In Deutschland wird der Bereich Social Media, Web 2.0 oder Usergeneratedschnickschnack immer noch gern als Kinderspielzeug angesehen, als sinnloser Zeitvertreib verfetteter Nerds (Merke: Für deutsche Medien sind ehemalige “Freaks” jetzt “Nerds”). Und auch hier in den Kommentaren der Indiskretion geht es heftig zur Sache, wenn ich über das Thema schreibe.
Social Media zu verteufeln ist eine bequeme Haltung: Dann muss man sich mit dem Thema nicht beschäftigen. Dummerweise spricht eine Studie des Pew-Instituts aus den USA eine andere Sprache.
Eine Stelle des Internet-Manifestes die besonders reichlich Prügel bezog, war die These 3.
In der steht:
“Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag.”
Selbst internetaffine Menschen bestritten das. Ist es ein Zeichen von Minderwertigkeitskomplexen?
Wikipedia gehört für fast jeden Internet-Nutzer zum Alltag (was nicht heißt, dass er sie jeden Tag benutzt – sondern, dass er sie benutzt, ohne groß darüber nachzudenken). Auf Youtube werden jeden Tag eine Milliarde Videos abgerufen. Und jeder zweite Koblenzer ist Mitglied bei Wer-kennt-wen (wobei ich von einer hohen Fake-Rate ausgehe).
Und nun räumt das Pew-Institut auch noch mit dem bequemen Vorurteil auf, das seien alles soziophobe Teenager, die sich dort tummeln. Nach seiner jüngsten Telefonbefragung unter mehr als 2000 Amerikanern taxierte Pew das Durchschnittsalter von Facebook-Nutzern in den Vereinigten Staaten auf 33 Jahre.
Das deckt sich mit meinem subjektiven Gefühl für den deutschen Markt. Ich entdecke bei Facebook derzeit verschollene Schulfreunde, die weder in der Wirtschaft gelandet sind, noch groß was mit Internet zu tun haben. Es sind Ärzte, Lehrer, Sozialpädagogen – und sie sind um die 40.
Beim Web 2.0-Summit präsentierte Facebook-Vizepräsident Mike Schroepfer weitere eindrucksvolle Zahlen. Jeden Tag liegt die Gesamtnutzungsdauer von Facebook weltweit bei acht Milliarden Minuten. Zwei Milliarden Fotos werden pro Monat hochgeladen, in Spitzenzeiten werden 1,2 Millionen pro Sekunde betrachtet. Das erscheint logisch: Gerade für Menschen, die Freunde und Verwandte in der Fernse haben ist Facebook ein ideales Mittel, um Familienbilder vorzuzeigen.
Hinzuzufügen ist: Deutschland hängt zurück – was wir in den USA heute sehen, wird in Deutschland in zwei bis drei Jahren Wirklichkeit.
Das gilt auch für Twitter. Das Durchschnittsalter der US-Twitter-Nutzer liege bei 31, sagt Pew. Überhaupt: Twitter. 19 Prozent der US-Internet-Nutzer nutze schon Dienste wie Twitter, um andere Menschen auf dem Laufenden zu halten.
Nun werden einige Kommentatoren hier wieder aufschreien: TWITTER! ALLES SINNLOS! BRAUCHT KEINER!
Wenn aber die Pew-Zahlen tatsächlich repräsentativ sind, dann hat der Kurznachrichtendienst den Sprung vom Hype in die Masse bereits geschafft. Und das wird auch in Deutschland passieren. Ich habe es schon einmal geschrieben: Twitter ist die neue SMS – und mehr.
Gerade weil der Dienst so einfach ist, ist er einerseits so vielseitig und wird andererseits völlig unterschätzt. Das ist typisch für Social Media: Software wird immer komplexer, denn Programme werden von einem Nutzer verwendet, der meist nicht darauf angewiesen ist, dass jemand anders die neuen Funktionen beherrscht. Bei Social Media ist es genau anders herum: Wenn Funktionen nicht benutzt werden, bricht die Kommunikation ab. Deshalb muss jede Erweiterun sehr simpel gehalten sein.
Twitter ist das perfekte Beispiel. Seit heute bin ich Beta-Tester der Listenfunktion. Nun kann ich jene, die ich mitlese, in Listen ordnen, was die Übersicht erleichtert – einfach, kompakt und ohne jede Erklärung zu nutzen.
Auch außerhalb dessen, was Twitter selbst entwirft begegnen mir ständig neue Einsatzmöglichkeiten. Zum Beispiel am vergangenen Freitag, als ich dem grandiosen 4:0-Sieg des SC Preußen Münster gegen Eintracht Trier beiwohnte.
Die Lizenzgebühren für Hörfunkübertragungen der Regionalliga waren dem lokalen Radiosender Antenne Münster zu hoch – es gibt keine Live-Reportagen mehr. Eine Iphone-App könnte ein gewisses Surrogat bieten. Sie heißt Voice Tweety und ermöglicht die Aufnahme von Tondateien und das automatische Tweeten eines Links zu ihnen.
Somit reportierte ich als Manni Breuckmann für ganz arme jedes der vier Tore und den Endstand – zur Verwunderung meiner Sitznachbarn.
Bleibt bei allem die Frage: Wird es bleiben?
Mancher bezweifelt das. Vor allem, weil er keine Refinanzierung sieht. Nun ist es extrem schwer, die tatsächlichen Zahlen der US-Web-Unternehmen zu schätzen – und einen Einblick gewähren die Firmen nicht. Doch ist es bemerkenswert, wenn Facebook mitten in einer historischen Wirtschaftskrise verkündet, nun einen positiven Cash-flow zu haben. Twitter generiert erste Einnahmen und Ideen für weitere gibt es genug. Gleichzeitig sind die Kostenbasen jeweils extrem niedrig.
Ist das ganze nicht vielleicht eine Modeerscheinung? Vielleicht wird Twitter von einem anderen Dienst abgelöst, vielleicht auch Facebook. So ist halt die Marktwirtschaft, heute fährt auch niemand mehr NSU oder Horch. Festzuhalten aber ist: Die Menschen begeistern sich nun seit über 10 Jahren für Dienste, die ihnen Kommunikation erleichtern. Selbst als Geocities und seine Kopisten scheiterten, blieben ihre Grundfunktionen anderswo erhalten und wurden weiter entwickelt (weshalb ich den Begriff Web 2.0 auch weiterhin nicht mag – aber er hat sich nun mal festgesetzt).
Und deshalb bin ich geneigt, Sean Parker zuzustimmen. Der Napster-Mitgründer sprach ebenfalls beim Web 2.0 Summit und prophezeite: Google werde wichtig bleiben, doch künftig würden Facebook und Twitter das Web dominieren.










41 Kommentare zu “Schlechte Nachrichten für Social-Media-Hasser”
Ich find’s problematisch, alles in einen Topf zu werfen. Facebook waechst sicher in Deutschland. Bei Twitter hab ich das Gefuehl, dass es eher wieder abnimmt, zumindest die private Nutzung. Und in Sachen Citizen Journalism ist die Mediennurzung in Deutschland einfach nicht mit den USA vergleichbar.
Aus meiner Sicht befinden wir uns bei vielen KMU (Klein und Mittelständische Unternehmen) in einer wichtigen Zeit der Aufklärung über Social Media. Der Nutzen durch Social Media wird noch nicht richtig adressiert, da mehr über Funktionen und Tools gesprochen wird, als über Strategien, ROI & Zusatznutzen. Ein weitere wichtiger Punkt ist, das wir doch gerade einen mittleren Paradigmenwechsel in der Art der Kommunikation vorfinden und alte Gewohnheiten bekanntlich sehr langsam sterben. Ein Umdenken ist auch hier dringend notwendig, weil es für Unternehmen heisst, die klassischen, hierachische getriebenen Informationskontrolle aufzugeben, den es gibt keine Kontrolle im Web 2.0. Diese Herausforderung gilt es als Chance warhzunehmen, um mit dem Kunden mit Offenheit und Authenzität auf Augenhöhe zu kommunizieren. Hierbei ist wie beschrieben Deutschland rund 2-3 Jahre hinter den Entwicklungen der USA zurück, aber es bleibt spannend.
Zu Twitter nur eine Modeerscheinung ? Alleine aufgrund der vielen Zusatzentwicklungen und Tools, das Iphone lässt grüssen wird das Herzstück immer mächtiger und bedeutender in Zukunft werden. Selbst wenn es Twitter nicht mehr gibt, wird die Community für Ersatz sorgen, weil es die Vorteile dieser Art der Kommunikation erkannt und schätzen gelernt hat.
Erstaunlich finde ich, dass es nun für manche Menschen relevant ist, ob sein Gegenüber ein Nutzer oder Verweigerer ist, oder gar ein Neuling oder alter Hase in Sachen Social Media. Da muss man sich schon fremdschämen, wenn dies tatsächlich für jemanden zum Faktor geworden ist.
Letztlich wird keines dieser Medien den direkten Kontakt zwischen Menschen je vollwertig ersetzen und es bleiben die Inhalte, die wirklich wichtig sind. Nicht die genutzten Medien, welche alle Jahre wieder einen neuen Anstrich und schicke neue Funktionen erhalten oder unter anderem Namen das versuchen, was der Mensch von Kindesbein an macht.
Also sollte man auf dem Teppich bleiben, anstatt um Götzen zu tanzen. Nutzt die nützlichen, spielt mit den Spielzeugen, aber nehmt das alles bitte nicht zu ernst…
Ich denke, dass die Diskussion um die Zukunft einzelner Anbieter wenig zielführend ist. Ob Twitter lebt oder stirbt ist am Ende des Tages irrelevant. Relevant ist hingegen, dass Ideen und Kommunikationsformen wie Microblogging zusehends unseren Alltag verändern, indem sie Köpfe verbinden wo es bisher nur Links zwischen Dokumenten gab. Und das betrifft nicht nur den privaten Nutzer sondern zusehends auch Organisationen. Viele unserer Unternehmens-Kunden setzen Microblogging-Tools schon jetzt bewusst ein (oder planen dies), um ihre Silos aufzulösen und neue Potentiale bei Forschung, Entwicklung und Knowledge-Management freizusetzen. Hier liegt das eigentliche Potential, dessen operative Umsetzung ich – sehr nerdig, oder von mir aus auch freakig – für mich “Human Intelligence Portal” getauft habe.
@Nostradamus: Vorhersagen sind hier, bitteschön, erlaubt.
Und natürlich hat die E-Mail den Brief noch nicht vollständig ersetzt – aber ich würde tippen, die Zahl der Briefe ist um 90 Prozent gesunken.
Auch ich glaube, dass die Zahl der E-Mail dramatisch sinken wird. Die Kurzen (von denen es jede Menge gibt) werden vielleicht auf Twitter oder Dienste wie Yammer abwandern. Skype oder Instant Messenger könnten jene Mails ablösen, die schnell beantwortet werden müssen.
Vielleicht aber, und das ist meine persönliche Prognose, wird Google Wave alles verändern.
Und was die Dinge betrifft, die “niemand” interessieren: Vielleicht interessieren die Freunde dieser Leute das ja doch?
Jenny Seedorf kommentiert:
“In 10 Jahren werden Twitter und Skype E-mail abeglöst haben. das ist bei wirklich jungen usern jetzt schon zu beobachten.”
Verblüffende Prognose. Woher nehmen Sie diese Gewissheit? Sind Sie hobbymäßig Wahrsagerin? Sehe ich überhaupt nicht so. Die E-Mail hat noch nicht mal den Brief ersetzt (wird sie vermutlich auch nie) und jetzt soll die E-Mail schon von Twitter (hä?) und Skype (?????!) überflüssig gemacht werden? Zur Info: Es gibt Unternehmen, die benutzen heute noch keine E-Mails, weil Sie noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen sind. Haben Sie schon mal eine Rechnung per Skype oder Twitter bekommen? Ich nicht. Sorry, aber das halte ich wirklich für ausgegorenen Schwachsinn erster Güte. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass es E-Mail auch noch in 20 Jahren geben wird. Twitter hat überhaupt nichts mit E-Mail zu tun. Dieser Dienst ist für K u r z n a c h r i c h t e n geschaffen falls Sie es noch nicht mitbekommen haben. Deswegen ist er so populär. Nicht weil mal dort seitenweise veröffentlichen kann. Hauptsache man wirft alles in einen Topf, Email Twitter, Skype, Facebook, achja IM natürlich, vielleicht noch ein bisschen Google dazu. Hauptsache mal irgendwas erzählt.
Dienste verschwinden nicht einfach mal eben so von der Bildfläche, nur weil eine Anwendung namens Twitter zum Vorzeigeprodukt der netzaffinen Gemeinde avanciert ist. Und was in den USA gemacht wird, kann man nicht 1:1 auf Deutschland/Europa oder die ganze Welt übertragen. Kulturen sind nun mal unterschiedlich. Also bitte mal auf dem Teppich bleiben und nicht ständig mit Twitter und Co. zum Web 2.0-Höhenflug abheben.
Ulrich Voss kommentiert:
“Die S*****VZs hat am Anfang auch niemand ernst genommen. Jetzt sind die fett.”
Zahlen sind niemals fett. Die Dienste sind zwar nach wie vor beliebt, aber das Wachstum stagniert (Quelle: http://bit.ly/PMirZ). Und das ist auch kein Wunder, wenn man sich ansieht, wie dilletantisch diese Dienste vorangetrieben wurden und werden. 2. Expansion kläglich gescheitert. 3. Geschäftsmodell gibt es außerdem bis heute keines.
“twi kommentiert:
Twitter mag für manche nützlich sein.
Aber warum soll ich mir Gezwitscher ala: “geduscht, gegessen, Verdauung okay” antun? twi | 23.10.2009″
Über die Sinn- und Zweckhaftigkeit solcher Tweets lässt sich streiten. Man kann solche Menschen aber auch auf “unfollow” setzen. Wahr ist aber auch: Leider gibt es bei Twitter genügend Leute, die Dinge erzählen, die niemanden interessieren. Man sollte sich also vorher mal die Nachrichten derjenigen anschauen, denen man folgen möchte.
Finde den Satz im Übrigen nicht dumm. Er spiegelt (leider) nur die Realität wider.
Willkommen im Konflikt der Grundrechte.
Eigentlich wäre Dein Twitter-Telefonat nämlich Lizenzpflichtig gewesen, wenn es nach der DFL geht:
http://s.ring2.de/socialfussek
… wir befinden uns mitten in einer kulturell disruptiven Phase – in der die Einordnung so schwer fällt, weil Kommunikationsgattungen konvergieren, Telefon, Radio, TV; Gespräche und Privates mit professioneller Publikation. Es bleibt spannend.
@Patrick: Da haben wir die gleiche Meinung. Implizit scheint twi aber zu glauben, wer Social Media für eine wichtige Entwicklung hält, wolle alle anderen Kanäle abschaffen. Aus seinem Kommentar sehe ich so eine Art Exklusivitätsunterstellung.
@Beobachter:
Die Wahl des Medien- und Kommunikationsmixes eine individuelle Sache.
Entweder-oder-Entscheidungen sind im Zusammenhang mit Kommunikationskanälen eh Käse. Oder kann Social Media deiner Meinung nach das Telefon für jeden ersetzen?
Wer mit Twitter oder FB nichts anfangen kann, muss noch lange nicht konservativ oder verständnislos sein.
Selbstverständlich gibt es sicherlich noch einige Nutzer und Unternehmen, die das Potenzial von Social Media für sich noch nicht erkannt haben, pauschale Polemik gegen Skeptiker ist aber Quatsch.
Herr Knüwer, Ja, Danke!
@Patrick: Und welchen Nutzen, welche Reichweite und welches Umsatzpotenzial hat das Telefon mehr als Social Media?
@twi: Sie sollen sich das nicht antun. Denn sie müssen nicht alles lesen – nur das, was sie interessiert. Sie müssen auch nicht jede TV-Sendung sehen, jede Zeitung lesen und jedes Radioprogramm hören. Sie müssen nicht mal jeden Brief lesen, der sie erreicht.
Wenn das Essesnerlebnis aber vielleicht von ihrem Sohn stammt und die Erkältungsklage von einem guten Freund – dann ist es ja vielleicht interessant.
Wir kümmern uns auf egal welchem Kanal immer nur um die Informationen, die uns interessieren.
Es gibt schon tolle Beispiele wie man Twitter und Social Media als praktische Organisations- und Kommunikationsinstrumente einsetzen kann. Die entwicklungspolitische NGO http://www.2aid.org arbeitet ausschließlich mit Social Media und hat sich über Twitter einen großen Unterstützerkreis und Kooperationen mit anderen NGOs aber auch mit Unternehmen erschlossen. In meinen Augen, ein sehr zukunftsträchtiges Modell.
Twitter und Facebook sind super, weil es viele Benutzerkonten gibt (die Zahl der aktiven User in Social Media liegt etwa bei 1-10 Prozent) und weil Twitterbook die neue SMS und das neue Google wird!?
Und Raider heißt jetzt Audi A4?
Klingt weder aus Consultant- noch aus Evangelisten-Sicht überzeugend.
Was ist mit Zielgruppenansprache, Reichweiten, Geschäftsmodellen (für mich) und Medienmix-Aspekten?
Das ist für Unternehmen relevant. Da ist z.B. http://www.exectweets.com interessant.
Was ist mit Zeitersparnis, Komfort und Kommunikationserleichterung?
Das ist für User relevant.
Niemand benutzt einen Medienkanal, weil er da ist, sondern weil er einen Nutzen verspricht, große Reichweite und Umsatzpotenzial hat usw.
Die Argumentation ist mir viel zu dünn. Wenn das Ganze auch noch mit dünnhäutigem “verkannter Prophet”-Habitus vorgetragen wird (“Ihr werdet schon noch sehen!”), ist es wirklich anstrengend zu lesen.
Das Hauptproblem am Leben ist das Signal-Rauschverhältnis … und all die Menschen, die ablehnen, was neu ist, was sie nicht sofort verstehen [= in wirtschaftlichen Nutzen umrechnen]. Diese Menschen konzentrieren sich immer auf das, was sie selbst negativ empfinden oder banal oder schmutzig; ihnen fehlt jegliche Form von Imagination und Neugier.
Im Grunde ist es simpel: Wer meint, soziale Netzwerk bzw. Kommunikationsplattformen nützen ihm/ihr nichts, der/die macht einfach nicht mit. Gibt auch Menschen, die nicht fernsehen oder keine Tageszeitung lesen, kein Telefon haben.
Ich habe Twitter und Facebook ca. 2 Jahre benutzt. Als Zeitdiebe sind die Dienste gut geeignet. Einen Mehrwert habe ich für mich nicht entdeckt. Ich geh jetzt mal Kaffeetrinken.
In meinen Augen ist das Hauptproblem bei Twitter, Facebook etc das Signal-Rauschverhaeltnis.
twi hat schon nicht ganz Unrecht mit seiner Pauschalkritik ueber “geduscht, gegessen, Verdauung okay”-Tweets. Es gibt einfach viel zuviele Leute die meinen, etwas zu verpassen wenn sie nicht an “diesem neuen Twitter-Dings” teilnehmen, und das Ergebnis ist dann ueberwiegend Muell. Aehnlich verhaelt es sich mit Facebook.. unter den heutigen Jugendlichen ist man nicht “in” wenn man keine Facebook-Seite hat, aber was man da dann ueberwiegend findet sind Partyfotos und aehnlich belangloser oder “peinlicher” Kram, den viele der User spaeter noch bereuen werden, ins Netz gestellt zu haben.
Es mag durchaus interessante Facebook-Seiten geben.. aber viele davon liessen sich auf einer eigenen Webpraesenz deutlich besser unterbringen. Genauso gibt es auch einige interessante Twitter-Feeds, aber die zu finden ist schwer, und viele davon werden parallel durch Blogs etc ergaenzt und waeren von daher auch ueberfluessig.
Aber einen massiven Vorteil haben diese Web2.0-Services.. sie saugen Spielkinder und Niedrig-Niveau-Kram aus den “alten” Internet-Kommunikationsformen wie IRC und Usenet ab, die dadurch mittlerweile wieder an Nutzbarkeit gewinnen.
@twi verstehe ich nicht.
Willst Du selber tweets absondern á la “geduscht”, “gegessen”, “Verdauung okay”? Die Pflicht derartige Sachen zu tweeten ist seit der letzten AGB-Änderung von Twitter aufgehoben worden.
Willst Du solche tweets nicht lesen? Warum um alles in der Welt solltest Du dann solche Twitterer folgen? Ich nehme an, Du machst auch keine Tour durch der Welt unangenehmsten öffentlichen WC-Anlagen, um dort WC-Sprüche zu lesen, die Du nicht lesen *willst*.
Ach so, das passt auch:
“Es bedurfte nur eines Tweets — Der Freitag http://bit.ly/3TJodg”
(wenn das hier schon kam, sorry, ich lese hier nur und lerne das Blog nicht auswendig
)
Das Auto hat keine Zukunft, ich setze aufs Pferd. (Zitat Wilhelm II.)
Das Auto hat nun mittlerweile über 100 Jahre auf dem Buckel. Wann lernen Kritiker endlich, dass etwas das bereits genutzt wird, nicht plötzlich wieder von der Bildfläche verschwindet. Die User werden es anpassen und zu ihrem Nutzen gestalten. Ich freu mich drauf!
Um auch zu Facebook mal Zahlen für Deutschland zu nennen: Wer dort eine Anzeige schalten will, bekommt 4,9 Millionen Nutzer ausgewiesen, davon 4,3 Millionen über 18 Jahren. (Umkehrschluss: 90 Prozent der deutschen Onliner sind nicht bei Facebook.)
Oder Zahlen aus der ARD/ZDF-Onlinestudie 2009 (mit 1212 befragten Internetnutzern ab 14 Jahren): 71 Prozent der Onliner nutzen Communitys/soziale Netzwerke überhaupt nicht. Das ist bei den Onlinern unter 30 deutlich anders, ja.
Diese Pauschalkritik an Twitter wie von twi finde ich immer putzig. Und auch wenn das hier vielleicht ein Trollversuch war: Mir begegnet genau dieses Argument immer wieder.
Aber das ist genauso, als wenn ich in einen Kiosk ginge, um mir mal dieses “Print” anzuschauen und dann hinterher meinte: Das ist nichts für mich, da geht\’s ja vor allem um Klatsch und Tratsch, Rezepte und Autos. Vollkommen irrelevante Zeitverschwendung
@twi und Sandro: klar, geduscht und Verdauung Ok, das sind nicht die spannenden Sachen bei Twitter. Aber: ich bin hierrüber http://twitter.com/tknuewer/status/5093059895 hier her gekommen.
Und lese hier schon lange mit. Früher habe ich via Feedreader geschaut, ob mich ein Posting interessiert (oder ob nicht), heute mache ich das lieber über Twitter.
Twitter kann sehr nützlich sein. Kommt immer drauf an, was man will und was man damit macht.
@twi:
Flamewarversuch oder einfach nur dumm? Obwohl ein Flamewarversuch hier auch vergeblich wäre. Ergo dumm.
@Rainersacht:
Problem an solchen Vergleichen ist nur, dass Twitter wächst und Fernsehen schrumpft. So wurden schon viele neue Ideen abgekanzelt. E-Mail braucht vor 10 Jahren auch keiner. Video im Internet vor 8 Jahren auch niemand. Twitter ist gerade einmal 3 Jahre alt … UMTS hatte drei Jahren nach der Einführung noch keine 2 Millionen Nutzer. Die Adaptionsrate bei Twitter ist schon erstaunlich hoch. Die S*****VZs hat am Anfang auch niemand ernst genommen. Jetzt sind die fett.
“Aber warum soll ich mir Gezwitscher ala: “geduscht, gegessen, Verdauung okay” antun?”
[] Du hast twitter verstanden
Hey, liebe Twitter-Fans, es sind nicht mal 2 Mio Accounts deutscher User! Bei einer TV-Sendung wäre das eine Nischenquote, so am Rand von ARTE…
Ist es nicht mit allem (vermeintlich) Neuem so? Erst mal ablehnen und so tun, als sei es unnötig. Über das Auto wurde auch mal gelacht…
Aber mittlerweile haben nicht nur internetaffine Branchen den Trend verstanden, nein auch z.B. die (oftmals als “konservativ” abgestempelte) Hotelbranche hat erkannt, wie wichtig das Social Web ist.
In den Twitter Top 100 der deutschsprachigen Hotellerie (http://www.hotel-newsroom.de/twitter-top-100/) kann man sich einen Überblick über die twitternden Hotels verschaffen… und der Ein oder Andere sich ein Beispiel nehmen.
Man muss aufpassen das wir hier die “Online-Welt” nicht mit der “Gesamt-Welt” (bzw. Gesamtbevölkerung) gleichsetzen. Richtig und sicherlich zweifelsfrei hat Twitter es in der Online-Welt geschafft sich durchzusetzen. Daraus aber schlussfolgern zu wollen, dass Twitter Mainstream im allgemeinen Sinne ist, wäre falsch.
In der Gesamtbevölkerung ist es noch lange nicht angekommen!
Ähnlich sieht es mit Sozialen Netzwerken aus: Hier ist ein deutlicher Nutzungsunterschied zwischen den USA und Deutschland zu erkennen. Hier zu Lande haben es StudiVZ, Facebook und Co. noch lang nicht geschafft sich durchzusetzen.
Wir tendieren leider viel zu häufig dazu die Online-Welt, in der wir, die Leser deines Blogs, uns aufhalten als repräsentativ zu verstehen.
Meine Eltern, meine Großeltern, meine Nachbarn oder mein Chef sind in noch keinem Netzwerk gelandet.
Hier ist es sicherlich noch ein Schwerpunkt der Mediennutzung der bis 30 Jährigen.
Twitter mag für manche nützlich sein.
Aber warum soll ich mir Gezwitscher ala: “geduscht, gegessen, Verdauung okay” antun?
Gesamtnutzungsdauer von Facebook weltweit bei acht Milliarden Minuten täglich. http://de-de.facebook.com/sommerfeld
Naja, diese acht Fantastilliarden Minuten relativieren sich ein wenig, wenn man sie auf den durchnittlichen Nutzer herunterbricht. Dessen Verweildauer bei Facebook liege bei 8 Minuten am Tag, las ich dieser Tage irgendwo. Ob das jetzt eine halb volle oder halb leere Flasche ist, mag jeder sehen wie es seinem Naturell entspricht.
Meine ganz persönliche und subjektive Erfahrung geht eher in die Richtung, dass der anfängliche Reiz dieser Veranstaltung auch wieder nachlässt, sobald man mal die Phase des “ach, DU lebst auch noch?” hinter sich gelassen hat und feststellt, dass doch nicht jeder weitläufige Bekannte immer nur interessante Statusmeldungen absondert. Die ständigen Einladungen zu irgendwelchen blöden Spielchen (“Mafia Wars” & Co.) nerven auch mit der Zeit. Und ob Ex-Kollegin Anja-Tanja jetzt auch ein Fan von always ultra ist, interessiert mich offen gestanden so sehr wie wenn am Bielefelder Bahnhofsimbiss eine Bockwurst platzt. Somit komme ich inzwischen mit Mühe auf acht Minuten pro Monat, aber nicht mehr pro Tag.
Was nicht dagegen spricht, dass andere Menschen damit dauerhafteren Spaß haben können. Aber vielleicht ist Netzaffinität gar nicht so sehr die Grundvoraussetzung dafür, wie man gemeinhin denkt. Und twitter ist nochmal ne andere Geschichte…
Alter Trick, Skeptiker als Menschen zu bezeichnen, die etwas verteufeln – und ein billiger dazu.
Auffällig ist, dass die Social-Web-Missionare ständig mit der großen Zahl operieren und vergessen, dass Millionen Fliegen … ach, lassen wir das.
Dass Twitterer Mitte dreißig sind, entspricht voll und ganz meinen Beobachtungen. Die nächstjüngere Generation (20 ~ 30) interessiert das nicht, die pflegen wieder soziale Beziehungen in der Echtwelt.
Und wenn jetzt die Twitter-Zahlen in D-Land hochgejazzt werden, sage ich: Was sind knapp 2 Mio Twitterer gegen 17 Millionen deutscher Teilnehmer an Diskussionsforen im Internet (Quelle: Bitkom-Studie 2008 – http://www.bitkom.org/de/presse/56204_53660.aspx)
In das Loblied auf Twitter stimme ich gerne mit ein. Aber warum gibt’s hier keinen “share via Twitter”-Button o.ä.?
In 10 Jahren werden Twitter und Skype E-mail abeglöst haben. das ist bei wirklich jungen usern jetzt schon zu beobachten. das wird auch in einem neuen trendbuch beschrieben, wie unser leben in 10 jahren aussieht. geschrieben wurde von einem trendforscher, sven gábor jánszky, und heißt “2020 – so leben wir in der zukunft”. da geht es auch noch um andere sachen, aber unsere kommuniktion wird garantiert nicht mehr so sein wie heute. und twitter ist erst ein anfang davon.
Mein Erlebnis der Woche fand auf Yiid statt, die super fancy schmancy online “meta-community” (meta community ist hierbei eine Wortschoepfung des “junior communications manager” Nicolas Pöllmann in diversen pressemitteilungen auf freien pr-plattformen) hat es zum einen nicht so sehr mit der Angabe von Autoren auf ihrem Blog und nutzt zum anderen das Web 2.0 um sensationelle Artikel wie diesen hier rauszuhauen:
http://blog.yiid.org/2009/10/20/information-im-web-2-0-%e2%80%93-achtung-falschmeldung/
Die werden auch irgendwann erkennen, dass am Ende des VCs noch viel Leben uebrig ist, besonders fuer Leute wie den mir bisher unbekannten Poellmann, der in den Facebook Kommentaren zwar ordentlich auf den Putz haut, sich aber als absolutes Embryo entpuppt, verfolgt man seine Social Media Aktivitaeten:
http://twitter.com/NPoellmann
Hurra, der erste Tweet wurde bereits vor 4 Wochen abgesetzt.
Ich komme mir manchmal vor wie in Absurdistan, wenn ich fuer wenige Minuten in die Tiefen der deutschen Medien – aber auch Startup-Landschaft abtauche.
Die einen pennen seit Jahren vor sich hin, die anderen schlafen nicht ganz so tief und versuchen sich zumindest durch Kopien von US-Ideen ueber Wasser zu halten.
Internet Deutschland im Jahre 2009 – Eine offenbarende Wueste. Um so froehlicher stimmen mich Oasen wie deine hier, nur die kann ich an einer Hand abzaehlen. :\\
Le Web 09 in Paris? Hoffe wir stolpern uebereinander!
Ich wundere mich eh schon länger über den sehr langsamen Tod der SMS. Kann nix, ist schweineteuer und eigentlich durch Chat (oder Twitter oder Facebook) ersetzbar.
Ich schätze, wenn Facebook-Apps in der Qualität wie auf dem iPhone/Android die kritische Masse (50% der Anwender) überschreiten (oder Twitter in Deutschland ein SMS Gateway freischaltet), ist die SMS tot.
Aber dass das so lange dauert, hätte ich echt nicht erwartet.
Hallo Herr Braun,
aber Rechnen können Sie schon? Dann wären solche fundierten Kommentare vielleicht nicht nötig.
“Social Media zu verteufeln ist eine bequeme Haltung: Dann muss man sich mit dem Thema nicht beschäftigen. Dummerweise spricht eine Studie des Pew-Instituts aus den USA eine andere Sprache.”
Da die USA eh unseriös und böse sind, gilt dieses Argument nicht
Es ist nichts Neues, dass Neues erst mal verteufelt wird. Sei es 32 Bit oder 64 Bit Systeme, sei es mehr als 4 GB RAM, sei es Stoppschilder im Internet (Ironie!), Autos mit Anschnallgurt, Autos Mit Kat, neue Rechtschreibung, Frauenwahlrecht usw…
Hallo,
ich habe es gerade gelesen und da ich mir so ziemlich bewusst bin, dass man Menschen, welche online eine Menge Freizeit verbringen, immer wieder in irgendeine Schublade steckt. Recht hast du, dass man sich mit diesem Thema einfach nicht beschäftigen will.
Es ist ja immerhin sehr bequem, davon auszugehen, dass alle Web-Freaks einfach nur Freaks sind und nicht etwa Internet-Liebhaber sind.
BRD tut sich hierbei immer noch so schwer und vielen Menschen hierzulande wissen doch gar nicht, wie hoch der Nutzen des Internets und den ganzen angebotenen Diensten überhaupt in Wirklichkeit ist.
Aber stattdessen holt man sich i-ein Tagesblatt und liest, wie schlecht das Internet ist und was für einen schlechten Einfluss es auf Jugendliche hat. So ein Blödsinn! Auch ein Grund für mich, Zeitungen nicht mehr zu kaufen.
Vor allem, warum erkennt man nicht, dass jeder neu dazu gekommene Webuser, das Medium Internet auf die unterschiedlichste Weise für sich entdecken kann. Warum wollen das die meisten nicht wahrhaben? Wir vergleichen uns gerne mit US-amerikanischem Internet, aber es sind zwei verschiedene Nationen, zwei unterschiedliche Völker und wir haben nichts gemeinsam!!
Daher wird das Medium Internet auch ganz anders angenommen bzw. von jedem Einzelnen hierzulande interpretiert.
“Jeden Tag liegt die Gesamtnutzungsdauer von Facebook weltweit bei acht Milliarden Minuten.” – lol: das ist ja schon mehr als weltweit geatmet wird ..