Nach der harschen Rede von Revolutionsführer Chamenei und dem Demonstrationsverbot tritt der Konflikt um die Wahlfälschung in eine entscheidende Phase: Die Opposition geht erneut auf die Straße – und trifft auf eine gewaltbereite Staatsmacht. UPDATE: Dieser Liveblog ist von Samstag, hier gibt es die Ausgabe von Sonntag.Einträge in umgekehrt chronologischer Reihenfolge
Hinweise/Infos bitte über das Kommentarfeld
@Verweise stehen für Twitter-Quellen
zum Beispiel: @gwatzlawek = twitter.com/gwatzlawek
Unten die Chroniken vergangener Tage, hier eine Presseschau.
23.55 MEZ – Versuch einer Bilanz
Der Machtkampf zwischen einer wütend entfachten Opposition und einem verunsicherten, aber kampfbereitem Regime ist voll entbrannt. Die Staatsspitze ist mit ihrem Versuch, ihr Gewaltmonopol wieder herzustellen, gescheitert – und hat den letzten Rest seiner moralischen Autoriät verspielt. Aber dennoch ist es stark – und diese Nacht könnte für viele fürchterlich werden.
Ab morgen kommt es auf die Reaktion der breiten Bevölkerung an. Mit Sicherheit ist sie über die Vorkommnisse entsetzt. Doch wird es sie zurück ins Schneckenhaus, in die innere Immigration drängen, mit der inzwischen zerstörten Illusion einer zumindestens halbfreien Gesellschaftsform?
Oder wird sich die Gesellschaft in ihrer Breite auf die Seite der Opposition stellen? Dafür spricht, dass viele Menschen mit der internationalen Isolierung, der Einschnürung durch die Mullahs und mit der wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr zufrieden sind.
Hinzu kommt nun der Schock, dass diese Regierung über Leichen geht, um ihre Macht zu sichern. Aber reicht das, damit noch mehr viel Menschen Widerstand leisten, demonstrieren, streiken, ihr Leben aufs Spiel setzen?
23.30 MEZ – Was ist Gerücht, Verdacht, Tatsache; …
Der dramatische Verlauf des Nachmittags und Abends wird wohl erst nach und nach durchschaubar und bewertbar werden. Klar ist zumindestens, dass
- sich die Opposition nicht von Khameneis Predigt am Freitag hat einschüchtern lassen, sondern das Regime auf offener Straße herausgefordert hat
- dass das Regime genau auf diese Entwicklung vorbereitet war und offensichtlich ein Exempel statuieren wollte, um sein Gewaltmonopol wieder herzustellen
- dass auf allen wichtigen Plätzen und Straßen massive Sicherheitskräfte bereit standen, die von Anfang an versuchten, größere Menschenansammlungen zu verhindern; dabei wurden Tränengas und Schlagstöcke eingesetzt, vereinzelt sollen auch Schüsse gefallen sein
- dass die Taktik des Regimes nur zum Teil aufging. Zwar gab es keine größeren Kundgebungen, dafür leisteten die versprengten Oppositionstrupps an vielen Orten Widerstand; vereinzelt griffen sie die Sicherheitskräfte offenbar auch an;
- dass der Protest nicht auf Teheran begrenzt war, auch aus anderen großen Städten wurden Straßenkämpfe gemeldet.
Zu den zahlreichen unbelegten Vorwürfen und Gerüchten gehört u.a.
- das angebliche Bombenattentat in der Nähe des Chomenei-Mausoleums, bei dem zwei Pilger verletzt und der Selbstmordattentäter getötet worden sein sollen. Darüber berichten bislang nur die staatlichen Medien;
- das Vorgehen von Teilen der Sicherheitskräfte, besonders der Basiji-Milizen war ziemlich brutal, dass sie aber tatsächlich von Hubschraubern aus Säure auf Demonstranten gespritzt und Menschen ins Feuer geworfen haben ist nicht belegt. Und es gibt zahlreiche Hinweise, das die reguläre Polizei und Teile der Armee alles andere als begeistert kämpft.
23.30 MEZ – Ein unbestreitbarer Augenzeugenbericht
Roger Cohen, Kolumnist für die NYT, war am Samstag auf Teherans Straßen unterwegs und berichtet aus erster Hand vom mutigen Kampf – vor allem der Frauen. Auszüge:
A man at my side threw a rock at him. The commander, unflinching, continued to plead. There were chants of “Join us! Join us!” The unit retreated toward Revolution Street, where vast crowds eddied back and forth confronted by baton-wielding Basij militia and black-clad riot police officers on motorbikes.
Dark smoke billowed over this vast city in the late afternoon. Motorbikes were set on fire, sending bursts of bright flame skyward. There was nothing velvet about Saturday’s clashes. Garbage burned. Crowds bayed. Smoke from tear gas swirled. Hurled bricks sent phalanxes of police, some with automatic rifles, into retreat to the accompaniment of cheers.
I do know some police units are wavering. That commander talking about his family was not alone. There were other policemen complaining about the unruly Basij. Some security forces just stood and watched. “All together, all together, don’t be scared,” the crowd shouted.
I also know that Iran’s women stand in the vanguard. For days now, I’ve seen them urging less courageous men on. I’ve seen them get beaten and return to the fray. “Why are you sitting there?” one shouted at a couple of men perched on the sidewalk on Saturday. “Get up! Get up!”
Another green-eyed woman, Mahin, aged 52, staggered into an alley clutching her face and in tears. Then, against the urging of those around her, she limped back into the crowd moving west toward Freedom Square. Cries of “Death to the dictator!” and “We want liberty!” accompanied her.
There were people of all ages. I saw an old man on crutches, middle-aged office workers and bands of teenagers. Unlike the student revolts of 2003 and 1999, this movement is broad.
Just off Revolution Street, I walked into a pall of tear gas. I’d lit a cigarette minutes before and a young man collapsed into me shouting: “Blow smoke in my face.” Smoke dispels the effects of the gas to some degree. I did what I could and he said, “We are with you” in English and with my colleague we tumbled into a dead end — Tehran is full of them — running from the searing gas and police.
I gasped and fell through a door into an apartment building.�
There were about 20 of us gathered there, eyes running, hearts racing. A 19-year-old student was nursing his left leg, struck by a militiaman with an electric-shock-delivering baton. “No way we are turning back,” said a friend of his as he massaged that wounded leg.
Later, we moved north, tentatively, watching police lash out from time to time, reaching Victory Square where a pitched battle was in progress. Young men were breaking bricks and stones to the right size for hurling. Crowds gathered on overpasses, filming and cheering the protesters. A car burst into flames.
Back and forth the crowd surged, confronted by less-than-convincing police units.
Later, as night fell over the tumultuous capital, gunfire could be heard in the distance. And from rooftops across the city, the defiant sound of “Allah-u-Akbar” — “God is Great” — went up yet again, as it has every night since the fraudulent election. But on Saturday it seemed stronger.
23.12 MEZ – Fotos sagen mehr als …
Neben den Videos auf Youtube und den Fotos auf flickr (hier die flickr-Seite der Mussawi-Leute) hat sich inzwischen Demotiximages, eine Plattform für Bürgerjournalisten/-fotografen als Veröffentlichungsforum für Bilder aus Iran etabliert. Zwar sagen die Fotos mehr als viele Worte, dennoch habe ich darauf hier weitgehend verzichtet. Wer sich dennoch ein Bild machen will kann das bei Andrew Sullivan (The Daily Dish) machen. Aber Vorsicht – er zeigt auch die blutigsten Fotos und Videos.
22.58 MEZ Obama gibt Zurückhaltung auf
Angesichts der dramatischen Ereignisse gibt US-Präsident Barack Obama eine weitere offizielle Erklärung ab, in der er die iranische Regierung direkt auffodert, die Übergriffe auf die Demonstranten einzustellen. Die Erklärung im Wortlaut:
22.30 MEZ Mousavis Rede: Märtyerer, Generalstreik
Zeit für eine Bilanz des Tages, ein Versuch, Gerüchte und Unwahrheiten von den belegten Ereignissen zu trennen.
Zunächst aber die wichtigste Erklärung des Abends: Bei einer kurzen Rede bei der Kundgebung am Nachmittag richtete sich Oppositionsführer Mussawi an die Bevölkerung, rief sie zum aktiven Widerstand auf – und erklärte damit dem Regime offen den Krieg. Zudem findet sich auf seiner Website ein offener Brief an die Staatsführung.
Mussawis Kernaussage steht auf seiner Twitter-Seite:
Die Umstände und der genaue Wortlaut der Rede sind noch nicht ganz klar, aber Reuters hat den detailliertesten Bericht dazu:
“We are not against the Islamic system and its laws but against lies and deviations and just want to reform it,” he said on his website. “Those who do not allow such gatherings will be responsible for its dangerous consequences. “I will never allow this beautiful green wave to risk its life because
of me. Be sure that I will always be at your side.”
Mousavi appeared to pledge loyalty to the Islamic state, but made clear he would not back down over his claim of victory in the June 12 election.
“In a public address in southwestern Tehran, Mousavi said he was ready for martyrdom and that he would continue his path,” a Mousavi ally, who asked not to be named, told Reuters by telephone from the Jeyhun street in Tehran.
A witness to the address said Mousavi appeared to anticipate action against him. “Mousavi called on people to go on national strike if he gets arrested,” the witness told Reuters.
Die von Reuters zitierte Erklärung findet sich auf Mussavis Website in Farsi, hier die automatische Google-Übersetzung der Seite.
17.57 MEZ – M. geht offline
Die Twitterin @M., mit der ich gestern ein Twitter-view geführt hatte, hat sich offensichtlich aus dem Twitter-versum zurückgezogen. Ihr Accout existiert nicht mehr – was darauf hindeutet, dass sie ihn gelöscht hat. Daher habe ich auch meine Verweise auf sie anonymisiert.
Heute morgen hatte sie noch getwittert, manchmal wünsche sie sich ihr altes Leben zurück, zeigte sich dann aber kampfeslustig. Ihr offenbar letzter Tweet, der sehr häuig re-tweetet wurde lautete:
17.50 MEZ – Abwarten, bis sich der Rauch lichtet
Nach wie vor fällt es sehr schwer, sich ein Bild von der Lage zu machen. Vereinzelte Augenzeugenberichte hören sich dramatisch an, aber dabei könnte es sich um begrenzte Aktionen handeln – genauso gut aber um eine breit angelegte rücksichtslose Demonstration der Stärke des Regimes.
Revolutionsführer Chamenei hatte gestern auf der Gültigkeit der Wahl bestanden und jedem Widerstand den Kampf angesagt. Heute morgen hatten die Behörden mit klaren Drohungen an die Oppositionführer nachgelegt – jetzt schaffen die Sicherheitskräfte Fakten. Und wenn der Nachmittag schlimm war – die Nacht wird womöglich fürchterlich.
Ob das Regime damit sein Ziel erreicht, eine Art von Friedhofsruhe durchzusetzen – ich bezweifele es. Die Opposition ist aufgebracht, die Aktivisten werden nicht einfach aufgeben. Die Frage ist jetzt nur, ob sie dafür breiten Rückhalt in der Bevölkerung finden, es womöglich zu einem Generalstreik kommt – oder die Sehnsucht nach Rückkehr von Ordnung, Ruhe (und Unterdrückung) größer ist.
Selbst @M., die sonst so entschlossen wird, gab sich heute zwischendurch mal einem stillen Traum hin: Es wäre so schön, wenn es wieder wie früher wäre. Ihr Twitter-Account ist wie viele andere im Moment nicht aufrufbar – ein Zeichen, dass das Regime seine Anstrengungen fortsetzt, das Internet so langsam zu machen, dass schnelle Kommunikation nicht mehr möglich ist.
Ich nehme eine Auszeit, melde mich aber wieder, sobald die Lage klarer wird.
17.34 MEZ – Mussavi meldet sich zu Wort
Der Guardian berichtet mit Bezug auf Twitterquellen, Oppositionsführer Mussawi habe sich an seine Anhänger gewandt. Frühere Berichte, er habe einen Protestzug von zehntausend Menschen angeführt, hatten sich bislang nicht bestätigt. Guardian:
17.22 MEZ – Ähnliche Szenen in Shiraz
Das Newsblog der NYT berichtet über zwei Ecken, dass in anderen großen Städten ähnliche Auseinandersetzungen stattfinden wie in Teheran. Quelle ist ein Student in Teheran, der mit seiner Mutter telefoniert hat (also nicht verfiziert):
When the people didn’t disperse they started shooting in the air. My mom said that then people dispersed and she doesn’t know if anyone was hit or not.
17.15 MEZ – Polizei: Gewalt geht von Opposition aus
Ein Polizeisprecher macht die Demonstranten für die Gewalt verantwortlich. Das staatliche PressTV berichtet:
“Families of those killed or injured in the events since June 12 have filed 2,000 complaints so far,” Fars quoted acting Police Chief Brigadier General Ahmad-Reza Radan as saying Saturday.
He added that people have made 10,000 complaints that their daily lives have been disrupted and said, “They have called on the police to deal with rallies firmly.”
17.06 MEZ – Mehr Sicherheitskräfte als Demonstranten
Offensichtlich hat das Regime alles aufgeboten was es hat. Nach Angaben des Al Jazeera-Korrespondenten übersteigt die Zahl der Sicherheitskräfte die der Demonstranten. Es heißt, die Polizisten hielten sich weitgehend zurück, doch gingen Sondereinsatzkräfte und vor allem die Basiji-Milizen ohne Rücksicht vor. Al Jazeera:
“We hear that in some of the main squares in northern Tehran, the riot police and plainclothes forces outnumber the people – let alone the Revolution Square, which was supposed to be the main point where apparently the protesters were going to begin their protest,” he said.
16.54 MEZ – Augenzeugen berichten
Im Guardian-Liveblog berichten Augenzeugen von harten Kämpfen, aber auch friedlichen Protesten:
The eyewitness saw dozens of people beaten by riot police in an attempt to frighten them into evacuating the square, with one young man being beaten to the ground by four policemen.
The protesters were not wearing the green insignia that signifies support for Mousavi, and were not making victory signs or chanting.
The eyewitness reports riot police attacking people on passing motorbikes and, on occasion, innocent passersby who have no way of escaping the heavy police presence.
Nonetheless, there are thousands of Mousavi supporters, marching peacefully near the square, where rthey have been subjected to these brutal reprisals from the police.
Across Tehran, there is widespread fear and panic, with many desperate to know what is going on in Enghelab square, but unable to find out due to reporting restrictions. Now the question seems to be: what will Mousavi do next?
Dieser Bericht stammt von einem BBC-Mitarbeiter in Teheran:
It’s impossible for any groups of people to get through these to Enghelab Square and hold their demonstration.
If this continues and the opposition can’t find some way around fierce security then the protests against the results of the presidential election will have been defeated.
16.48 MEZ – Erste Videos von Samstag bei youtube
16.45 MEZ – Neue Überschrift: Blutiges Kräftemessen
Die befürchtete blutige Eskalation ist eingetreten. Daher ändere ich die Überschrift dieses Beitrags von “brisantes” auf “blutiges Kräftemessen”.
16.43 MEZ Selbstmordanschlag vor Khomenei-Mausoleum?
Auch die Berichte über einen angeblichen Selbstmordanschlag vor dem Mausoleum von Ajatollah Khomenei bleibt mysteriös. Nach den Berichten wurden zwei Menschen verletzt, der Attentäter starb. Ob und in welchem Zusammenhang der Anschlag mit den Protesten steht ist völlig unklar. Bislang stammen alle Berichte über den Vorfall von staatlich kontrollierten Medien.
16.30 MEZ – Heftige Auseinandersetzungen, Tote, Verletzte
Das Netz schwirrt von Katastrophenmeldungen, an mehrern Ort in Teherans Stadtzentrum gehen die Sicherheitskräft massiv gegen die Demonstranten vor. Berichte von zahlreichen Verletzten, mindestens einem Toten. Andrew Sullivan sammelt kontinuierlich Tweets aus Teheran ein.
15.40 MEZ – Auszeit
Ungünstiger Zeitpunkt, aber ich muss das Liveblog für eine Weile unterbrechen. Aktuelle Updates in meinem Twitteraccout gwatzlawek.
15.33 MEZ – Blogger berichten von Straßenkämpfen
Nach wie vor keine gesicherten Informationen. Dieses Blog, das minütlich Updates liefert, berichtet von heftigen gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Die Menschen riefen: “Tod Chamenei”. Das zuverlässige Guardian-Liveblog berichtet zudem von ersten Verletzten, eine Person sei bei einer Explosion möglicherweise getötet worden.
15.15 MEZ – Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein
Die Nachrichtenagenturen AP und Reuters berichten übereinstimmend, dass die Polizei mit Tränengas gegen Demonstranten vorgeht, um die Kundgebungen aufzulösen.
Smoke was rising over Enghelab (Revolution) Square, where supporters of defeated candidate Mirhossein Mousavi had gathered in defiance of a ban on protests, the witness added.
AP - Witnesses: police using tear gas, water cannons to disperse thousands of protesters in Tehran.
15.03 MEZ – Lage bleibt unübersichtlich
BBC-Korrespondent Jon Leyne mit einem neuen Update:
It’s not even entirely clear whether the opposition wanted the demonstration to go ahead. There were a lot of mixed messages through the day whether or not it had been called off.
My instinct is that I think opposition supporters are so fired up, they’re going to turn up anyway.
They’ve been very good at getting messages between themselves very quickly, so it’s possible they might move the demonstration if there are riot police in the planned location.
14.30 MEZ – Versammlungsorte werden abgesperrt
Nach mehreren Berichten versuchen die Sicherheitskräfte, den Zugang zu den traditionellen Kundgebungsorten in Teherans Zentrum abzuriegeln. Der Revolutions Platz (Enghelab Square) soll durch fünf Feuerwehrfahrzeuge blockiert sein, auch rund um die Universität sollen laut Augenzeugen Polizisten aufgezogen sein. Nun sollen größere Menschenmengen in Richtung Azadi-Platz ziehen. Quellen: Guardian, NYT, ap
14.15 MEZ – Verlässliche Berichterstattung unmöglich
Jon Leyne sitzt zwar mitten in Teheran in seinem BBC-Büro, aber er selbst kann nicht zuverlässig bestätigen, dass die Kundgebung angefangen haben, was auf der Straße los ist. Zur Erinnerung: Alle ausländischen Journalisten, die noch im Land sind, stehen faktisch unter Hausarrest. Wer dagegen verstößt mit mit harschen Strafen rechnen – die Drohung wirkt offenbar.
14.02 MEZ – Mussawi angeblich auf der Straße
Das hervorragende Guardian-Liveblog greift einen nach seinen Erkenntnissen zuverlässigen Tweet auf:
walking from his Ettelaat office to the Ministry of Interior and that 10,000 people are with him.
13.45 MEZ – Die Stunde der Wahrheit
Aus der Ferne ist nicht wirklich auszumachen, was in Teheran derzeit vorgeht, die Nachrichtenagenturen hinken weit hinterher.
Soviel ist klar: Das Regime hat harte Drohungen ausgestoßen, Sicherheitskräfte sind aufmarschiert. Aber auch die Opposition gibt offensichtlich nicht auf – die Auseinandersetzung findet nun auf der Straße statt. Aktuelle Statusmeldungen über Twitter, nicht verifizierbar:
- @IranRiggedElect People going to Enghelab in larg numbers and growing rapidly. police there but not doing anything.
- @IranElection09 Today is maybe the most important day in iran’s history, will we see Tiananmen Sq.? It seems ppl don’t care and still will go
13.36 MEZ – Es geht um die Autorität
BBC-Korrespondent Jon Leyne, einer der wenigen westlichen Journalisten, die noch in Teheran sind, gibt eine gute Analyse der Ausgangsposition für die Kundgebung, die in diesen Minuten statt finden sollte:
13.22 MEZ – Besetzen Sicherheitskräfte Kundgebungsort?
Verschiedene Twitter-Korrespondenten berichten, dass die bewaffnete Sicherheitskräfte den geplanten Versammlungsort im Teherans Zentrum besetzt haben. Wie immer ist das erst mal nicht zu verifizieren, aber beide waren zuletzt zuverlässig:
- RT @iranbaan : enghelab sq and the streets are filled with police and plain clothes with batons in hands
- @Mirriaam God. please save my ppl and keep them safe :(( horrible news from Enqelab st. its full of special forces
13.10 MEZ – Oppositionsführer widersprechen sich
Nach einem neuen Eintrag auf der Facebook-Seite von Mussawi steht der Kundgebungsaufruf:
Dagegen hat die Partei des zweiten Oppositionsführers, Karoubi, ihren Aufruf zurückgezogen, berichtet Reuters:
“Because permission was not obtained, the rally today has been cancelled,” a party spokesman told Reuters.
12.58 MEZ – Eskalation zieht herauf
Irans Vize-Polizeichef Ahmadreza Radan hat alle potenziellen Demonstranten und die Oppositionsführer, die zu Kundgebungen aufrufen, mit Verhaftung gedroht. Al Jazeera berichtet:
“Those who pull people to the streets should know that by a judicial decree they will be prosecuted by law and they will be arrested.”
12.15 MEZ – Musavi-Sprecher: Kundgebung findet statt
AFP hat mit einem Mitarbeiter von Oppositionführer Mousavi gesprochen, wonach sich dieser dem Demonstrationsverbot widersetzen will:
An aide of defeated presidential candidate Mehdi Karroubi told AFP the rally will be held in Tehran at 4:00 pm.
12.45 MEZ – Mussawi versetzt Wächterrat
Nach halboffiziellen Angaben (PressTV) sind die unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mussavi und Karoubi nicht zum Termin mit dem Wächterrat erschienen – offenbar, weil die Staatsführung die Forderung nach einer Neuwahl hart ablehnt. Nur der drittplatzierte Kandidat Rezaei habe das Treffen mit dem Wahlkommissionschef des Wächterrates wahrgenommen.
Daraufhin veröffentlichte der Wächterrat sein Angebot, zehn Prozent der Stimmen neu auszuzählen, hier die Erklärung im Original:.
12.10 MEZ – Wächterrat will 10 % neu auszählen
Der Wächterrat düpiert die Forderungen der Opposition, berichtet Reuters:
10.45 MEZ – Sicherheitsrat warnt vor Demonstration
Nach wir vor herrscht Unklarheit, ob die Opposition die Demonstrationen nicht doch abgesagt hat. Iranische Nachrichtenagenturen berichten, die reformorientierten Kämpfenden Kleriker hätten ihren Aufruf zurückgezogen, auf Mussawis Twitterkanal steht jedoch nach wir vor die unten zitierte Ankündigung (8.30 MEZ).
Allerdings hat der Nationale Sicherheitsrat eindringlich davor gewarnt, sich über das Demonstrationsverbot hinweg zu setzen, wie der staatliche Sender PressTV berichtet:
“It is your duty not to incite and invite the public to illegal gatherings; otherwise, you will be responsible for its consequences,” Iran’s Security Council, a body affiliated with the Interior Ministry replied Mousavi’s letter in which he had criticized the law enforcement forces for failing to prevent attacks on protestors during the street rallies.
“It is your responsibility to prevent the public from attending such rallies instead of making accusations against the law enforcement,” it added.
“We believe this is an organized network which is most probably affiliated to foreign-related groups and deliberately disturbs the peace and security of the public. Of course we have already ordered the law enforcement forces to deal with the issue.”
MEZ 8.55 – Stimmungsbild bei Twitter
Andrew Sillivan, der sein Blog The Daily Dish ganz in den Dienst der iranischen Opposition gestellt hat, fasst die Twitter-Botschaften aus Iran aus der Nacht zusammen, sehr viele kämpferische, aber auch ratlose Stimmen.
MEZ 8.40 – Obama nimmt Stellung
Auch wenn die US-Administration weiter darauf beharrt, sich nicht in den inneren iranischen Konflikt einzumischen fand Obama in einem CBS-Interview in der Nacht dennoch etwas klarere Worte:
trying to be heard will, I think, send a pretty clear signal to the international community about what Iran is and – and is not.”
MEZ 8.30 – Blick in den Tag
Offenbar ist es in der Nacht zu keinen größeren Übergriffen gekommen, beide Seiten bereiten sich für einen großen Tag vor. Der Wächterrat will heute die unterlegenen Präsidentschaftskandidaten empfangen und mit ihnen über die Vorwürfe der Wahlfälschung reden. Diese halten jedoch an der Kundgebung heute ab 16 Uhr (13.10 MEZ) fest. Hier der Aufruf auf der Twitter-Seite der Mussawi-Kampagne von gestern abend:
Die komplette Iran-Chronik – alle Tage im Liveblog:
Freitag, 18.6.09
Madagaskar, Handelsblatt
Newsblog, The Guardian
The Lede, The New York Times
Nico Pitney, Huffington Post
Donnerstag, 18.6.09
Madagaskar, Handelsblatt
Newsblog, The Guardian
The Lede, New York Times
Mittwoch, 17.6.09
Madagaskar, Handelsblatt
Newsblog, The Guardian
The Lede, New York Times
Nico Pitney, Huffington Post
Dienstag, 16.6.09
Newsblog, The Guardian
The Lede, New York Times
Nico Pitney, Huffington Post
Montag, 15.6.09
Newsblog, The Guardian
Nico Pitney, Huffington Post
Sonntag, 14.6.09
Nico Pitney, Huffington Post
Samstag, 13.6.09
The Lede, New York Times











2 Kommentare zu “Liveblog Iran (8): Blutiges Kräftemessen”
[...] unterlaufen und die Welt an ihrem Aufstand teilhaben lassen. Machmal viel zu hautnah, wie am 20. Juni und 21. Juni, dem Wochenende, an dem Neda [...]
Auch heute wieder sehr interessant. Morgen auch? =)