Eine Zusammenfassung über eine Konferenz zu schreiben ist eigentlich Unsinn. Denn unterschiedlichste Meinungen, Vorträge, Ideen zusammenzustellen, nur weil sie von einem Konferenzveranstalter zu zusammengesammelt wurden, macht eigentlich keinen Sinn. So versuchen Journalisten dann anhand der Räume, des Wetters und mit ein paar Gesprächen etwas lesbares zu erzeugen. Manchmal klappt das, manchmal nicht.
Derzeit bin ich auf der Internet-Konferenz Le Web in Paris. Und deshalb, noch mitten im ersten von zwei Tagen, eine kleine Fingerübung. Oder besser zwei: Die Beschreibung der Stimmung anhand unterschiedlicher Stimmen und der Raumtemperatur.
Hinweis: Ironie included.Versuch 1: Kälte 2.0
Ab 10 Uhr regiert die Jacke. Schon eine Stunde nach Beginn der Le Web fliehen die Besucher reihenweise zur Garderobe, um ihre abgegebenen Kleidungsstücke abzuholen. Wollen sie gehen? Nein. Sich wärmen. Denn im Cent Quatre regiert das Eis: Draußen schneit es auf die Straße, drinnen in den Herzen der Anwesenden.
Die Kälte der Finanzkrise erreicht die sonst so euphorische Internet-Welt. “Viele der Unternehmen haben die Schwere der Krise noch nicht begriffen, vor allem in Europa”, sagt Marc Samwer, einer der Köpfe des European Founders Fund.
Doch die Le Web demonstriert die Krise mit aller Macht. “Le Foie Gras Trois” nannten sie die Teilnehmer im vergangenen Jahr, soviel Gänselebervariationen gab es dort in der Mittagspause. Überhaupt: Über das Essen schwärmen viele noch immer.
In diesem Jahr sind sie schon froh, einen Kaffee aus Mini-Tassen gereich zu bekommen. Stundenweise macht die Ausgabe zu, die Teilnehmer bedienen sich selbst bei den Flaschen, die das Bedienungspersonal unter den Tischen hat stehen lassen.
Noch versucht sich mancher das Leben schön zu reden. David Weinberger, zum Beispiel, ein “Vordenker” der Szene: “Realismus ist überbewertet. Er ist nicht ambitioniert genug”. Scheinbar locker erzählt Morton Lund vom Ende seiner Firma: “Sie werden mir demnächst das Haus wegnehmen. Aber ich hatte vorher Spaß im Leben und ich werde bald wieder Spaß im Leben haben.”
Auch Paolo Coelho ist da. Reichlich im Internet unterwegs ist er: Blogs, Videos, ein Film gemeinsam mit seinen Lesern, Twitter. “Es braucht Zeit, bis die Gesellschaft versteht, was wir da machen”, sagt er. Und vielleicht wird sie das, was die, die er mit “wir” beschreibt so treiben, niemals bezahlen wollen. Und dann wird es noch kälter. Kalt wie ein einer Leichenhalle. Diese Funktion erfüllte einst das Quatre Cent. Heute ist es ein Konferenzzentrum – das, in dem die Le Web stattfindet.
Versuch 2: Was das Netz nicht tötet, macht es härter
Ab 10 Uhr regiert die Jacke. Schon eine Stunde nach Beginn der Le Web fliehen die Besucher reihenweise zur Garderobe, um ihre abgegebenen Kleidungsstücke abzuholen. Wollen sie gehen? Nein. Sich wärmen.
Nur die Harten bleiben in Pulli oder Sakko und demonstrieren damit Haltung: Hier steht die Internet-Branche und lässt sich nicht unterkriegen. War die “Le Web” vergangenes Jahr noch ein Ort für Gänseleberpastete und üppige Käsebuffets, so regiert heute frugale Einfachheit. Manchen ist das nicht genug, das Café um die Ecke erlebt in der Mittagspause einen überwältigenden Aufschwung.
Nein, schön ist die Lage nicht. Aber selbst Morton Lund, dessen Firma gerade kopfüber gegangen ist, sagt: “Sie werden mir demnächst das Haus wegnehmen. Aber ich hatte vorher Spaß im Leben und ich werde bald wieder Spaß im Leben haben.”
So ist das Unternehmertum halt. Mund abputzen, weitermachen. Ohnehin geht es ja nicht um das Heute, sondern das Morgen. So sieht es auch David Weinberger, einer der Vordenker der Szene: “Realismus ist überbewertet. Er ist nicht ambitioniert genug.” Und Ambitionen, das ist doch das, was sich alle die Wirtschaftspolitiker und Krisenredner wünschen, oder? So gilt wohl das, was Erfolgsautor Paolo Coelho über das Web sagt: “Es braucht Zeit, bis die Gesellschaft versteht, was wir da machen.” Und so könnte das, was in der ehemaligen Leichenhalle Quatre Cent passiert, die Wiederauferstehung der Wirtschaft einleiten.
Nachtrag: Sehr hübsch auch das hier: “Six people trampled in foodfight at Le Web”










4 Kommentare zu “Versuche über den Einstieg zu einem Konferenzartikel anhand der Raumtemperatur”
Krass! Hätte ich garnicht gedacht…
Ja, es war wirklich kalt. Und das Internet hat auch nicht funktioniert. Hier ist ein weiterer Versuch: http://www.guardian.co.uk/technology/2008/dec/10/startups-internet
Haha. Ne Freundin von mir ist derzeit auch dort. Die hat sich sogar gefreut auch noch nachdem ich sie auf die le web 3 hingewiesen hab. Es wird wohl nicht besser…
Na auf die Fingerübung in Form und Schrift bin ich ja mal gespannt….