» 21. September 2008, 14:23 Uhr

Teuerster Präsident aller Zeiten

700 Mrd. Dollar Steuergeld setzt George W. Bush ein, um das Finanzsystem zu retten. Ein notwendiger Schritt, aber auch der Bankrott der republikanischen Wirtschaftspolitik seit Reagan. Bush junior wird damit endgültig zum teuersten Präsidenten aller Zeiten.

Ronald Reagan war angetreten, die Staat aus der Wirtschaft und dem Finanzsystem weitgehend zu vertreiben – Deregulierung heißt seitdem das Mantra der republikanischen Politik. Das war kein Selbstzweck, sondern sollte den Amerikanern jenen Freiraum verschaffen, der zur wirtschaftlichen Entfaltung nötig ist. Dazu gehörte auch, den Staatsetat herunterzufahren und die Staatsschulden zu eleminieren.

Nun lässt sich das Ergebnis besichtigen. Die US-Verschuldung steigt nach den letzten Schätzungen auf 11,3 Billionen Dollar (in Ziffern: 11300000000000). 

Dazu tragen nicht nur das neue 700 Mrd. Dollar-Paket bei, sondern auch das Konjunkturpaket in diesem Sommer im Volumen von 180 Mrd. bei und die diversen Rettungsaktionen der letzten zwei Wochen für diverse Investment- und Hypothekenbanken. Insgesamt dürfte dieses Krisenprogramm locker 1,2 Billionen Dollar (in der deutschen Zählweise!) kosten.

Hinzu kommen die Kosten des Irakkrieges, die mittlerweile bei insgesamt knapp 600 Mrd. Dollar liegen – und noch immer Jahr für Jahr ansteigen.

Damit ist absehbar, dass der nächste Präsident der USA eine gewaltige Sanierungsaufgabe erbt und für seinen eigenen Prioritäten nur sehr wenig Spielraum hat. Eine kostspielige Gesundheitsreform, eine Modernisierung der maroden Infrastruktur, mehr Geld für das Bildungsystem?

All das wäre dringend notwendig, aber, sorry, das Geld ist längst weg.

Mal sehen, wann John McCain und Barack Obama auf diese neue Ausgangslage eine überzeugende Antwort finden  – was sie in der vergangenen Woche an wirtschaftspolitischer Kompetenz demonstrierten lässt leider nicht viel erwarten.

» 21. September 2008, 14:23 Uhr

    3 Kommentare zu “Teuerster Präsident aller Zeiten”


  1. Alex sagt:

    Zumindest in den USA haben konservative Präsidenten seit dem Krieg regelmäßig vergleichsweise höhere Schulden aufgetürmt als demokratische Präsidenten.

    Bush junior und Reagan sind natürlich die Ausreißer, aber man kann es verallgemeinern: Bei Ford, Reagan, Bush senior und Bush junior (Alles Republikaner) lag der durchschnittliche Schuldenzuwachs oberhalb des BIP-Wachstums, ergo wuchs die relative Verschuldung/BIP.

    Bei Truman, Eisenhower, Kennedy, Johnson, Nixon, Carter und Clinton (Bis auf Nixon ausschließlich Demokraten) lag der durchschnittliche Schuldenzuwachs unterhalb des BIP-Wachstums, also sank die relative Verschuldung/BIP.

    Insofern ist Bush junior nur der Tradition der Republikanern gefolgt, Geld zu verschwenden.

    Zugegeben, die Quelle http://www.sgipt.org/politpsy/finanz/schuldp/usa/usa0.htm ist von dubiosen Nachbarseiten begleitet, sieht aber an sich solide aus.

  2. Jürgen Beck sagt:

    Eindeutig widerlegt ist also die Mär “Konservative” können besser als “Linke” mit Geld umgehen.
    Der Skandal und die Erblast, die Bush seinem Nachfolger hinterläßt, der ja von “Ziesemer” für seine “Erfolge im Irak” immer eine
    “liebevolle Reinwaschung” erhielt und Kritiker als antiamerikanische Hetzer diskreditierte ist mit Worten nicht zu beschreiben.
    Der Kapitalismus hat gewonnen? Nein, er hat nur überlebt, hat Heribert Prantl geschrieben. Und er hat Recht wenn er jetzt sagt, auch er hat verloren.
    Die Zeit der Arroganz sog. liberaler Experten ist vorbei!