»Thomas Knüwer 22. July 2009, 14:39 Uhr

Warum ich aus dem DJV austrete – und mich frage, ob man nicht etwas tun müsste

In den vergangenen Tagen war es hier im Blog ruhiger. Das lag zum einen an einer Reise, zum anderen an einer Grübelei. Diese drehte sich um die Frage, wie wichtig eine Gewerkschaft und Interessensvertretung in einer Krise ist und wie sie sich verhalten sollte.

Nun steht mein Entschluss fest: Ich werde den Deutschen Journalisten-Verband DJV nach 14 Jahren (wenn ich recht gezählt habe) Mitgliedschaft verlassen. Vielleicht gönnen Sie sich einmal ein Video. Zu sehen ist es auf der Homepage des DJV und selbstverständlich kann ich es hier nicht einbinden, obwohl es eine Verbandswerbung ist. Typisch.

Das Video zeigt entrückt in ihrer Zeitung blätternde Menschen, die nach der Lektüre das Papier zum Flieger falten und es gen Himmel schicken. Dort formiert sich das Geschwader und flattert schließlich in Redaktionsstuben. “Danke” steht auf dem Flieger.

Das ist die Welt, wie der DJV sie sich vorstellt. Erstaunlicherweise kommt Fernsehen in ihr nicht vor und auch kein Radio, obwohl der Verband doch als strenggläubig in Sachen öffentlich-rechtliches System gilt. Keine Überraschung kann es sein, dass niemand entrückt in einen Monitor schaut um sich dort zu informieren. Denn das Internet existiert wahlweise für den DJV nicht – oder es ist der Feind.

Neu ist das nicht. In diesem Blog ging es häufig um die Vergangenheitsfreude des Verbandes. Mal um die Warnung “Vorsicht, Ihre Leser könnten sie lesen”, dann um die fragwürdigen Recherchemethoden seiner Hauspostille oder um die heute wohl zyprieske zu nennenden Kapriolen seines Vorstandschefs Michael Konken. Meine Kritik führte zu einer Diskussionsrunde, die von Anfang an wegen ihrer Volumität nicht interessant werden konnte, es war ein Mühlsteintreffen.

Obwohl ich mich für das Auftreten seines Vorsitzenden schämte, der Realität gerne mal zugunsten von eigenen Vorurteilen wegblendet, blieb ich Mitglied. Zum einen, weil ich die generelle Funktion des DJV wichtig finde. Nicht nur, weil er eine Interessenvertretung ist und eine solche – leider – in unserer Gesellschaftsordnung sein muss. Sondern auch, weil ich Gewerkschaften an sich für eine richtige Einrichtung halte. Und der DJV kleidete wenigstens seine Mitglieder nicht in überbordendem Maß in rote Plastiktüten und ließ sie trillerpfeifend durch Innenstädte marschieren.

Der andere Grund war Hoffnung. Innerhalb des DJV gibt es ja vernünftige und fortschrittsfreundliche Kollegen wie Thomas Mrazek. Auch der “Journalist” machte Fortschritte unter seiner neuen Chefredaktion. Das Blatt ist jetzt immerhin angekommen in den 90ern, das war mal eben ein Sprung von gefühlten 20 Jahren.

Doch nun reicht es einfach. Der DJV fordert jetzt ebenfalls ein Leistungsschutzrecht. Und dies auf eine Weise, der man demagogische Anwandlungen unterstellen darf. “Völker hört die Signale”, krakelt er:
“Der Deutsche Journalisten-Verband hat Verleger und Politik zu einer konzertierten Aktion mit den Urhebern gegenüber dem Monopolisten Google aufgefordert.”

Das allein ist einfach virtuelles Trillerpfeifen. Was mich aber anekelt sind die Äußerungen von Michael Konken, der Google ein “Meinungsmonopol” unterstellt:
“Der Gesetzgeber muss einerseits der Gratis-Kultur des Internets zu Gunsten der Urheber einen wirksamen Riegel vorschieben und andererseits die Befugnisse des Bundeskartellamtes so ausweiten, dass die Behörde Meinungsmonopole im Internet verhindern kann.”

Meinung? Google will eine Meinung durchdrücken? Wohl eher der DJV. Er betreibt demagogische Meinungsmache. Dabei sind ihm merkwürdige Halbwahrheiten ein genehmes Mittel:
“Die Firma vereinigt in bisher nie gekannter Weise Funktionen als Anbieter von Betriebssystemen für Computer und Handys, Internetsuchdiensten, Inhalten wie komplett digitalisierten Büchern sowie ganz besonders auch die Anzeigenvermittlung. Hier droht ein Monopol mit nie gekannter Meinungsmacht.”

Betriebssystem von Computern? Das ist bisher gerade mal angekündigt. Und was hat das zu tun mit Meinung? Und die digitalisierten Bücher sind in ihrem derzeitigen Zustand rechtlich nicht so recht angreifbar, könnten aber von Verlegern angeboten werden – tun diese aber nicht.

Diese kurzen Schweinereien von Michael “Gestern” Konken werden ergänzt durch ein “Tipps für Freie”-Schreiben zum Thema Leistungsschutzrecht.

Dort mutiert Google zum “Medienanbieter”, der “Anzeigenvermittlung” betreibt. Das klingt so, als ob Google Inhalte erstellt. Außerdem erwecke Google den “Anschein, lizenzierter Marktplatz für Informationen aus seriösen Quellen” zu sein. Wo der DJV das gesehen haben will – unklar.

Und so schwurbelt sich das Dokument weiter um irgendwie die kommunistische Haltung zu rechtfertigen, dass Medien, die alle Chancen hatten, ähnliche Dienste zu offiereren aber zu inkompetent dazu waren, nun ein Stück vom Erfolgskuchen ab haben möchten. So eben wie Hubert Burda, der in diesen Tagen als verlegerische Rotfront die Abkehr vom Gedanken des Unternehmertums zelebriert, aktuell im “Manager Magazin”.

Konkens Wahrheitsverdreher erblöden sich auch nicht, leicht widerlegbaren Unsinn zu schreiben. Zum Beispiel, dass wer sich gegen Google News wehren wolle – also im Umkehrschluss lieber nicht so viele Leser haben möchte – die “Gesetzeslage ändern und anschließend auf deren Akzeptanz durch die Gerichte hoffen” müsse. Das ist zunächst mal inhaltlich verdreht, zum anderen falsch. Es reicht eine Code-Zeile im eigenen Angebot und – zack – ist Google außen vor. Punkt. Das aber sei – erkennt der DJV dann viele, viele Zeilen weiter – “medialer Selbstmord”. Am liebsten würde der DJV Google aufspalten. Was natürlich wirtschaftlich ein nicht funktionierendes Angebot erzeugen würde – denn die Suchmaschine, gerne kostenlos von Journalisten benutzt, refinanziert sich nun mal über Werbung.

Als das ließe sich abtun als politisches Getöse. Unterträglich aber ist die generelle Haltung des DJV zum Online-Journalismus: Er ist der Feind. “Sie schimpfen auf Google und meinen das Netz”, schreibt Konrad Lischka heute sehr klug bei Spiegel Online.

Die meisten der hart arbeitenden Kollegen in den Internet-Redaktionen verdienen weniger als Kollegen bei Print. Mehr noch: Es gibt noch immer keinen Tarifvertrag. Der DJV umgibt sich nicht einmal mit dem Anschein, einen solchen vehement zu fordern. Sollen sie doch endlich verschwinden, diese Internetler.

Nur so lässt sich auch erklären, dass der Verband der Journalisten weder die Arbeitsbedingungen noch die daraus resultierende Minderqualität des deutschen Online-Journalismus thematisiert. Ihm ist das ganz recht so: Dann muss er sich damit auch nicht weiter beschäftigen.

Derweil sterben die Medienunternehmen. Es ist ein letzter Stellungskrieg, ausgetragen auf dem Rücken der Journalisten. Denn die verlieren ihre Arbeit.

Der DJV mag sich nicht mit der Zukunft beschäftigen. Mehr noch: Er hasst die Zukunft. Wer aber die Zukunft hasst, der hat auch keine solche. Und so lange diese Gewerkschaft noch schlimmer agiert als jene Plastiktüteneinkleider und Trillerpfeifer, mag ich ihr mein Geld und meine Zeit nicht geben.

Und nun? Keine Interessenvertretung mehr?

Das geht irgendwie auch nicht.

Es gibt eine Reihe Menschen, die sich derzeit fragen, ob es nicht etwas anderes geben müsste. Etwas Neues. Vielleicht eine Erklärung, ähnlich derer, die derzeit in manischer Hektik von Chefredakteuren und Geschäftsführern ohne weiteres Nachdenken unterzeichnet werden. Oder eine Gruppierung, die das Internet für Journalismus nicht als Feind begreift – sondern als riesige Chance.

Wer ebenfalls dieses Gefühl hat, wer Ideen hat, was man tun könnte, wer Lust hat, etwas auf die Beine zu stellen, über dessen Mail würde ich mich sehr freuen.

Die Adresse: waskommt -at- gmail.com

»Thomas Knüwer 22. July 2009, 14:39 Uhr

    73 Kommentare zu “Warum ich aus dem DJV austrete – und mich frage, ob man nicht etwas tun müsste”


  1. Valerypow says:

    Wer wei?, wo zum Download XRumer 5,0 Palladium?
    Hilfe, bitte. Alle empfehlen dieses Programm, um effektiv werben im Internet, das ist das beste Programm!

  2. @Dorothea Pilavas
    Ich finde es persönlich sehr befremdlich, dass Du den Kolleginnen und Kollegen, die sich in den Journalistengewerkschaften oder in der Selbstständigenarbeit von ver.di engagieren, ehrenamtlich engagieren, vorzuwerfen, sie hätten wenig Nähe zur Arbeitsrealität der Freien. Und wieso das auch noch ein Widerspruch an sich sein soll, erschließt sich mir schon gar nicht Wir müssen doch in der genau gleichen oft ernüchternden und anstrengenden beruflichen Realität unser Geld verdienen wie Du!
    Gerade in Dortmund, wo Du ja lebst und arbeitest, macht ver.di eine ganze gute Arbeit für Freie und Selbstständige,
    http://dortmund.verdi.de/personengruppen/freie_selbstaendige
    Vielleicht hast Du einfach die entsprechenden Informationen nicht bekommen?
    Ich empfehle deshalb einen Eintrag in die Dortmunder Freien Liste freie.dortmund-intern@lists.verdi.de über Stefan Nies – Büro für Geschichte” .
    Mit freundlichen Grüßen, Frank Biermann

  3. Wolf says:

    Ich muss sagen, dass ich schon zweimal die Rechtsberatung des BJV in Anspruch genommen habe, und in beiden Fällen war es nicht zu meinem Nachteil (ein insolventer Arbeitgeber und Elternteilzeit, die damals für alle Beteiligten etwas Neues war). Im Laufe der Jahre wäre eine zweimalige Anwaltsberatung vielleicht billiger gewesen, aber, wie Du schon gesagt hast, der Anti-Ausbeutungs-Faktor ist auch nicht ganz ohne…

  4. Raventhird says:

    Was ich machen würde, wenn ich Google wäre: Einfach die gegen meine Suchfunktion protestierenden Produzenten von Inhalten aus dem Google-Suchindex rauskicken, dann haben sie keinen Grund mehr, sich zu beschweren und ihre Leserzahlen gehen derart in den Keller, dass sie sich selbst schachmatt gesetzt haben. Dann kommen sie ganz schnell wieder angekrochen und erklären, sie hätten sich geirrt. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie fortschrittsfeindlich manche Institutionen hierzulande sind.

  5. @Gunter Haake: Wie schön, dass ich endlich eine Reaktion von ver.di bekomme auf meine “Schelte” (und danke für den Link :-) ). Meine beiden Briefe an den Ortsverband (einmal online, einmal per Post) wurden nämlich bislang noch nicht beantwortet. Die KSK-Debatte machen wir hier besser nicht auch noch auf, denn egal ob Mitglied oder nicht, macht sie mir und vielen meiner Kollegen das Leben auch zunehmend schwer. Ich hätte mir von der Gewerkschaft einfach mehr Nähe zur Arbeitsrealität der Freien gewünscht, aber wahrscheinlich ist das ein Widerspruch in sich.

  6. @js: Auch bei Blogs gilt: Vorsicht mit Ironie – der Leser versteht sie meist nicht.

  7. realien says:

    ["Management-Blog
    Die Tränen der Manager auf der Belegschafts-Bühne
    24.07.2009 von Blog
    "Der Wolle muss weinen", staunten die Mitarbeiter auf der Porsche-Betriebsversammlung. Wolfgang Porsche war gemeint. Und der Anlass war Wendelin Wiedekings Abschied, zu dem Aufsichtsrat-Chef Porsche sich jetzt derart gerührt zeigte. Deja Vu?"]

    Zum Troste: Wenn gar nichts mehr läuft, laufen immer noch die Tränen…

  8. “Völker hört die Signale”, krakelt er = Tippfehler!

    kra|keln (ugs. abwertend): schlecht u. ungleichmäßig, zittrig schreiben.

    kra|kee|len (ugs. abwertend): laut schreien [um Streit anzufangen]; lautstark schimpfen; …

  9. Andreas says:

    Zunächst fand ich die Idee, den DJV zu verlassen und was eigenes auf die Beine zu stellen, recht sympathisch. Diese Google-Pressemitteilung des DJV ist einfach so bodenlos dumm, das kann man doch gar nicht hinnehmen.

    Aber nach ein bisschen nachdenken habe ich mich dann doch entschieden, so einen Schritt nicht mitzugehen. Vorerst. Um nicht alles hier nochmal in den Kommentar schreiben zu müssen:

    http://www.streim.de/2009/07/24/warum-ich-im-djv-bleibe/

  10. Hallo “reiner Online-Journalist” Detlef Borchers – kein Zufall ;-)

    Ich habe die von Redaktionsbeamten frueh (1994) befuerwortete, und seither auf allen Ebenen willig mitvollstreckte, Trennung zwischen Print-/ Rundfunk-Journalisten auf der einen und Online-Journalisten auf der anderen Seite von Anfang an fuer verhaengnisvoll gehalten.

    Habe das auch damals bereits deutlich gemacht.

    Durfte mich – 1994 noch “Print” – dafuer in einer Mitarbeiterversammlung von einem Mitarbeitervertreter namentlich als jemand brandmarken lassen, der “mit seinen Experimenten eines Tages unsere Arbeitsplätze vernichten wird”, sinngemaess zitiert wie auf Versammlung gefallen.

    Leider gab’s da noch keine iPhones ;-)

    Die wenige Monate spaeter vollzogene “Ghettoisierung” des Online-Journalismus in einer separaten Einheit hielt ich fuer falsch, habe mich dagegen ausgesprochen und bin gegangen, als jemand gefunden wurde, der da weniger zimperlich war.

    Unterm Strich haben wir alle die Wahl, wenn es darauf ankommt. Der Entscheidung von Thomas Knüwer gebührt Respekt, weil sie offenbar branchenweit etwas in Bewegung gebracht hat. Er haette ja auch leise austreten koennen.

    Du schriebst: “Vielleicht sind Gewerkschaften generell Machtinstrumente eines anderen Jahrhunderts.”

    Kann man von ihnen erwarten, dass sie “zeitgemaesser” sind als die Mitglieder, die sie vertreten?

  11. Detlef Borchers says:

    Hallo Gerd Meissner, *so* trifft man sich also wieder. Fairerweise muss ich als reiner Online-Journalist sagen, dass ich von ver.di in drei Fällen Rechtschutz bekommen habe (oder zugesagt bekommen, woraufhin sich der Kontrahent verabschiedete), in denen der Verlag nicht eintreten wollte. Damit @Michael Kausch (man trifft sich …) will ich nicht diese Gewerkschaft promoten, da ist sicherlich die IG Metall weiter als die Handlanger der papierverarbeitenden Industrie. –Detlef

  12. Burkhard P. Bierschenck says:

    Ein Hexentreiben gegen Google finde ich überflüssig und unehrlich. Genauso unehrlich finde ich allerdings auch dieses bejubeln des Internets und des Online-Journalismus, denn sooo großartig ist das ja nun alles auch nicht. Es gibt kaum wirtschaftlich funktionierende Online-Dienste, die meisten sind Zuschußläden, und man muss nicht lange raten, wer das finanziert – häufig die geschmähten Printunternehmen. Und man komme mir doch bitte nicht mit dem Geschwätz von den “innovativen” geschäftlichen Ideen im Internet. Die Wahrheit ist, es wird Geld verbrannt ohne Ende. Ich habe wenig Mitleid mit Online-Journalisten, die ständig den freien Zugang zum Wissen postulieren, und dabei meinen, dass der Content, den sie erzeugen, natürlich kostenlos sein soll. Tja, dann müssen sie eben von Luft und Liebe leben und Klicks kauen. Urheberrecht? Ist plötzlich auch antiquiert. Es wird systematisch geklaut, das ist cool. Und das soll neu sein? Alle die, die wohlfeil die dummen Verleger beschimpfen, sollen doch erst mal selbst funktionierende Konzepte vorleben, als mit luftleerem Geschwätz über die angeblich ach so tolle Online-Zukunft zu langweilen.

  13. Case says:

    Das Thema scheint aber eine Menge Menschen zu bewegen, wenn ich mir die Kommentare so durchlese….

  14. Yourmediumisdying says:

    @Theo Heyen: Ja, klappt ja super, das mit dem Ernähren durch Print: http://meedia.de/nc/details/article/XXX_100022027.html

    Get real…

  15. Boris Eichler says:

    Ich bin in den 90ern ausgetreten. Damals ging es in Baden-Württemberg um einen Frequenzstreit zwischen SDR und RTL. Oder anders: um zwei dutzend Arbeitsplätze bei den Privaten oder um +/-0 Arbeitsplätze beim SDR. Der machte aber das Programm, das dem DJV gefiel und hatte dort mehr Mitglieder. Klar, auf wessen Seite der DJV stand. Wir um den Arbeitsplatz bangenden Kollegen wurde pikanterweise auch noch zur Pro-SDR-Demo eingeladen (“gegen Dudelfunk”). Demonstrieren gegen den eigenen Arbeitsplatz! Ich bin nicht hin. Hätte ich aber tun sollen, und ein paar DJV-Funktionären dort richtig feste in den Arsch treten…

  16. Hans P. says:

    Leider belegen die Zitate von DJV und seinen Vertretern/Publikationen überhaupt nicht die drumrum behauptete Meinung, was diese Zitate angeblich fordern/fördern/falsch sehen.

    Und während dem DJV und seinen Vertretern Wirklichkeitsfremdheit und Verdreherei und leicht widerlegbarer Unsinn vorgeworfen wird (was ja vielleicht sogar sein mag – aber im Beitrag nicht belegt wird), übt sich der Blogschreiber selbst in Verdreherei und leicht widerlegbarem Unsinn und fabuliert kontextfrei von “kommunistische(r) Haltung” oder unterstellt Burda “Rotfront” – solche Dämlichkeiten erlaubt sich ja nicht mal Konken, der unbestritten oft polemisiert; das aber (meiner bescheidenen Meinung nach) meist so auf den Punkt, wie es leider heutztage nötig ist, um bei Kollegen wie dem Blogschreiber überhaupt Gehör ggf. journalistische Weiterverarbeitung zu finden.

    Nö, so überzeugt das leider gar nicht Und falls eine richtige und gute Idee dahinter stehen sollte (welche eigentlich? Internet als journalistisches Medium akzeptieren? Das wäre, wie Autos als Verkehrsmittel zu akzeptieren. Eine Gegengewerkschaft gründen?), dann ist ihr hiermit kein guter Dienst getan.

    Aber einer, der zu einer Interessenvertretung in einer Demokratiie “leider” sagt, als wär’s ein notwendiges Übel anstatt ein in der Geschichte – vor allem der deutschen – wie auch der heutigen Welt überhaupt nicht selbstverständliches, notwendiges demokratisches Recht, hat ohnehin etwas Entscheidendes nicht begriffen.

    Ich mag mich jetzt gar nicht über die weithin übliche, ähm, nennen wir’s freundlich: Qualität des Wirtschaftsjournalismus äußern … aber so ein Text aus der Feder eines Wirtshaftsjournalisten macht mir wenig Hoffnung.

  17. Theo Heyen says:

    Seitdem freundlicherweise ein Kollege der Handelsblatt-Redaktion hier im Blog darauf hinwies, dass Knüwer zwar gerne die Welle mache, aber substanziell wenig leiste, muss man das alles hier nicht gar so ernst nehmen.
    Ich lese hier gelegentlich des Vergnügens wegen.

    Wer meint, der djv und Konken seien ein und dasselbe und darüber hinaus noch rät, wegen einer – zugegeben – etwas eigenartigen Konken-Äußerung vs. Google von einer Gewerkschaftsmitgliedschaft abzuraten, den sollte man auch nicht gar so ernst nehmen.
    Knüwers zündende Zeilen: Sie werden finanziert dank des “Uralt-Journalismus”, dank des Print-Produktes Handelsblatt und damit vor allem dank seiner produktiv tätigen Kollegen. Dass seine Kollegen und er nicht weit unter Tarif bezahlt werden, ist auch ein Verdienst von Gewerkschaften und den in ihnen zusammen geschlossenen Menschen.

    Für einen, der hier ständig die Moderne des Journalismus zu verkünden glaubt, wäre ein wenig Rückschau und Umsicht nicht verkehrt. Bescheidenheit darf man allerdings wohl nicht erwarten.

  18. Gunter Haake says:

    Dorothee Pilavas also trat “nach fast 14 Jahren” bei ver.di aus, weil die dort organisierten Selbstständigen eine Beteiligung von Auftraggebern an Sozialversicherungskosten fordern?
    Für eine Kollegin, die bei ihrem Arbeitsgebiet (siehe http://www.pilavas.de) vermutlich in der KSK sein dürfte, ist das ein doch leicht befremdliches Statement. Schließlich wird diese priviligierte soziale Sicherung einer kleineren Selbstständigen-Gruppe durch eine Auftraggeber-Beteiligung mitfinanziert. Da wundert einen an dem Entstehen des Selbstständigen-Programms der ver.di beteiligten schon, wie Forderungen, die Kernprobleme der Selbstständigen und Freien treffen, zum Austrittsgrund mutieren können. – Und auch, dass jetzt schon FORDERUNGEN Grund genug sein sollen, sich aus solidarischen Zusammenhängen zu verabschieden sobald die von einer gefühlten Realität abweichen. Dass Honorare sinken, Verlags-AGBs schlechter werden und Sozialsysteme abgebaut werden sind doch keine Naturgesetze.

    Es mag individuell gute Gründe geben eine Gewerkschaft zu verlassen, hilfreich ist das aus meiner Sicht für die Entwicklung der Berufe, Branchen und der Gesellschaft eher nicht. – Und da dieser Blog langsam in eine generelle Gewerkschaftsschelte dreht, möchte auch noch bitten, etwas differenzierter auf die individuellen Mängeln und institutionellen Vorteile von Organisationen zu schauen.

  19. Peter Schmitt says:

    Sehr gut formuliert! Die DJVler sind längst mit ihren Papierfliegern in höhere Sphären entschwunden. Fraglich, ob sie jemals wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren.

  20. Vielleicht sollten wir zukünftig von Arbeitgebernehmerorganisationen sprechen. Denn die Burdas und die Konkens unterscheiden sich zunehmend doch nur noch durch beim Logo, nicht durch die Positionen – und intellektuell schon mal gar nicht …

  21. Charles Latan says:

    Ist ein kleiner Schlenker zu einem Nebenthema erlaubt? Ich nämlich würde mich freuen, wenn sich Verleger und Chefredakteure weniger auf Kongressen herumtreiben, sondern wieder mehr um ihre Blätter kümmern würden. Um Faktizität, korrekte Grammatik, exklusive Inhalte. Ich erlebe es inzwischen ständig, dass gutes Deutsch in schlechtes verwandelt wird, dass recherchierte Fakten durch vermeintliches Allgemeinwissen ersetzt und überhaupt ausgerechnet exklusive Passagen, die meinen Text von anderen abheben, von der Redaktion gestrichen werden. Was ist da eigentlich los in den Redaktionen? Offenbar geht es nur noch darum, irgendwie die Seiten vollzuhauen. Wie wäre es mit dieser Maxime: Jeder Artikel und jedes Foto sollte für sich den Betrag wert sein, der als Verkaufspreis auf dem Umschlag steht.

  22. Case says:

    Ach – und das habe ich noch vergessen: Kannst du mal mit Schnutinger reden? Die soll einfach weitermachen und sich von den ganzen meckernden Honks nicht beirren lassen..

  23. Ernst says:

    Tim: Es soll Leute geben, die aus Enthusiasmus Bilder malen. Richtig gute! Die teures Geld ausgeben, um selber Brot zu backen und nicht den Sägemehlmüll aus Haralds Brotfabrik fressen zu müssen. Und sogar welche, die sich richtig Mühe beim Schreiben geben, deutlich mehr auf ordentliche Quellen achten als das mancher “Bild”-”Redakteur” oder auch “Spiegel”-Mitarbeiter tut – und die das nicht primär aus Gewinnerzielungsabsicht tun.

    Denn dafür ist mir “das Netz” ein einzigartiger, herrlicher Katalysator: Für den Beweis der These, daß schnöder Mammon oder extra Schmalz auf der Stulle GOTTSEIDANK doch nicht das einzige sind, dem unsere Gesellschaft hinterherhechelt. Sondern daß es Menschen gibt, denen andere Werte wichtiger sind als ein glitzernder Stern in der Garage oder dergleichen.

    Und ich nehme mir einfach mal die Freiheit, anonym zu bleiben und von der Berechtigung meiner Aussage dennoch überzeugt zu sein.

    Ciao.