»Thomas Knüwer 15. January 2009, 10:40 Uhr

Kölns ungrüne Verkehrsbetriebe KVB

Umweltschutz ist gerade mal wieder wahnsinnig angesagt. Und das ist ja auch gut und richtig. Doch für den Umweltschutz braucht es oft auch die richtige Infrastruktur. Und Menschen die mitdenken. Bei den Kölner Verkehrsbetrieben fehlt beides.

Gestern, zum Beispiel gab es hunderte von Menschen, die nur bei ausgeprägter Dummheit oder einer merkwürdigen Liebe zum Warten auf zugigen Bahnsteigen auf die Idee kommen werden, beim Besuch einer Veranstaltung der Kölnare…, pardon, Lanxess-Arena, die Dienste der KVB in Anspruch zu nehmen.

Als die Zuschauer des ausverkauften (und ganz nebenbei: grandiosen) Tina-Turner-Konzers eine Straßenbahn Richtung Innenstadt nehmen wollten, konnten sie lange warten. 30 Minuten, um genau zu sein. Denn die KVB scheint der einzige örtliche Nahverkehrsanbieter zu sein, der anlässlich einer Großveranstaltung keine Sonderzüge einsetzen mag.

Groß war der Ärger, groß die Verwunderung. Fast höhnisch lief unter der Anzeige des nächsten Zuges der Hinweis auf die Abba-Revival-Veranstaltung, die man doch ganz toll mit Bussen und Bahnen besuchen könne. So blöd ist man wohl nur einmal.

Dabei sind zwei Dinge wichtig: Erstens zahlen die Veranstalter von Konzerten in der Regel eine Sondergebühr an solche Verkehrsbetriebe, damit die Eintrittskartenbesitzer den Nahverkehr kostenlos nutzen können. Die Gegenleistung für diese Gebühr – und es wäre erstaunlich, würde sie in Köln nicht erhoben – scheint bei der KVB zu bestehen aus… nichts.

Zum anderen natürlich der Umweltaspekt. Denn die KVB übrigens selbst noch hochjubelt auf ihrer mageren Internet-Seite. Statt es den Menschen einfach zu machen, signalisiert die KVB ganz klar, dass sie kein Interesse daran hat, neue Kunden zu gewinnen. Denn gerade bei solchen Veranstaltungen bestünde die Chance, Menschen vom ÖPNV zu überzeugen – schließlich hat niemand Lust eine Stunde im Parkhaus zu sitzen, bis der Stau vorbei ist (was in Köln üblich ist).

“Wir bewegen Menschen” hat die zuständige Werbeagentur der KVB als Motto aufgeschwatzt. Stimmt aber irgendwie. Die KVB bewegt die Menschen dazu, das Auto zu nehmen.

Nachtrag vom 28.1.: Auch die Stunksitzung hat dazu ihre Meinung (vielen Dank an tcaspers für den Hinweis):

»Thomas Knüwer 15. January 2009, 10:40 Uhr

    12 Kommentare zu “Kölns ungrüne Verkehrsbetriebe KVB”


  1. gerrit says:

    Aber die Köln-Arena ist doch nur eine gemütlich gegangene Viertelstunde vom Hauptbahnhof entfernt. Wozu braucht eine Mensch mit Ziel D’dorf eine Straßenbahn? Um sich aufzuregen, vermute ich.

  2. Jens2 says:

    Mir fallen dazu vier Dinge ein:

    1. Wenn man an der Kölnarena ist, kann man vom Bahnhof Deutz aus alle paar Minuten eine S-Bahn oder eine Regionalbahn zum Hauptbahnhof nehmen. Damit kommt man von dort zumindest mal überhaupt weg. (Kommt natürlich darauf an, wohin man im Linksrheinischen will, ob sich das nun lohnt oder nicht.) Ansonsten muß man noch wissen, daß von der Kölnarena aus die Bahnen sowohl von der oberirdischen als auch von der unterirdischen Haltestelle aus zum Neumarkt fahren. Auch das kann nützlich sein, je nachdem, wohin man im Linksrheinischen will.

    2. Wenn es nur die Anzeigetafel war, die etwas von “nächste Bahn in 30 Minuten” verkündet hat, so sollte man sich dadurch nicht ins Bockshorn jagen lassen. Die Einheit, in der auf diese Tafeln gerechnet wird, sind keine normalen Minuten, sondern KVB-Minuten, und KVB-Minuten vergehen grundsätzlich schneller oder langsamer als tatsächliche Minuten. Manchmal fehlen allerdings auch Züge auf der Anzeigetafel ganz, die dann erst kurz vor der Einfahrt des Zuges auf der Anzeigetafel erscheinen, oder angezeigte Züge verschwinden einfach, ohne daß eine Bahn gekommen wäre. Ein Blick auf den an der Haltestelle aushängenden Papierfahrplan lohnt sich daher auf alle Fälle, denn manchmal wird der sogar grob eingehalten.

    3. In den späteren Abendstunden mit der KVB zu fahren ist wirklich eine Qual. Durch das “Rendezvous-System”, bei dem sich fast alle Bahnen gleichzeitig an zentralen Punkten treffen, kommt nämlich auch auf Strecken, auf denen eigentlich mehrere Linien fahren, nur ca. alle halbe Stunde überhaupt eine Bahn. Noch dazu kommt natürlich die für eine Stadt in der Größe von Köln absolut peinliche Tatsache, daß es so etwas wie Nachtverkehr nicht gibt. Die letzte Bahn fährt unter der Woche um ca. 1.00 Uhr nachts, danach gibt es gar nichts mehr, auch keine Nachtbusse. Dafür ist die letzte Bahn dann immer mindestens so brechend voll wie im Berufsverkehr.

    4. Ich habe Verständnis dafür, daß die KVB keine Sonderzüge einsetzt, wenn sie dafür kein Geld vom Veranstalter bekommt. Das Geld für die Eintrittskarten mit Fahrscheinfunktion steckt sich schließlich der VRS in die Tasche, davon bekommt die KVB zunächst einmal gar nichts. Allerdings hörte ich einmal, es gäbe eine Verpflichtung für Veranstalter, für einen zuverlässigen Transport des erwarteten Besucheranstroms zu sorgen. Ich weiß allerdings nicht, ob man mit der Ausgabe solcher Fahrscheine dieser Vorschrift nicht bereits genüge getan hat. Vielleicht weiß das hier ja jemand genauer.

  3. Thomas Mrazek says:

    Zum abregen ein Oldschool-Ohrwurm:
    Ich fahr schwatz met de KVB,
    die Markfufzisch dät denne och nit wieh,
    ich fahr schwatz mit de KVB,
    dä Hals voll krieje de Bonze nie.

    Aus Zeltingers “Müngersdorfer Stadion”, so um 1980: http://de.youtube.com/watch?v=tS4brJS5850

  4. agdtwerfav says:

    Ja seltsamerweise laufe ich mehr, als dass ich die KVB nehme. Ich muss sagen, dass ich es schon desöfteren geschafft habe den 3km langen Weg zu meiner Wohnung schneller zu schaffen, als die Bahn selbst, die mir ja gerade vor der Nase weggefahren war und mich deshalb zu gehen zwang. Auch gut: Geschlossene Türen der KVB Bahnen vor “roten” Ampeln für die Bahnen, obwohl darußen Leute stehen, die gerne auch noch einsteigen würden.

  5. Nathanael says:

    Die Rheinbahn kann das auch: Jedes Jahr beim japanischen Feuerwerk wird nur die U-Bahn von Oberkassel mit Sonderzügen beschickt, die Straßenbahnen von der Kniebrücke fahren hingegen nur in ihrem üblichen Abendtakt (20 Minuten) und sind, was angesichts der nicht mehr überschaubaren Menschenmassen ein besonderer Hohn ist, nur mit Kurzzügen beschickt.

    Kommentar der Rheinbahn auf meine Beschwerdemail: Mehr Züge würden nicht eingesetzt, weil der Veranstalter nicht bereit sei, dafür aufzukommen. Aber die langen Züge einzusetzen wäre eine gute Idee, die man für die Zukunft in Erwägung ziehe.

  6. Marc says:

    Ich vermute ja, dass die Fahrplanmacher oder die, die solche Abmachungen mit Konzertveranstaltern machen, sehr selten den ÖPNV nutzen.

    Ich hatte mal bei einer Straßenbahnvorstellung bei uns in der Stadt bei den “Großkopferten” herumgefragt, wer den mit der Bahn ins Depot gekommen sei. Einer. Alle anderen hatten noch weitere Termine, mussten nochmal ins Büro etc.

    Liegt vielleicht an der Abkürzung. Die Kieler Verkehrsbetriebe (auch KVB) hatten sowas mal in den neunziger Jahren hinbekommen. Damals war ein Michael-Jackson-Konzert und die Eintrittskarten galten auch als Fahrkarten. Nur fuhr von dem Sportfeld nach dem Konzert (spät abends) gar kein Bus mehr.

  7. Rainer Schaffrath says:

    Die KVB ist halt eine Gurkentruppe. Egal ob FC-Spiel, Konzert, Weltjugendtag, Fußball-WM oder Kirchentag: Die Kölner Verkehrsbetriebe lassen keine Gelegenheit aus, sich zu blamieren. Stattdessen macht man das, was alle machen: Die eigene Inkompetenz durch große Sprüche maskieren. Nebenbei verbuddeln sie noch Millionen von Steuergeldern im Kölner Untergrund. Das kostet die Bürger erstmal eine Menge Nerven und dann auch noch jede Menge stetig erhöhte Gebühren. Dass die KVB damit jahrelang durchkommt ist natürlich auch der Kölner Stadtspitze aka Schramma, Kahlen & Co. zu verdanken, die sich offenbar wenig um einen funktionierenden ÖPNV schert. Deren Ansatz zur Vermeidung von Schadstoffen in der Innenstadt ist genauso lächerlich wie die KVB und nennt sich Umweltzone. Man wähnt sich bisweilen in einem Feldversuch.

  8. maternus says:

    Tja. Die KVB. Inkompetenz, Selbstzufriedenheit, vollkommenes Desinteresse an den Bedürfnissen des Bürgers (der ja allenthalben zum “Kunden” erniedrigt wird). So wie städtische Institutionen es mehr oder weniger sämtlich an den Tag legen. Die Unbeliebtheit der KVB unter den Ärmsten, die zu ihrer Nutzung verurteilt sind, ist legendär. Ein Stadtführer für Zugereiste faßte das einst in dem Satz zusammen:

    “Es ist uns nicht gelungen, irgendjemanden in Köln anzutreffen, der mit dem Begriff ‘KVB’ nicht blanken Haß verbindet.”

  9. ElMicha says:

    KVB:2.Chance bei TINA T.am Montag!Jetzt zeigen,daß das Marketing die Blogs scannt+zeitnah reagiert! Wundern würd´s mich ja..

  10. Johannes says:

    Ja die KVB Kommt Vielleicht Bald. Solche Großveranstaltungen kommen aber auch immer SO plötzlich.

  11. martin says:

    tja, da lobe ich mir den zwar teuren aber aber doch sehr guten rmv in frankfurt am main, der mit zusatzstrassen- und zusatz-S-bahnen fährt, und das zuverlässig und schnell, bei allen grossveranstaltungen;

  12. Daniel Rettig says:

    Als Ur-Kölner ist das für mich (leider) nichts Neues. “Denn die KVB scheint der einzige örtliche Nahverkehrsanbieter zu sein, der anlässlich einer Großveranstaltung keine Sonderzüge einsetzen mag.” Bei Heimspielen des 1. FC Köln gibt es diese Sonderzüge. Scheinbar fallen “Kölnarena”-Konzerte (ich ignoriere den Spender) demnach nicht unter die Kategorie “Großveranstaltung” – warum auch immer…