Wir neigen dazu, unseren Wahrnehmungskreis eng zu ziehen. Da gibt es jene Länder, die uns geographisch nahe liegen und jene, deren Sprache wir sprechen. Vielleicht kommen noch Gegenden hinzu, zu denen wir eine persönliche Nähe verspüren, sei es aufgrund familiärer Wurzeln oder Urlaubsvorlieben.
Deshalb fallen einige Regionen, in denen Spannendes passiert durch unser Wahrnehmungssieb. Wie Osteuropa. Zumindest habe ich bei all der Diskussion um den Wandel der Medienwelt bisher wenig von der Geschichte des schwedischen Bonnier-Verlags und seines Design-Direktors Jacek Utko gehört – und das könnte ein Fehler sein.Wie müssen Zeitungen sich ändern, um zu überleben? Eine verlässliche Antwort darauf gibt es nicht. Aber meine Meinung ist schon länger, dass sie unter anderem viel stärker in graphische Elemente investieren müssen, es muss Spaß machen sie zu lesen, sie müssen appetitlich werden.
Für diese These hatte ich bisher wenig Daten, es war einfach nur ein Zusammensetzen von Gedankengängen. Nun aber gibt es ein echtes Indiz. Also, es gibt dieses Indiz schon länger, nur haben es Medienjournalisten bisher nicht großartig aufgegriffen.
Der schwedische Bonnier-Verlag nämlich hat einige Blätter in Osteuropa massiv verändert. “Ich will Poster schaffen”, sagt der zuständige Design-Direktor Jacek Utko auf der Vordenker-Konferenz Ted. Wie ein Lied müssten Zeitungen Rhythmus bekommen. Design stehe aber nicht über allem, sondern sei nur ein Teil der Investition in Qualität. Die Ergebnisse sind erschütternd: bis zu 100 Prozent Auflagenwachstum. Nun lässt sich von hier aus schwer beurteilen, ob dieses Plus noch weitere Gründe hat. Ob, zum Beispiel, das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern die Auflage getrieben hat – etwas, was wir auch in Asien kennen.
Und doch: Utkos Vortrag ist ein Wachrüttler für Zeitungsmacher weltweit. Es lohnt sich, über seinen Ansatz zu grübeln:
(Gefunden bei 37Signals, danke für den Hinweis von jemand, dessen Nachricht ich leider nicht mehr finde…)










14 Kommentare zu “Kann Design die Zeitung retten?”
Hey ist doch sehr simpel zu verstehen, und folglich auch nicht zu verstehen für jemand der nicht in Schuhe anderer Leute springen kann.
Menschen haben unterschiedliche Talente bzw. bevorzugte Wege etwas wahrzunehmen: lesen, schreiben, hören, etc. Alles Wege damit Informationen in die Birne gehen.
Wenn man Informationen mit Time New Roman in Schriftgröße 8pt in einer schwer leserlichen Aufmachung verpackt, dann werden einfach nur diejenigen angesprochen, denen es egal ist.
Es gibt Menschen die lieben Gesetzestexte, geschrieben auf diese dünnen Bibelseiten mit Minischrift, und würde nie auf die Idee kommen mit einem Textmarker darin rumzukritzel. Denen ist es egal eine Zeitung nun bunte Bilder druckt oder nicht, solange ihr persönlich antrainierter Lesefluss nicht beeinträchtigt wird.
Nun gibt es aber auch Menschen, die Kopfschmerzen bekommen, wenn sie mehr als eine Seite Buch lesen. Dennoch sind diese interessiert was so los ist, und “gucken” daher die Abendnachrichten, aber keine Zeitung die im Buchgewand daher kommt. Sowas nennt man auch latente Nachfrage.
Es ist ganz simpel. Zeitungen müssen in Erfahrung bringen wie Menschen am liebsten lernen, und dies in einem Layoutkonzept verknüpfen. Wie sollen Informationen präsentiert werden, sodass möglichst viele Lerntypen es ansprechend finden.
Ich stimme da auch einigen Kommentatoren zu. Gutes Design bedeutet nicht nur sein äußeres Erscheinungsbild unter ästhetischen Gesichtpunkten “aufzumotzen”, sondern ähnlich wie bei Websites die Usability zu verbessern und Informationen besser aufbereiten. Man kann hier auch von Informationsarchitektur sprechen. Auch das ist Aufgabe von Designern und Design.
Ob das nun ein “Wachrüttler” für den weltweiten Zeitungmarkt ist glaube ich kaum. Gutes Design ist immer schon wichtig gewesen, die Erkenntnis ist nicht wirklich neu. Das zeigen ja auch immer wieder Usability-Tests. Wie schon gesagt, Design ist mehr…
Der Markt in Osteuropa ist mit Sicherheit ein anderer. Ich informiere mich zumeist online.
Ich glaube, Zeitungen müssen praktisch sein.
Was das bedeutet?
Nun, Informationen kann ich selber online finden, besser zusammengestellt und an meine Bedürfnisse angepasst, als jede (bezahlbare) Zeitung es für mich kann.
Was ich nicht kann, sind hintergründige Analysen. Dafür braucht es viel Zeit und Vorwissen. Deshalb denke ich, solche Publikationen werden gut sein. Ich wünsche mir von meiner Zeitung, dass ich danach die Welt besser verstehen kann und nicht bloß ein paar Fakten mehr kenne. Also, dass ich etwas grundlegendes gelernt habe, dass mich in Zukunft klarer sehen lässt.
Wie im Netz: Die Menschen wollen Bilder, weil sie zu faul sind, etwas zu lesen. Eigentlich extrem schade.
Dennoch muss ich gestehen, dass auch mich eine grafisch aufbereitete Zeitung anspricht. Nur bitte kein “Bild”-Overkill. Eleganz darf durchaus vorhanden sein. Und im Endeffekt gilt immer noch: Qualität zahlt sich aus! Gut recherchiert, gut aufgearbeitet machen Nachrichten Spaß und bewirken eine Kundenbindung. Einen Setzkasten für Agenturmeldungen will man nicht haben – auch nicht die lesefaulen Bilder-Konsumenten.
Der Fokus bei Printprodukten – gerade im Tagesgeschäft – bewegt sich immer mehr hin zu Hintergrundinformationen, Analysen und Meinungen. Die schnelle Nachricht und den Überblick gibt es online und – seit Jahren schon – im Radio. Die Kunst ist doch eigentlich nur, diese drei Medien so zusammenzufügen, dass sie sich ergänzen und keiner mehr ohne eines davon sein mag.
Design kann dabei helfen, Bezugspunkte zu knüpfen, den Konsumenten an der Hand zu nehmen und zu leiten sowie einen Wiedererkennungswert zu schaffen.
Im übrigen hat noch niemand eine Fliege mit einem Radio oder mit einem iPhone totgeschlagen. Das einzige Problem bei dieser ganzen Diskussion ist doch, den Buchhaltern, die heutzutage als Medienfürsten reüssieren, zu erklären, wo sie eigentlich investieren müssen: Qualität bei der Recherche, Kundenbindung. Glaubwürdigkeit. Aber das haben schon andere versucht.
Das Problem an den Thesen von Jacek Utko und anderen Designern ist, dass sie ausschließlich ästhetisch argumentieren und Design eher als eine Art Spielerei begreifen (“Poster schaffen”). Die wenigsten Leser hängen sich aber wohl die Zeitung nachher an die Wand … Vielmehr wollen sie durch leserfreundliches, funktionales und attraktives Design während der Lektüre orientiert werden. Es gibt mittlerweile viele Forschungsergebnisse dazu (http://www.journalismusforschung.de/quali/index.htm); gerade Blickverlaufsmessungen können zeigen, was wirklich gutes Design ausmacht. Das Journalismus-Magazin “Message” hat Anfang des Jahres zur Mediengestaltung einen guten Überblick gegeben (http://www.message-online.com/91/heft.html)(http://www.ejo.ch/index.php?option=com_content&task=view&id=1794&Itemid=100). Fazit: Leserfreundliches Design kann in der Tat die Zeitung retten. Aber nicht allein: Der Inhalt muss schon auch noch stimmen und gut aufbereitet sein …
so leid mir das tut zu sagen, papier ist einfach zu traege, zu langsam, zu teuer. im magazin-bereich mag die design-umdenkung vielleicht noch was nützen. aber im zeitungsgeschaeft, da lässt sich die revolution nicht stoppen. der blick in die usa weist die richtung. top-magazine wie time oder newsweek kommen kaum noch auf 50 seiten, tageszeitungen gehen ein. das ist sehr traurig, aber leider sehr wahr.
Apropos, ich ärgere mich jeden morgen über das Handelsblatt-Design. Im Vergleich mit beispielsweise der FTD ist die Lesbarkeit eine Katastrophe. Wenn Sie bei sich mal einen Designer heran lassen würden, wäre ich sehr dankbar.
Man müsste mal eine Zeitung ganz ohne mit Buchstaben schreiben!
http://homepage.mac.com/lpetrich/Pix/NumberedAtheistSymbols.jpg
Die F.A.S. ist ein Beispiel für hervorragendes Zeitungsdesign.
Wer sich nichts komplett Neues ausdenken will, sollte einfach mal in ein paar Ausgaben von Bissingers “Die Woche” blättern.
Früher gabs in der FAZ fast keine Bilderm mittlerweile schon. Das würde deine These auch stüzen.
Link verschluckt: http://bizdesigner.typepad.com/bizdesigner/2007/04/the_ikea_of_bus.html
El Economista – um nur mal ein gelungenes Beispiel (wenn nicht sogar das Beispiel) für ein Zeitungsdesign zu zeigen.