»Thomas Knüwer 30. September 2009, 09:39 Uhr

Yahoo – it’s boring you

Krisen haben unterschiedliche Auswirkungen auf Unternehmen, immer aber sind sie extrem. Da sind die einen, die schlechte Zeiten nutzen um zuzuschlagen. Eine Krise ist eine Chance, es ist die Zeit, etwas Neues zu starte, zu gründen (Disclosure: Dieser Satz ist nicht aus neutraler Warte geschrieben.)

Und da ist das andere Extrem: Angst. Wer Angst hat, geht selten Risiken ein. Er setzt auf Bewährtes und wartet ab, bis alles wieder besser ist.

Womit wir bei der neuen Werbekampagne von Yahoo wären.Gibt es eigentlich noch irgendwo eine Werbeagentur mit Großkunden, die auch nur einen Funken von Kreativität in sich trägt? Das fragte ich gestern, als ich zum ersten Mal den TV-Spot zur neuen Yahoo-Kampagne sah.

Die ist groß. 100 Millionen Dollar verteilt auf zehn Märkte. “Yahoo’s last stand for the future,” nannte sie der Markenberater Dean Crutchfield gegenüber dem “Wall Street Journal”. Und sie war einer der Branchenscherze auf der Vermarktermesse Dmexco in der vergangenen Woche in Köln: Für viele dort war die Idee, dass ein Internet-Unternehmen TV-Spots und Print-Anzeigen schaltet geradezu bizarr. Mehr zur Strategie gibt es auch beim Netzökonom.

Ich sehe das anders. Online-Werbung ist extrem wichtig. Aber für ein Unternehmen von der Größe Yahoos kann es wichtig sein, sich Kunden gerade außerhalb des Web in Erinnerung zu rufen.

Nur: Warum tut man das nicht kreativ, umwerfend, mitreißend? Die Print-Anzeigen blasen einen großen Ballon auf, machen hohe Versprechungen – aber bleiben merkwürdig unkonkret.

Noch viel schlimmer der TV-Spot. Fast meint man, da hätten die Kreativen beisammen gesessen und hätten einfach ein Best-of-Video der globalen Werbung zusammengeschnippelt: fallende Rosenblätter, tanzende Inder, flatternde Fahnen, Fußballer, die Fußbälle um den Globus kicken – das alles hat man schon gesehen bei Nike und der Deutschen Telekom und Vodafone. Bezeichnend wohl, dass dieses Video gerade mal auf 20.000 Abrufe in drei Tagen kommt: Ein Web-Konzern von der Power Yahoos müsste weit mehr bewegen.

Und deshalb war meine erste Frage, ob es noch kreative Werbeagenturen gibt, die falsche. Nicht Kreativität ist das Problem – sondern Mut. Mut, in der Krise etwas anderes zu machen, als sich aus dem 08/15-Baumarkt-Tuschkasten der Werbung zu bedienen.

Ob dieser mangelnde Mut beim Kunden Schuld an der Yahoo-Langeweile ist, oder der mangelnde Mut bei der Agentur – das wissen nur die Beteiligten. Sicher ist nur: Jeder Aufruf an die Yahoo-Kunden, kreative Ideen einzureichen, hätte schwungvolleres gebracht – und das zu einem Bruchteil des Preises.

Nachtrag: Christoph Salzig hat auch so seine Bedenken.

»Thomas Knüwer 30. September 2009, 09:39 Uhr

    7 Kommentare zu “Yahoo – it’s boring you”


  1. Martin says:

    “Mut” ist so ein starkes Wort – ich nutze hier lieber das Wort “Bereitschaft”. Bereitschaft etwas bewegen zu wollen, das mündet oft in Kreativität..

    ..und ob die Schuld bei der Agentur zu suchen ist, oder beim Auftraggeber wird sich von außen kaum feststellen lassen – von daher erübrigt sich für mich hierzu die Diskussion.

  2. @ Christian
    Wenn ich an den unsäglichen Spot zum Start der “BMW ist Freude”-Kampagne denke und jetzt das hier sehe ( http://nummer15.wordpress.com/2009/09/30/eingesprungen ), dann könntest du mit deiner Überlegung Recht haben – hoffentlich!!!

  3. Vielleicht schließt Du Dich ja meinem Vorstoß an und unterstützt mich beim Kaffee kochen, wenn Yahoo! wider Erwarten erfolgreich ist: bit.ly/YsVTz – Immerhin hast Du die Fesseln der redaktionellen Produktion abgeworfen;-) Übrigens: Sonntagmorgen.com hat freundlicherweise angeboten die Produktionsmittel (Maschine und Kaffe) zu stellen.

  4. Tim says:

    Ich gebe Christian recht – solange man das Ziel der Kampagne nicht kennt, kann man sie nicht beurteilen.

    Übrigens bringt es an sich noch (fast) nichts, wenn man Werbung schaltet, die die Leute gut finden. Ein Werbeziel kann ja zum Beispiel durchaus sein, daß man von der Zielgruppe als großer Mitspieler wahrgenommen wird, der sich teure Werbung leisten kann. Dann ist es fast egal, was man auf Plakaten, in Filmen und so weiter zeigt.

  5. Mark says:

    Den mangelnden Mut nur bei der Agentur zu suchen halte ich für zu kurz gesprungen. Irgendwer im Unternehmen gibt einen Rahmen vor, auch was die Kreativität angeht. Wer weiß wieviele kreative, witzige, mutige Vorschläge verworfen wurden, bevor diese Konsenslösung gefunden war …

  6. Ich glaube auch nicht, dass das Ganze Aussicht auf Erfolg hat. Aber: Meckern ist einfach! Vielleicht schließt Du Dich ja meinem Vorstoß an und unterstützt mich beim Kaffee kochen, wenn Yahoo! wider Erwarten erfolgreich ist: bit.ly/YsVTz – Immerhin hast Du die Fesseln der redaktionellen Produktion abgeworfen;-) Übrigens: Sonntagmorgen.com hat freundlicherweise angeboten die Produktionsmittel (Maschine und Kaffe) zu stellen.

  7. Christian says:

    Na ja, ich tippe ja mal, dass das der Startspot einer größeren Kampagne ist. Insofern sollte man erst beurteilen, wenn die Kampagne etwas läuft. Zudem: Eine Kampagne ist dann erfolgreich, wenn sie ihr Ziel erreicht. Das kennen wir nicht – daher fällt die Evaluation schwer.

    Außerdem sind 100 Mio Dollar in 10 Ländern wirklich nicht so viel. Wenn davon 10 Mio in D landen sind das 6 Mio. Euro. Vodafone z.B. gibt laut Schätzungen einen mittleren bis oberen zweistelligen Millionenbetrag aus.