Wenn Google etwas ankündigt, dann sind dies derzeit praktisch alle Knaller. Nun geht es um Zeitungen und Ärger ist vorprogrammiert.Alle Zeitungen. Der Welt. In Original-Optik. Volltext durchsuchbar. Online.
Man muss das so schreiben, finde ich, um die Monströsität des Unterfangens zu begreifen, das Google-Vize-Präsidentin Marisa Mayer hier auf der Techcrunch 50 gerade verkündet hat.

„Dies ist Teil unserer Strategie, Offline-Inhalte in das Internet zu bringen“, erklärte sie und zeigte ein Angebot, das stark an die E-Paper von Zeitungen erinnert. Nur: Es ist voll durchsuchbar. Künftig sollen bei der üblichen Suche diese Zeitungsseiten versehen werden mit “Google News Archive”. Und dann gibt es das richtige Layout der Blätter, Anzeigen inklusive.

Google hofft auf die Kooperationsbereitschaft der Verlage, weil neben den Seiten Adsense-Anzeigen laufen werden. Doch ob da die Medienhäuser mitspielen? Ich bin da skeptisch. Erinnern wir uns: Die Schweizer Verlage wollten vergangenes Jahr klagen, Christian DuMont-Schütte fand Google News “pervers” und in Belgien gab es schon Prozesse.
Der neben mir sitzende Burdarianer Heiko Hebig brachte es auf den Punkt: „Viele Tageszeitung werden sich die Frage stellen müssen: Warum haben wir die Google-Archivsuche nicht selbst erfunden?“










15 Kommentare zu “Breaking News auf der Techcrunch50: Google will alle Zeitungen der Welt online bringen”
Google will die Seiten der Zeitungen im Original-Layout samt Fotos, sonstigen Bildern von Ölgemälde, Bildern von Gemälde (wie das geht, zeigt http://gemaelde.levrai.de) und Anzeigen zeigen. Wie zu lesen war, habe Google bereits Unmengen von Artikeln eingescannt. Welche Verlage dies betrifft, war nicht zu erfahren.
Ein Online-Archiv für Zeitungen aus der ganzen Welt möchte Google aufbauen. Die Durchsuchbarkeit der Zeitungsartikel soll gewährleistet sein. In den Sternen steht noch, welche Zeitungen beim Start mit dabei sind. Schon jetzt kann man alte Ausgaben wie die der New York Times und Washington Post durchsuchen.
Der Weg zu George Orwells “1984″ scheint nicht mehr weit. Würde er noch leben, hieße sein Buch wohl “2008″.
Für eine Reihe von Zeitungen kann die Zusammenarbeit interessant sein. Allerding werden Inhalte gleichsam von Google “abgesaugt”.Für kleinere Verlage ist der Aufwand für Artikel im Internet Netz groß, Google kann hier eine Hilefe sein. Interessant ist erst einmal, was Google tatsächlich auf seinen Seiten präsentieren will. Von aktuellen Nachrichten über Gedichte, politische Informationen, politische Gedichte wie auf http://gedichte.levrai.de mit umfangreichen Feuilleton- und Kulturberichten. Was letztendlich auf Google passieren wird, bleibt tatsächlich abzuwarten. Große überregionale Zeitungen jedoch stellen jetzt bereits eine großen Teil ihrer Artikel gratis ins Netz. Da wäre Google überflüssig und würde zu einer Informationskonzentration führen, die sicher den Zeitungen und der Meinungsvielfalt nicht dienlich wäre.
Ach Andreas K….
Auch ich bin von rechtem Gedankengut sicher alles andere als begeistert. Aber ein Service wie Google News ist sicher nicht dafuer verantwortlich, Weltanschauungen, wie krank diese auch immer sein moegen, zu zensieren. Wo hoeren wir denn sonst auf? Bei “News” ueber Homoeopathie, einer “gesellschaftlich akzeptierten” Abzocke, die desinformierten Menschen Wasser, Alkohol und Zucker zu unglaublichen Preisen verkauft, indem sie ihnen vorspiegelt, es sei Medizin? Bei radikalem Islamismus? Bei DDR-Nostalgie? Wie ist es mit US-Rechtsextremismus, der dort unter den Schutz von Artikel 1 der Verfassung (freie Meinungsaeusserung) faellt, bei uns aber strafbar ist?
Einfach mal aufhoeren, so deutsch-zentrisch zu sein empfiehlt,
- Markus Roder.
Kommentar dazu (Trackbacks scheinen nicht zu funktionieren): Googles Zukunftsutopie
@Marc @TK
warum so bescheiden . Man stelle sich nun mal die “Bunte” oder “Gala” mit viel Bildern und garnicht soviel (durchsuchbaren) Text vor – IM WEB für den massen-tauglichen 1.0 Leser. Gibt es – ab OMD – und noch nicht von Google ….
Genügt es nicht, Ärger zu programmieren?
Warum muss er vorprogrammiert werden? Oder heißt die Vorsilbe pro nicht mehr vor?
@ Andreas: Achso, natürlich, besser vorzensieren, warum nicht…
Christian DuMont-Schütte hat ebenfalls recht: Google News SIND pervers. Zumindest, sonage sie rechtes Gedankengut ungefiltert und gedankenlos zulassen: http://npd-blog.info/?p=2001
@Frau Feli: Mit der aktuellen Ausgabe liege ich lieber in Printform im Bett. Aber mit allen Ausgaben der letzten 20 Jahre? Das wird ungemütlich…
Das was Google da vor hat, wird zumindest in Kontinentaleuropa auf Jahre hinaus eine Totgeburt sein. Ich fürchte Thomas untertreibt mit seinen Bemerkungen über Beharrungskräfte der hiesigen Verlage.
Bewegung wird erst dann in die Sache kommen, wenn auch die Zeitungsverlage Probleme mit der “Piraterie” bekommen und die Portale mit den gecrackten ePaper-Versionen größeren Zulauf bekommen. Dann werden sie anfangen solche Lösungen wie Google News Archive in einem anderen Licht zu sehen.
Sobald das Geld im Kasten klingt,
die Zeitung in das WorldWeb springt …
Frau Feli: Es geht ja nicht darum, print zu ersetzen. Aber ein gut zugängliches Online-Archiv (meinetwegen im ersten Schritt kostenlos nur für Abo-Kunden) ist ein hervorragendes Instrument zur Leserbindung.
Der -gedruckte- SPIEGEL zum Beispiel ist durch die Archiv-Öffnung überhaupt erst wieder in meinen Fokus (haha!) gerückt.
Heiko hat völlig recht: Solange die Verlage keine durchdachte und vor allem durchgängige Online-Strategie haben, springen andere in die Lücke. Sicherlich wird es Zeitungen auch weiterhin geben, aber wenn andere solche sinnvollen Services anbieten, dann wird ihre eigene Position von Mal zu Mal schwächer…
Frage ist nicht nur, ob man das kann, sondern auch ob man das will. Online sein und lesen, gut und schön, aber liegt man sonntags lieber mit den großen Zeitungsbögen im Bett und blättert durch oder mit seinem AirBook?
Es ist ein Stück Kultur… Früher oder später wird es so kommen, aber ich (persönlich) bin da noch zu ‘altmodisch’ für…
Bis jetzt waren die Verlage -zumindest in Deutschland- damit ja sehr zurückhaltend. SPIEGEL und Focus haben immerhin ihre Archive online erschlossen.
Mag sein, dass es jetzt etwas flotter vorangeht, wenn mit Google ein großer Akteur pusht.