»Thomas Knüwer 15. September 2009, 17:48 Uhr

Die prügelnden Polizisten und das Youtube-Exempel

Am vergangenen Wochenende ist etwas passiert, was nicht nur Besucher künftiger Demonstranten betreffen wird. Es wird sich auswirken auf das Verhältnis vieler Bürger zur Polizei und dem Verhalten von Polizisten bei der Begegnung mit größeren Menschenmengen. Und wenn nicht jemand an der Spitze der Polizei einlenkt, dann drohen uns bald viel Aggression, Blut und Youtube-Videos.Die Geschichte ist höchst unappetitlich. Und für jene, die sie noch nicht gehört haben, eine kurze Einführung: Am vergangenen Samstag fand in Berlin eine Demonstration unter dem Motto “Freiheit statt Angst” statt. Dabei kam es am Rande zu einer Szene, die so aussah:

Schnell machte das Video im Web die Runde, die Berliner Polizei reagierte, wie die Presseabteilung einer Polizei halt reagiert – sie wiegelte ab:
“Trotz wiederholter Aufforderungen, den Ort zu verlassen, störte insbesondere ein 37-Jähriger weiter. Die Beamten erteilten ihm schließlich einen Platzverweis. Nachdem auch dieser wiederholt ausgesprochen worden war und der Mann keine Anstalten machte, dem nachzukommen, nahmen ihn die Polizisten fest. Hierbei griff ein Unbekannter in das Geschehen ein und versuchte, den Festgenommenen zu befreien, was die Beamten mittels einfacher körperlicher Gewalt verhinderten. Der Unbekannte entfernte sich anschließend vom Tatort. Der 37-Jährige erlitt bei seiner Festnahme Verletzungen im Gesicht und kam zur Behandlung in ein Krankenhaus.
Die Vorgehensweise der an der Festnahme beteiligten Beamten einer Einsatzhundertschaft, die auch in einer im Internet verbreiteten Videosequenz erkennbar ist, hat die Polizei veranlasst, ein Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt einzuleiten. Das Ermittlungsverfahren wird durch das zuständige Fachdezernat beim Landeskriminalamt mit Vorrang geführt.”

Der angegriffene Fahrradfahrer erklärte, er habe Anzeige gegen einen Polizisten erstatten wollen und habe dessen Dienstnummer verlangt. Im schlimmsten Fall könnte man seinem Verhalten nachsagen, dass er nervte. Doch niemand würde behaupten, dass er ihm körperlich eine Chance gegen auch nur einen einzelnen der Polizisten geben würde. Trotzdem wurde er, die Bilder lassen keinen anderen Schluss zu, bewusst geschlagen (eine detailliertere Beschreibung gibt es auch hier).

Im Netz herrscht große Aufregung darüber – zurecht. Doch überraschen kann das nur jene, die noch nie bei einem besser besuchten Fußballspiel waren. Oft genug dürfen sich auch Fans ein Verhalten der Polizei gefallen lassen, das nicht vereinbar ist mit dem Grundgedanken des Bürgerschutzes.

Ein Onkel von mir war Polizist in Berlin. “Zum Fußball”, sagte er vor langen Jahren, “kommen nur die jungen Heißkisten”. Die Jungen, die sich beweisen wollen. Die nicht so viel nachdenken.

Die Situation klingt simpel: Prügelpolizisten, arme Demonstranten.

Doch so einfach ist das auch wieder nicht. Denn es gibt eben auch andere Situationen. Situationen, in denen eine friedliche Demo kippen kann. Und in der Gewalt angewendet werden muss. Zum Schutz der anderen Bürger. Man darf Ausschreitungen wie am 1. Mai in Kreuzberg nicht einfach so passieren lassen. Punkt. Es braucht dafür Polizisten, die bereit sind, Gewalt gegen Gewalttätige zu richten. Polizist, das ist angesichts der Bezahlung und der Arbeitszeiten für die meisten Menschen weit vom Traumberuf entfernt. Doch es ist ein nötiger Beruf.

Die Frage ist: Kann ein Mensch so einfach hin- und herschalten zwischen Gewalt und Nettigkeit? Ich fürchte: Das können nur ganz wenige. Davon zeugen auch Zitate, die angeblich aus einem Polizisten-Forum stammen.

So stehen wir vor einem gesellschaftlichen Problem. Denn die Videos aus Berlin werden die Situation verschärfen. Einerseits werden Demonstranten (und auch Fußball-Fans) beständig Handy oder Kamera im Anschlag haben, um Vergehen der Polizei zu dokumentieren. Andererseits ist künftig jeder am Rande einer Demo oder eines Fußballspiels, der mit ein Objektiv auf die Polizei richtet, eine Gefahr. Denn Bilder können auch missverständlicher ausfallen.

Da reißt etwas ein im Verhältnis von Ordnungshütern und Bürgern. Es entsteht eine Situation, die nicht erträglich ist. Gelöst werden aber kann sie kaum von Seiten der Bürger: Sollen die nicht mehr festhalten, wenn Polizisten einen Fehler begehen? Denn diesen können sie nicht nachweisen: Polizisten schützen immer die anderen Polizisten. Und tatsächlich ist es fast unmöglich an die Dienstnummer eines Beamten zu kommen.

So bleibt nur die Polizei. Sie hat ein Problem. Niemals wird sie von allen Bürgern als Freund und Helfer akzeptiert werden. Doch ist sie für viel zu viele Menschen zum Angstfaktor geworden. Das darf nicht sein. Und es darf auch nicht solche Szenen geben, wie in Berlin. Die Polizei muss den ersten Schritt machen, ich sehe keinen anderen weg. Tut sie es nicht, werden wir noch viel mehr blutende Demonstrationen auf den Videoportalen sehen.

»Thomas Knüwer 15. September 2009, 17:48 Uhr

    27 Kommentare zu “Die prügelnden Polizisten und das Youtube-Exempel”


  1. Holger says:

    @Raimund Kohl-Füchsle:
    Dieser Fall hat absolut nichts mit Ihrer Situation in Heidelberg zu tun.
    Diese Polizisten wurden nicht gerade ins kalte Wasser geworfen–im Gegenteil. Man sieht die Professionalität, mit der die Kollegen sofort einen Ring bilden, damit niemand beim Prügeln gestört wird, wie auch die des Polizisten mit der Kamera, der genau weiß, was er nicht zu filmen hat.
    Und jetzt mal ganz ehrlich: wenn sie sich umdrehen, und sehen, dass ein Kollege “sich zofft”, soll heißen, einen Mann, der einen Kopf kleiner als er selber ist, im Schwitzkasten hat, laufen Sie dann wirklich hin, und schlagen dieser Person direkt ins Gesicht?

  2. Roland says:

    Abend, ich finde es schon beeindruckend wie man davon so erzählt als ob man dabei gewesen wäre und alles mit den eigenen Augen gesehen hätte. Dabei hat man nur das Video gesehen.
    Was, wer und wie etwas gesagt wurde kann man auch nicht hören.
    Trotzdem bin ich der Meinung dass ein Polizist mehr Selbstbeherrschung haben sollte. Es wurde von dem Mann ja keiner tätlich angegriffen.
    Und sollte hier provoziert worden sein so muß ein Polizist darüber stehen. Basta.

    @Hartmut
    Bin aber grundsätzlich Deiner Meinung. Ich finde auch dass die Staatsmacht bei den Chaoten die andere Bürger akut gefährden, gezielt, härter durchgreifen sollte.

  3. Wolga says:

    Der Mann im blauen Shirt geht anscheinend
    gerne und oft und immer mit Fahrrad demonstrieren
    und fordert mit penetranter Stimme seine Rechte ein.
    Will auf keinen Fall gutheißen, dass man der Willkür der Polizei ausgeliefert ist, aber ein bisschen provozierend wirkt der Mann dann irgendwie doch.
    http://www.youtube.com/watch?v=qATfQ01T59c&feature=player_embedded ab 2:35 min

  4. jo says:

    @Thomas: Die Zitate stammen tatsächlich von “Copzone”, einige habe ich noch live gesehen. Teilweise findet man sie auch noch im Google-Cache.

    Entscheidend ist aber ohnehin der zweite Punkt. Schon beim Überfliegen des Forums drängt sich – genau wie bei Indy- (links) oder Altermedia (rechts) – der Eindruck auf, dass bei “Copzone” neben echten Polizisten auch Wannabes, Gewaltphantasten und Provokateure schreiben, die es aus gutem Grund wohl nicht in den Polizeidienst geschafft haben.

    Authentische Stimmen tatsächlicher Polizisten auszufiltern, halte ich für kaum machbar. Das dürfte realistisch allenfalls bei Stammnutzern möglich sein.

  5. @Le Roi und @Jens: Wie Sebs anmerkt, wurde der Thread gelöscht. Außerdem kann ich nicht nachprüfen, ob die dort Diskutierenden auch Polizisten sind. Das war damit gemeint, was natürlich bedeutet, das “angeblich” war an eine missverständliche Stelle gerutscht.

  6. Raimund Kohl-Füchsle says:

    Ich glaube, ein Problem in der ganzen Sache liegt im Blickwinkel der Betrachtung: Polizisten ./. Demonstranten. Ja, dieser Blickwinkel ist zulässig. In diesem speziellen Fall aber gilt dieser Winkel meiner Meinung nach nicht.

    Der Vorfall, der in diesem Video gezeigt wird, war eine Sache zwischen zwei Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen in unterschiedlichen Rollen an dieser Stelle waren. Der Rest ist Eskalation. Ich war selbst 10 Jahre Polizeibeamter und auch auf einer Demo in Heidelberg eingesetzt. Nichts und niemand kann einen auf diese Situation vorbereiten, denn ein Training ist ein Training und Ernst ist Ernst. Wir sind alle Menschen – und haben unsere Stärken und Schwächen. Sicher, das entschuldigt gar nichts, aber es relativiert und bricht die Situation herunter auf die Ebener einer Auseinandersetzung zwischen zwei Menschen. Stellen Sie sich vor, Sie wären Polizist, sie wären bei einem Demo-Einsatz und drehten sich um. Sie sehen, wie sich ein Demonstrant mit einem Ihrer Kollegen zofft. Was würden Sie tun? Beide erst mal nach ihrem Ausweis fragen? Wohl kaum – und das ist es, was ich unter Eskalation verstehe. Sie ist in einer solchen Situation unvermeidbar.

    Nun kann man darüber diskutieren, was die charakterliche Eignung eines Menschen meint, die er haben muss, wenn er für den Polizeidienst tauglich sein soll. Ich persönlich bin der Ansicht, dass Polizeibeamte, die jünger als 30 Jahre alt sind und keine Familie gegründet haben, kaum den Erfahrungshorizont mitbringen, den es braucht, um mit einer solchen Machtfülle adäquat umgehen zu können, die ein Polizist nun mal hat. Aber ich glaube, die Bürger sehen das ganz anders – falls sie es überhaupt sehen.

  7. Sebs says:

    @Jens: Ich glaueb der Thread war gelöscht.
    Aber ja, wen es interessiert der soll mal nach copzone forum suchen im google und sichj einfach mal einlesen.

  8. Le Roi says:

    Thomas Knüwer, Jens:

    Wozu brauchen wir denn noch bloggenden Journalisten, wenn da auch nur “angebliche Zitate” aus anonymen Foren verlinkt werden?

    Kann ein Journalist nicht recherchieren und dann mehr Qualität bieten? (“Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln”)

  9. Dirk Landau says:

    @Markus
    1. PVB: Polizeivollzugsbeamter
    2. “deeskalierend” in dem Sinne, dass ohne Einschreiten ein Umkippen der Gesamtlage, bspw. durch Übergriffe gegen die Polizei, befürchtet wird.
    3. “Ungeeignet” in dem Sinne, dass der T-Shirt ziehende Beamte vermutlich den Ausbildungsstand geniesst, zwar um diese Eventualität (Zeuge droht durch situative Überforderung zum potenziellen Störer zu werden) nicht aber die geeigneten dienstlichen Mittel zu deren Deeskalation (Verständigung Anti-Konflikt-Team, Platzverweis) zu wissen. (Warum sonst sollte er verhindern, dass dem Platzverweis Folge geleistet wird?)
    4. “nicht so martialisch” bezog sich nicht auf den sog. Herrn im blauen Hemd sondern auf die vorangegangene Festnahme einer Demo-Teilnehmerin, die nicht video-dokumentiert ist und Auslöser der Situation gewesen ist. Bei dieser Festnahme soll es unverhältnismässig grob zugegangen sein, was ich nicht zu beurteilen vermag.

    Wohlverstanden: Ich will hier nicht die Polizei in Schutz nehmen, wenn die – eventuell in dem einen, ganz sicher in dem anderen Fall – falsch agiert haben.

    Ich kann aber aus Erfahrung sagen, dass manche Dinge, die von Zeugen als martialisch beobachtet werden, es gar nicht sind:
    Mich haben sie vor sehr sehr sehr vielen Jahren mal von den Beinen geholt, weil ich meinen Personalausweis nicht zeigen wollte und das auch mehr als lautstark bekundete: Was von aussen so aussah wie “Schwitzkasten” war der erfolgreiche Versuch meinen Kopf beim Zu-Boden-Bringen zu schützen, was die Umstehenden zu Sprüchen wie “Boah, Dich haben sie aber durchgelassen, die [...]” bewegte, war für mich keine schöne Erfahrung aber ich war nicht das Opfer exzessiver körperlicher Gewaltanwendung, obwohl es so gewirkt hat.
    Die Zeugen waren aufgewühlter als ich selbst – deren Gerechtigkeits- und (subjektives) Rechtsempfinden war verletzter als meins.
    Wie in meinem ersten Kommentar beschrieben beginnt dann meist das Hochschaukeln: In solchen Situation kocht dann das Blut, und dem sollte frühzeitig entgegengewirkt werden.

    Die Einsatztaktik ist also insgesamt und perspektivisch zu hinterfragen.
    Situationen, bei denen Beteiligte und vor allem Zeugen von jetzt auf gleich auf 180 gehen, sind für die Bürger meist Ausnahmesituationen während sie für die Polizeibeamten geübter Einsatzalltag sind.
    Unser Gastgeber hier setzt m. E. genau da an:
    Es gibt quasi Konfliktprofis und Konfliktlaien – und es ist an den Profis, einen angemessenen Umdenkprozess zu starten und, zum Beispiel, mehr Kräfte in Anti-Konflikt-Teams einzusetzen:
    Auf der FSA09 waren den gemittelten Schätzungen zufolge rund 15000 Teilnehmer und 900 Polizisten. Von den 900 waren nur vier im Einsatz, um bei Konflikten zu vermitteln, also für echte Deeskalation zu sorgen.

  10. @Dirk Landau:
    Was ist ein/e PVB?
    Wie wirkt er/sie hier “deeskalierend”?
    Wie kann man es “nicht so martialisch” finden, wenn ein Mensch besinnungslos geprügelt wird?

  11. Jens says:

    “Davon zeugen auch Zitate, die angeblich aus einem Polizisten-Forum stammen.”

    “angeblich”? Was spricht dagegen, in dem Forum nachzuschauen?

  12. Thomas says:

    Also ich habe schon erlebt, wie unbeteiligte Rentner vor der Polizei flüchten mussten, weil sie grad aus der Haustür kamen, als die Polizei den Schwarzen Block stürmte. Das scheint dazu zu gehören. Der Polizist aus dem Video macht einem mehr Angst als so mancher Autonomer oder Nazi. Erscheint des selben Geistes Kind, nur in Uniform.

  13. Dirk Landau says:

    Problem erkannt – Gefahr gebannt?
    In Frankreich offenbar schon:
    http://www.sueddeutsche.de/computer/164/324030/text/

    Aber was ich eigentlich sagen wollte:
    Solche Situationen wie die dokumentierte entstehen oft schlicht aus mangelnder/mangelhafter Kommunikation und fehlender Transparenz seitens der PVBs im Einsatz.
    Würde da einfach mal den empörten Menschen, die sich an die Regeln gehalten haben, erklärt, warum die Aktion, über die sich empört wird a) notwendig war und b) evtl. gar nicht so martialisch war wei sie wirkte – bliebe das gegenseitige Hochschaukeln von verletztem Gerechigkeitssinn und ohnmächtiger Wut auf der einen und – bisweilen mit ungeeigneten Mitteln – deeskalierender PVBs vermutlich von vorneherein aus

  14. Edgar Hugo says:

    Herzlichen Glückwunsch, dass sie dieses Thema dann auch entdeckt haben…

    Politisch – meist eher links – engagierte Bürger können von diesen Zuständen schon lange ein Lied singen. Auch wenn ich die Ansichten der Demonstranten häufig nicht teile, muss ich doch mit Erschrecken feststellen, wie der Glaube in den Staat und die Rechtsstaatlichkeit gerade bei jungen Menschen schnell schwindet, wenn sie erstmal die Faust des “Freund und Helfers” getroffen hat.

    Es läuft immer nach dem gleichen Muster: Wer sich gegen Polizeigewalt wehrt, muss mit einer Gegenanzeige wegen Widerstands rechnen. Polizei-eigene Aufnahmen “verschwinden” gerne mal plötzlich, wenn etwas “unpassendes” drauf ist. Hat sich ja auch schon Amnesty International drüber aufgeregt. Hat nur niemanden interessiert…

  15. Es tut gut, zu dieser Geschichte einen Artikel zu lesen, der beide denkbaren Positionen zumindest berücksichtigt. Mir persönlich fällt das Relativieren beim Nachdenken über diesen Fall allerdings schwer. Vielleicht weil ich kein Fußballfan bin. :)

    Ich will nicht in Abrede stellen, dass Polizisten in unsere Gesellschaft eine notwendige Rolle haben, dass sie schlecht bezahlt sind und das Recht haben, in bestimmten Situationen Gewalt anzuwenden. Aber ich denke, das sind Faktoren, die hier nicht wirklich entscheidend sind. Was in diesem Video dokumentiert wird, ist die Tatsache, dass Polizisten einen Teilnehmer einer Demonstration, dem nicht mehr vorzuwerfen ist, als das er “etwas gesagt” hat, zusammenschlagen.

    Die Lehre, die ich daraus ziehen könnte, ist, dass vielleicht auch ich, wenn ich im Rahmen einer legalen Demonstration etwas sage, das einem der anwesenden Polizisten nicht passt, zusammengeschlagen werde – und seine Kollegen sich schützend darum stellen, damit sich der Beamte in Ruhe meiner annehmen kann und dabei nicht beobachtet wird. Eine solche “Lehre” wäre für meine Bereitschaft, mein Grundrecht der öffentlichen Demonstration wahrzunehmen, sicherlich nicht förderlich.

    Ich will nicht unterstellen, dass das die Absicht eines der beteiligten Polizisten (oder ihrer Vorgesetzen) wäre. Aber der Effekt ist unbestreitbar da. In totalitären Staaten ist so etwas an der Tagesordnung. Das so etwas bei uns in Deutschland passiert – und von Einigen mit einem Achselzucken abgetan wird – das hat mich überrascht und entsetzt. Das so etwas bedauerlicherweise auch bei Fußballspielen vorkommt, macht mein Entsetzen nicht geringer. Wobei ich Gewaltanwendung gegenüber nicht gewalttätigen Teilnehmern einer legalen Demonstration schon in einer anderen Kategorie sehe …

  16. Sebs says:

    Ein paar Quotes aus dem Copzone Forum. Da schreiben scheinbar “Polizisten”, anonymisiert hinter nicknames, sich mal so richtig ihre Meinung vom Leibe.

    http://dermorgen.blogspot.com/2009/09/wie-polizisten-uber-prugelcops-denken.html

    Es gab auch mal einen Komplettabzug eines solchen Forums zum Download, der nach einem Hack der Datenbank gezogen wurde. Pfui Teufel. Sollte via indimedia noch zu finden sein.

    @Hans: Ack. Fußballfan ist Deutschland 3.0. Ich habe selten eine Subkultur erlebt in der Gesellschaftliche Unterschiede so gut coexistieren. Fussi ist halt ein Gleichmacher aller erster Sahne. Schon deswegen suspekt weil die alle schwer in eine Schublade passen.
    Es wäre ja allen “mächtigen” Beteiligten lieber das alle schön bei Sky ihre 20 eur pro Spiel abliefern und schön leise die Volkswirtschaft zum Brummen bringen. Da arbeiten DFB, Staat und teilweise auch die Vereine gut zusammen.

  17. Jan says:

    Ich habe einige Jahre in Berlin-Kreuzberg gelebt und auch an vielen Demonstrationen zu unterschiedlichen Anlässen teilgenommen. Leider muss man sagen, dass solche Vorfälle wie der dokumentierte weder neu noch aussergewöhnlich sind. Bei Demonstrationen bei denen kasernierte Polizeieinheiten wie die gezeigte 22. oder 23. Einsatzhundertschaft eingesetzt werden ist so etwas völlig normal. Diese Einheiten sind berüchtigt für ihre Brutalität, es handelt sich nicht um Fehlverhalten isolierter einzelner Beamter. Wenn es, wie meistens, nicht gefilmt wird endet so was meistens mit einer Strafanzeige wegen Widerstands gegen das Opfer.
    Wenn Beamte der normalen Wachen eingesetzt werden passiert so was deutlich seltener, die schliesslich auch normalen Umgang mit den Bürgern im alltäglichen Dienst.

  18. Hans says:

    Als Fussballfan muss ich leider die entsprechenden Anmerkungen bestätigen. Nicht mal unbedingt, daß die Polizisten da gewalttätig werden, aber es gibt da genügend die sichtlich Spaß daran haben, eine Machtposition gegen Leute auszuleben, die eh keine Lobby haben und sich nicht zur Wehr setzen (können). Da werden dann auch schnell Grundrechte verweigert.

  19. SvenS says:

    Tja, die Staatsmacht bekommt jetzt ihre eigene Medizin verabreicht. Das ausgerechnet bei einer Demo mit hohem Nerdfaktor zu machen ist eben doof, da gibt es dann nicht nur verwackelte Handyvideos sondern gleich noch HD Aufnahmen. Darüber hinaus nutzen die Nerds dieses sog. Internet genau so wie es unsere geliebten Politiker befürchtet haben und so ist der Vorfall nur Stunden nachdem er passiert ist nicht nur in Deutschland sondern der ganzen Welt verbreitet und schwappt auch gleich in die etablierten Medien. diese Geschwindigkeit nimmt dann auch gleich noch die Möglichkeit eine wohl überlegte und ausformulierte Reaktion für die Öffentlichkeit vorzubereiten.

    Genau diese Transparenz ist es wovor die Politik und andere öffentliche Funktionsträger Angst haben. Es ist der Kontrollverlust und ich befürchte wir werden noch allerlei Anstrengungen erleben diesen Kontrollverlust einzudämmen.

  20. Hartmut says:

    Ich finde es gut dass unsere Polizisten endlich mal zuschlagen! Unsere Polizei sollte viel härter durchgreifen! Hallo Innenmisterium laßt euch durch so einen Einzelfall nicht unterkriegen!

  21. TeeKay says:

    @Jonas: Wer gegen anlassunabhängige Überwachung jedes einzelnen protestiert, darf also keinen ganz konkreten Einzelfall mit dem Werkzeug dokumentieren, mit dem man theoretisch auch anlassunabhängig überwachen könnte? Seltsame Logik.

  22. Jonas says:

    Es ist viel schlimmer.

    Der Demonstrant wollte friedlich eine Identifikation von dem Polizisten, wohl weil er sein vorheriges Verhalten für nicht korrekt befand und Anzeige erstatten wollte.

    Den Namen bekommt er sowieso nicht, ich weiss nicht ob er die Dienstnummer bekommen hat, danach hat er sich friedlich vom Demonstrationsort abgewandt.

    DARAUFHIN hat der bewaffnete und gepanzerte Polizist ihn zusammen mit Kollegen zusammengeschlagen.

    Da kann es nur eine Schlußfolgerung geben: Rache wegen bevorstehender Anzeige (an der wird demnach wohl was dran gewesen sein), schwere Körperverletzung begangen zur Vereitelung einer Strafverfolgung, und das auch noch im Amt.

    Da der Polizist dort unseren Staat repräsentiert (und sich schon deshalb nur unter Dienstnummer und nicht Namen ausweist) hat er damit unseren Staat beschädigt. Eine Weiterbeschäftigung als Beamter ist auch im Innendienst undenkbar.

    ABER der Aberwitz kommt erst noch: Es war eine Demonstration gegen Überwachung, die Teilnehmer müssten also Überwachungsinstrumente wie die Kamera ablehnen und daras gewonnene Erkenntnisse nicht nutzen. Ohne diese würde die Polizei aber alles abstreiten, so wie in 670 Fällen der 671 Fälle von angezeigtem Polizeiübergriff des letzten Jshres bei denen dummerweise keine Kamera dabei war.

    Wird der Demonstrant über seinen Schatten springen, wird er die Ergebnisse der überwachenden Kamera nutzen, dann ist er kein glaubwürdiger Demonstrant gegen Überwachung mehr.

    Es bleibt spannend.

  23. @tommytulpe: Egal, was der Fahrradfahrer sagt – das mehrmalige zuschlagen, während er am Boden liegt ist nicht akzeptabel.

  24. tommytulpe says:

    Und was soll mit dem Video bewiesen sein? Gar nichts. Es ist nicht hörbar, was der Radfahrer gesagt hat, nur die Schilderung scheint einen Eindruck zu geben. Ich halte ihren Beitrag für fragwürdig.

  25. applebrei says:

    mhm… vielleicht voreingenommen, aber wenn ich mir diese prügel-cops anseh – das ist doch die sorte, die völlig überqualifiziert ist – so etwas hat nichts auf einem beamten-posten zu suchen!