die mächtige und dazu noch weitgehend werbefreie Konkurrenz von ARD und ZDF macht dem Bezahlsender immer stärker zu schaffen. Mit ihrer Digitaloffensive vergrößern die Öffentlich-Rechtlichen ihr Senderangebot. Kanäle wie ZDF Neo oder ARD Festival sind Beispiele dafür. Zudem spürt Sky die neue Konkurrenz namens Deutsche Telekom. Der Bonner Gigant startete im Frühjahr 2009 die Vermarktung seines Bundesliga-Bezahlangebots “Liga total”. Die Telekom unterbietet dabei die Preise von Sky. Bis Ende 2009 hatten über eine Million Kunden das sogenannte “Entertain”-Paket von T-Home abonniert. Der Kampf um den Geldbeutel des Kunden wird für Sky künftig noch härter. Beispielsweise verlangt der Satellitenkonzern SES Astra bei der Einführung des hochauflösenden Fernsehens (HDTV) für RTL, Pro Sieben und Sat 1 eine monatlich Gebühr.

Ob es Sky schafft, erstmals in seiner Geschichte auf Jahresfrist doch noch schwarze Zahlen zu schreiben, ist ungewisser denn je.

Zuletzt lockte der Abosender weniger zahlende Zuschauer an als prognostiziert. Das Defizit aber wuchs. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag im Jahr 2009 zwischen 255 bis 265 Millionen Euro. 2010 soll er auf 130 bis 170 Millionen Euro zurückgehen. Erst 2011 rechnet der Vorstand mit einem positiven Ebitda. Zuletzt hatte der Sender nur rund 2,4 Millionen zahlende Kunden. Bis Ende 2010 hat er jedoch drei bis 3,4 Millionen Abonnenten versprochen.

Kurz vor Weihnachten hat Murdoch den Optimisten, die an eine Zukunft von Sky glauben, ein Geschenk gemacht. Sein Medienkonzern News Corp. zeichnet eine Kapitalerhöhung, die dem Verlustbringer weitere 120 Millionen Euro in die Kasse spült. Nach der Kapitalerhöhung wird Murdoch etwa 45 Prozent der Aktien halten. Mit seinen massiven Investitionen in Sky hat Murdoch das klare Bekenntnis abgelegt, dass er trotz aller Besonderheiten an die Zukunft des Bezahlfernsehens in Deutschland glaubt. Mit seinem britischen Ableger BSkyB hat er längst vorgemacht, wie lukrativ Bezahlfernsehen sein kann. Davon ist Sky in Deutschland trotz aller bisherigen Kraftanstrengungen aber noch Lichtjahre entfernt.

Totgesagte leben länger: 3D-Fernsehen kommt

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach den ersten Experimenten mit dem dreidimensionalen Fernsehen, wird 3-D-TV demnächst in den USA Wirklichkeit. Der Sportkanal ESPN, Tochter des Medienkonzerns Disney, wird im Juni die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika und eine Reihe weiterer Sportveranstaltungen in 3-D übertragen. Auch die Film- und Fernsehkonzerne Discovery, Sony und Imax stehen in den Startlöchern. Das Trio will im nächsten Jahr gemeinsam einen dreidimensionalen Kanal starten. Außerdem will laut US-Medienberichten der Satellitenfernsehbetreiber DirectTV zwei eigene 3-D-Kanäle und ein Abrufportal für Filme starten.

Die Hoffnungen auf die Technik in Hollywood sind groß. Jeffrey Katzenberg, Chef des Animationsstudios Dreamworks, tingelt seit Jahren rund um den Globus, um das 3D-Fernsehen zu promoten.

Die Zeit ist nun für die ersten Markttests mit dem dreidimensionalen Fernsehen reif. Durch den großen Markterfolg des 3-D-Kinofilms “Avatar”, ein Streifen von Rupert Murdochs Studio 20th Century Fox, und durch die neue Produktion der Fernsehgerätehersteller erhalten die Optimisten weiter Auftrieb. Die Branchenmesse CES in Las Vegas wird sowohl den Inhalte- als auch Geräteanbietern einen Push geben.

Die audiovisuelle Industrie kann Innovationen gut gebrauchen. Denn das hochauflösenden Fernsehen (HDTV) reicht nicht aus, dem Medium auf Dauer seine Sogkraft zu sichern. Durch das mobile Internet und Plattformen wie Youtube kommen schon jetzt dem klassischen werbefinanzierten Fernsehen vor allem junge Zielgruppen abhanden. Auch wenn es die Branche noch nicht wahr haben will, Fernsehen muss sich neu erfinden – womöglich in drei Dimensionen.

Bravo, Brigitte!

Wer mag die spindeldürren Models in den Frauenzeitschriften noch angucken? Die Leserinnen der “Brigitte” auf alle Fälle nicht mehr. Sie werden künftig auf die hochgestylten Mager-Girls für immer verzichten. Das Hochglanz-Magazin aus dem Hause Gruner + Jahr präsentiert Mode nur noch mit echten, natürlichen Frauen. Endlich! Mit dieser Entscheidung ist die Rückkehr zur natürlichen Schönheit gesichert. Bravo, Brigitte!

Die Idee, die Chefredakteur Andreas Lebert bei einem leckeren Mittagessen kam, ist aber noch ausbaufähig. In der Werbekrise brauchen Zeitschriften schließlich jeden Euro. Warum überlässt die Frauenzeitschrift der Bertelsmann-Verlagstochter eigentlich der Fernsehkonkurrenz die Suche nach dem schönsten Model im ganzen Land? Pro Sieben produziert sein Fernsehprogramm billig mit den Naturschönheiten, die sich gratis vor die Kamera drängen, und verdient sich dabei eine goldene Nase. Ähnlich könnte “Brigitte” auf seinen Seiten einen Wettbewerb wie “Germany’s Next Topmodel” veranstalten. Das füllt das Blatt und die Kasse gleichermaßen. Für “Brigitte” könnte der Modell-Wechsel somit zu einem krisenfesten Dukatenesel werden.

Comcasts neue Logik der Übernahme

Dass der Kabelriese Comcast von General Electric die Mehrheit am Film- und Fernsehkonzern NBC Universal übernimmt, ist kein Zufall. Das größte Mediengeschäft seit Jahren leitet einen Paradigmenwechsel ein. Im digitalen Zeitalter wird der Vertrieb wichtiger als der Inhalt. Darin liegt die Logik der Übernahme eines großen Hollywood-Studios und einer Senderkette durch einen vielfach unterschätzten Kabelnetzbetreiber. Nur wer über die Zugänge zu den Haushalten und damit über die Endkundenkontakte verfügt, kann innovative Produkte und Dienste in den Markt bringen.

Neue Möglichkeiten, Inhalte gegen Bares zu vertreiben, gibt es genügend. Der Boom bei den Filmabrufportalen – in der Branche Video-on-Demand genannt – ist ein Beispiel. Die Expansion von Comcast in das Inhaltegeschäft wird kein Einzelfall bleiben. Infrastrukturanbieter verfügen nicht nur über das Know-how, sondern auch über das Geld, die klassische Medienindustrie mitten in der Krise aufzurollen.

Burda verändert die Gewichte im Zeitschriftenvertrieb

Es ist schon eine kleine Sensation: Der Medienkonzern Burda geht mit dem Essener Zeitungskonzern WAZ eine Vertriebsallianz ein. Dazu steigt der Münchener Zeitschriftenverlag („Focus“, „Bunte“) bei der MZV (Moderner Zeitschriften Vertrieb) ein. „Durch die Bündelung der Kräfte im Zeitschriftenvertrieb können wir wesentlich effizienter arbeiten. Das Einsparpotential ist erheblich“, sagte mir Burda-Vorstand Philipp Welte. Die Partner haben sowohl über Preis als auch Höhe der Anteile Stillschweigen vereinbart. Brancheninsider berichten, dass Burda einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag für eine Minderheitsbeteiligung gezahlt habe. Die MZV ist nach der Vertriebstochter des Medienkonzerns Axel Springer die Nummer zwei im deutschen Markt. “Diese Allianz veraendert die Gewichte im Markt”, ist sich Welte sicher, der ein halbes Jahr an diesem Deal gearbeitet hat.

Die Allianz mit der WAZ gilt konzernintern als Meilenstein. Mit dem Einstieg bei MZV bauen die Münchener ihre Marktstellung im Pressevertriebsmarkt aus. „Die Zeitschriftenbranche steht vor dramatischen Umbrüchen. Von der Krise der Werbemärkte sind wir wie die anderen Verlage deutlich betroffen. Deshalb machen strategische Allianzen wie die jetzt mit der WAZ sehr viel Sinn“, sagte mir Welte. Durch die neue Allianz wird die Burda Vertriebstochter mit ihren 48 Mitarbeitern aufgelöst. Im Gegenzug entstehen bei der MZV im bayerischen Eching 30 neue Stellen.

Die MZV wird derzeit noch von ihrem Gründer Michael Imhof geführt. WAZ und Burda sind künftig Mehrheitsgesellschafter. Die Kartellbehörden prüfen den Einstieg noch. Doch bei Burda ist man zuversichtlich. “Wir erwarten keine unüberwindlichen Hürden beim Kartellamt”, sagt Welte.

MZV kontrolliert rund ein Fünftel des Pressevertriebs in Deutschland. Der Marktumsatz wird künftig Erlöse von einer halben Mrd. Euro umfassen. Die Hälfte davon stammt aus den Umsätzen mit Burda-Zeitschriften.
Der Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften steht unter Druck. Der Absatz im Presse-Grosso brach im ersten Halbjahr um mehr als acht Prozent auf 1,4 Mrd. Exemplare ein. Die Erlöse gingen aber wegen der Preiserhöhungen in den ersten sechs Monaten nur um 2,3 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro zurück.

Apple-Zensoren lest Karl Marx!

Unfassbar und dennoch wahr! Die Zensoren von Apple haben wieder zugeschlagen. Der Computerhersteller hat in seiner ganzen Selbstherrlichkeit eine angeblich freizügige Bilderstrecke des „Sterns“ ohne Ankündigung aus dem konzerneigenen App Store verbannt. Erst der massive Widerstand der Hamburger machte es möglich, dass Erotik-Bilder nun wieder über das mobile Internet auf dem iPhone abrufbar sind.

Wo liegt Cupertino? Die Kleinstadt – Sitz des Computerherstellers Apple – liegt nicht etwa im bibelfesten, erzkonservativen Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Nein, Cupertino liegt ausgerechnet im liberalen, weltoffenen Kalifornien. Wer sich aber das Verhalten von Apple im Umgang mit erotischen Bildern vor Augen führt, wird schnell entdecken, dass die konservative US-Prüderie längst auch sunny California erreicht hat.

Schade, dass sich ausgerechnet der Konzern von Steve Jobs, der sich an der Kommunikation eine goldene Nase verdient, die Informationsfreiheit nicht respektiert. „So gut, wie jeder schreiben und lesen lernt, muss jeder schreiben und lesen dürfen“, schrieb einst Karl Marx. Apple sollte sich diesen Satz in die Firmenzentrale hängen.

Mehr Druck auf die Politik: Profiligen gründen Superverband

Endlich haben die Profisportligen in Deutschland eine gemeinsame Interessenvereinigung gegründet. Das erfuhr das Handelsblatt von Gründern des Verbands. „Wir stehen mit einem Jahresumsatz von über zwei Milliarden Euro und mehr als 40 000 Arbeitsplätzen für 50 Millionen Fans“, sagte ein Beteiligter. Die Initiative Profisport Deutschland – so der offizielle Name – repräsentiert die Fußball-Bundesliga, die Basketball-Bundesliga, die Deutsche Eishockey-Liga und die Handball-Bundesliga.

Sprecher wird Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Offiziell wollten weder die DFL noch andere Verbände Stellung nehmen. Als Stellvertreter soll Jan Pommer, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, fungieren. Aufgabe der Initiative Profisport soll es sein, in Bund und Ländern die Interessen des Sports besser durchzusetzen. „Die Politik muss stärker unsere Interessen berücksichtigen. Wir brauchen faire Rahmenbedingungen“, sagte ein Sportfunktionär. Schließlich sei der Profisport eine Wachstumsbranche, die viel Steuern zahle.

Den Sportverbänden brennt insbesondere der Markt der Sportwetten auf den Nägeln. Trotz des jüngsten Korruptionsskandals fordern sie eine Öffnung des Wettmarkts, um vor allem den Amateursport zu fördern. Auch eine Liberalisierung des Kartellrechts steht nach Angaben der Gründer auf der Agenda. Der Deutsche Olympische Sportbund, der den Amateursport vertritt, wurde von der Gründung vorab informiert und soll in die Verbandsarbeit einbezogen werden.

Zuletzt war die DFL, der Verband der 36 Klubs der Fußball-Bundesligen, am Bundeskartellamt gescheitert. Die DFL wollte die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga an den Medienunternehmer Leo Kirch für rund 500 Mio. Euro pro Saison verkaufen. Doch das drei Mrd. Euro schwere Geschäft wurde untersagt, die Liga nimmt etwa 90 Mio. Euro weniger pro Saison ein.

Constantin Medien: Die Erfindung der Lautlosmethode

Viele Bühnen gibt es im deutschen Mediengeschäft, die Manager für den großen Auftritt nutzen können. Einer, der das Scheinwerferlicht aber scheut, ist Bernhard Burgener. Der Vorstandschef und Großaktionär der Constantin Medien hält sich von roten Teppichen fern. Auftrittsmöglichkeiten hätte der Medienunternehmer eigentlich genug im eigenen Haus. Schließlich gehört die Constantin Film, die Kinoerfolge wie den Streifen “Baader-Meinhof-Komplex” und die Literaturverfilmung “Das Parfüm” produziert hat, zum weit verzweigten Konzern.

Doch Burgener schätzt die Lautlosmethode. So ist er aufgestiegen als Unternehmer und Manager. Unauffälligkeit und Bescheidenheit sind Tugenden, die der Konzernlenker verinnerlicht hat. Burgener, der zurückgezogen mit seiner Familie im Baseler Hinterland lebt, hat sich in München ehrgeizige Ziele gesetzt. Er will Constantin Medien, die aus dem Filmunternehmen Highlight, der Constantin Film und der früheren EM Sport Media hervorging, im Fernseh-, Film- und Rechtegeschäft zu einem führenden Spieler machen.

Um das zu erreichen, muss Burgener, ein enger Vertrauter des Großaktionärs Leo Kirch, noch zahlreiche Baustellen schließen. Einige – wie die Kapitalerhöhung und der Verkauf von Beteiligungen an der Satellitenfernsehtochter Premiere Star und dem Dienstleister Creation Club – sind bereits erledigt. Auch den größten Brocken hat Burgener bereits in Angriff genommen: der Umbau der Sporttochter. Ab nächstem Jahr wird das Deutsche Sportfernsehen (DSF) unter dem neuen Namen Sport 1 an den Start gehen. Der Spartenkanal wird damit auf den Namen der Internettochter getauft. Burgener will Sport 1 als Dachmarke etablieren und auch inhaltlich einen Neuanfang machen. Beispielsweise verzichtet das DSF künftig auf Sexfilme am späten Abend. Im Gegenzug soll das DSF wieder zu seiner alten Stärke zurückfinden, nämlich mehr Livesport ausstrahlen – jährlich 1 100 Stunden. Burgener nimmt bei seinem radikalen Umbau keine Rücksicht auf Arbeitsplätze. Allein bei der Sporttochter fallen nun 42 Stellen weg. Auch auf der Führungsebene trennte er sich von Managern.

Am Donnerstag wird Constantin Neunmonatszahlen vorlegen. Die Perspektiven sind für das Unternehmen in einem rückläufigen Werbemarkt nicht einfach. Eine Atempause schafft ein außerordentlicher Ertrag von 30 Millionen Euro. Das ist eine Kompensation durch einen gerichtlichen Teilvergleich mit dem früheren Vorstand und Aufsichtsrat des einstigen Börsenlieblings EM.TV. Burgener setzt bei seinem Wachstumskurs auf das Sport- und Eventmarketing. Constantin vermarktet die Champions League, Europa League sowie den Eurovision Song Contest.

Der Konzern ist mittlerweile fest in Schweizer Hand. Alle wichtigen Entscheidungen werden von Burgener und seinem langjährigen Vertrauten, Finanzvorstand Antonio Arrigoni, getroffen. Die Großaktionäre Leo Kirch und Dieter Hahn glauben an das Tandem. Schließlich hat der Vorstand in diesem Jahr einen Umsatz von einer halben Milliarde Euro und ein positives Ergebnis versprochen. Schon bald wird das Duo den Beweis liefern – sonst steht Ärger ins Haus.