Da sind sie wieder: bunte und womöglich noch animierte E-Mail-Weihnachtsgrüße. Kalt, leidenschaftslos, unpersönlich, ohne einen persönlichen Gruß oder wenigstens eine Unterschrift. Und sie sind vor allem: zeitraubend und PC-Speicherplatz blockierend. Und das ist das Unverzeihliche an ihnen. Sie mögen nett gemeint sein, sind aber tatsächlich nur Spardosen – weil kein Porto draufkommt, nicht mal kosten für eine Karte fallen an, ein Knopfdruck und 50 Leute sind „bedient“. Sie kosten fast nix und der so Bedachte hat auch nix davon. Er muss sich womöglich stundenlang irgendwas Besinnliches ansehen, das denselben Charme hat wie das Test-Bild nachts früher im Fernsehen. Oder wie der Zug, mit dem man als nächtlicher TV-Zuschauer durch eine Landschaft fuhr. Oder wie das TV-Kaminfeuer zur Pressekonferenz der Werbeagentur Grey vergangenen Dezember. Aber das hatte hohen Originalitätswert und das haben die wenigsten Mail-Grüße mit Fotos von Buden auf dem Weihnachtsmarkt, beleuchteten Bäumen oder Schneeflocken im Gebirge mit dem Wolken-Hintergrund nach dem Motto „die Engelchen backen wieder“.
Da lobe ich mir eine nicht-animierte, bilderlose Mail mit dafür persönlichen Worten (die nicht an einer Verteiler von Hamburg bis München geschickt werden), die irgendwie mich meinen – und keine 49 anderen ebenso.
Mich beschleicht immer der Verdacht, dass die Versender animierter Mails – die auch noch Zeit klauen – selbst noch zuviel Zeit in ihren Büros haben. Dass sie noch nicht so arbeitsverdichtet sind wie viele andere.
Da lob´ich mir die gute alte Weihnachtskarte per Post. Die kann ich sammeln, im Januar beim Aufräumen noch mal ansehen und im nächsten Jahr vielleicht vergleichen. Mal durchzählen, ob´s von Jahr zu Jahr weniger oder mehr werden, wie die Moden der Motive wechseln. Gucken, wer die Firma gewechselt hat und so schlau war, eine Visitenkarte dazuzufügen.
Was gar nicht geht ist, aber eins: Dass Chefs ihren Mitarbeitern – selbst und gerade wenn es 50 sind – eine Mail schickt (und sich womöglich in „meinen wohlverdienten Urlaub“ verabschiedet – alle schon vorgekommen und das bei renommiertesten Häusern), in der er ein frohes Fest wünscht.
Wem seine Mitarbeiter nicht den Gang durch die Abteilung und den persönlichen (!) Händedruck wert sind, der braucht sich nicht wundern, wenn er ihnen auch nichts wert ist. Und sie für ihn die Extra-Meile nicht mehr gehen.
Na dann fröhliche Weihnachten.
Fortsetzung folgt.











2 Kommentare zu “Wenn die Firma keine Weihnachtskarten mehr spendiert”
Lieber Weihnachtsmann, so geht es uns auch – haben aber eine Menge solcher Grüße bekommen!
Anstelle einer anonymen Weihnachtskarte möchte ich lieber keine bekommen!