Seit zwölf Jahren bestimmt Wladimir Putin Russlands Geschicke, er könne durchaus noch weitere zwölf Jahre regieren, kokettierte er im Gespräch mit dem Handelsblatt, wenn die Russen das wollten. Aber sie wollen nicht. Der moderne Zar wird zwar nun für sechs Jahre als Präsident in den Kreml zurückkehren, doch sein Wahlsieg an diesem Sonntag ist kein Triumph. Es ist der Anfang von Putins Ende.
Es war Boris Jelzin, der chaotische Zerstörer, der Putin zur Jahrtausendwende das russische Reich in den Schoß legte. Stabilität war das Gebot der Stunde, und Putin lieferte. Mit Demokratie und Bürgerrechten hatte er nie etwas am Hut, er wollte Russland wieder groß und mächtig machen. Der Staat ist nach Putins Philosophie nicht für den Menschen da, sondern der Mensch für den Staat.
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Damit kam Putin an, bei den Menschen in Russland, die Angst vor Bürgerkrieg und Verarmung hatten, und auch bei den westlichen Regierungen, die einen Horror vor einem „Obervolta mit Atomwaffen“ hatten. Putin, zunächst als Premier, dann als Präsident, dann als Premier, zentralisierte den Staat neu und besetzte nahezu alle Schlüsselpositionen mit treuen Gefolgsleuten.
Und tatsächlich prosperierte das Land. Die Wirtschaft wuchs Jahr für Jahr um rund acht Prozent, in den Städten gedieht neben der dünnen Schicht der irre Reichen auch eine respektable Mittelschicht, die sich ihre politischen Rechte zunächst mit ihrer Teilhaben am Aufschwung abkaufen ließen.
Doch inzwischen zeigt sich, dass der Aufschwung ein Strohfeuer war, zwar ein gewaltiges, aber ohne Substanz. Russland lebte und lebt fast ausschließlich von seinen Rohstoffen und profitierte von der steigenden Weltnachfrage. Doch Putins Reformen und Modernisierungen fanden nicht statt, die Nachteile der Wirtschaftsstruktur wurden konserviert – und selbst im Energiesektor wurde viel zu wenig investiert.
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Und auch der Wohlstand der Mittelschicht schützt Putin nicht mehr. Im Gegenteil: die gebildeten Stadtbewohner haben genug von Stabilität, die nichts anderes als Bevormundung ist. 40 Prozent der jungen Russen denkt an’s Auswandern, schon lange. Aber inzwischen denken immer mehr an’s Bleiben – um zu protestieren.
Die unverschämte Fälschung der Parlamentswahl im Dezember hatte das Fass zum Überlaufen gebracht, die Massendemonstrationen zur Jahreswende haben ein neues Klima geschaffen. Plötzlich ist die Angst vieler Menschen verschwunden, sie treten offen und öffentlich für ihre Rechte ein. Sie fordern einen modernen Staat, der mit dem Paternalismus der vergangenen zwölf Jahren aufräumt, die Korruption beseitigt und offenen Wettbewerb auf allen Ebenen zulässt: politisch und wirtschaftlich.
All das kann und will Putin nicht liefern. Die nächsten Jahren werden für ihn nicht leicht, der Widerstand wird wachsen. Daher sollte er schon jetzt darüber nachdenken, wie er einen ehrenhaften Abgang inszenieren und seine Kamarilla vor der drohenden Strafverfolgung schützen kann. Spätestens zur Hälfte dieser neuen sechsjährigen Amtszeit – und nicht nach ihrer Verlängerung. Und wenn er glaubt, er könne seinen Nachfolger selbst auswählen, dann sollte er das schnell vergessen.











19 Kommentare zu “Götterdämmerung”
Das Problem Ihres Berichtes ist, dass er voll in der westliche Anti-Putin-Linie liegt, die aber ganz leicht, dank Internet zu demasieren ist. Die Opposition und die Orangenen Kräfte in Russland wäre ohne die ausländischen NGOs nichts. Sie blasen hier, ohne Quellenangaben, eine Wahlfälschungsmasche auf, die nicht verfängt: “die gebildeten Stadtbewohner haben genug von Stabilität, die nichts anderes als Bevormundung ist. 40 Prozent der jungen Russen denkt an’s Auswandern, schon lange. Aber inzwischen denken immer mehr an’s Bleiben – um zu protestieren.” Quelle?
Die Frage ist, wieviel Kritik und Offenheit verträgt das russische Reich, ohe noch weitere Risse zu bekommen. Unter Jelzin wurde nach der Diktatur der Sovjets erst mal der Staat geplündert. Die Plünderungen hat Putin damals zurecht rückgängig gemacht, auch wenn die Methoden und Schauprozesse teilweise nicht dem westlichen Vorstellungen entsprachen.
Aber was meint der Russe, wenn er von Freiheit spricht? Die Freiheit, zu bestechen, zu unterschlagen, liberalisierte Materialbeschaffung nach sovjetischem Vorbild oder meint er Gedanken- und Gewerbefreiheit, wie wir sie verstehen? Ein echtes Freiheitsverständnis muß wachsen und das braucht Jahre, denn zuviel Freiheit lädt zum Mißbrauch genauso ein, wie eine zu große Machtkonzentration. Aber wieviel Freihet verträgt ein Land, daß in den Jahrhunderten seiner Geschichte nur von der Knute regiert wurde und das echte Freiheit unbd den Umgang damit erst einmal lernen muß
Angesichts der Zustände in der EU, die alles und jedes mit europäischen Normen reglementierne will, dazu den hauseigenen Problemen von Ämterpatronage und vielerlei Seilschaften sollten wir uns mit Ratschlägen zurück halten. Wir sind auch ein Land, in dem sich Parlarmentarier selbst bedienen können, wie NRW gerade wieder gezeigt hat, ein LAnd, in dem Bankvorstände mal eben einen Weinkeller vom alten Arbeitgeber zum neuen Arbeitgeber transportieren lassen etc..
Sauber sind wir auch nicht…
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wünschen wir Herrn Watzlawek also weiterhin alles Gute.
In unseren Kreisen indes galt und gilt stets: das erste Mal war das letzte Mal.
So gesehen, nur so gesehen, hat Herr Watzlawek also alles richtig gemacht.
fein.
Sehr geehrter Herr Watzlawek,
ich bin der Meinung, dass man diese Situation sowohl aus einer westlichen Sicht als auch aus einer östlichen Sicht betrachten soll.
Natürlich hat Herr Putin ein schlechtes Image in den meisten westlichen Ländern, aber es wäre doch hilfreicher, dafür gute Gründe zu nennen mit Fakten.
Man kann auch ganz mühsam einen Text verfassen, welcher z.B. Vorteile und Nachteile vom Herrn Putin beinhaltet. Es wird zwar dadurch keine exakte Antwort geben, ob Herr Putin die einzige Alternative Russlands ist oder nicht, aber es erregt zumindest jeden Leser zum Nachdenken.
Es gibt sehr viele unsachliche und provokante Kommentare von annonymen Lesern, welche absolut gegen Putin sind. Sie sind aber auch von den Medien beeinflußt, welche nur propagieren, dass alles außer dem Westen schlecht ist.
Die meisten Argumente von solchen Kritikern sind doch: Anti-Demokratie von Putin.
Sind die westlichen Länder besser?
Da Sie ja Russland ganz gut kennen, was man Ihrer Meinungsäußerung, auch sie respektiere ich, nicht unbedingt zwangsläufig entnehmen kann, fragt man sich natürlich als Mitteleuropäer, was Sie mit den ganzen, in Rußland wohlgesetzten Dosen von Vodka eigentlich gemacht hat.
Gut: Sie werden sie vermutlich in die Palme hinter sich gegossen haben.
Glauben Sie tatsächlich, dass irgendein Russe das nicht gesehen hatte, oder ander bei Ihren “Russenrecherchen”?
bitte entschuldigen Sie meine Aufgebrachtheit, gleichwohl wünsche ich Ihnen für Ihre weitere schreiberische Entwicklung das Beste.
Beste Grüße von Haus zu Haus
“Ich kenne Russland gut – und betrachte es aus tatsächlich aus einer westlichen Sicht, ”
Aus einer westlichen Sicht?
Sie argumentieren wie ein KGB Beamter, der grad noch bei der Home Security untergekommen war, um seinen Aufsatz beim Handelsblatt unterbringen zu können.
Politische Wissenschasften: das ist kein akklamatorischer Ego-Shooter.
“Seit zwölf Jahren bestimmt Wladimir Putin Russlands Geschicke, er könne durchaus noch weitere zwölf Jahre regieren, kokettierte er im Gespräch mit dem Handelsblatt, wenn die Russen das wollten. Aber sie wollen nicht. Der moderne Zar wird zwar nun für sechs Jahre als Präsident in den Kreml zurückkehren, doch sein Wahlsieg an diesem Sonntag ist kein Triumph. Es ist der Anfang von Putins Ende.”
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das ist das erste und das letzte Mal das ich mich mit Angabe meiner persönlichen Daten melde.
Bitte entschuldigen Sie.
Auf einem politischen Proseminaristenausflug hatte ich mich bis dato nicht wähnen dürfen.
Indes, Sie scheinen mich eines Besseren belehren zu wollen.
Hiermit melde ich Protest hinsichtlich Ihrer politisch ambitionierten Insinuationen an.
Gleichwohl möchte ich es hier nicht auf einen Affront ankommen lassen.
Ich respektiere Sie.
bitte respektoeren Sie auch mich.
Dafür wäre ich Ihnen dankbar.
Vielen Dank.
Mit freundlichen Grüßen
Mario Kelle
Lieber Herr K., ein Kommentar (und ein Blog-Eintrag) erst Recht, ist kein objektiver Zeitungsartikel, sondern eine Meinungsäußerung. Ich kenne Russland gut – und betrachte es aus tatsächlich aus einer westlichen Sicht, die aber von der Sicht aufgeklärter, moderner Russen nicht weit entfernt ist. Meine Meinung habe ich geäußert, Sie kritisieren das. Was ist denn Ihre Meinung?
“……, er könne durchaus noch weitere zwölf Jahre regieren, kokettierte er im Gespräch mit dem Handelsblatt, wenn die Russen das wollten. Aber sie wollen nicht”.
-Also wer sind die Russen? Und wie viele Russen?
“40 Prozent der jungen Russen denkt an’s Auswandern, schon lange. Aber inzwischen denken immer mehr an’s Bleiben – um zu protestieren”.
-Quelle? Ein guter Versuch, uns zu appelieren.
Ihr Kommentar ist zu einseitig und Sie betrachten die russische Situation aus der westlichen Sicht (Kein Wunder).
Ein Zeitungsartikel muss nicht nur objektiv geschrieben werden, aber auch ihre Meinung muss vorhanden sein.
Ihre Meinung ist vorhanden, aber keine objektive Beobachtung.