»Thomas Knüwer 29. October 2009, 11:57 Uhr

Friedhof der kugeligen Tiere

In diesen Tagen laufen die Medientage zu München. Es ist eine Veranstaltung, die groß ist. Und gestrig.

Vor drei Jahren war ich zum ersten Mal dort. Und zum ersten Mal desillusioniert. Die Elefantenrunden, deren Teilnehmer wie Teilnehmerzahl Jahr für Jahr anschwellen, sind die ultimative Dokumentation der Rat-, Ideen- und Kompetenzlosigkeit deutscher Medienmanager.

“Die Schlacht um den Online-Markt ist für die deutschen Verlage verloren”, sagte 2006 Johannes von Bismarck vom Investor Veronis Suhler – es wurde als Majestätsbeleidigung empfunden.

Grandios auch jener Wortwechsel zwischen Peter Michael Herbst, Chefredakteur der “Saarbrücker Zeitung” und Katharina Borchert, Chefredakteurin von Der Westen:

Herbst: “Im Internet und in Weblogs ist mir zu viel Thrash.”
Borchert: “Den gibt es in klassischen Medien genauso.”
Herbst: “Da lese ich ihn aber nicht.”

Oder Günter Beckstein anno 2007: “Das Internet ist ein neues Medium”, verkündete er und behauptete an der “Spitze des Fortschritts” zu stehen.

Ja, so viel Ignoranz in einem Homo Sapiens – das trifft man selten so konzentriert wie bei den Münchener Medientagen.

Und dieses Jahr? Schauen Sie selbst.

“Wenn man einen Friedhof neu organisieren möchte, macht es keinen Sinn die Leichen zu fragen.”

(Pickihh via Twitter)

(Gefunden bei Richard Gutjahr)

Traurig nur, dass jene Elefanten nicht alleine sterben, sondern zahlreiche Mitarbeiter mit sich reißen.

»Thomas Knüwer 29. October 2009, 11:57 Uhr

    11 Kommentare zu “Friedhof der kugeligen Tiere”


  1. Nunja die Frage ist ob es tatsächlich so schlimm aussieht. Hinter den Kulissen hat der ein oder andere ja doch bereits eine eigene Abteilung die nach interessanten Online Projekten, z.T. auch bloggs sucht und die dann einkauft. Kommt die Entwicklung eben nicht von innen, sondern von außen, auch wenn andere Verlage im Ausland belegen, daß Print & Online sich durchaus gut ergänzen können.

  2. Britta Stahl says:

    Vielleicht sollte man nicht so schwarz sehen – viele der alten Garde werden demnächste abdanken und neuen Gesichtern platz machen, die Veränderungen gegenüber aufgeschlossener sind.

  3. Eatofid says:

    Hui, gerade nen langen Comment geschrieben und weg war er. :/

    Naja, das Internet regiert einfach immer mehr und wird dies auch in Zukunft tun. Leider hinken wir deutschsprachigen Blogger den Engländern noch sehr hinterher, obwohl Deutschland ja um die 30 Mio. Einwohner mehr hat?

    Also wenn mein Lieblingsblogger einen Artikel verfasst, schalte ich den Fernseher aus und lese mir den in Ruhe durch und so geht es bestimmt auch hunderttausenden anderen deutschsprachigen Leuten.

    Aber es gibt einfach immer noch soviele Internet-User, welche nicht`s mit dem Wort bloggen anfangen können.

    Viele Firmen haben kein Interesse, Blogs für Werbung zu bezahlen.

    Man kann echt nur hoffen, dass sich das bald bessert. :-)

  4. Eatofid says:

    Jojo, leider werden Blogs von vielen Menschen noch abgewertet und leider ist es auch so, dass viele Internet-User mit dem Wort Blog überhaupt nichts anfangen können.

    Man sieht von der Materie einfach viel zu wenig im Tv.

    Also wenn mein Lieblingsblogger einen Artikel schreibt, kann im Tv laufen was will. Ich schalte die Kiste ab und lese mir den Artikel in Ruhe durch und so wie mir, geht es bestimmt hunderttausenden anderen Leuten im deutschsprachigem Raum ebenso.

    Es ist aber dennoch immer noch so schwer, mit nem Blog ordentlich abzucashen. Da sollten sich manche Firmen echt mal ein Stück abschneiden, von denen in England zum Beispiel.

    Die Top Elite Blogger in England verdienen soweit mir bewußt ist, ein x-faches mehr, als die Top-Blogger in Deutschland.

    Ich meine, England hat um 30 Mio. weniger Einwohner als Deutschland?
    Dennoch haben dort Firmen, teilweise auch sehr große Firmen, eben den Zeitgeist des bloggens schon erkannt.

    Ich hoffe, dass sich das bei uns auch bessert. :-)

  5. Seit wann sieht es denn hier so anders aus?

  6. christoph says:

    kurzer beitrag, aber dafür umso großartiger. habe da auch wieder so meine erfahrungen mit gestandenen verlegern gemacht. viele medienschaffende steuern ihre unternehmen direkt ins grab. “wir machen das, was wir immer schon machen – wenn es keinen interessiert, dann sind die leser selber schuld”

  7. Trash? ist doch ne tolle Sache. Wir machen auch immer merh Tras (the Dress) – kommt sehr gut an. Ab Wort oder bild – Es ist doch zumindest sehr unterhaltsam und nicht so grau.
    Michael Stange Fotograf aus Osnabrück

  8. mark793 says:

    @”dpa ist tot.”

    Ich meinte eher “DAB ist tot” gehört zu haben (zumundest von Herrn Doetz), vielleicht war der Abgesang auf dpa in einer anderen Veranstaltung zu hören.

  9. Hallo, Herr Knüwer, außer der Reihe möchte ich kurz auf die im Grunde hervorragende Idee, Blogkommentare via Twingly zugänglich zu machen, zu sprechen kommen. Ich habe es heute erstmals versucht, leider ohne Erfolg.

    Von meinem blog http://www.valuation-in-germany.blogspot.com habe ich heute um 15.00 h einen Link auf den Artikel “USA schaffen Sprung aus der Rezession” (13.34 h) gerichtet und einen ping an Twingly gesendet. Bei Twingly ist mein Beitrag umgehend angezeigt worden. Auf http://www.handelsblatt.com ist die Box “Blogkommentare” bis jetzt leider leer geblieben. Dass der Handelsblatt-Artikel um 17.09 h im Grunde die selbe Aussage hat, wie mein Blog-Beitrag, nämlich keine Euphorie aufkommen zu lassen, ist ein schwacher Trost.

    Können Sie bitte mal Ihren “Onliner” fragen, was ich falsch gemacht habe?

    Beste Grüße
    Eric

  10. 42 says:

    Was hat Herr Herbst gegen Thrash Metal? ;)

  11. ghling says:

    Es mag in dem Video durch den Zusammenschnitt täuschen, aber darin schien es um das Thema zu gehen “Wer hat die abstraktere / “tollste” Aussage?” und nicht darum, wie man den deutschen Journalismus retten könnte.
    Am auffälligsten fand ich das bei der Aussage “dpa ist tot!!!”. Das wünscht man sich vielleicht manchmal, damit die Journalisten merken, wie vieles sie von dort abschreiben und aufwachen, weil sie auf einmal keine Artikel mehr schreiben können.
    Aber vielleicht (oder besser: hoffentlich) sind diese Aussagen nur so aus dem Zusammenhang gerissen, dass sie in der Diskussion nicht so abstrakt und weltfremd erschienen. Das wäre zumindest zu wünschen.