»Thomas Knüwer 09. October 2008, 20:15 Uhr

Eine Runde Kredit für alle

Auch Berufskommunikatoren sollten einigermaßen über die weltweite Nachrichtenlage informierte sein. Ja, ja, ich weiß, ist nen harter Job, bis spät nachts wird noch gewerkelt in den kleinen PR-Agenturen am Rande der Stadt.

Doch so dann und wann sollte einfach jeder mal Zeitung lesen, Fernsehen gucken oder einen Blick in dieses Interwebdings werfen.

Dann könnte er sich fragen, ob gewisse Geschehnisse in der Welt den eigenen Kunden betreffen, dessen Geschäft gar in einem neuen Licht erscheinen lassen. Und dann könnte als Erkenntnis folgern, dass nicht jede Pressemitteilung die auf den ersten Blick wie eine gute Idee erscheint, in diesem Moment richtig ankommt.

So wie heute eine E-Mail der Online-Kredit-Börse Smava.Ich, zumindest, hätte mir das hier verkniffen im Angesicht der Hypotheken für jedermann, die mit Schuld sind am Taumeln der Finanzmärkte:

“P R E S S E M I T T E I L U N G

Jubiläum: 50 Jahre „Kredite für alle“

· Am 10. Oktober 1958 fordert Ludwig Erhard von deutschen Banken eine stärkere Verbreitung des Kleinkredits
· Heute ermöglichen Online-Kreditmarktplätze Privatkredite zu erschwinglichen Konditionen und sind eine Alternative zur Bank

Berlin, 09.10.2008 – Am 10. Oktober 2008 jährt sich der historische Startschuss für Kleinkredite in Deutschland zum 50. Mal. Mit-Initiator der Idee „Kredite für alle“ war der damalige Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Der Vater der Sozialen Marktwirtschaft griff das wichtige Thema „Privatkredite“ auf und forderte am 10. Oktober 1958 gegenüber dem Deutschen Bankiertag die einfache und erschwingliche Kreditaufnahme für Privatpersonen. Sein Engagement hat die Verbreitung von Kleinkrediten in Deutschland erheblich gefördert…”

»Thomas Knüwer 09. October 2008, 20:15 Uhr

    5 Kommentare zu “Eine Runde Kredit für alle”


  1. Malte says:

    Detlef Stadler schrieb:
    > Ich fordere hiermit den Rücktritt von Merkel,
    > Steinbrück, der CSU-Pfeife Glos und Ackermann.
    > Begründung:
    > Alle genannten Herren [...]

    Selten so gelacht ;D

    Ansonsten verstehe ich den Aufhänger nicht. Gerade in Zeiten in denen Banken (sich) kein Geld mehr verleihen oder dies sehr teuer wird, könnten Marktplätze wie Smava profitieren. Ich finde die Pressemitteilung daher zeitlich sehr gelungen und kann dazu nur beglückwünschen.

  2. Rainersacht says:

    Hysterie for you and me.

    DAX bei 2300 gab’s schon mal im April 2003, kurz vorm Irak-Krieg. Dann ging’s wieder nach oben. Wundert mich, dass noch kein Finanzschwein die Anzettelung einer militärischen Operation gefordert hat.

  3. Detlef Stadler says:

    Wo ist der Tiefpunkt für den Dax? Ich tippe auf 2300 Punkt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die noch dieses Jahr erreicht werden. Allerdings bei dem Tempo des aktuellen Verfalls könnten es bis zum 31.12.08 auch -2300 werden. :-)

    Daneben wird die Finanzkrise die Entwicklung des Rentensystem zum “Sozialhilfesystem” dramatisch beschleunigen. Das Realeinkómmen der Arbeitnehmer wird sich stark beschleunigend nach unten entwicklen. Sehr viele Millionen von Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern werden noch mehr verarmen, Hunger erleiden oder gar sterben.

    Ich fordere hiermit den Rücktritt von Merkel, Steinbrück, der CSU-Pfeife Glos und Ackermann.

    Begründung:

    Alle genannten Herren hatten unter sich eine Vielzahl von Experten und Beraterstäben, die das nun stattfindende Szenario zwingend hätten erkennen müssen. Diese Krise wurde von unabhängingen Experten bereits 2005, spätestens 2006 relativ genau beschrieben, auch was ihren zeitlichen Verlauf angeht. Sie war zudem objektiv bei Beobachtung der Märkte in Amerika für rational denkende Menschen offensichtlich vorhersehbar. Es konnte allenfalls noch die Frage gestellt werden, wann genau dieses Immo-Bubble-System, mit dem ihm angeschlossenen Derivatensystem implodiert. Trotzdem haben es die Ministerien und vor allem auch der Deutsche Bank Chef versäumt, Schutzvorkehrungen für den deutschen Bankenmarkt einzuleiten. Das war grob fahrlässig, wenn nicht sogar Vorsatz, speziell beim Saubermann Ackermann. Ähnliches gilt für die EU und ihre Spitzenkräfte der einschlägigen Organe.

    Es ist offensichtlich, dass ein katastrophales Versagen der politisch verantwortlichen Kräfte und ihrer einschlägigen Beraterstäbe vorliegt. Die Regierungsspitze muss weg! Sie haben brutal in einem hochsensiblen Bereich versagt und ihre Politik auf einen Haufen geldgieriger Lobbyisten gestützt. Weg? Die Frage sollte höchsten noch sein, wann der beste Zeitpunkt dafür ist.

    Die Rücktrittsforderung sollte jetzt und in den Blogs und sonstigen Foren gestreut werden. Wir haben Versager 1. Klasse an der Spitze der Regierung, die sich nun als besonnene Krisenmanager aufspielen. Es gibt für sie keine Entschuldigung. Sie sind verantwortlich und zwar an erster Stelle.

    Welche Zeitung wird sich trauen, die Rücktrittsforderung auszusprechen? Sie liegt doch auf der Hand.

    Kommentar von Detlef Stadler | 10.10.2008 | 8:37

  4. Stefan says:

    Scheint als wenn die “Pressemitteilung” vor 4 Wochen entstanden ist und heute mal “rausgehauen” wurde.

  5. Betterknew says:

    weiteres Jubiläum
    10 Jähriges Jubiläum
    1998 forderte DB-Reseach Chefvolkswirt Walther eine einheitliche Bankenaufsicht für die EU.
    Norbert Walter schon 1998 in
    Frankfurter Allgemeine Zeitung vom
    28. September 1998

    “Koordinierung der Aufsicht tut not
    Aber soll Europa warten, bis die ersten Großkrisen
    vor den Toren der EZB ihrer unmittelbaren Entscheidung
    harren?”
    Oder auch weiteres von DB-Research:
    “Allerdings werden die von der EWU
    ausgelösten Änderungen in den kommenden Jahren auch besondere
    Anforderungen an die Qualität der Bankenaufsicht stellen. Es besteht
    die Gefahr, daß Kreditinstitute, die unter starken Wettbewerbsdruck
    geraten, bereit sein könnten, riskantere Projekte zu finanzieren. Ergänzend
    führt Disintermediation dazu, daß sich die durchschnittliche
    EWU spitzt Restrukturierung der
    europäischen Finanzbranche zu
    Effekt aber unterschiedlich je nach
    Marktsegment
    Finanzsektor langfristig Gewinner
    der EWU
    Starke Konkurrenz von Instituten aus
    den USA …
    … und der Schweiz
    Änderungen im rechtlichen Satus
    möglich
    Bankenaufsicht muß wachsam sein
    15
    Banken müssen – mit und ohne
    EWU – ihre Rentabilität erhöhen
    Qualität der Assets verschlechtert. Erfahrungen aus früheren Phasen
    der Deregulierung in einzelnen Ländern (Skandinavien, Frankreich) lassen
    hier Vorsicht angezeigt erscheinen. Die Aufsichtsbehörden werden
    wachsam sein müssen, um finanziell schwache Institute rechtzeitig
    zu identifizieren und ggf. Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.
    Gleichzeitig besteht die dringende Notwendigkeit, daß die Fähigkeiten
    der Aufsichtsbehörden mit der Entwicklung neuer Produkte für den”

    Oder auch
    Aus dieser Divergenz zwischen
    zunehmend supranationalen Finanzmärkten einerseits und noch immer weitgehend
    nationalen Aufsichtsstrukturen andererseits resultieren Spannungen, welche die
    Effektivität der Aufsicht beeinträchtigen.2 Es liegt im Interesse des öffentlichen wie
    des privaten Sektors, daß die Strukturen der Aufsicht den Risiken eines globalen
    Kapitalmarkts gerecht werden.
    2 Vgl. Breuer, Rolf-E. (2000): Regulierung und Bankenaufsicht zwischen Nationalstaat und globalem
    Finanzmarkt, in: Deutsche Bank Research, EWU-Monitor, Nr. 86, Frankfurt/Main.
    Speziell in Europa ist jedoch entschlosseneres Handeln erforderlich: Es macht wenig
    Sinn, eine gemeinsame Geldpolitik zu haben und auf einen Finanzbinnenmarkt zu
    zielen, während man gleichzeitig unterschiedliche Regulierungs- und
    Aufsichtsstrukturen in Europa behält.