»Thomas Knüwer 03. October 2009, 21:45 Uhr

Change? We can’t believe it

Apple verhandelt angeblich mit Zeitungshäusern über deren Teilnahme am neuen Tablet-PC, deutsche Verlage glauben derweil an das Handy als neue Cash-Cow.

Das Blöde ist: Vor dem Erfolg auf einer neuen Plattform wäre etwas nötig, was die Zeitungen seit Jahrzehnten nicht schaffen – sie müssten sich ändern.Seit 1992 habe ich als freier und fester Mitarbeiter für Zeitungen gearbeitet. Zu Beginn dieser Zeit lief die letzte große Umstellung in der Zeitungsproduktion aus Sicht eines Journalisten: die Umstellung von der Schreibmaschine auf den Computer.

Als ich anfing, tippte ich für die “Westfälischen Nachrichten” noch meine Artikel auf gelbe Vordrucke, die eine ungefähre Zeilenlängenvorgabe machten. Die Zettel reichte ich bei der Redaktion rein, oft warf ich sie in deren Briefkasten. Dann wurden sie zur Zentrale gefaxt und dort von Schreibkräften eingetippt. Kurz darauf war es dann endlich möglich, Disketten mit den Texten einzureichen – für alle eine große Erleichterung. Irgendwann kam dann noch das digitale Foto hinzu.

Doch das waren die letzten großen Änderungen. Eigentlich werden Zeitungen und Magazinen seit rund 15 Jahren so produziert. Sicher: Es entstanden Produktionräume, Newsrooms, in denen die Seitenplaner zusammengesetzt wurden. Doch dort ersetzte einfach der Großraum den Kleinraum, denn jene, die im Newsroom saßen, hatten vorher auch keinen großartig anderen Job gemacht.

Das Internet-Zeitalter ist an der Zeitungsproduktion größtenteils vorbei gegangen. Irgendwann saßen jene Online-Redakteure mit am Tisch, später durften sie sogar etwas sagen. Gelegentlich dürfen sie in deutschen Redaktionen auch etwas schreiben, was gedruckt wird.

Doch die grundlegenden Produktionsabläufe der Zeitungsproduktion haben sich für die Redaktionen seit langen, lagen Zeiten nicht geändert.

Das ist der Grund, warum ich so skeptisch bin angesichts des jüngsten Hoffnungsträger: dem Iphone. Na gut, eigentlich dem Handy. Aber erstens klingt Iphone schöner, zweites verstehen auch Menschen außerhalb Deutschlands dieses Wort.

Schon seit locker zehn Jahren schwört die Medienbranche, dass irgendwann das digitale Papier kommt: ein hauchdünner Medienträger, der die gedruckte Zeitung ersetzt.

Bis es so weit ist, soll es der Kindle von Amazon richten. Oder nun der Apple-Tablet-PC. Nach Informationen von Engadget spricht Apple sogar mit Verlagen, um sie zur Zusammenarbeit zu überreden.

Bis es so weit ist, soll das Iphone Geld bringen, ja laut Axel-Springer-Chef Matthias Döpfner ist nur einer, der vom großen Euro träumt.

Ja, mit all dem ließe sich Geld verdienen. Wenn die Verlage bereeit wären, diese neuen Geräte als eigenständigen Kanal zu akzeptieren, der neues Denken erfordert, neue Inhalte und neue Arbeitsweisen. Doch das ist ihnen ja nicht einmal beim Internet recht gelungen.

Wo sind die multimedialen Erzählweisen, die im Web möglich wären? Die konsequente Ausnutzung von Recherche und Vermarktung in Social Media? Ja, nicht einmal untereinander vernetzen mögen sich die Verlage. Oder Online-Redakteuren ein angemessenes Gehalt zahlen.

Und nun glauben sie allen Ernstes, das Iphone sei die nächste Endlagerstätte für 08/15-Inhalte – sogar gegen Geld? Die Geschäftsführungen scheinen anzunehmen, die Restbevölkerung ist so technisch naiv und rückständig wie sie selbst. Dumm, dass das nicht so ist.

Nehmen wir nur das Beispiel Axel Springer: Der Verlag rühmt sich seiner Premium-App Mein Klub. 100.000 soll die Gratis-Version heruntergeladen worden sein. Und in der Tat ist sie gratis sehr hübsch: Man stellt sich seinen Lieblings-Bundesliga-Verein ein und bekommt dann die jüngsten Meldungen aus dem “Bild”-Reich elegent geliefert. Und für 0 Euro bin ich auch bereit zu verzeihen, dass sich keine Sau darum kümmert, ob die Meldungen dem Endgerät gerecht werden. So gibt es zum Beispiel Artikel, die von spektakulären 3D-Grafiken handeln. Oder solche, die auf das Fan-Forum von Bild.de hinweisen. Nur: Eine Verlinkung gibt es nicht.

Die Premium-App weckt deshalb Erwartungen. Denn die Defizite der Gratis-Version sind ja offensichtlich. Beseitigt werden sie aber auch mit Geld nicht. Stattdessen gibt es belanglose Videos ohne Spielszene – da mangelt es an den Rechten.

Die Premium-App schaffte es in die Itunes-Charts, weil ihr Vorgänger ganz in Ordnung war. So mancher fühlt sich nun mit der Bezahlversion über den Tisch gezogen. Er soll für lieblose und technisch schwach umgesetzte Automatismen Geld bezahlen? Das wird ihm nur einmal passieren.

Egal ob Iphone oder Tablet-PC: Neue Geräte eröffnen neue Möglichkeiten. Geld macht mit ihnen nur, wer diese Möglichkeiten auch nutzt. Vielleicht gibt es einige Nostalgiker, die auf ihrer Xbox Pong spielen wollen oder in ihren Porsche Cayman einen Trabi-Motor einbauen – ihre Zahl ist aber überschaubar. Niemand kauf einen Tablet-PC, um darauf die gleiche Zeitung zu lesen, die es auf Papier gibt. Denn in einem Umfeld der Multimedialität wirkt statischer Text garniert mit Bildern schlicht – minderwertiger. Und für Minderwertiges zahlt kaum jemand.

Google-Chef Eric Schmidt gab Search Engine Land jüngst ein Interview, das sich jeder Zeitungsmanager nicht nur durchlesen, sondern besser noch an die Bürowand tackern sollte. Schmidt mutiert zum besten Lobbyisten, den sich die Print-Branche wünschen kann.

In diesem Gespräch sagt Schmidt:

“We think that over a long enough period of time, most people will have personalized news-reading experiences on mobile-type devices that will largely replace their traditional reading of newspapers. Over a decade or something. And that that kind of news consumption will be very personal, very targeted.”

Mit Verlaub: Wer in der deutschen Verlagslandschaft kann sich überhaupt vorstellen, wie dies aussieht? Wer plant für solche eine Zeit? Und wer hat noch zehn Jahre Zeit, angesichts der üblen Zahlen?

Schmidt spricht aber auch das größte Problem im Überlebenskampf der Zeitungen an – den Unwillen zur Veränderung:

“You’re fundamentally better off building the new product that is profitable and growing – again with the news, with magazines and so forth. It’s better for everyone. Because ultimately a subsidy model is a temporary solution. It’s not a long-term solution.”

Mit dieser Halsstarrigkeit, die eigenen Abläufe zu verändern gefährden die Zeitungsverlage mehr als die Zukunft der Zeitung. Sie gefährden etwas für die Gesellschaft viel wertvolleres: den Journalismus.

»Thomas Knüwer 03. October 2009, 21:45 Uhr

    20 Kommentare zu “Change? We can’t believe it”


  1. Krischn says:

    @Seb: Phht.
    @Oliver: Dafür gibt’s ja Fefe et al., und hey, nach uns die Sintflut. In meinem Bekanntenkreis stell ich fest, dass selbst diplomierte Germanisten, WiWis und andere vorgeblich gebildete Menschen sich hauptsächlich über Pro7 und RTL II informieren.
    Außerhalb des eigenen Fachbereichs (wenn überhaupt) ist der Horizont immer begrenzter: die Verarsche mit der Schweinegrippe kapiert zwar jeder kleine Krankenpfleger, anderes von Dir angesprochenes nimmt er (verallgemeinernd!) dafür widerspruchslos hin. Leider wird er, wie Du bereits anführst, von der Holzpresse auch nicht besser informiert. Nimmt m.E. auch nicht Wunder, wenn das Zeilenhonorar im Cent-Bereich liegt. Recherche kostet Geld und Zeit (hab ich gehört).
    Freilich weiß ich auch nicht, wie sich “Presse” online effektiv monetariesen lässt. Wahrscheinlich gar nicht. Mir würde jedenfalls im Traum nicht einfallen, für Tigerbabys, Terrorangst und böse Ausländer auch noch zu bezahlen.

  2. Slartibartfast says:

    @Sebastian

    Und wenn wir schon dabei sind: Laut Duden schreibt sich der deutsche “Autor” ohne h, während der “author” gemäß Langenscheidt das englische Pendant zu ebendiesem ohne h geschriebenen deutschen Autor ist. Merkt man dir da deine Vergangenheit als Internet-Schreiberling an, der sich keine Gedanken um stringente Verwendung von englischen und deutschen Begriffen in seinen Kommentaren machen möchte? ;-)

  3. Sebastian Misch says:

    Man merkt dem Author seine Vergangenheit als Journalist schon an. Laut Apple schreibt man “iPhone” wohl mit kleinem i und großen P.

    LG Seb

  4. Rainersacht says:

    Die Frage nach der Multimedialität ist nicht eine nach der Höherwertigkeit von gewürzten Beiträgen, sondern des Zusatznutzens. Ein kluger Kommentar eines klugen (von mir aus) Journalisten braucht weder Zusatzfoto, noch Zusatzvideo. Der Bericht über ein Unglück wird auch nicht informativer, wenn Amateurwackelbildchen angetackert werden – nur sensationsgeiler. Fotos sind doch jetzt schon in den Online-Medien vorwiegend Illustrationen oder – in Form von Click-thru-Galerien – Klickfallen.

    Gute Fotostrecken sind online extrem selten. Keine Ahnung warum. Informative Videos sind online ebenfalls selten, unterhaltsame gibt’s dagegen im Überfluss.
    Wenn ein Interview abvideofiert wird, ist das schön; ich persönlich wünsche mir aber jedes Mal, man würde das Transkript beifügen.

  5. @Don Ich doch auch. Aber: Diese neuen Kanäle eröffnen neue Möglichkeiten. Und die Medienhäuser nutzen diese nicht – im Gegensatz zu kleineren, wendigeren Konkurrenten im Kampf um begrenzte Zeit (und Geld). Statischer Text kann das richtige Medium sein. Wenn er aber Web-Seiten erwähnt und diese nicht verlinkt, dann läuft etwas falsch. Und manchmal ist der Text vielleicht nicht das richtige Erzählmedium. Was fehlt, ist die Varianz: Nur Text wirkt eben rückständig gegenüber jemand, der die vollen Möglichkeiten ausnutzt.

  6. Don Alphonso says:

    “Denn in einem Umfeld der Multimedialität wirkt statischer Text garniert mit Bildern schlicht – minderwertiger.”

    Einerseits – wer soll das bezahlen? Popelkram wie der Elektrische Reporter würde sich in der freien Wirtschaft nie selbst tragen.

    Andererseits – wer sagt denn sowas? Lesen ist doch keine Plage, und wenn ich mir die real existierenden Videos so anschaue, bin ich offen gesagt froh um jeden klugen Text.

  7. smatthes says:

    Zu den Problemen gehört übrigens auch, dass die meisten Verlagsmanager einen Blackberry besitzen und von der Nutzung des neuen Kanals “mobiles Internet” so weit entfernt sind wie die SPD von der Regierungsverantwortung.

  8. @Fiftyruhr: Diese Diskussion immer wieder aufzumachen ist zwar langweilig – aber nur kurz: Es gibt wirtschaftlich wunderbar laufende Modelle im Netz. Jüngstes Beispiel: Leo Laporte macht von seinem Wohnzimmer aus 1,5 Mio. Dollar Umsatz nur mit Werbung – bei Kosten von 350.000. Warum? Spitzes, klar gezieltes Angebot, gute Vermarktung, glaubwürdiger Präsentator. Spiegel Online ist profitabel, Focus Online läuft bestens, sogar Sport1 ist gut dabei.

    Und Print? Steht Tag für Tag schlechter da. Tradition ist kein Geschäftsmodell. Und wenn die Print-Verlage sich nicht wandeln, werden sie untergehen. Das ist Fairness – und zwar gegenüber den Mitarbeitern dieser Häuser, die drohen ihren Job zu verlieren – wenn sie noch einen haben.

    Und was die getrennten Redaktionen betrifft: Die sind fast überall Realität – und das ist eines der Probleme.

  9. Christian S. says:

    “Er soll für lieblose und technisch schwach umgesetzte Automatismen Geld bezahlen? Das wird ihm nur einmal passieren.”

    Schön wär’s – allein, mir fehlt der Glaube. Der Erfolg von Jamba & Co. ist so nicht erklärbar.

  10. fiftyruhr says:

    Ohne die (stets mit negativen Vorzeichen benannten) Holz-Medien (dabei ist Holz doch nachwachsender Rohstoff) hätten die sich aufblasenden Silikoner zur Zeit noch herzlich wenig zu schreiben und wenig zu sagen. Das Holz zahlt und wird dauerbeschimpft?
    Print und Online-Auftritt sind völlig unterschiedlich. Und trotzdem versucht der Schwanz ständig, mit dem Hund zu wackeln. Daher müsste man eigentlich für getrennte Redaktionen und Auftritte sein, damit das Genöle endlich aufhört. Wäre schön, wenn die Silikoner mal versuchen würden, ganz ohne Print-Hilfe was Selbsttragendes auf die Beine zu stellen. Bezahlt sich nicht bzw. keiner?
    Bitte mehr Fairness und weniger missionarischen Eifer!

  11. Sloggy says:

    Wo soll denn der inspirierende Journalismus herkommen, wenn Texter und Fotografen immer schlechter bezahlt werden und immer mehr Rechte abgeben müssen?

  12. Ein wichtiger Punkt ist m.E., dass Verlage sich zu wenig Gedanken darüber machen, wie sie ihre Inhalte nach haltig nutzbar aufbereiten könnten. Für Einmal-Lese-Wegwerfartikel brauche ich keine kostenpflichtige Applikation.
    Eine sinnvolle kostenpflichtige Anwendung wäre z.B. ein local history app: ein Archiv mit historischen Karten, Fotos, Zeitzeugenberichten etc., mit dem man Straße für Straße die Geschichte seiner Stadt erwandern kann.

    Weitere Bsp. dafür, was funktionieren könnte und was nicht und warum, habe ich vor 3 Tagen aufgeschrieben:

    http://medialdigital.de/2009/10/01/auch-ein-apple-tablet-wird-deutsche-zeitungen-nicht-retten/

  13. Martin Draeger says:

    Für mich zeigt dieser Artikel erst nach dem Lesen der Kommentare, worum es bei der neuen Form des Journalismus gehen wird: Um den folgenden Diskurs zum Thema. Erst dieser entzerrt die meist starre Perspektive des Autors und lässt dem Einzelnen die Möglichkeit, sich eine freie (eigene) Meinung zu bilden – basierend auf verschiedenen Darstellungen.

  14. Alvy Singer says:

    ich glaube nicht, dass es bei verlagen eine inhärente technik- und innovationsverweigerung gibt. aber zeitungen waren über jahrzehnte rendite-verwöhnt und waren erfolgreich und sahen daher keine notwendigkeit etwas zu ändern – ausser um kosten zu sparen. jetzt stehen sie unter druck – durch web und wirtschaftskrise. schlechte zeiten für (kostspielige) experimente. Außerdem ist print nach wie vor das geschäftsmodell – und war mit abstand.
    bemerkenswert ist in der tat die innerredaktionelle unterschiedliche wahrnehmung von print und online – denn auch hier ist print DAS produkt (für das es blattkritik usw gibt). verständlich, dass das dialog-orientierte web2.0-journalisten fassungslos macht. kann sich mit einem gerät wie dem kindle ändern? vielleicht. aber stand der dinge ist, dass sich ebook-reader nach wie vor nicht so fein handhaben lassen wie eine gedruckte zeitung. hier sind doch bei apple die erwartungshaltungen sehr hoch. hoffentlich zurecht. trotzdem konzentriert sich alles auf die frage: wie kann man geld verdienen. geld ausgeben für bereiche, die unter dem strich nichts bringen, ist nicht zwingend zukunftsorientiert, sondern kann auch für artbeitsplätze für moderne, plattformübergreifend arbeitende journalisten arbeitsplatzgefährdend sein.

  15. Dierk says:

    @pell

    Es ändert sich doch schon was, die Verleger und Chefredakteure und Herausgeber schimpfen doch mit dem Rücken zur Wand, weil ihr Monopol über die Meinungen der Deutschen bereits gebrochen ist. Was nicht zuletzt daran liegt, dass der Leser es sich inzwischen leisten kann – und damit wieder leisten möchte -, mehr als nur eine Tageszeitung und ein Wochenmagazin zu sich zu nehmen.

    Außerdem gibt es reichlich Rechercheure und Kommentatoren, die im Internet veröffentlichen, oft unter Umgehung des klassischen Dreisprungs in Verlagshäusern. Und dieses wird gelesen, ausgetauscht – Links sind so praktisch – und wieder kommentiert. Es kommt eine Debatte zustande, vielleicht eine echte Diskussion, zwischen den Bürgern, nicht mehr nur zwischen zwei Handvoll Stimmen, die sich im Presseclub gut machen.

    Mich wundert wenig, dass viele der im Augenblick bekannten Namen in der so genannten Blogosphäre gelernte Journalisten mit Erfahrung in Redaktionen sind. Ich bin auch überzeugt davon, dass Verlage und Verleger sich ändern, einfach weil in spätestens 20 Jahren ganz andere Leute “da oben” sitzen, Menschen, die mit dem Indernett aufgewachsen sind, es ganz selbstverständlich im Alltag nutzen. Ebenso andere Verknüpfungsmöglichkeiten in der Gesellschaft. Ich erinnere nur an die Entwicklung von Bertelsmann – vom Buchdruck und -club zum Verlag zum mächtigen Medienhaus, in dem TV weit wichtiger ist als Printmagazin.

  16. pell says:

    Was ich äußerst interessant finde, ist dieser ständige Tunnelblick auf die Verlage. Wie wäre es, wenn einige der großen Namen einfach Beispiele vorgeben würden, statt auf Podiumsplätzen über die Zukunft des Journalismus zu philosophieren? Ist diese Krise nicht eine Chance für die Großen Kleinen oder gar die Namenlosen?

  17. Maschinist says:

    Der Journalismus stirbt sicher nicht. Die Allmacht von Verlegern, Chefredakteuren, PR-”Beratern” und “Agenda-Settern” eher.

    Trauere ich dem nach?
    Vor einem Jahr habe ich mein letztes Zeitungs-Abo gekündigt, weil nichts Neues zu lesen war und vieles erst gar nicht vorkam. Das hat mich sehr enttäuscht.

    Nein, mir fehlt nichts. Ich lebe nach wie vor in einer Selbstwahrnehmung der (sogar besseren) Informiertheit. Sofort, umsonst.

    Ich würde auch gern bezahlen. Aber neben iTunes und PayPal will ich einem “Deutschen Verleger Obolus-System” keinen Zugriff auf mein Konto mehr geben.

    Im Internet kann man zu jeder Aussage sofort eine Verifikation starten. Blogs unterscheiden sich von “Online-Artikeln” darin, dass man seine Sicht direkt kundtun kann. Übertriebene Polemik oder Scharlatanerie ist dort selten zu finden – Der böse Mob existiert nur in extremen Blogs.
    Viele deutsche Verlage lassen das nicht zu, der Rest nur bei ausgewählten Texten. Das könnte die Eitelkeit von Redaktion und Verlag als Meinungsführer oder “Agenda-Setter” ankratzen – DAS darf nicht sein!
    Es sind eben holzbasierende Medien. Durch und durch. Sie werden sich nicht ändern weil ihre Vorsteher es nie anders kannten und sich nur durch hilflose Appelle zu wehren meinen.

  18. Oliver says:

    Was mich persönlich viel mehr ärgert ist diese Ignoranz für wichtige Themen in der modernen Medienwelt. Ein schönes Beispiel ist der Vertrag von Lissabon. Überall kann ich lesen, dass die Iren ja jetzt endlich zugestimmt haben, aber kein Wort darüber, was da eigentlich für Repressionen und katastrophale Folgen für unsere Demokratie an diesem Vertrag hängen. So etwas erfährt man leider nur aus einzelnen Medien, durch Selbst-Googlen oder durch Blog, die einen für diese Thematik sensibilisieren.

    Oder das Drama um die Schweinegrippe. Es müsste in jedem Medium zu lesen/sehen/hören sein, dass diese sog. “Katastrophe” eine riesige Lachnummer ist, die nur dazu dient, Pharmakonzernen viel Geld zu bescheren, im Zweifel auch auf Kosten von Menschenleben. Stattdessen sehen wir Horrormeldungen und Menschen mit Atemmasken, die uns ganz viel Angst machen sollen.

    Oder warum höre ich tiefergehende Informationen über die “Sauerlandgruppe” nur im DLF, während alle anderen Medien irgendwas von imaginären Terrorbedrohungen faseln, die ihnen vom BKA in den Füller diktiert wurden? Warum weiß niemand, dass der “Hassprediger” seine Gehaltsschecks vom Verfassungsschutz bekam?

    Journalismus macht sich seit Jahren selbst obsolet. Nicht wegen seiner medialen Aufbereitung, sondern wegen seiner Belanglosikeit, seiner Propaganda (SPD vs Bild) und seiner mangelnden Qualität. Enthüllungen gibt es seit Jahren keine mehr und wenn laufen sie bestenfalls im 3Sat Nachtprogramm. Im Abendprogramm erfahre ich dafür die Kopulationsgewohnheiten diverser C-Promis, nur um von den echten Nachrichten abzulenken.

    Mittlerweile werde ich aber mit grundlegenden Informationen aus jeder privaten Quelle besser informiert als von den dutzend Käseblättern, die ihre Informationen ungeprüft von DPA abschreiben, ohne dass selbst ein Denkprozess einsetzt. Ausserdem ist es wirklich schwierig, sich selbst eine Meinung zu bilden, wenn man überall nur noch eine Einheitsmeinung lesen kann.

  19. Breisacher says:

    Wie wär´s mal damit, ein paar positive Beispiele zu bringen, statt hier den Untergang des abendländischen Verlagswesens zu beschwören? Oder gibts nix Positives?

  20. Fotozelle says:

    Es wird wie immer sein: Die Welle schwappt von “drüben” rüber und hier wird man staunen und sich erst DANN Gedanken machen.

    Zukunft lässt sich wohl nicht alten, starren Köpfen machen.

    Leider.