Eine Woche ist seit dem Massaker vergangen, die Staatsmacht hat die Straßenproteste weitgehend im Griff. Heute richten sich die Blicke auf das Freitagsgebet – und die stillen Proteste per Luftballon.Einträge in umgekehrt chronologischer Reihenfolge
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Ganz unten die Chroniken vergangener Tage.
17.16 MEZ – Macht sich in Teheran Depression breit?
Die Stimmung der Oppositionsbewegung scheint auf dem Tiefstpunkt zu sein. Das Regime hat mit der Freitagspredigt (siehe unten, 16.40 MEZ) noch einmal die Zügel angezogen – doch was vor einer Woche noch zur Eskalation führte scheint jetzt in angstvoller Lähmung zu münden.
Offenbar zu Recht: das Regime hat mit der gezielten Erschießung von Demonstranten und der Verfolgung von Aktivisten im Internet ein Klima der Angst erzeugt. Der Twitter-Verkehr aus Iran ist nahezu verstummt, nachdem Gerüchte die Runde machten, das Regime spüre alle Telefonanschlüsse auf, die einen hohen Datenverkehr auswiesen.
ABC-Korrespondentin Lara Setrakian twittert Mails, die sie auch Iran erreicht haben – und ein Bild von der Stimmung vermitteln:
- Confirmed firsthand account of another "Allahu Akbar" protester killed on the rootfop, this one in Tehran.
- e-source: "Tehran is very very quiet. There’s anger & passion, but going out to show it doesn’t seem very productive and is very dangerous"
- e-source:"there has to be a ray of hope, there doesn’t seem to be any. having said that, things will never be the same. The taboo is broken"
16.55 MEZ – Mussawi wird immer stärker isoliert
Das Regime geht immer offener gegen Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi vor. Heute verlor er zeitweise seine Internetseite. Im Moment ist Ghalam-News aber wieder online. Jedoch wurden viele Mitarbeiter verhaftet, Mussawi steht faktisch unter Hausarrest. AP hat mehr Informationen über die wachsende Isolierung Mussawis:
In a message on the site late Thursday, Mousavi had said he would seek permission for future protests, even though he said unfair restrictions were being imposed. He said he has been asked by the Interior Ministry to apply in person, a week ahead of time.
Mousavi has said the authorities are pressuring him to withdraw his challenge by attempting to isolate and discredit him. Khamenei has ordered a large security detail around Mousavi — ostensibly to protect him, but presumably also to restrict his movements. Authorities have also targeted those close to Mousavi.
16.40 MEZ – Mehr Details zur Freitagspredigt
AP bringt eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Aussagen aus der Freitagspredigt des ultrakonservativen Ajatollahs Ahmad Chatami (nicht zu verwechseln mit dem Reformer Mohammed), die im ganzen Land übertragen wurde:
Khatami said those who disturbed the peace and destroyed public property were "at war with God," they should be "dealt with without mercy." He reminded worshippers that Iran’s supreme leader, Ayatollah Ali Khamenei, rules by God’s design and must not be defied.
"In this unrest, Britons have behaved very mischievously and it is fair to add the slogan of down with England to slogan of down with USA." Chatamis remarks were interrupted by worshippers’ chants of "Death to Israel."
Khatami alleged that the icon of the opposition, slain protester Neda Agha Soltan, was killed by demonstrators, not the Iranian security forces. "The proof and evidence shows that they (protesters) have done it themselves and have raised propaganda against the system. I say hereby that these deceitful media have to know that the ordeal will be over and shame will remain for them."
16.30 MEZ – Foto des Tages: Mülltüten statt Ballons
Bislang gibt es keine Berichte über Ballonaktionen, aber bei TwitPic ist dieses Foto aufgetaucht, angeblich heute in Teheran aufgenommen. Der gleiche User hat zwei weitere Fotos eingestellt, was für die Authentizität spricht.
16.15 MEZ – Ein weiteres Mord-Video
Bei Youtube ist ein weiteres Video aufgetaucht, dass die Ermordung eines Demonstranten zeigt (Vorsicht, nichts für schwache Nerven!). Das Video ist nicht datiert, aber es zeigt eine Gruppe von Steinewerfer in einer Szene, wie sie sich vor allem am vergangenen Samstag ereignet hatten. Es sind zahlreiche Schüsse zu hören, plötzlich geht ein Demonstrant zu Boden. Zum Schluss ist der Schwerverletzte zu sehen, dem offensichtlich in den Kopf geschossen wurde.
16.00 MEZ – Opposition soll Neda selbst umgebracht haben
Der ultrakonservative Ahmad Chatami hat der Oppositionsbewegung bei seiner Freitagspredigt (siehe unten, 13.30) vorgeworfen, selbst für die Ermordung von Neda Soltani verantwortlich zu sein. dpa zitiert:
Auch der staatliche Sender PressTV greift die Aussage in einem Bericht über die Predigt auf. Dort heißt es:
15.45 MEZ – Alle Demotermine Deutschland
Ein Leser hat mich inzwischen auf diese ausführliche Terminübersicht mit Protestveranstaltungen in Deutschland aufmerksam gemacht – vielen Dank.
14.23 MEZ – Proteste in Deutschland
Bislang habe ich keine Übersicht von Protestterminen in Deutschland gefunden, ein paar (nicht überprüfte) Hinweise.
- Bochum, Fri 26 Juni, 5-7PM, Dr.-Ruhr-Platz
- Dusseldorf, June 26 20:00 Rathaus
- Mainz, Fri 26 Juni, 6PM, Gutenbergplatz
- Cologne 27.6., 14 Uhr, Rudolfplatz
- Heidelberg, June 27, 12pm Bismarckplatz
13.30 MEZ – Freitagsgebet verschärft Tonlage dramatisch
Das Freitagsgebet hielt Ahmad Chatami, ein Hardliner aus dem Umfeld von Ahmadinedschad – und er fordert die Justiz auf, ohne Bedenken harte Strafen bis hin zur Todesstrafe gegen "Randalierer" zu verhängen, berichtet Reuters:
Khatami, a member of the Assembly of Experts, said judges should charge the leading "rioters" as "mohareb," or the one who wages war against God. "Based on Islamic law, whoever confronts the Islamic state … should be convicted as mohareb," he said in a speech broadcast live on state media.
They should be punished ruthlessly and savagely. Under Iran’s Islamic law, punishment for people convicted as mohareb is execution."
12.30 MEZ – Iran und Twitter: völlig überschätzt?
Das Twitter-Phänomen hat durch die Entwicklung in Iran einen enormen Auftrieb bekommen, selbst viele der hartnäckigen Skeptiker mussten einsehen, dass der Dienst als schneller Nachrichtenkanal wertvolle Dienste leisten kann. Das heißt aber nicht, dass die Twitter-Community plötzlich politisch geworden ist, wie der King of Pop und @EthanZ deutlich machent:
Aktuell führen bei Twitters Trend-Themen vier verschiedene Stichworte zu Michael Jackson, dann folgt Frarah Fawcett und erst auf Platz 6 kommt #iranelection.
12.10 MEZ – Wo bleiben die Luftballons?
In Iran selbst sollte die Luftballon-Aktion um 13 Uhr Ortszeit (10.30 MEZ) starten – doch bislang kann ich keinerlei Berichte finden, die meisten einschlägigen Twitterer im Land schweigen (derzeit). Für Deutschland war als Startzeitpunkt 17 Uhr angegeben worden, aber auch das war nicht ganz klar.
11.40 MEZ – Wächterrat bestätigt Wahlergebnis
Der Wächterrat hat die versprochene Überprüfung der umstrittenen Wahlergebnisse "weitgehend" abgeschlossen, das Ergebnis (Quelle: Reuters:
8.55 MEZ – Name von Nedas Mörder bekannt?
Die BBC hat ein Interview mit Arash Hejazi geführt, dem Arzt, der versucht hatte, das Leben von Neda Soltani zu retten, der am vergangenen Samstag in den Hals geschossen worden war. Er hat das Land inzwischen verlassen und schildert seine Version des Mordes:
We heard a gunshot. Neda was standing one metre away from me. I turned back and I saw blood gushing out of Neda’s chest. She was in a shocked situation, just looking at her chest. Then she lost her control. We ran to her and lay her on the ground. I saw the bullet wound just below the neck with blood gushing out. I have never seen such a thing because the bullet, it seemed to have blasted inside her chest, and later on, blood exiting from her mouth and nose."
Dr Hejazi said he first thought the gunshot had come from a rooftop. But later he saw protesters grab an armed man on a motorcycle. "People shouted ‘we got him, we got him’. They disarmed him and took out his identity card which showed he was a Basij member.
People were furious and he was shouting, ‘I didn’t want to kill her’. "People didn’t know what do to do with him so they let him go. But they took his identity card. There are people there who know who he is. Some people were also taking photos of him."
"It was a tough decision to make to come out and talk about it but she died for a cause. She was fighting for basic rights… I don’t want her blood to have been shed in vain. She died on the streets to say something.
They are going to denounce what I am saying. They are going to put so many things on me. I have never been in politics. I am jeopardising my situation because of the innocent look in her (Neda’s) eyes."
8.35 MEZ – Lesestoff: Brzezinski, Rafsandschani
Das gestern bereit angekündigte Interview mit Ex-Sicherheitsberater Brezezinski von meinem Kollegen in Washington, Markus Ziener, ist jetzt in der Langform online. Der Mann, der während des Schahsturzes die US-Sicherheitspolitik gemanaged hat, sieht Iran mittelfristig auf dem Weg zu einem freien, modernen Land – mit gewaltigen geopolitischen Konsequenzen.
Mein Kollege in Berlin, Mathias Brüggmann, hat sich die geschäftlichen Hintergründ von Strippenzieher Rafsandschani angeschaut – und erklärt heute im Handelsblatt, warum der Ex-Präsident auch aus wirtschaftlichen Gründen mit Revolutionsführer Chamenei (und dessen mysteriösen Sohn) über Kreuz liegt. (Noch nicht online, liefer ich nach.)
Bereits in dieser Analyse hatte Brüggmann dargelegt, dass die Lagerbildung innerhalb des Mullahregime nicht um religiöse und auch weniger um politische, als vielmehr um wirtschaftliche Interessen geht. Pflichtlektüre!
8.15 MEZ – Großajatollah drängt auf nationale Versöhnung
Der hochangesehene Ajatollah Nasser Makarem-Shirazi hat eindringlich alle Seiten zur Versöhnung aufgerufen. In seiner Analyse der Lage kritisiert er indirekt die Opposition, aber er fordert auch eine grundlegende politische Neuordnung – was gegen den von Ahmadinedschad und Chamenei repräsentierten Status-quot geht. Der staatliche Sender PressTV zitiert:
Definitively, something must be done to ensure that there are no embers burning under the ashes, and (to ensure) that hostilities, antagonism and rivalries are transformed into amity and cooperation among all parties."
8.00 MEZ – Die Agenda des Tages
Noch ist nicht bekannt, wer heute das Freitagsgebet hält. In der vergangenen Woche hat Revolutionsführer Ali Chamenei die Gelegenheit genutzt, die Lage anzuheizen. Es gibt Gerüchte, dass heute sein Opponent Rafsandschani das Wort ergreifen dürfe – aber das wäre eine Sensation.
Oppositionsführer Mussawi opponiert beharrlich weiter. Nachdem er gestern (alle Zitate im Liveblog) seine Forderung nach Neuwahl wiederholt und die Verantwortlichen für die Todesopfer benannte hatte rief er seine Anhänger zu friedlichen Protesten auf. Heute um 17 Uhr MEZ sollen überall in Iran, aber auch überall in der Welt, grüne und schwarze Luftballons in den Himmel steigen, mit der Aufschrift: "Neda – Du wirst immer in unserem Himmel bleiben."
7.45 MEZ – Was in der Nacht geschah
Nach den raschen und harten Niederschlagung der Proteste vor dem Parlament blieb es gestern in Teheran offenbar weitgehend ruhig, die friedlichen Proteste halten aber an. Das Liveblog der NYT zitiert einen Augenzeugen:
Internationale Presseschau – laufend aktualisiert
The Iran-Chronicles – alle Live-Blogs seit der Wahl:
Donnerstag, 25.6.
Madagaskar, Handelsblatt
The Lede, NYT
Newsblog, Guardian
Mittwoch, 24.06
Madagaskar, Handelsblatt
The Lede, NYT
Newsblog, Guardian
Dienstag, 23.06.
Madagaskar, Handelsblatt
The Lede, NYT
Montag, 22.06.
Madagaskar, Handelsblatt
Newsblog, The Guardian
The Lede, New York Times
Nico Pitney, Huffington Post
A Social Media Timeline, Mashable
Sonntag, 21.06
Madagaskar, Handelsblatt
Newsblog, The Guardian
The Lede, New York Times
A Social Media Timeline, Mashable
Nico Pitney, Huffington Post
Samstag, 20.6.06
Madgaskar, Handelsblatt
Newsblog, Guardian
The Lede, New York Times
Nico Pitney, Huffington Post, Part I, Part II
Freitag, 19.6.06
Madagaskar, Handelsblatt
Newsblog, The Guardian
The Lede, The New York Times
Nico Pitney, Huffington Post
Donnerstag, 18.6.06
Madagaskar, Handelsblatt
Newsblog, The Guardian
The Lede, New York Times
Mittwoch, 17.6.06
Madagaskar, Handelsblatt
Newsblog, The Guardian
The Lede, New York Times
Nico Pitney, Huffington Post
Dienstag, 16.6.06
Newsblog, The Guardian
The Lede, New York Times
Nico Pitney, Huffington Post
Montag, 15.6.06
Newsblog, The Guardian
Nico Pitney, Huffington Post
Sonntag, 14.6.06
Nico Pitney, Huffington Post
Samstag, 13.6.06
The Lede, New York Times











19 Kommentare zu “Live-Blog Iran (14): Tausend Luftballons”
Ich bin ja mal gespannt, was die nun deutlicher angesprochenen/ angedrohten Konsequenzen von Seiten der Amerikaner bewirken. Auf dem kurzen Ende wohl eher nichts.
http://trailfire.com/williamdrakeford228
Krass! Hätte ich garnicht gedacht…
Tja, das Leben kann so scheisse sein, mann muss sich nur mühe geben.
Da fragt man sich beim lesen ja schon, ob man nicht irgendwie auf den Kopf gefallen ist.
Jetzt darf der gerade ernannte Vizepräsident nicht antreten.
Laut Presseberichte ein Verwandschaftsfall. Bin mal gespannt wie es weitergeht.
Wenn ich das so mit Deutschland vergleiche: Töchterchen von dem ist das, söhnchen von diesem ist jenes. Sind natürlich untereinandere keine Verwandten.
Wieviel “echte” Sozialhilfekinder oder auch nur einfache Handwerkerkinder (nicht einfachste IG Metall Arbeiter etc.)sind prozentual in der Politik in Deutschland oder EU vertreten?
Stimmte, es gibt einige Landwirte und etliche Vertreter von Lehrern oder Sozialberufen.
Doch ver vertritt die 6 Millionen Menschen im Niedriglohnbereich, jemand der sich beispielsweise alleine nur mit gesetzlichen Sozialversicherungen auskennt (keine Beamten)? Und zwar aus der Praxis.
Wer ist von denen in der Politik in Deutschland?
Eben diese Leute gehen arbeiten und haben sich mit so etwas nicht beschäftigen können oder einfach keine Zeit. Gleichfalls sind sie nie ausgebildet worden oder haben die entsprechenden Konnektions und Beratungsstellen. Sie sollen das alles neben ihrer Arbeit und Kindererziehung leisten. Das dies zeitmäßig nicht geht, ist in dieser Schicht klar.
Dieses Jahr hatten “Arbeitslose” den Mut sich auf eine Liste zu setzen. Alle Achtung.
Lustig, ich hätte garnicht gedacht das das *wirklich* so funktioniert. Komische Welt.
Und nicht zu vergessen, dass ausschlag gebende Argument: Atom.
Nun gut. ein Volk hat bereits eine Un Versammlung verlassen.
Und ob Sie es glauben oder nicht: Die Umstände sind nachvollziehbar.
Zieht ein 2. Volk nach und erreicht keinerlei Verständnis in der Welt und selbst wenn die anderen “Recht behalten” wird es keinen Frieden geben.
Die Denkstruktur zu mobilisieren, hier wird die Demokratie gefährdet hier sollte eingegriffen werden, war im Jahre 1945 korrekt.
Doch Rückschlüsse auf beliebige wiederholbare Situationen zu schliessen, das ist M. E. an dieser Stelle das Problem.
Nein, der friedliche Zustand ist umgangen worden bedeutet, es wird auch aufgrund von “Vorurteilen” gehandelt.
Ich drücke auf Knopf Y dann passiert reaktion y.
Das war kalkulierbar und die Öffentlichkeit zieht mit. Bewusst wurde ein Konflikt in Kauf genommen um gewisse Reaktionen hervorzurufen die dann als nicht demokratisch gelten.
Es gibt einen “Satz von Leuten” die dies Risiko bewusst mittragen bis zum Tod hin, analoges Beispiel Selbstmordattentäter.
Ausserdem sind Sie mit mir nicht per “du” oder haben wir Brüderschaft getrunken?
“Die Wahrheit was passiert wäre, wenn die Wahl akzeptiert worden wäre, nun dieser “friedliche” Zustand ist umgangen worden.”
Bedeutet das, dass das Einfordern von Bürgerrechten verwerflich ist, weil der unterdrückende Apparat dann mit Gewalt reagiert? Außerdem verstehe ich nicht, was Du mit “dieser friedliche Zustand ist umgangen worden” meinst? wer hat ihn denn umgangen? hat die Opposition sich aktiv für einen gewaltsamen Zustand ausgesprochen, ihn gar herbeigesehnt?
Ich denke: Nein, hat sie nicht.
Es hat im Gegenteil bis zuletzt die Hoffnung auf einen friedlichen Wandel, eine “samtene Revolution” geherrscht. Als die Basidschmilizen dann gewaltsam eingeschritten sind, gab es die Wahl, die Hoffnung auf Freiheit ganz aufzugeben und zu signalisieren, dass man jederzeit der Gewalt weichen werde, oder eben so gut es geht Widerstand zu leisten.
Auch der Satz “Die Opfer tragen andere” ist so nicht ganz korrekt. Sicherlich leiden alle Iraner – zumindest in den Städten – unter der Gewalt, aber die Opfer, die verprügelt, ermordet oder inhaftiert werden sind zuvorderst Oppositionelle. Jedenfalls hab ich noch nichts von erschossenen Basidsch gehört.
Beste Grüße
Guido
Jetzt habe ich auch noch nach Präsident Ahmadinejad gegoogelt.
Da ich bereits vor zig jahren schon mit Exil Iranern gesprochen habe, sind mir gewisse Zustände seit langem bekannt. Daher bin ich nicht entsetzt.
Insbesondere bin ich nicht entsetzt, da ich die Vergangenheit von Deutschland kenne.
Hat sich hier niemand damit auseinandergesetzt? Erst jetzt?
Werden die Bürgerrechte erst ausgesetzt, gibt es auch in Eu ländern andere Regeln. Dessen sollte sich jeder bewusst sein.
Das diese Regeln bereits in friedenszuständen in Deutschland eingesetzt und getestet werden, dass ist es wo ich erste Masstäbe ansetze:
So wurde laut Medienberichten im Fernsehen frauen in Bundeswehreinsätzen getestet. Das Projekt wurde abgebrochen, weil die Gruppenleiter ich drücke es mal einfach aus: Sich sehr destruktiv verhalten.
Nun beim googeln habe ich desweiteren wieder in Frauenberichten gelesen, dass Ahmadinejad angeblich die Frauen unterdrückt.
Da stelle ich mir die Frage: Warum passiert in Deutschland das gleiche?
Liegt es an internationalen Standardabkommen?
Wir sind entsetzt über die Umstände, die im Iran momentan herrschen. Wann dürfen diese Menschen in ihrem Land leben?
… Auch wenn diese “Revolution” ihre höchsten Ziele nicht erreichen wird (zumindest sieht es danach derzeit nicht aus), so hat sie – auch mithilfe von Twitter – einiges erreicht: Ahmadinejad kann sich nicht mehr glaubwürdig auf demokratische Legitimation berufen.
Das war ja auch der Sinn der Sache. Nur die Opfer tragen andere.
Die Wahrheit was passiert wäre, wenn die Wahl akzeptiert worden wäre, nun dieser “friedliche” Zustand ist umgangen worden.
Die Gegenseite wusste ganz genau “wie reagiert wird” und nun der aktuelle Zustand im Blick der Öffentlichkeit => alles kalkulierbar gewesen.
@Anton Er ist offensichtlich abgetaucht, allerdings nach Ankündigung. Darauf war ich gestern (http://blog.handelsblatt.de/madagaskar/eintrag.php?id=218, 12.05 MEZ) eingegangen. Hinter dem Account steht offenbar eine Gruppen von Oppositionsanhängern in Teheran. Nachdem einer aus der Gruppe offenbar festgenommen wurde haben sie es wohl vorgezogen, das Twittern erst einmal einzustellen. Insgesamt hat der Twitter-Verkehr stark abgenommen, auch anderer Accounts schweigen.
Weiß jamnd was aus dem twitter-User Perisankiwi geworden ist? Fange an mir Sorgen zu machen.
Demoübersicht Deutschland: http://freeirannow.wordpress.com/demotermine/
Die Blogplattform ist derzeit down, Updates daher im Moment nur über das Kommentarfeld oder über Twitter: http://twitter.com/gwatzlawek
Die meines Wissens nach umfangreichste Sammlung von Demo- und Aktionsterminen in Deutschland gibt´s hier: http://freeirannow.wordpress.com/2009/06/25/demo-und-veranstaltungshinweise/, bzw. hier: http://de.wordpress.com/tag/aktiv-werden/
zu: Iran und Twitter: völlig überschätzt?
Twitter ist eben kein Nachrichtenkanal. Musik- und Kinofans tummeln sich hier ebenso wie politisch Interessierte. Und so sehr mir die Ereignisse im Iran nahegehen – auch hierzulande geht das politische und kulturelle Leben weiter.
Das heisst nicht, dass hier etwas überschätzt wurde…
Twitter ist nach wie vor die nahezu einzige Möglichkeit der iranischen Opposition, sich zu artikulieren. Die iranischen Machthaber haben sich in den vergangenen Tagen vollständig von republikanischen und demokratischen Idealen verabschiedet. Es gibt dort weder ein Recht auf freie Meinungsäßerung noch auf Versammlungsfreiheit noch auf die unverletzbare Menschenwürde. Oppositionelle werden wahllos inhaftiert und körperlich wie seelisch unter Druck gesetzt, wenn nicht gar erschossen.
Auch wenn diese “Revolution” ihre höchsten Ziele nicht erreichen wird (zumindest sieht es danach derzeit nicht aus), so hat sie – auch mithilfe von Twitter – einiges erreicht: Ahmadinejad kann sich nicht mehr glaubwürdig auf demokratische Legitimation berufen. Die Werte, auf die sich die islamische Republik berufen hat, sind hinfällig. Ahmadinejad regiert in den Augen der Bevölkerung eher als Militärdiktator, denn als Präsident und die Loyalität der Bevölkerung schwindet.
Eine interessante Analyse gibt es hier:
http://ow.ly/fTwU
Beste Grüße
Guido