»Georg Watzlawek 21. October 2008, 14:37 Uhr

Super-Sarko – ein Fall für Merkel

Der große europäische Staatsführer Nicolas Sarkozy dreht auf: nicht nur die Banken, sondern auch die Schlüsselindustrien sollten die Europäer verstaatlichen, bevor Schnäppchenjäger vom Golf zuschlagen. Da gibt es nur eine Person, die Super-Sarko noch stoppen kann: Frau Merkel, übernehmen Sie.
Das Krisenmanagement des amtierenden europäischen Ratsvorsitzenden und französischen Staatschefs Nicolas Sarkozy hatte konservative Politiker wie Jean-Claude Juncker oder Jose Barroso in den letzten Tagen so sehr begeistert, dass sie schon darüber nachdachten, wie man seine Amtszeit an der EU-Spitze über den Jahreswechsel hinaus verlängern kann.
 
Endlich mal jemand, der Initiative zeigt und den arroganten Amerikaner zeigt, was eine Harke ist. "Sarkozy, encore une fois!", titelte die FTD bereits.

Doch nun scheint der Erfolg Sarkozy mal wieder zu Kopf zu steigen. "Wir sollten über eigene Staatsfonds nachdenken, um strategische Unternehmensanteile, die abgewertet sind, aufzukaufen", sagte er gestern vor dem Europaparlament.

Die Begründung ist interessant: „Ich möchte nicht, dass die Bürger eines Tages aufwachen und feststellen, dass sich die großen europäischen Unternehmen in den Händen nichteuropäischer Kapitaleigner befinden. Wir sollten darüber nachdenken, eigene Staatsfonds einzurichten.“

Staatsfonds, mit Beteiligungen an den Schlüsselindustrien? Und das ausgerechnet von konservativen Spitzenpolitikern. Was kommt da wohl als nächstes? Wie wäre es mit einer zentralen Planbehörde, am besten europaweit.

Es wird höchste Zeit, Super-Sarko wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Bei den Banken ist Not am Mann, staatliche Beteiligungen sind für eine Übergangszeit notwendig. Aber für eine Verstaatlichung von Industriebranchen, so "strategisch" sie auch sein mögen, sollten wir besser den Russen überlassen.

Frau Merkel, bitte schreiten Sie ein. Schnell.

»Georg Watzlawek 21. October 2008, 14:37 Uhr

    10 Kommentare zu “Super-Sarko – ein Fall für Merkel”


  1. klav kalash says:

    “Stele man sich nur mal vor “die Russen” kaufen mal eben die vier “Stromriesen” und liefern uns Öl und Gas, dann gute Nacht.”

    Die Russen liefern bereits ein Drittel des Eröls und des Erdgases, das wir verbrauchen. Wenn die wollten, könnten sie uns schon heute den Saft abdrehen. Und nun?

  2. syd says:

    Sarkozy hat recht – Wenn es nach der Blüte aus der Uckermark und ihren Anhängern ginge, würde unser gesamtes Volksvermögen “privatisiert”, d.h. verschleudert. Mich würde interessieren, ob sie – wie Herr Kohl – dafür gesponsert werden?

  3. Neulich says:

    Kann bitte jemand erklären, wie die ablehnende Haltung zur Idee “Staatsfonds” zu der unterstützenden Haltung zum “VW-Gesetz” passt?

  4. Ankläger says:

    Es ist schon recht so, die Schlüüselindustrien zu verstaatlichen. Ganz wichtig wäre das für die Energiewirtschaft und allgemeine Versorgungs- und Entsorgungswirtschaft. Beispiel, die früheren Müllbarone der BRD kauften sich von dem dort am Staat verdienten Geld in der ehemaligen DDR Ländereien. Was ist das für eine Moral, sich am Abfall anderer zu bereichenern.

  5. mannu says:

    Selbstverständlich muss die europäische Grundversorgung gesichert werden. Stele man sich nur mal vor “die Russen” kaufen mal eben die vier “Stromriesen” und liefern uns Öl und Gas, dann gute Nacht. Das hat mit Angst vor Russen nichts zu tun. Das ist einfacher Kalkül eines quasi Monopolisten. Hinzu kommt, dass das dem russischen Volk ganz andere “Qualen” zumutbar sind als uns. So leicht gibt es dort keine umfassende Revolution. Und wenn doch, dann kommt ein mehr oder weniger großer Stalin.

  6. MH says:

    Man merkt dem Autor die blanke Angst an…
    Die alten Konzepte habe ja nunmal versagt, auch wenn er das offenbar nicht wahrhaben will und seinen ideologischen Scheuklappen in die Realitätsflucht folgt.

    Weiter so Sarkozy, wer hätte das gedacht!

  7. K.D. Rettig says:

    Wir sollten beim Blick über den Rhein nicht immer in die alten Reflexe verfallen sondern uns mal vorstellen wie ein nach Osten schauender Franzose Deutschland sieht. Die Deutsche Präsidentschaft war geprägt von einer Kanzlerin die sich sonnte als Moderatorin des globalen Umweltschutzes, dies in politisch ruhigen Zeiten, bei wirtschaftlichem Wachstum und mit politisch “lame duck” Gesprächspartnern. Sarko, auch mit Hilfe seines europäischen Mandates handelt als Krisenmanager unverzüglich, dies im Georgien Konflikt und der Finanzmarktkrise. Bei der nun eintretenden Konjunkturkrise versprach er schon vor 2 Wochen u.a. der Automobilbranche unter die Arme zu greifen, ein Thema das imzwischen uch bei uns diskutiert wird. Er hat Recht mit seiner Warnung vor den staatlichen Fonds der “new emerging economies”. Jeder einzelne dieser Mega Fonds hat das Kapital die gesamten DAX Unternehmen zu erweben. Sarko schlägt im übrigen eine Europäische und keine Französische Lösung vor, die sicherlich effektiver sein dürfte als der neue Aussenwirtschafts Paragraph der Bundesregierung.
    Also bitte etwas mehr Nachdenken in dieses wichtige Europäische Problem und seine Lösung investiern. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.

  8. hrk says:

    @ dr. fred buenz:
    wohl wahr. wenn es nach sarko gehen wuerde, gaebe es bald nur noch EADS, GdF/Suez und Alstom’s auf dieser Welt. und warum auch nicht? schliesslich muss ja irgendwer den urlaub von klein-sarko bezahlen.

  9. dr. fred bünz says:

    Man kann isch des Eindrucks nicht erwehren, dass auf diesem Wege letztlich Sarkozy versuchen will, mittels des indirekten Zugriffs auf nichtfranzösische Industrien eine französiche Dominanz innerhalb der EU herzustellen bzw. eine solch anstreben will.

  10. Bernd says:

    Nee, lieber nicht Angie, sonst schickt uns Napoleon der Vierte doch noch seine Flugzeugträger den Rhein hoch…

    Als er Hoechst mit Staatshilfe eroberte, war das etwas gaanz anderes…

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