Wenn Christian Seifert öffentlich auftritt, gibt er den Strahlemann – wie zuletzt beim Horizont-Award in Frankfurt. Der Geschäftführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat allen Grund, bester Laune zu sein. Denn in der Saison 2008/2009 haben die 36 Profiklubs eine Rekord-Bilanz vorlegt. Zum ersten Mal hat es die Liga geschafft, die Grenze von zwei Milliarden Euro zu überspringen. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage steigerte der deutsche Profi-Fußball seine Erlöse um mehr als fünf Prozent auf 2,036 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Vor vier Jahren war es noch 1,52 Milliarden Euro.
Kann die DFL diese Erfolgsgeschichte aber weiter schreiben? Die schwache Konjunktur geht auch am deutschen Fußball nicht spurlos vorüber. Heute steht die Liga auf drei Standbeinen: erstens auf Umsätzen mit Eintrittskarten, zweitens auf Einnahmen aus Werbung und Sponsoring, drittens auf Erlösen aus dem Fernsehgeschäft. Keine dieser Umsatzquellen lässt sich aber weiter kräftig steigern.
Die Tickets in den Stadien können nicht beliebig verteuert werden, auch wenn sie im europäischen Vergleich durchaus noch preiswert sind. Bereits im vergangenen Jahr wurden Eintrittskarten um fünf Prozent teurer. Das größte Problem sind aber die Werbeeinnahmen. In der vergangenen Saison nahm die Liga knapp 594 Millionen Euro ein. Luft nach oben gibt es derzeit aber kaum. Denn die Fernsehbranche stöhnt unter dem Rückgang der Reklamespots. Weniger Werbekunden und großzügige Rabatte setzen den Sendern derzeit schwer zu. Beispielsweise schreibt das DSF, ein treuer Kunde der DFL, rote Zahlen. Der Hauptfinanzier der Liga, der Bezahlsender Sky, steht ohnehin mit dem Rücken zur Wand. Erst kürzlich hatte Großaktionär Rupert Murdoch mit seinem Medienkonzern News Corp. das Problemkind mit frischem Geld versorgt. Die Liga muss sich daher auf härtere Zeiten einstellen.
Selbst im Rekordjahr sind bei genauer Betrachtung die Ergebnisse durchwachsen. Denn Gewinne macht nur die Erste Liga, die Zweitligisten schreiben insgesamt rote Zahlen.
Bei den Klubs kommt es nun darauf an, die Kosten im Griff zu behalten. Größter Posten sind die Spielergehälter. Allein in der vergangenen Saison flossen 821 Millionen Euro auf die Konten der Fußballstars. Das sind rund 40 Prozent des Liga-Umsatzes. Dieser Anteil ist im internationalen Vergleich durchaus tolerabel. Doch wenn der Fußball wirtschaftlich gesunden will, muss er die Gehälter der Helden des grünen Rasens weiter drücken. Schließlich schreiben nur elf Erstligisten und fünf Vereine der zweiten Liga überhaupt schwarze Zahlen.
Noch ist die Bundesliga in einer wirtschaftlich guten Verfassung. Die riesigen Schulden, wie sie Vereine wie Manchester United drücken, sind hier zu Lande unbekannt. Doch mit Verbindlichkeiten von 709 Mio. Euro haben die Profiklubs einen Schuldenberg angehäuft wie seit Jahren nicht mehr. Die Vereine brauchen daher eine konsequente Kostendisziplin.
Der Profi-Fußball in Deutschland steht nur dann auf einer wirtschaftlich gesunden Basis, wenn er nicht nur den sportlichen Erfolg vermehrt, sondern auch die Gewinne maximiert.

