Mit Massenverhaftungen geht Peking gegen die Proteste der Uiguren in Xinjiang vor, hat die Lage aber offenbar noch nicht im Griff. Die Unruhen könnten auf andere Städte und womöglich andere Provinzen übergreifen. Die wichtigsten Quellen, Tweets, Videos.Alle Einträge in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.
Hinweise bitte über das Kommentarfeld oder Twitter: gwatzlawek
Weitere Informationsquellen finden sich weiter unten.
17.45 MEZ – Fazit am Ende des dritten Tages
Größere Krawalle sind am Dienstag ausgeblieben, vor allem mit Massenverhaftungen sorgt das Regime für Angst. Aber noch sind die Uiguren nicht geschlagen, bilanziert Quentin Sommerville, für die BBC in Urumqi:
I wouldn’t have thought that thousands of Han Chinese would be able to walk freely through a Chinese city and march and shout slogans.
Xinjiang is one of the most tightly-controlled parts of the country. Those controls seem to have slipped quite considerably.
17.30 MEZ – Lesestoff der internationalen Medien
- John Gittings, Guardian: For years, Beijing has talked up the threat of ethnic separatism in Xinjiang. Is reality finally catching up with the story?
- Phelm Kine, NYT: Leaning on the dragon
- John Lee, Foreign Policy: Why Bejing won’t compromise
17.10 MEZ – Twitter-Nachrichten aus Xingjiang
Auch wenn Twitter längst nicht die gleiche Rolle einnimmt wie in Iran – es gibt doch eine Reihe von Twitter-Feeds von Journalisten und Experten, die Realtime-Nachrichten liefern. Zum Beispiel:
- @melissakchan berichtet für al Jazeerah aus Xingjiang
- @austinramzy schreibt für Time
- @rmack befasst sich in Hongkong mit New Media
- @mranti arbeitet als Journalist in Peking
- @MalcolmMoore schreibt für den Telegraph in Schanghai
16.58 MEZ – Noch eine Frau: Rabiye Kadeer
Auch die Exil-Uiguren werden von einer Frau angeführt, die offenbar eine echte Ausnahmeerscheinung ist. Hier das offizielle Porträt auf der Seite der World Uyghur Congress, dem sie vorsteht. Dpa fasst die Biografie von Rabiye Kadeer zusammen:
Kadeer wuchs in relativer Armut in Xinjiang heran, begann dann mit einer Wäscherei und wurde in den 90er Jahren eine der erfolgreichsten Geschäftsfrauen in China. In Ürümqi hatte sie ein Warenhaus, wurde Mitglied der KP, stieg in deren Rängen auf und wurde schließlich Abgeordnete im Volkskongress.
Doch die brutale Niederschlagung uigurischer Proteste 1997 durch die Armee rüttelte ihr Leben auf. Als sie 1997 die Politik der Regierung in Xinjiang verurteilte, wurde sie aus dem Volkskongress ausgeschlossen. 1999 verurteilte sie ein Gericht wegen angeblicher Weiterverbreitung von Staatsgeheimnissen zu acht Jahren Gefängnis. Kadeer hatte ihrem im US-Exil lebenden Ehemann Zeitschriften-Ausschnitte geschickt.
Im Gefängnis wurde sie nach eigenen Angaben Zeugin von Folter, Vergewaltigungen und Hinrichtungen. 2005 wurde Kadeer „wegen gesundheitlicher Probleme“ vorzeitig entlassen. Seither lebt sie in Washington und ist Chefin des Uigurischen Weltkongresses.
In den USA veröffentlichte die Mutter von elf Kindern das Buch „Die Himmelsstürmerin: Chinas Staatsfeindin Nr. 1“, in der sie ihr Leben schildert. Sie wurde mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert und galt zuletzt 2008 als aussichtsreiche Kandidatin.
16.45 MEZ – Und wieder sind es die Frauen
Wie bereits in Iran sind es auch in Xinjiang die Frauen, die den Protest vorantreiben und die Freilassung der Verhafteten fordern. Der Guardian hat dazu ein Video. Die Zeit zeigt die Frauen eindrucksvoll in einer Fotogalerie.
15.53 MEZ – Internet-Blockade – nicht nur in China
Die technische Plattform, auf der auch dieses Blog basiert, war für mehrere Stunden am Boden, Updates waren nicht möglich, von einem Live-Blog kann daher leider keine Rede sein.
13.23 MEZ – Wie Peking den Informationsfluss kontrolliert
Die Regierung lässt zwar ausländische Journalisten nach Peking, führt sie aber am engen Zügel. Der Hauptaugenmerk scheint aber auf dem Informationsfluss im Inneren des Landes zu liegen – der wird blockiert bzw. zensiert. Die NYT fasst die Strategie zusammen:
It also took one most unusual step: Hours after troops quelled the protests the state invited foreign journalists on an official trip to Urumqi, Xinjiang’s capital and the site of the unrest, “to know better about the riots.” Indeed, it set up a media center at a downtown hotel to keep arriving reporters abreast of events.
12.34 MEZ – Unruhen eskalieren zum Bürgerkrieg
Zunächst hatten sich nur die Sicherheitskräfte und die Uiguren bekämpft, jetzt bekriegen sich die Han-Chinesen und die Uiguren in Xinjiangs Provinzhauptstadt direkt, berichtet Reuters:
Mit Messern und Eisenstangen bewaffneten Chinesen griffen Geschäfte von Uiguren an und durchbrachen eine Polizeikette, die die verfeindeten Volksgruppen auseinanderhalten sollte. Die Zahl der Toten der Krawalle vom Sonntag stieg auf 156, mehr als 1000 Menschen wurden verletzt, über 1400 festgenommen.
„Greift die Uiguren an“, riefen Chinesen während der gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der muslimischen und turksprachigen Bevölkerungsgruppe, die etwa die Hälfte der 20 Millionen Bewohner der Provinz stellt. „Sie haben uns angegriffen, jetzt schlagen wir zurück“, rief ein Mann in der Menge. Andere forderten zur Einigkeit auf und stimmten die chinesische Nationalhymne an.
Sicherheitskräfte gingen gegen Uiguren vor, die in der Provinzhauptstadt Urumqi gegen die Inhaftierung von Angehörigen protestierten. Die Uiguren warfen den Behörden willkürliche Festnahmen vor. „Wir machen nur unsere Geschäfte. Aber die kamen her und nahmen jeden mit, dessen Gesicht ihnen nicht gefiel“, klagte ein Kaufmann.
8.30 Aktuelle Lage: einzelne Proteste, Massenverhaftungen
Mein Kollege Andreas Hoffbauer liefert aus Peking einen aktuellen Lagebericht, und geht auch auf die Arbeitsbedingungen für Journalisten in der Provinzhauptstadt Urumqi ein. Auszüge:
“Die ganze Sache lief völlig aus dem Ruder”, berichtete ein vor Ort anwesender Reporter dem Handelsblatt am Telefon. In einem ungewöhnlichen Schritt hatte die Pekinger Regierung ausländischen Journalisten zuvor den Zugang nach Urumqi erlaubt, damit sie sich ein Bild über die Folgen der bisherigen Ausschreitungen machen können. Nach den Unruhen in Tibet vor einem Jahr hatte China die Region für ausländische Reporter geschlossen. Allerdings sind die Journalisten in Urumqi genau kontrolliert, berichten Teilnehmer, sie können sich nicht frei bewegen.
Die Ereignisse der letzten Tage:
Liveblog China (1): Uiguren testen Peking
Weitere Informationsquellen:
Twitter: China, Xinjiang, Urumqi, #CX09
Wikipedia: July 2009 Ürümqi Riots
Youtube: aktuelle Videos zu Urumqi
Aggregationsseiten: drop.io











12 Kommentare zu “Live-Blog China: Repression gegen Uiguren”
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