In diesen Minuten, da ich dies schreibe, beginnt im Bundestag die Diskussion um Internet-Sperren im Schein-Kampf gegen Kinderpornographie. Alles andere als ein Durchwinken des entsprechenden Gesetzes wäre eine Überraschung.
Und doch wird uns das, was in den vergangenen Wochen passiert ist noch lange beschäftigen. Denn Deutschland hat sich verändert. Es rumort. Das deutschsprachige Internet ist politischer geworden. Und was sich in Ansätzen zeigte, wird im Wahlkampf noch deutlicher werden: Die klassischen Täuschungsmanöver, die Politiker in Jahrzehnten gelernt haben, werden nicht mehr so einfach funktionieren. Es steht ein gewaltiger Wandel an.Wer glaubt, dass die Menschen dümmer werden, wenn sie Zugang zur größten Wissensquelle ihrer Geschichte haben, muss schon recht naiv sein.
So naiv, wie Deutschlands Politiker.
Die Schlammschlacht um die Internet-Sperren hat dies in den vergangenen Wochen deutlich demonstriert. Da sonderte Ursula von der Leyen eine knackige Formulierung nach der anderen ab, sprach vom Millionenmarkt Kinderpornographie und den Erfolgen anderer Länder mit Sperrlisten – und dann ergab die Anfrage der FDP, dass die Bundesregierung keinerlei Wissen in diesen Bereichen gesammelt hat. Sie also gelogen hat.
Früher wäre von der Leyen damit durchgekommen. Denn der Abstand zwischen ihrer Äußerung und der Anfrage war einigermaßen lang. Sicher, ein kritischer Journalist hätte das aufgreifen können. Doch dafür hätte es eben entsprechender Recherchekapazitäten bedurft – und der Bereitschaft, dieser Recherche eine hohe Priorität einzuräumen.
“Wer schreibt, der bleibt”, hieß es einst über Zeitungs- und Magazinjournalisten. Das gedruckte Worte schien Bestand zu haben. Heute aber schneidet kaum noch jemand Artikel aus und klebt sie in Alben, wie dies noch in den 80ern durchaus der Fall war. Das wahre Bleiben findet im Internet statt – für jedermann, nicht nur den Artikelausschneider. Jeder Bürger kann auch seine eigenen Schlüsse ziehen aus Papieren und Gesetzesvorlagen. Und kann diese veröffentlichen und zur Diskussion stellen.
Vortrefflich lassen sich die Aussagen nun miteinander kombinieren. Zum Beispiel behauptet das BKA, es bestehe ein Millionenmarkt für Kinderpornographie. Wenn aber die Bundesregierung kein Wissen über die Marktgröße hat, bedeutet das, es gibt in diesem wichtigen Punkt keine Kommunikation zwischen Politik und Ermittlern.
Noch eine BKA-Behauptung: Die Ermittler sagen, sie dürften nicht bei ausländischen Providern um die Löschung von kinderpornographischen Inhalten ersuchen zu dürfen. Was bedeutet: Internet-Aktivist Alvar Freude ist bei der internationalen Kinderporno-Bekämpfung effizienter als die Behörde.
Die übrigens verschweigt gerne, dass sie die wenigen, ihr angezeigten Seiten über Wochen am Netz lässt um zu ermitteln, wer auf sie zugreift. Was bedeutet: Die Jagd nach den Kinderpornokonsumenten genießt Vorrang vor dem Schutz und der Würde der Missbrauchten. Zumindest bei mir erzeugt das ein Würgegefühl.
Auch die Behauptung, die Änderung des Gesetzesentwurfs setze Löschen vor Sperren von Internet-Seiten, lässt sich flott widerlegen.
Um die murrende Bevölkerung zu beruhigen – und auch die eigenen Nerven – kauft die Politik gerne Studien ein von scheinbar seriösen Meinungsforschungsinstituten. Diese werden dann an die Medien herangetragen und die kritischen Bürger sollen das Gefühl bekommen, in der Minderzahl zu sein. Früher hat das funktioniert.
Es ist sicherlich nur ein kleiner Ausschnitt der Realität, aber ich erinnere mich gerne an Freunde zu Uni-Zeiten, die für Meinungsforscher gearbeitet haben. In der Mittagspause saßen sie dann in einem Kaffee und füllten Fragebögen selbst aus – denn nach deren Zahl wurden sie entlohnt. Aber vielleicht hat sich das ja geändert.
Wenn ja, dann werden solche Studien inzwischen nur noch nach Verschiebung der Stichprobe manipuliert. So wie jene Allensbach-Studie, die Deutschlands Bürger geradezu jubeln ließ über die Internet-Sperren.
Nur: Zum einen wurden die Ergebnisse zurechtgebogen, wie Thorsten Kleinz ausführt. Zum anderen gaben nur 38 Prozent der Befragten an, das Internet “stark” zu nutzen, was Allensbach definiert als “mindestens einmal täglich”. Das ist erstaunlich. Denn andere Studien setzen den Anteil der Bevölkerung, der täglich im Netz ist, bei deutlich über 50 Prozent an (hier eine davon). Man könnte auch sagen: Das Allensbach-Institut hat hier nicht seriöse Arbeit geleistet.
Solche Unsauberkeiten, Halbwahrheiten und Lügen wurden früher nicht erkannt – oder waren schnell vergessen. Heute nicht. Es gibt ja Google.
So wird der Berliner Politologie-Professor Herfried Münkler künftig ein Statusproblem bei seinen Studenten haben, ob seines aberwitzig inkompetenten Gastkommentars in der “Frankfurter Rundschau“. “So einer will mir was erzählen?”, wird sich mancher Student fragen. Mit Recht.
Oder Abgeordnete wie der Bonner CDU-Mann Stephan Eisel. Ihm wird man noch Jahre um die Ohren hauen können, dass er ohne Nachdenken und Recherche Ursula von der Leyens PR-Sprüche nachplappert – dank Abgeordnetenwatch.
Nun könnte das alles ein kleines Detektivspiel sein. Der Bürger schaut den Mächtigen auf die Finger und bekrittelt falsche Äußerungen. Doch passiert da noch mehr. Die Aktionen im Netz und die Online-Petition mit ihren über 135.000 Unterschriften hat zwar die Politiker nicht ins Wangen gebracht – aber die Medien. Im Laufe der Wochen wurde immer vehementer über das Thema berichtet, mit der Bedeutung von Twitter in diesen iranischen Tagen rückte es weiter in den Fokus. Auffällig dabei, wie die Berichterstattung contra Web-Sperren zunahm.
Je mehr dieser Hallraum aus aktiven und kommunizierenden Internet-Nutzern und Medien sich füllt, desto mehr werden die Bürger aber abgeschreckt. “Klar lügen Politiker”, werden viele sagen. Doch diese Ahnung, betrogen zu werden, wurde in diesen Tagen zur Gewissheit. Und er wird bestätigt durch den Ablauf der heutigen 24 Stunden langen Bundestagssitzung. Wer so etwas festlegt, hat sich längst vom Glauben verabschiedet, dass die Funktionsweise der deutschen Demokratie sinnvoll ist. Der Zeitplan ist Sitzung gewordene Satire, er ist eine Beleidigung der Väter dieses Staates. Er widert mich an. Ich empfehle einen Blick auf Top 26: Mitten in der Nacht wird fünf Minuten zum Thema Bestechlichkeit von Abgeordneten diskutiert. Um 20.50 Uhr gibt es aber 35 Minuten zur Friedensforschung.
Diese Veränderung in der Gefühlswelt der des Lesens und googelns mächtigen Bürger hat Folgen. Da gibt den SPD-Gelegenheitswähler Johnny Haeusler, der sich von der Partei verabschiedet. Oder den 22-Jährigen, der androht aus der SPD auszutreten. Oder Anke Gröner, die über ihre aktuelle Gefühlslage schreibt:
“Heute wird der letzte Tag sein, an dem ich an die freiheitliche Grundordnung, mit der ich aufgewachsen bin, glauben kann. Und es gibt weniges, was mich so sehr erschreckt wie dieser Gedanke.”
All dies tun sie öffentlich. Und, ja, diese Gemeinde der Internet-Vielnutzer ist klein. Doch die Gemeinder der Google-Nutzer ist groß, weit größer, als man bei Allensbach Glauben machen will. Noch mehr Menschen werden sich fragen, ob manipulierende Volksvertreter das Volk vertreten – oder nur die eigene Karriere.
Was in diesen Tagen begonnen hat, wird uns noch Jahre beschäftigen. Und am Ende, vielleicht in acht oder zehn Jahren, werden Politiker entweder ganz anders agieren, als sie es heut tun – oder die Parteienlandschaft wird aussehen wie ein zertrümmertes Denkmal.










77 Kommentare zu “Weshalb die Diskussion um Internet-Sperren Deutschlands Politikern (und dem Allensbach-Institut) Angst machen sollte”
Hallo leute!
Ich lebe zufälligerweise im Iran..könnte mir deswegen bitte jemand eine Seite oder Tipp gehen wie ich diese Internetsperre im Iran umgehen kann?
Das wäre seeehr hilfreich für mich!(:
Vielen dank und liebe Grüße aus Teheran!;)
Sorry ich weiß das es schon zu spät ist hier noch was zu schreiben (das Gesetz ist ja durch, aeber trotzdem kann es nicht schaden) und ich hab die Kommentare jetzt nicht gelesen falls das schon jemand geschrieben hat.
Aber ich hab jetzt das erste mal diese “Umfrage” gelesen und könnte in die Tischplatte beissen.
Selbst WENN diese Umfrage echt wäre hätte sie absolug nichts mit dem Kernthema zu tun. Es geht darin nur darum ob man den Zugang zu KiPorns erschweren sollte oder ob Pädophile ein Recht drauf haben (natürlich nicht. Auch die härtesten Gegner des Gesetzes werden sagen das Pädophälie aus dem Netz gehört). Auf das eigentliche Problem und die Kritik wird überhaupt nicht eingegangen. Nämlich das damit eine Infrastruktur zur Internet Zensur aufgebaut werden soll.
Der einzige Punkt der sich mit dem Thema Informationsfreiheit beschäftigt hatte als Antwort sowas wie (Sinngenmäß) “Ja, Pädophile haben auch ein Recht drauf sich diese Bilder anzugucken” und “Nein bei Pädophälie hört dieses Recht auf”.
So kann man sich eine Umfrage halt auch zusammenschustern damit das rauskommt was man will. Die Antworten dann noch etwas umformulieren wenn man sie stellt und das Ergebnis noch ein bischen… “anpassen” und schon passt alles.
Aber wenigstens weiß ich jetzt eins (ja ich war echt so Naiv Umfragen bisher eine, wenn auch geringe, Bedeutung zuzumessen): Glaube keiner Umfrage mehr.
Alles Lug und Betrug in der Politik.
Ich merke gerade das ich diesen Blog deutlich öfter lesen sollte- da kommt man echt auf Ideen.
Klingt alles sehr gut, ist aber leider nur heiße Luft.
Was Google weiß, weiß das Volk noch lange nicht.
Wie vergesslich alle sind zeigt sich schon an den derzeitigen
Wir-lieben-dich-Bekundungen an den toten Michael Jackson.
“Wir lieben dich(Kinderschänder)”
Längst vergessen all die Berichte und Beschuldigungen.
Es bleibt nur ewige Liebe für den größten Popstar.
Schauen wir nicht nach Amiland- bleiben wir in D..
Fr. von der Lyen hat gelogen- mehr nicht. Was hat Helmut Kohl alles getan? Der Mann ist auch heute noch gefeierter Star. Google findet jede Lüge, jeden Betrug, jeden Verstoss gegen Gesetze…, aber man muss danach suchen und das tut das Volk nicht.
Daher muss sich kein Politiker große Sorgen machen und falls tatsächlich die Mehrheit des Volkes auf die Idee kommen würde keine der üblichen Parteien zu wählemn, sondern irgendeine kleine unbekannte Gruppe…
Nun, das ist auch kein Problem. Politiker interessieren sich nicht für den Willen des Volkes, also werden trotzdem die üblichen Visagen im Bundestag sitzen. Das Volk muckt ohnehin nicht auf und falls der Protest widererwartend doch zu laut wird, findet man Schuldige, mit denen man die Mehrheit des Volkes beschäftigt.Rentner, Arbeitslose, Raucher, Terroristen…Man braucht nur einen Feind und schon ist vergessen was in der Führungsetage gelaufen ist.
Darum kann sich auch Madam von der Lyen entspannt zurücklehnen.Nur Google weiß was diese Frau schon für einen Mist von sich gegeben hat
Die Filter und die Angst, vor deren weiteren noch nicht einmal überschaubaren Verwendungsmöglichkeiten, wird bald die Art der Informationsbeschaffung negativ beeinflussen. Jede Art der Beeinflussung der freien Meinungsbildung ist schädlich, erzieht sie doch zum Nichtdenken.
Top Artikel top Kommentare, ich hoffe das die Gehirneinschaltquoten meiner Mitmenschen steigen.PFSB ist Menschenart. Sich aber täglich für dumm verkaufen zu lassen das tut weh.
Sehr guter Eintrag und Zusammenfassung des aktuellen Standes.
Vor allem dank den Verlinkungen viel Lesenswertes für alle, die bestimmte Dinge nicht mitbekommen haben.
Hut ab.
“Internetsperren verstoßen gegen das Recht auf Informationsfreiheit” schreibt “Mike”.
Ist “Löschen statt sperren” aber besser für die Informationsfreiheit?
Es steht ein Wandel an, in der Tat. Und er wird getragen von einer öffentlichen Kraft, das so gar nicht ins Schema der derzeitgen Rhetorik passt, mit der das Gesetz am Donnerstag verteidigt wurde:
“Die Medien und Politiker sehen in den Menschen hinter der Pirate Bay nur Raubkopierer und Urheberrechtsbrecher. Wie passt in dieses Bild, daß genau diese leute diejenigen sind, die mit Anonymous Iran eine der wichtigsten Koordinationspunkte für den freien Informationsfluss aus dem Iran stellen? (…) Die Leute, die da gerade für ihr Engagement bejubelt werden weil es für sie eine völlige Selbstverständlichkeit ist, die Informationsfreiheit dort zu ermöglichen, wo sie staatlich beschnitten und unterdrückt wird, die Leute werden hier von unserem Wirtschaftsminister als Pädokriminelle bezeichnet…”
(bei Jens Scholz zu finden)
Nachtrag:
wenn das Gesetz in Karft ist werde ich dagegen klagen. Denn Internetsperren verstoßen gegen das recht auf Informationsfreiheit.
Bravo,
es wird endlich mal Zeit was gegen diese Politik Heuchelei zu tun.
Man sollte auf die Straße gehen. Was Schcäuble und co. davorhaben ist echt schlimm. nur gut das man alles umgehen kann. Denn die Politiker meinen wohl wir sind dumm. Bin mal gespannt wann die ersten Internetseiten die BRD verklagen hoffentlich sind es viele.
Jaja, alles sehr schön.
aber wie man DE kennt, (sorry Leute) wird sich nichts ändern. Garnichts.
die Wahl wird wie immer ausgehen:
CDU mehrheit SPD knapp dahinter.
Oder Gro Ko 2.0
Warum?
Weil z.b. 80% der über 60 jährigen diese PArteien schon automatisch wählen. Ich red ja genr mit den Leuten und da höhr ichs eben immer wieder.
Vergesst diese träume von wegen neuer Politiklandschafft. wir haben ein 2 Parteinsystem in De und das wird so bleiben. die anderen kleinpartein sind nur deco, damits keiner merkt.
Danke für diesen Artikel. Mir kommen tatsächlich die Tränen, weil ich nicht zu hoffen gewagt hatte, dass noch jemand sich trauen würde, gegen diesen Wahnsinn aufzustehen.
Als Mitzeichner der Online-Petition bin ich schockiert darüber, wie man in diesem Land mittlerweile beleidigt, gedemütigt und verleumdet, ja sogar als Krimineller bezeichnet wird, nur weil man seine Grundrechte wie Petitions- oder Demonstrationsrecht wahrnimmt. Auch bin ich erstaunt darüber wie in diesem Land in der letzten Zeit mit politischen Gegnern umgegangen wird. Eine anständige verbale Auseinandersetzung ist offensichtlich aus der Mode gekommen. Statt dessen wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auf den Gegner eingeschlagen, bzw. dieser bis zur Unkenntlichkeit deformiert.
Ich bin bin schon etwas älter und kann mich noch dunkel an eine etwas zivilisiertere Art der politischen Auseinandersetzung in den 1970er erinnern. Was die derzeit zu beobachtende Haudrauf- Mentalität jedoch bei Kindern und Jugendlichen anrichtet mag ich mir lieber nicht vorstellen. Mich wundert nur, dass nicht täglich Dinge wie in Winnenden geschehen. Dafür aber Killerspielen die Schuld zu geben ist für mich nichts weiter als ein Ablenkungsmanöver vom eigenen Versagen und “unterste Schublade”.
Der größte Skandal ist für mich jedoch, warum sich viele Presseorgane erst jetzt mit dem Thema Zensur kritisch auseinandersetzen? Es hat fast den Anschein als hätten diese absichtlich gewartet bis der Gesetzgeber juristische Möglichkeiten geschaffen hat, um unliebsame Konkurrenten loszuwerden. Als Alibi werden noch schnell ein paar kritische Zeilen geschrieben um nicht in den Verdacht zu geraten schweigend bei der Demontage der Bürgerrechte und letztlich auch der Demokratie zugesehen zu haben. Spätestens in einem halben Jahr spricht aber wohl keiner mehr davon. Der Zensurapparat bleibt uns jedoch bis in alle Ewigkeit erhalten, so wie auch die Vorratsdatenspeicherung und alle anderen Überwachungsmaßnahmen.
Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob das eine oder andere wieder vom Bundesverfassungsgericht gekippt wird, denn wer das politische Geschehen der etablierten Parteien in den letzten Jahren beobachtet hat, wird feststellen, dass alle unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung, bzw. neuerdings Kinderpornografie eingeführten Gesetzesänderungen nur dem Zweck dienen das Volk (”Denn Du bist Terrorist”) in Schach zu halten.
Die sch.. doch auf’s BVG
Was plant denn unsere Elite? Eine neue Weltordnung? Wie sind in diesem Kontext die sogenannten Verschwörungstheorien zu sehen? Was ist am 11.9.2001 wirklich passiert? Wo kam das Nanotermit im WTC her? Wo sind die Reste der beiden anderen abgestürzten Flugzeuge? Was geht im Irak bzw. in Afghanistan wirklich ab und warum? Was läuft schief bei der Bankenrettung? Was ist falsch am Vertrag von Lisabon? Und, und, und… um nur einiges zu nenen. Ob wir dies jemals erfahren werden?
Auf zur Bundestagswahl! Piraten braucht das Land!
135.000. Hundertfünfunddreißigtausend. So viele Unterschriften gab’s für die Online-Petition. Das ist nicht wenig. Zumal wenn man die Umstände bedenkt, die damit verbunden waren (geringe ja, aber a bissal was war’s schon).
Was ich sagen will: die Online-Community ist zahlenmäßig sicher nicht so groß, wie die im RL. Aber klein ist sie auch nicht. Und unwesentlich schon gar nicht.
Wir müssen nur, pardon my French, unsere Hintern hoch bekommen und Butter bei die Fische legen. Unser Land ist’s wert. Hundertprozentig. Ich höre inzwischen sogar aus dem Kreis meines Sohnes großes Interesse an den Priaten. Die Kids haben dieses Jahr – teils – das erste Mal wählen dürfen. Außnahmslos gingen die Stimmen deren, die wählen durften und das auch getan haben, an die PP.
Da tut sich was. Da geht was. Das wird was.
RT @tknuewer:
“Wer glaubt, dass die Menschen dümmer werden, wenn sie Zugang zur größten Wissensquelle ihrer Geschichte haben, muss schon recht naiv sein!”
#weitsichtig
#weise
#journalismus2.0
Many THX!
Weiter so!
Bitte bitte drucken !
Die Ignoranz der 389 Ja-Stimmen schreit zum Himmel!
Hosting und DNS Server aus dem Ausland sind die Folge – wie sollen Inhalte dort gelöscht werden, wenn das BKA heute nicht in der Lage ist eine Email an einen deutschen Provider zu schreiben um Inhalte zu löschen!?!
Wie einfach ist es jetzt Webseiten die einem BKA Beamten “nicht gefallen” zu sperren? Wieviele Webseiten werden wohl als Kollateral-Schaden nicht mehr zur Verfügung stehen…
Und was wird es den Kindern wirklich bringen?
Den Online-Wahlkampf haben die großen Parteien damit verloren bevor sie angefangen haben!
Tipp: http://www.piratenpartei.de
Medien bedeuten Macht und darum wird gekämpft. Das tun Verlage und Medienkonzerne schon lange. Es gefällt mir nicht, aber der Krieg um Information und deren Verbreitung im Hyper-Medium Internet fängt erst an. Das ist richtig.
Wir sollten Konflikte, wie im Iran wo das Internet vom Staat gestört wird, genau anschauen. Denn eine demokratische Zivil-Gesellschaft wird mit den “Mächtigen” mitrüsten müssen, um technologisch die Oberhand behalten zu können. btw Danke, für den guten Artikel
Es gibt ja doch noch Qualitätsjournalismus.
Ab damit in die Printausgabe!
Erstaunlicher Kommentar bei n-tv online:
http://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Vier-Gruende-gegen-Internetsperren-article373957.html
“Alles in allem hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das handwerklich schlecht gemacht, im Kampf gegen Kinderpornografie kaum wirksam und rechtstaatlich höchst bedenklich ist. Ein Armutszeugnis für die Bundesregierung.”
Schön das es wieder Journalisten gibt, die mit Herz und Verstand was zu sagen haben.
Ich war kurz davor die Hoffnung aufzugeben. Denn der tägliche Medienmüll ekelte mich nur noch an.
Trackback scheint nicht zu funktionieren. Daher zum Thema auf diesem Wege:
“Panem et Democraciensis
Die letzten Wochen und Monate haben gezeigt, daß Demokratie nur noch Glasperlenspiel einiger Eingeweihter vor ahnungslosem Publikum ist. Zensur ist da das kleinste Problem. …”
http://ralfschwartz.typepad.com/mc/2009/06/panem-et-democraciensis.html
Ich verstehe die Aufregung gut, das beschlossene Gesetz ist auch in meinen Augen der Einstieg in eine mögliche Zensur. Auf der anderen Seite hat es, seit ich mich erinnern kann, in jedem Bundestag skandalöse Entscheidungen gegeben – in den letzten beiden Regierungen gerne auch zu Lasten der Bürgerrechte. Wolfgang “Dr. Seltsam” Schäuble ist ja nichts weiter als ein enger Geistesverwandter von Otto Schily. Was mich beruhigt: Am Ende hat das Bundesverfassungsgericht doch immer wieder das Schlimmste verhindert. Und auch in diesem Fall sind ja bereits Klagen angekündigt (Franziska Heine), und FDP-Redner Stadler hat ebenfalls damit gedroht.
Größere Sorgen macht mir das völlige Desinteresse der Mehrheit der Bevölkerung. Wahrscheinlich kann auch die sog. “Internet-Community” dagegen nicht wirklich etwas tun, weil Bürgerrechtspolitik in diesem Land noch nie populär war. Oder doch?
Hallo Thomas,
ich finde es klasse, was Du die letzten Tage zu dieser untragbaren Situation in dieses Blog schreibst. Findet denn der eine oder andere Beitrag auch mal seinen Weg in die gedruckte Ausgabe des Handelsblatts? Auch wenn viele Leser durch Google hier her finden werden, befürchte ich dass ein gedruckter Artikel auf all die ahnungslosen Leyen mehr Eindruck machen würde…
viele Grüße
Roland
Toller Artikel! Bei dem Thema blühen Sie richtig auf!
Aber eins habe ich zu meckern:
“Die übrigens verschweigt gerne, dass sie die wenigen, ihr angezeigten Seiten über Wochen am Netz lässt um zu ermitteln, wer auf sie zugreift. Was bedeutet: Die Jagd nach den Kinderpornokonsumenten genießt Vorrang vor dem Schutz und der Würde der Missbrauchten. Zumindest bei mir erzeugt das ein Würgegefühl.”
Das erzeugt bei mir keinen Würgereiz. Denn die Wunden der Missbrauchten werden ja auch nicht wieder geheilt, indem man das Bild entfernt. Und wenn diese Maßnahme dazu dient, den Konsumenten zu erwischen, ist das ermittlungstaktisch klug und vertretbar.
Was daran zum K****n ist, ist die Lüge der Politiker, die so tun, als könne man die Inhalte nicht löschen. Man kann es a) sehr wohl, aber b) will man es manchmal einfach nicht, um eine Falle aufzubauen. Natürlich muss das Material eigentlich weg, keine Frage. Aber im Drogenhandel muss die Polizei auch manchmal mitmachen. Das ist immer rechtlich und moralisch eine Grauzone, aber manchmal nicht zu vermieden.
Wenn sich das Würdegefühl nicht auf das Stehenlassen bezog, sondern auf den ersten Teil des Abschnitts (so wie ich es jetzt geschrieben), dann würde ich sagen “Wirklich toller Artikel”.
Übrigens machen Sie einen tollen Job. Denn Sie haben verstanden, dass Journalisten nicht nur Schreiben müssen, sondern auch Lesen. Und zwar mehr als die Ticker, sondern auch die Blogosphäre. Denn dort finden sich eben auch Perlen (wie im Print auch) und es ist gut, dass die jemand “der anderen Seite” vermittelt.
Stoltenow hat völlig recht: Was soll die gefühlte Angst vor angegeblicher Internetzensur, wenn diese bereits im Iran einigermaßen erfolgreich unterlaufen werden kann? Das Gesetz beschränkt das Stoppschild ausdrücklich auf Kinderpornographie – weitere Anwendungen sind ergo nur mit weiteren Gesetzen möglich. Wer solches trotzdem versucht, wird vermutlich schon am erstbesten Amtgericht scheitern. Auch deshalb geht das larmoyante Gejammere vieler Kommentare am Thema vorbei: Dazu ist, das muss den (überwiegend wohl kinderlosen) Petitionsunterschreibern ins Stammbuch geschrieben werden, Kinderpornographie eine viel zu ernste Angelegenheit. Für Stoppschilder im Internet gilt, das gleiche wie für Stoppschilder auf der Straße. Wer mag kann, kann diese überschreiten – mit allen Konsequenzen. Das macht Stoppschilder nicht überflüssig oder unsinnig, sondern zeigt nur ihre Grenzen auf.