Ups, Microsoft macht die Tür schneller auf, als gedacht. Seit heute Nacht ist nun die neue Suchmaschine Bing online – wenn auch mit dem Etikett “beta”, also noch im öffentlichen Testbetrieb.
Dann schauen wir mal…Hab ich da was falsch verstanden? Eigentlich sollte Bing, die neue Suchmaschine von Microsoft doch erst am Mittwoch ans Netz gehen. Nun aber ist sie schon da – als Beta-Baby.
Mehr noch: Dieser Text las sich heute morgen schon ganz anders. Deutlich negativer. Denn heute morgen testete ich Bing – und tat es doch nicht. In Deutschland ist derzeit nämlich gar nicht Bing erreichbar – sondern die alte Live Search in Bing Optik. Danke für diesen Hinweis an Kommentator Arno und an 50hz. Ich bin nicht der einzige, der darauf reingefallen ist, Mashable ging es genauso.
So startet man ein neues Produkt gemeinhin gerade nicht. Wenn man Bing in Deutschland nicht freischalten will, dann sollte man auch nicht so tun als ob.
Aber wie ist Bing denn nun, stellt man auf die US-Version um? Schön. Denn Microsoft hinterlegt die Seite mit wechselnden Fotos, ohne dass es zu bunt wird. Das ist wirklich appetitlich. Und so wie Google mit seinem Logo an bestimmten Tagen spielt, wird Microsoft das wohl mit dem Hintergrund tun.
Aber man kommt ja nicht wegen der Optik, sondern wegen der Suche. Die ist aktuell gefühlt extrem schnell, schneller noch als Google.
Bei simplen Begriffen kommen recht ordentliche Ergebnisse heraus. Geht es um aktuelle Zusammenhänge macht Bing allerdings boingboingpuff. Beispiel “zu Guttenberg”: In diesen Tagen sollte der Name des Wirtschaftsministers dann doch bitte auch Nachrichten auswerfen – passiert aber nicht. Noch nicht einmal als “Karl Theodor zu Guttenberg”.
Wo Nachrichten präsentiert werden, ist die Auswahl der Quellen noch kryptischer als bei Google News. “General Motors bankruptcy” wirft neben dem “Philadelphia Inquirer” als zweite Quelle einen Artikel aus der “Hindustan Times” aus.
Noch nicht in Deutschland funktionabel ist die eigentlich schöne Funktion, bei Eingabe eines Firmennamen direkt die Telefon-Hotline auszuwerfen. Gestern hätte ich die gut gebrauchen können – denn das Auffinden der Hotline-Nummer von T-Online oder Telekom via Internet ist eine Qual. Der Konzern mag einfach nicht von Kunden kontaktiert werden und gibt sich alle Mühe, dies zu verhindern.
Sehr hübsch ist ein Detail der Videosuche. Fährt man mit der Maus über eines der Suchergebnisse, beginnt das Video zu laufen.
Inakzeptabel ist der Bereich Shopping: Hier wird der Nutzer direkt zu Ciao weitergeleitet, einer Einkaufsplattform, die aus meiner Erfahrung noch immer schwer von verdeckter PR unterlaufen ist und unzureichende Ergebnisse auswirft.
Genau diese Funktion aber könnte problematisch werden für Bing. Und zwar in dem Moment, da man die Safe Search deaktiviert. Diese ist ein puritanisches Feigenblatt: Sie soll den Nutzer vor all dem Porno-Zeugs bewahren, deaktivieren lässt sie sich mit zwei Klicks. Kinderschutz ist das nicht, andererseits muss man sich darauf verlassen, dass Microsoft tatsächlich nur Sex-Seiten ausfiltert. Und wer daran zweifelt, gleichzeitig dies dem BKA zutraut, der erkennt das Problem bei den Internet-Filter-Bemühungen von Ursula von der Leyen.
Wer diese Safe Search ausschaltet, der bekommt im Gegenzug auch härteste Ware geliefert, twitterte Loic Le Meur von Seesmic heute morgen.
Das kann bei Google Video auch passieren. Nur: Dort laufen die Videos erst nach einem aktiven Klick. Bei Bing reicht schon, den Cursor an der falschen Stelle zu platzieren – unschön.
Fazit: Bing ist ordentliches Such-Grundfutter mit schönen Details. Ein Google-Killer? Niemals. Ein Google-Marktanteilsanknabberer? Vielleicht. Doch außerhalb der Videosuche sehe ich derzeit keinen Grund, Bing zu benutzen.










11 Kommentare zu “Ach, Bing Dich doch selbst, Microsoft!”
ich habe Bing nur damals paar mal getestet, als es in den Medien war. Nun ist einige zeit vergangen und ich nutze Bing gar nicht mehr – so wirds wohl vielen anderen auch gehen – daher wird es Bing und MS auch dieses Mal wieder nicht schaffen!
Also ich werde mich noch ein bisschen zurückhalten mit der endgültigen verbalen Vernichtung von Bing
Bisher habe ich schon von einigen nützlichen Features gelesen, wie zum Beispiel die Video-Vorschau welche Bing bereit hält. Als Google-Killer würde ich Bing bisher auch nicht einstufen, aber vielleicht wird Bing ja tatsächlich zu einer ernst zu nehmenden Alternative…
TK schrieb:
“In diesen Tagen sollte der Name des Wirtschaftsministers dann doch bitte auch Nachrichten auswerfen – passiert aber nicht. Noch nicht einmal als “Karl Theodor zu Guttenberg”.”
Funktioniert einwandfrei. Nur zur Info.
Glaube auch das die Suma keine Konkutenz zu google werden wird. Und wenn dann ein Übernamekanidat wenns zu mächtig wird.
nachdem microsoft die letzten 5 Jahre so ziemlich jedes Jahr seinen “Google Killer” gelauncht hat, ist es schon langsam “gähn” was hier wieder mal präsentiert wird. Bing schaut man sich mal an, aber seine Suchgewohnheiten ändert man deswegen nicht… schon gar nicht wegen eines hübschen Hintergrundbilds!
»warum nur?« möchte man schreien. aber dann erinnert man sich – und weiß trotzdem nicht warum. #m$
Bzgl. der Hotline-Nr.: Früher ging 0800-TELEKOM; hab sie allerdings lange nicht gebraucht, weiss also nicht, ob es noch so ist…
@Arno @50hz Danke für den Hinweis. Das erklärte auch die Gleichheit der Resultate bei Mashable. Ich hab den Artikel komplett umgeschrieben…
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Kleiner Tipp: Falls Du in der Redaktion bist, mach vorher den Ton aus.
Das deutsche Bing ist gar nicht Bing, sondern die Live-Suche mit neuem Layout. Wenn Du Bing testen willst, schalte auf die amerikanische Version um.
Tja, ohne Sex kein Staatsexamen.
Aber andererseits, das mit der heissen Luft war doch bei einem ß-Test der Meister der Vaporware nicht viel anders zu erwarten.
Der Test des 1.0-Produktes steht also noch aus. Kein Grund, den Pfingsturlaub zu unterbrechen oder sich von der Erdbeerernte abhalten zu lassen.