Artikel aus dem July 2009

Yes, I tube

Warum, fragt sich mancher, brauchen Amerikaner eine Probe für ihre Hochzeit? Hochzeitsmarsch, Gang runterschreiten, Ja-Sagen – fertig. So schwer ist das doch nicht.

Seit dem 19. Juli weiß die Welt, warum zumindest Jill Peterson und Kevin Heinz solch eine Probezeremonie nötig hatten. Seitdem ist auf Youtube das Video ihres Kircheneinmarschs zu sehen. Oder besser ihres Kircheneintanzens. Und wer es immer noch nicht gesehen hat, der tue dies nun oder schweige für immer:

Großartig, nicht wahr? Das denken viele. Sehr viele. Aktuell wurde das Filmchen rund 13 Millionen Mal abgerufen, selbst Ashton Kutcher wünschte per Twitter alles Gute, nachdem er es gesehen hatte.

Eine hübsche Geschichte – mit handfesten wirtschaftlichen Auswirkungen. » Weiterlesen

Die Kiffer von der “FAZ”

Manchmal ist es ja hübsch, zwischen den Zeilen etwas über das private Leben von Journalisten zu erfahren. Nehmen wir Thomas David. Für die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” hat er “Inherent Vice” besprochen, den neuen Roman von Thomas Pynchon.

In dieser Rezension wählt David ein erstaunliches Wortbild: Das Buch mache “so viel Spaß… wie ein fetter Joint”.

Stellt sich die Frage: Woher weiß er das? Kiffen “FAZ”-Mitarbeiter. Und wenn sie dazu stehen, dass dies Spaß macht, wird sich die sonst so konservativen Werten verpflichtete Zeitung bald für die Freigabe von Marihuana einsetzen?
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Otto-Versand: ein Muster in Sachen Social-Media-Versagen

Der Otto-Versand ist eine Internet-Größe. Zumindest in Sachen Web 1.0. Immer wieder hebt die Handelsbranche hervor, dass es den Hamburgern – im Gegensatz zu Quelle und Neckermann – gelungen ist, sich ein Standbein im E-Commerce zu schaffen.

In Sachen Web 2.0 gibt es erste Schritte. Zum Beispiel die nicht dumme Idee Twitter zum Personalmarketing zu nutzen. Auch ein Modeblog ist vorhanden, die geringen Kommentarzahlen lassen aber vielleicht nicht unbedingt auf große Resonanz schließen. Immerhin aber reichen diese Aktivitäten für eine üppigen Geschichte bei “Horizont”. In einem Interview darin sagt Chefkoordinator Thomas Voigt auf die Frage, wie sich das Unternehmen durch das Eintauchen in den Bereich Social Media verändert habe: “Die Achtsamkeit der Mitarbeiter untereinander und gegenüber den Anspruchsgruppen wächst.”

Man darf dies als Fehlwahrnehmung einstufen. Denn das ganze Gegenteil scheint der Fall zu sein. Für Otto bietet sich in dieser Woche die Chance, im Bereich des Web-2.0-Social-Media-Wasauchimmer positive Schlagzeilen zu machen – und das Versandhaus vergibt sie kläglich. » Weiterlesen

Ulla Schmidt lässt Verlage gesunden

Die Kreativität der Jung-von-Matt-Leute in Sachen Ulla Schmidt scheint kein Ende zu kennen. Heute gibt es diese doppelseitige Anzeige:

Und ich hätte nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde: Aber so langsam tut mir die Gesundheitsministerin fast ein wenig leid. Immerhin aber sorgt ihre Mischung aus Polit-Arroganz und Dummheit für eine kleine Sonderkonjunktur bei Verlagen. » Weiterlesen

Print kann leben

Aus dem Hause “Waz” kommt heute eine Meldung, die demonstriert, warum viele Verlage so große wirtschaftliche Probleme: Sie verstehen die Marktwirtschaft anscheinend nicht.

Die “Waz” will ein neues Magazin auf den Markt bringen, die “Landidee”. Ein Blatt, dass sich an die bekennenden Nicht-Städter wendet, die gerne im Grünen leben und stolz sind darauf. Als Münsterländer weiß ich: Davon gibt es eine Menge.

An sich wäre das also eine gute Idee – wenn es nicht schon “Landlust” gäbe. Die gleiche Idee und hoch erfolgreich. Die “Waz” geht die Sache also an, wie Verlage das so machen: Idee klauen und preislich unterbieten: “Landlust” kostet 3,80 Euro – “Landidee” 3,30 Euro.

Das ist nicht nur ideenlos – sondern dumm. Preisführer-Strategien funktionieren nur, wenn der Markt groß genug ist. Programmzeitschriften, Frauenmagazine, Weinblätter – sie alle sollten inzwischen klar gemacht haben, dass er es im Zeitschriftenbereich meist nicht ist. Am Ende verlieren alle.

Marktwirtschaft lebt davon, seinen eigenen Markt zu finden. Innovatoren gewinnen. Aber Innovation braucht Gehirnschmalz, freies Denken, Ambition – all das scheint die “Waz” nicht zu besitzen. Stattdessen geriert sie sich als Sandkastenkind, das auf den Burgen der anderen rumtrampelt.

Geht es auch anders? Ja. Daran erinnert mich das Blatt, das heute auf meinem Schreibtisch landete.

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Der Mythos von der Gratiskultur

Manchmal setzen sich Begriffe schnell fest. Weil sie so griffig sind, so scheinbar klar und einsichtig. Derzeit grassiert in der Medienwelt wieder so einer: “Gratiskultur”

Mit diesem Wort beschreiben Medienunternehmen den Umstand, dass so wenige Menschen im Internet – angeblich – bereit sind, für ihre Inhalte zu bezahlen.

Allein: So einfach ist das nicht. Denn genau betrachtet gibt es keine Gratiskultur – der Begriff ist Unsinn. Und niemand weiß das besser, als die Medienunternehmen selbst. » Weiterlesen

Hut ab vor Pizza Hut

Das Iphone ist nicht das beste Handy der Welt – aber es ist das Handy, das alles verändert. Oder besser: verändert hat. Es ist nun in der breiten Bevölkerungsschicht angekommen und verändert dort ein kleines Stückchen das tägliche Leben. Menschen, die weit davon entfernt sind, als “Technik-Freaks” oder “Nerds” (in der Technologie-Nation Deutschland wird die Beschäftigung mit Technik ja grundsätzlich negativ beleumundet) gelten. Sie gewöhnen sich daran, jederzeit das aktuelle Wetter zu erfahren, ein unbekanntes Lied digital identifizieren zu können oder einfach ihre Liebelingsfotos mit sich zu tragen.

Möglich machen es jene Anwendungen, die es im Itunes-Store zu kaufen gibt. Der Haken: Die meisten der Apps sind weiterhin mittelmäßig bis schlecht. Die meisten nutzen jene bemerkenswerte Mischung aus Spielerei und Nutzen, die das Iphone bietet, nicht aus.

Da ist es schön, wenn ein Großunternehmen die Zeichen des Phones erkennt und eine zumindest bei der Vorführung großartige Applikation entwickelt. Es handelt sich um die Fastfood-Kette Pizza Hut. Und ich behaupte: Dieses Iphone-Progrämmchen wird zumindest in der Anfangszeit für eine Menge zusätzlicher Pizza-Bestellungen sorgen:

(Gefunden über den Twitter-Feeld von @markusmayr) » Weiterlesen

Warum ich aus dem DJV austrete – und mich frage, ob man nicht etwas tun müsste

In den vergangenen Tagen war es hier im Blog ruhiger. Das lag zum einen an einer Reise, zum anderen an einer Grübelei. Diese drehte sich um die Frage, wie wichtig eine Gewerkschaft und Interessensvertretung in einer Krise ist und wie sie sich verhalten sollte.

Nun steht mein Entschluss fest: Ich werde den Deutschen Journalisten-Verband DJV nach 14 Jahren (wenn ich recht gezählt habe) Mitgliedschaft verlassen. » Weiterlesen

Das Xing-Risiko

Auf den ersten Blick erscheint die heute morgen verkündete Neuerung aus dem Hause Xing nur mittelmäßig bedeutungsschwer. Künftig können Mitglieder Anwendungen von Partnerunternehmen, derzeit sind es 13, in ihre Profile integrieren. Außerdem gibt es drei bereits vorhandene “Apps”, wie der Niederrheiner sagt.

“Laaaangweilig” werden die Web-Vielnutzer maulen. Bei Facebook ist das schließlich schon lange Alltag. Und doch sind die Xing-Applikationen etwas anderes. Sie könnten zeigen, wie weit die Funktionalitäten, Leitgedanken und Strukturen des Web 2.0 in Deutschland angekommen und durchsetzbar sind.
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Itunes – die neue Form des Klingelton-Abos?

Noch immer gibt es sie, die in den Wahnsinn treibenden Anpreisungen von Klingeltönen. In der wildesten Zeit dieser Branche wurden sie gleichmal im Abo verkauft. Und oft genug erwarben Menschen ein solches Abo, ohne dass sie es groß merkten.

Das schlimmste Treiben dieser Art scheint zumindest in Deutschland vorbei. Doch frage ich mich: Gibt es eine neue Version? Und sind die Trägermedium diesmal das Iphone und der Ipod Touch? » Weiterlesen