Umweltschutz ist gerade mal wieder wahnsinnig angesagt. Und das ist ja auch gut und richtig. Doch für den Umweltschutz braucht es oft auch die richtige Infrastruktur. Und Menschen die mitdenken. Bei den Kölner Verkehrsbetrieben fehlt beides.
Gestern, zum Beispiel gab es hunderte von Menschen, die nur bei ausgeprägter Dummheit oder einer merkwürdigen Liebe zum Warten auf zugigen Bahnsteigen auf die Idee kommen werden, beim Besuch einer Veranstaltung der Kölnare…, pardon, Lanxess-Arena, die Dienste der KVB in Anspruch zu nehmen.
Als die Zuschauer des ausverkauften (und ganz nebenbei: grandiosen) Tina-Turner-Konzers eine Straßenbahn Richtung Innenstadt nehmen wollten, konnten sie lange warten. 30 Minuten, um genau zu sein. Denn die KVB scheint der einzige örtliche Nahverkehrsanbieter zu sein, der anlässlich einer Großveranstaltung keine Sonderzüge einsetzen mag.
Groß war der Ärger, groß die Verwunderung. Fast höhnisch lief unter der Anzeige des nächsten Zuges der Hinweis auf die Abba-Revival-Veranstaltung, die man doch ganz toll mit Bussen und Bahnen besuchen könne. So blöd ist man wohl nur einmal.
Dabei sind zwei Dinge wichtig: Erstens zahlen die Veranstalter von Konzerten in der Regel eine Sondergebühr an solche Verkehrsbetriebe, damit die Eintrittskartenbesitzer den Nahverkehr kostenlos nutzen können. Die Gegenleistung für diese Gebühr – und es wäre erstaunlich, würde sie in Köln nicht erhoben – scheint bei der KVB zu bestehen aus… nichts.
Zum anderen natürlich der Umweltaspekt. Denn die KVB übrigens selbst noch hochjubelt auf ihrer mageren Internet-Seite. Statt es den Menschen einfach zu machen, signalisiert die KVB ganz klar, dass sie kein Interesse daran hat, neue Kunden zu gewinnen. Denn gerade bei solchen Veranstaltungen bestünde die Chance, Menschen vom ÖPNV zu überzeugen – schließlich hat niemand Lust eine Stunde im Parkhaus zu sitzen, bis der Stau vorbei ist (was in Köln üblich ist).
“Wir bewegen Menschen” hat die zuständige Werbeagentur der KVB als Motto aufgeschwatzt. Stimmt aber irgendwie. Die KVB bewegt die Menschen dazu, das Auto zu nehmen.
Nachtrag vom 28.1.: Auch die Stunksitzung hat dazu ihre Meinung (vielen Dank an tcaspers für den Hinweis):
» Weiterlesen
