Vor Günter Wallraff habe ich höchsten Respekt. Weil er eine Art Frontberichterstatter des kleinen Mannes ist, weil er bereit ist, seinen Körper für die Recherche zu malträtieren.
Allerdings hat Wallraff auch einen Makel. Er recherchiert oft nicht aus einer neutralen Position heraus. Er ist ideologisch vorgeprägt. Zunächst mal ist das nicht schlimm, doch hat diese Prägung bei ihm gelegentlich manische Züge.
Anscheinend führt dies inzwischen in eine Richtung, die bedenklich ist, zumindest in Sachen Wortwahl. Denn er bezeichnet Menschen, die er nicht mag als “Abschaum”. So aktuell in einem Interview mit dem österreichischen “Kurier”:
“Die Menschen, die in gewissen Blättern als Vorbild dargestellt werden, sind oft nur Abschaum. Zu einer Hotelerbin, die außer Geld nichts vorzuweisen hat, strömen ganze Scharen von Teenagern. Eine Krankenschwester, die aufopferungsvoll ihren Job macht, gilt nichts. Die Gesellschaft muss sich neu besinnen.”
Ja, die Gesellschaft muss sich neu besinnen. Und Günter Wallraff auch. Denn Menschen als “Abschaum” zu titulieren, die kein anderes Vergehen vorweisen, als ein Modepüppchen zu sein, ist ein Hinweis, dass der Herr seine grundsätzlichen Werten dringend überdenken sollte.
(Gefunden bei Turi2)










12 Kommentare zu “Die hinterfragenswürdige Wortwahl des Günter Wallraff”
Wie kann man sich bloss wieder um die exakte Deutung eines klaren Wortes halbtot philosophieren, anstatt die ebenfalls klare und wahre gesellschaftskritische Aussage dieses Satzes zu verstehen. Natürlich ist es “krank” und vorallem für die charakterliche Prägung von Jugendlichen sehr ungesund, wenn heutzutage gut aussehende Materialisten als Halbgötter verehrt werden und beseelte, hilfsbereite, sich nicht in Glanz und Licht sonnende Menschen weder geachtet noch beachtet werden. Die Oberflächlichkeit dieser Welt ist dermassen daneben, dass dafür sehr wohl auch deutliche und harte Worte verwendet werden dürfen. Zu verurteilen wäre hier wohl eher unsere hohle materielle Hochglanzkulutur, anstatt eine einzige Aussage, die den Nagel anhand dieses Beispiels so auf den Kopf trifft, dass sie hoffentlich gehört wird!
Um einen gemeinsamen Sprachgebrauch zu finden, muss erst einmal definiert werden : Was ist Abschaum?
Der Schaum auf dem Abwasser oder der Schaum in der Badewanne?
Oder haben gewisse Leute die Herr W. im Kopf hatte Abschaum zu anderen Menschen gesagt und er spiegelt letztendlich nur ihr Verhalten, indem er Abschaum zu Ihnen sagt. Quasi damit Sie sich selber wiedererkennen und somit an sich arbeiten können?
Oder hat der Reporter es etwa falsch aufgeschrieben?
Neulich habe ich den Film : Die Passion Christi angesehen. Jetzt weiß ich was mit “purpurnen Gewand anlegen” gemeint ist. Das dreckige Gelächter der “Peiniger” ist mir jedoch schon aus der (vor-)letzten Arbeitswelt her bekannt gewesen.
Ein Ausdruck der dem Text nicht entnommen werden kann. Das muss selber erlebt werden.
Warum habt ihr nicht solche Bedenken wenn Menschen als Sozialschmarotzer bezeichnet werden? Wallraffs Sprache ist wütend und direkt. Das ist mir allemal lieber als eure politisch korrekte “Wir haben uns alle ganz doll lieb” Soße.
Knuddel
Wenn Wallraff das so gesagt hat, finde ich es skandalös. Andere Menschen als Abschaum zu titulieren ist menschenverachtend.
Die einen werden Abschaum genannt, die anderen bloß regelmäßig so behandelt. Ist vermutlich ein ideologische Frage, worüber frau sich mehr echauffiert. Na egal, der Herrn Knüwer hatte halt Themenmangel. Kann ja mal passieren, kenne ich.
Muss gestehen, dass ich mich an dem Wort Abschaum in diesem Zusammenhang auch gestoßen habe. Ob es indes Ausdruck einer kritikwürdigen Ideologie ist, darüber würde ich ohne weitere Indizien keine Ferndiagnose anstellen wollen.
Ja, olle Günni hat was Manisches bis Paranoides, stimmt schon. Aber den Begriff “Abschaum” würde ich in seinem Wortschatz nicht vermuten und nehme stark an, dass es sich um einen Übertragungsfehler im Interview handelt. Nein, dieses Wort passt überhaupt nicht zu Wallraff…
Bei einigen Kommentatoren frage ich, was sie so denken…
Sorry, aber Abschaum für einen Menschen – das kenne ich eher aus rechtem Gedankengut.
Auch im Modepüppchen steckt schon eine Wertung.
Wie wärs mit junger Frau und Hotelerbin? Durchaus auch: Clevere Selbstvermarktungsgeschäftsfrau, wenn das nicht zu lang ist.
“Er recherchiert oft nicht aus einer neutralen Position heraus. Er ist ideologisch vorgeprägt. Zunächst mal ist das nicht schlimm, doch hat diese Prägung bei ihm gelegentlich manische Züge.”
In einen anderen Zusammenhang gesetzt dienen diese Sätze doch als perfekte Erklärung, warum Thomas Knüwer über den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk so schreibt, wie er schreibt.
Man sollte nicht jemanden aufgrund seiner Wortwahl an den Pranger stellen und dann ein halbes Dutzend Fehler in den eigenen Text schustern.
Naja, ideologisch vorgeprägt zu sein… Da müssten sie mal genau erklären, was sie unter “ideologisch” verstehen.
Ansonsten, manische Züge beim verbreiten einer Ideologie… Wieso fassen sie sich nicht an ihre eigene Neue-Medien-Twitter-Nase?