Madagaskar ist klein, arm und weit weg. Dennoch hat der Machtkampf, der jetzt zur Abdankung des Präsidenten führte, ein paar interessante Aspekte. Die Insel ist bei Biologen und Touristen beliebt, hat internationalen Konzernen einiges zu bieten – und ist eine Lehre für alle, die gemeinsam mit korrupten Eliten ein Entwicklungsland ausplündern.Was zunächst wie ein Operetten-Aufstand aussah hatte sich rasch zu einem monatelangen blutigen Machtkampf entwickelt, den die beiden wohl reichsten Männer der verarmten Insel vor der Ostafrikanischen Insel miteinander austrugen. Nun scheint der schillernde ehemalige Barbesitzer und lange Zeit populäre Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo am Ziel: Andry Rajoelina zog in den Präsidentenpalast ein und lässt sich feiern.
Tatsächlich hatte kurz zuvor sein Wiedersacher, der bisherige Amtsinhaber Marc Ravalomanana, seinen Rücktritt verkündet, nachdem ihm Teile des Militärs die Gefolgschaft verweigert hatten. Konsequenterweise gabe Ravalomanana die Macht nun nicht an Rajoelina weiter, sondern an eine Militärjunta. Ob diese wiederum Rajoelinas Machtergreifung billigen wird ist derzeit offen. Mehr zum aktuellen Entwicklung hat die BBC, ohnehin die beste Nachrichtenquelle vor Ort.
Dabei war Ravalomanana keineswegs ein Despot, sondern 2002 ordentlich gewählt, 2006 mit großer Mehrheit im Amt bestätigt, ein Musterschüler des IWF und guter Bekannter von Bundespräsident Horst Köhler. Doch wie oft in Entwicklungsländern fällt es der Regierung offenbar schwer, den Verlockungen des Amtes zu widerstehen – die Opposition hatte mit ihren Korruptions-Vorwürfen allzu leichtes Spiel.
Vor allem aber ein Argument – und da wird es interessant – der Opposition fand in der 20 Millionen Einwohner starken Bevölkerung Wiederhall: Die Regierung von Ravalomanana betreibe einen Ausverkauf des Landes an ausländische Unternehmen.
Tatsächlich sind eine ganze Reihe von Bergbau-Unternehmen höchst aktiv. Die großen Bergbaukonzerne aus Großbritannien, Kanada, Australien und Südafrika schürfen hier Nickel, Kobalt, Titan, Gold, Kohle, Chrom, Platin und Uran. Damit verschaffen sie dem Land so dringend benötigte Arbeitsplätze und Devisen (Reuters fasst die Projekte zusammen).
Nur schwer zu vermitteln ist jedoch der Vertrag Madagaskars mit dem koreanischen Konzern Daewoo, der gewaltige Teile des Landes anmieten wollte, um hier Lebensmittel für die eigene Bevölkerung anzubauen. Eigentlich nicht schlecht, wenn die Koreaner Knowhow mitbringen, Arbeitsplätze schaffen und einen fairen Preis zahlen. Allerdings handelten sie eine kostenlose Nutzung des Landes aus – die Arbeitsplatzbeschaffung sei Vorteil genug für Madagaskar (mehr dazu in diesem Beitrag, außerdem bei Foreign Policy).
Der Deal war sehr günstig für Daewoo, der Vorwurf, dass Präsident Ravalomanana dafür kassiert hat, ist zwar nicht bewiesen, aber naheliegend. Immerhin kommt er aus der Branche: Der 59-Jährige hatte sich vom Straßenverkäufer für Joghurt zum Besitzer des größten Lebensmittelkonzerns des Landes hoch gearbeitet. Aber auch sein Möchte-Gern-Nachfolger Rajoelina ist keine wirkliche Vertrauensfigur. Er tritt gerne im weißen Anzug mit rosa Krawatte auf, wohl ein Tribut an seine Zeit als Bar-Betreiber. Auch er hat einen rasanten und lukrativen Aufstieg hinter sich, den er als DJ begonnen hatte und der in nun in den Präsidentenpalast führte.
Wichtiger ist jedoch die Frage, was der Konflikt für die Öffnung von Entwicklungsländern für ausländisches Kapital bedeutet. Grundsätzlich können davon Investoren wie Empfängerländer profitieren – doch haben die ausländischen Konzerne dabei eine besondere Verantwortung. Wenn sie sich mit den Regierenden verbünden und das Land ausbeuten legen sie einen Sprengsatz an die Stabilität des Landes. Früher oder später stürzen die meisten korrupten Potentaten – schon deshalb, weil auch andere ehrgeizige Politiker mal an die Fleischtöpfe wollen. Und dann muss man mit den neuen Machthabern verhandeln, auch sie befriedigen – oder man ist gleich ganz raus.











40 Kommentare zu “Was geht uns Madagaskar an?”
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