Umzug der Indiskretion

Mein Blog ist umgezogen. Seit dem 1. November werden hier keine neuen Beiträge mehr gepostet, sondern nur noch unter www.indiskretionehrensache.de.

Friedhof der kugeligen Tiere

In diesen Tagen laufen die Medientage zu München. Es ist eine Veranstaltung, die groß ist. Und gestrig.

Vor drei Jahren war ich zum ersten Mal dort. Und zum ersten Mal desillusioniert. Die Elefantenrunden, deren Teilnehmer wie Teilnehmerzahl Jahr für Jahr anschwellen, sind die ultimative Dokumentation der Rat-, Ideen- und Kompetenzlosigkeit deutscher Medienmanager.

„Die Schlacht um den Online-Markt ist für die deutschen Verlage verloren“, sagte 2006 Johannes von Bismarck vom Investor Veronis Suhler – es wurde als Majestätsbeleidigung empfunden.

Grandios auch jener Wortwechsel zwischen Peter Michael Herbst, Chefredakteur der „Saarbrücker Zeitung“ und Katharina Borchert, Chefredakteurin von Der Westen:

Herbst: „Im Internet und in Weblogs ist mir zu viel Thrash.“
Borchert: „Den gibt es in klassischen Medien genauso.“
Herbst: „Da lese ich ihn aber nicht.“

Oder Günter Beckstein anno 2007: „Das Internet ist ein neues Medium“, verkündete er und behauptete an der „Spitze des Fortschritts“ zu stehen.

Ja, so viel Ignoranz in einem Homo Sapiens – das trifft man selten so konzentriert wie bei den Münchener Medientagen.

Und dieses Jahr? Schauen Sie selbst.
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Leistungsschutzrecht + Paid Content = Verlagsleichen

Es könnte sein, dass ich im Folgenden Denkfehler mache. Aber ich kaue seit einigen Tagen an etwas herum – und finde diese Fehler nicht. Weshalb ich Sie, liebe Leser, um Ihre Hilfe bitte.

Was mich bewegt ist eine These: Die Bundesregierung will eine Leistungsschutzabgabe für die Inhalte von Zeitungsverlagen einrichten. Gleichzeitig wollen Verlage auf Paid Content setzen.

Und ich glaube: Die Kombination aus beidem ist der ultimative Verlagskiller.
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Diese miesen, raubenden Blogger-Schweine

Her mit dem Leistungsschutzrecht! Sofort! Denn es ist einfach unerträglich, ja, es ist zum Kotzen, wie diese sogenannten Blogger sich Texte klauen und einfach so publizieren. Zum Kotzen! Gratismentalität des Internet! Teert sie! Federt sie! Hängt sie höher.

Was ich meine?

Ich meine diesen haargegelten Blogger mit der Brille. Kaum hat er sein Internet-Tagebuch aufgemacht, da passt er sich direkt an in dieser Piratenwelt.

Ohne zu fragen scannt er ein Interview aus der angesehenen Zeitschrift „Lettre“ ein. Eines, das richtig wichtig ist für „Lettre“, weil es die Zeitschrift für viele zum ersten Mal in den Fokus rückt.

„Lettre“ hat das diesem Blogger sogar verboten. Explizit. Stört ihn aber nicht, die Sau. Solche Menschen gehören aus den Medien radiert. Internet-Verbot. Lebenslang.

Gut, jetzt, zugegeben. Er hat den Text jetzt nicht in seinem Blog veröffentlicht. Große Teile wurden auf Papier gedruckt, warum auch immer. Und den Rest gab es auf so einer Internet-Homepage.

Aber trotzdem: Blogger wie dieser sind eine Geißel für die Menschheit.

Ach so, wie der heißt, der Blogger?

Kai Diekmann.

Nachtrag: Am 25. November sitze ich in Köln auf einem Podium mit Springer-Außenminister Christoph Keese. Es könnte lustig werden.

Nachtrag II: Übrigens finde ich das Diekmann-Blog in seiner irrwitzigen Übersteigerung ganz, ganz großartig.

Der merkwürdige Chorgeist der Berliner Polit-Journalisten

Vielleicht habe ich mich geirrt. Vor ein paar Tagen habe ich mich gefragt, ob die indirekte Subventionierung der Tageszeitungen durch die Bundesregierung dazu führen wird, dass deren Polit-Berichterstattung handzahm wird.

Wird? Nun ja. Es scheint, ein Großteil der Hauptstadtberichterstatter ist es längst. Das demonstriert ein erschreckendes Video aus eine Pressekonferenz mit Angela Merkel.
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Schlechte Nachrichten für Social-Media-Hasser

In Deutschland wird der Bereich Social Media, Web 2.0 oder Usergeneratedschnickschnack immer noch gern als Kinderspielzeug angesehen, als sinnloser Zeitvertreib verfetteter Nerds (Merke: Für deutsche Medien sind ehemalige „Freaks“ jetzt „Nerds“). Und auch hier in den Kommentaren der Indiskretion geht es heftig zur Sache, wenn ich über das Thema schreibe.

Social Media zu verteufeln ist eine bequeme Haltung: Dann muss man sich mit dem Thema nicht beschäftigen. Dummerweise spricht eine Studie des Pew-Instituts aus den USA eine andere Sprache.
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Warum Blog-Lesen lohnt

Gelegentlich werde ich gefragt, wo sie denn seien, die tollen Blog mit den wertvollen Informationen. In solchen Momenten verweise ich auf ein bestimmtes Weblog, es heißt „Stationäre Aufnahme“ und ist für mich das schlagende Beispiel dafür, wie sich die Medienwelt verändert hat.

Heute sollten alle einen Artikel der Stationären Aufnahme lesen, die sich interessieren für:

a) die Pharmaindustrie
b) Pharma-Journalismus
c) ein fragwürdiges Bestsellerbuch
d) Fehlleistungen von ARD, „Süddeutscher Zeitung“ und Spiegel Online.

Die Geschichte geht ungefähr so: Produzent einer Salbe, die angeblich Neurodermitis heilen soll, geht mit der Behauptung spazieren, die Pharmaindustrie wolle die Kranken nicht heilen. Fakt dürfte eher sein: Der Herr ist von einem Seriositätslevel, das unter 100 Prozent liegt.

Eine solche Gemengelage werden wir künftig häufiger erleben. Auf der einen Seite ausgedünnte Redaktionen, die recherchefrei einem Buchautor glauben, werden korrigiert von jemand, der sich mit hochspeziellem Wissen auf ein Fachgebiet konzentriert, einfach weil es ihm Spaß macht.

Jeder Pharmajournalist würde durch die Lektüre der Stationären Aufnahme bereichert. Sie dübelt sich in Themenbereich so tief ein, wie es im Tagesgeschäft einer Redaktion kaum noch möglich ist. Ja, jeder Journalist könnte profitieren – wenn er Blogs denn lesen würde.

Bundesregierung will Tageszeitungen subventionieren

Nun scheint es so weit zu sein: Die Bundesregierung will Zeitungshäuser staatlich subventionieren. Sicher, sie wird es anders nennen – das doch Ergebnis ist eindeutig.

Das wird jeden einzelnen Computer ein wenig teurer machen – das ist erträglich. Weniger erträglich werden die Folgen sein. Denn von einer regierungskritischen Presse dürfen wir uns damit in Deutschland wohl verabschieden.
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Annette Weber – Instyle aber out of touch

Durch den Twitter-Stream von Katharina Borchert wurde ich gerade auf einen „Panorama“-Beitrag und eine dazugehörige Geschichte von W&V online aufmerksam, die mich fassungsslos macht.

Sie handelt von Annette Weber, Chefredakteurin des Möchtegern-Mode-Blättchen „Instyle“ – eine Dame, die anscheinend „Der Teufel trägt Prada“ ungefähr 23652 mal zu oft gesehen hat – und sich nun für die Münchener Anna Wintour geriert. » Weiterlesen

Die transatlantische Digital-Spaltung

In den USA läuft die Diskussion um Netz-Neutralität immer heißer. Ein Thema, dem sich weder deutsche Medien großartig widmen noch Politiker oder gar Manager.

Meine Meinung dürfte keine Überraschung sein. Ich zitiere mal aus dem Internet-Manifest:
„4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar.
Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.“

Deshalb möchte ich Ihr Auge auf einen anderen Aspekt der Diskussion lenken. » Weiterlesen