Derzeit ist es erstaunlich voll in Düsseldorf. Nun ist das Dorf ja einiges an temporär Zugereisten gewohnt, sie kommen für Festivitäten wie Mode-, Kabel-, Boots- oder Druckmessen.
Dass aber die Online-Marketing-Messe OMD für so viel Menschen und Verkehr sorgt, damit war nicht zu rechnen. Die Veranstaltung steht vor einer Verdopplung der Besucherzahl auf rund 20.000 - das ist wirklich ein Hammer.
Und trotzdem könnte es ihr letztes Hurra sein. Denn der Messe-Kooperationspartner Bundesverband Digitale Wirtschaft BVDW zieht mit einer Konkurrenzmesse nach Köln. Er muss sich die Frage gefallen lassen: Geht’s noch?
Mein gestriger Tag kam mir vor wie ein Klassentreffen (welches ich ironischerweise kommendes Wochenende vor mir habe). Keine fünf Meter konnte ich in den Hallen 10 und 11 der Düsseldorfer Messe machen, ohne nicht auf ein bekanntes Gesicht zu stoßen. Fast alle waren auf der OMD: Online-Werber, Gründer, Blogger, Journalisten, Verlagslenker, Web-Firmenchefs, Investoren. Und wieder wurde klar, wie gut die Online-Branche vernetzt ist – und wie inzestuös. Munter wechseln die Positionsbezeichnungen, die Gesichter aber bleiben gleich.
Wohin ich blickte, egal wen ich sprach: Alle waren zufrieden mit der OMD. Die Stimmung war bestens und entspannt, sehen wir vom desaströsen Einlass ab.
Nun wird der BVDW also eine Konkurrenzveranstaltung starten, die Dmex. Warum, wird nicht recht klar. Die “Wirtschaftswoche” munkelte bereits, die Kölnmesse biete den Ausstellern Gewinnbeteiligungen.
Sicher gibt es auch andere Gründe, den Messestandort Düsseldorf zu verlassen. Das Gelände gehört zu den unansehnlichsten Messen im Lande, es ist nicht möglich, ein flächendeckendes Wlan zu liefern, die Hotelpreise in Düsseldorf sind oft gesalzen.
Doch als Alternative nach Köln? Zur gleichen Zeit? Das ist hirnrissig. Der BVDW hätte die Chance nutzen können, eine wirklich coole, international anziehende Veranstaltung zu starten. Doch dafür hätte man runtergemusst aus kunstlichtgefluteten Messehallen, hin zu angenehmeren Örtlichkeiten. Und zu mehr Ideen in der Gestaltung. So bleibt ein übler Geruch über der Dmex.
Ob die sich etablieren kann? Offene Frage. Gestern war keine klare Tendenz erkennbar, ob die Aussteller in größeren Mengen rheinabwärts ziehen. Die meisten wollten sich auch noch gar nicht festlegen. So droht nun dieser ordentlich laufenden Branchenveranstaltung der Tod durch Teilung. Und es wäre nicht nur ein Tod: Am Ende könnten sowohl OMD als auch Dmex das Zeitliche segnen.
Und nun noch etwas in eigener Sache. Eigentlich bin ich der Meinung, Online-Videos, bei denen der Gesprächspartner in die Kamera spricht und sich sonst nichts tut, sind ohne Anreiz.
Nun aber traf ich auf der Techcrunch50 Christine Yang vom taiwanesischen Startup Chili Consulting. Sie interviewte Startup-Chefs mit ihrer Flip-Kamera und meinte, sie würde auf diese roh gedrehten Interviews einiges an Resonanz bekommmen.
Also habe ich vielleicht Unrecht, mit der Meinung, Bilder müssten eine Funktion haben? Ich würde mich sehr freuen, wenn die Leser hier Ihre Meinung dazu abgeben.
Ich habe mit meiner Flip mal testweise Terry von Bibra interviewt, den Deutschland-Chef von Yahoo:










7 Kommentare zu “Das große Klassentreffen OMD”
Bitte mehr “roh gedrehtes” – ob nun mit oder ohne Hände: Es ist wahrlich interessant und – wenigstens Herr von Bibra – wirkt locker und authentisch. So wahrscheinlich auch jeder Interviewte, der nicht gegen Ton-/Kameramann und Moderator sprechen muss, oder?
Ich hab gerad ein Deja-vu.
Köln ist nicht rheinabwärts, sondern rheinaufwärts.
Nein. Aber als Düsseldorfer kann es Richtung Köln nicht aufwärts gehen. Geht einfach nicht.
Ööhmmm, bescheidene Anmerkung: Köln liegt rheinaufwärts, oder? Also ich dachte jedenfalls immer, flussabwärts wäre Richtung Mündung. Oder lässt Herr K. aus D. die Flüsse inzwischen bergauf fließen
))?
Lieber Thomas Knuewer,
um es kurz zu machen: ja, es geht noch. Und es gibt – abseits der neuen Messehallen und der guten Infratruktur – ein paar gute Gründe, warum sich die Onlinebranche nächstes Jahr in Köln versammelt. Schließlich hat sich der BVDW nach einem Pitch einvernehmlich für das Konzept der dmex entschieden. Eine Teilung der Branche in zwei Messen wird es aber nicht geben. Dem Digitalen Marketing geht’s zwar gut, aber so gut auch nicht, um zwei Stände und Messeauftritt parallel zu finanzieren. Viele Marktführer unserer Branche haben sich bereits für Köln entschieden (ww.dmex.de). Geben Sie uns doch einfach unvoreingenommen die Chance, nächstes Jahr zu zeigen, dass die dmex ein für die Branche würdige – im übrigen auch deutlich internationalere – Veranstaltung hinkriegen wird – mit einer angenehmen und positiven Grundstimmung.
Christian Faltin
Presse dmex
Ich sehe Mehrwert. Man bekommt schließlich auch die nonverbale Kommunikation mit. Ich würde gern noch die Hände sehen. Man sollte allerdings sehr darauf achten, die Kamera ruhig zu halten, am Besten mit einem stativ, da es sonst sehr schnell auf den Magen gehen kann, wenn man zusieht.