Blogger, kritisieren viele, beschäftigten sich immer nur mit sich selbst. Auch dieser Eintrag beschäftigt sich mit Bloggern und dem, was sich in der vergangenen Woche zugetragen hat.
Der VWL-Professor Harald Uhlig führte bisher ein Blog für das Handelsblatt. Am vergangenen Wochenende veröffentlichte er dort einen Artikel, der grenzwertig war, möglicherweise gar rechtlich problematisch hätte werden können. Dieser Artikel wurde auf Weisung der Chefredaktion gelöscht.
Dieses Vorgehen war auf zwei Ebenen ein Fehler: Zum einen hätte der Artikel verändert werden können, zum anderen wurde nicht mit Herrn Uhlig kommuniziert.
Vielleicht wäre die Sache anders verlaufen, hätte es sich nicht um ein Wochenende gehandelt. Doch an einem Wochenende sind die Redaktionen dünner besetzt und die handelnden Personen schlechter ansprechbar.
Trotzdem: Es ist alles so gelaufen, wie es nicht laufen darf. Die Aufregung in der Blog-Szene darüber ist für mich nachvollziehbar, wenn auch manchmal ein wenig übertrieben. Wer allen Ernstes glaubt, der Verleger rufe hier wegen eines Blog-Eintrags an, hat ein etwas falsches Bild von der Größe der Verlagsgruppe Holtzbrinck und der Funktionsweise von Großkonzernen.
Die Episode beweist aber auch: Verlage müssen weiter kräftig lernen in Sachen Online-Kommunikation. Und zwar alle.
Und hier noch die Stellungnahme von unserem Chefredakteur Bernd Ziesemer und Online-Chef Sven Scheffler:“Am vergangenen Sonntag wurde auf Veranlassung der Handelsblatt-Chefredaktion der Beitrag „Die Welt-Finanzkrise: was ist los mit Commerzbank, Dresdner Bank, UBS und Fortis?“ aus dem Handelsblatt-Blog von Harald Uhlig entfernt.
Uns ist bewusst, dass dies einen tiefgreifenden Eingriff in das Blog von Herrn Uhlig darstellt.
Grund für unsere Entscheidung war die Befürchtung, dass der Blog-Beitrag von Herrn Uhlig in der Öffentlichkeit irrtümlich nicht als die persönliche Meinung eines Wissenschaftlers, sondern als redaktioneller Beitrag des Handelsblatt wahrgenommen werden könnte und der Eindruck entsteht, das Handelsblatt rufe zu einem „Run“ auf die Commerzbank und andere Finanzhäuser auf.
In einer Situation, die ohnehin sehr fragil ist, wollten wir jedes Risiko ausschließen, durch missverständliche Äußerungen eine Panik in der deutschen Finanzindustrie zu verursachen. Dies haben wir höher bewertet als die Meinungsfreiheit unseres Bloggers.
Wir bitten Herrn Uhlig und unsere Leser dafür um Verständnis.
Bernd Ziesemer & Sven Scheffler”
Und ein Hinweis von mir: Einige Kommentare unter meinem Blog-Eintrag über das schöne Stück der Kollegin Katharina Slodcyk bezogen sich auf das Uhlig-Thema. Ich habe diese Kommentare hierhin rübergehoben, weil sie hier besser hinpassen.










61 Kommentare zu “Harald Uhlig und die Erkenntnis der eigenen Lernbedürftigkeit”
Die Derivate müssen verboten werden und die offenen Kontrakte liquidiert werden.
“Kleines Beispiel” der Bank of Scotland meldet Verbindlichkeiten von 480 Millionen Pfund auf beiden Seiten des Kontoblattes. Diese Bank hat keine Chance das aufzufangen, wenn es ins Wanken kommt. Ob es ins Wanken kommt oder nicht kann sie auch nicht beeinflussen.
Streichen ist die einzige Lösung, dies muss aber weltweit geschehen.
@Radi: Diejenigen, die in den entsprechenden Aktie short sind.
Na ja. Sich bestätigt sehen, während neben einem die komplette Weltwirtschaft den Bach runtergeht ist aber auch eher ein virtueller Profit, oder?
Indirekt? Leute, die schon seit einem Jahrzehnt warnen? Die können sich jetzt bestätigt sehen.
Niemand. Punkt.
Wer profitiert von einem Run auf die angesprochenen Banken?
Herr Lindemann, mir scheint, Sie sehen die Sache dramatischer als der Autor – denn der hat unsere Entschuldigung ja akzeptiert.
Aber ich fürchte, Ihnen könnte man es nicht recht machen. Weil es Ihnen lieber ist an eine Verschwörungstheorie zu glauben, als an eine Verkettung blöder Umstände.
“Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.”
– Voltaire
Wie kleinlich und feige, einen Beitrag zu entfernen, der eine andere Meinung als die eigene vertritt.
Das Einzige, was hieran “möglicherweise gar rechtlich problematisch” wäre, ist die Verletzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung.
Vielen Dank für den Einblick in die “Funktionsweise von Großkonzernen von der Größe der Verlagsgruppe Holtzbrinck”.
Web 2.0 funktioniert nicht in einem kommerziellen Umfeld:
Doch, wenn einem nicht angedroht wird, dass man verklagt wird über Aussagen die eh jeder weiß diese lediglich in der Öffentlichkeit ausgesprochen werden, obwohl unter der Hand sowieso darüber getrascht wird.
Web 2.0 ist ein wichtiger Beitrag zur Förderung der Mündigkeit der Bürger.
Daran mangelte es nämlich beträchtlich in Deutschland. Auf meiner ehemaligen Arbeit wurde mir sogar das Telefon abgestellt, obwohl ich dort “überhaupt nichts” gesagt habe. Mir hat mein Einfach ständig Dinge und Vorurteile unterstellt!
Erst auf Blogs konnte ich darüber reden. Ansonsten wurde ich “in Maßen” bedroht.
undsoweiterundsofort…
Web 2.0 ist ein wichtiger Beitrag zur Demokratie und Redefreiheit der Bürger.
Web 2.0 funktioniert nicht in einem kommerziellen Umfeld.
Die Wogen haben sich geglättet – und Harald Uhlig blogt weiter für uns: http://oekonomie.blogg.de/eintrag.php?id=42
Wir freuen uns sehr!