»Thomas Knüwer 07. August 2008, 11:41 Uhr

Miriam Gruß, die Prinzessen des Sommerlochs

Wissen Sie noch, damals? Als Ihre Zähne sich genussvoll durch den Happy-Hippo-Vorgänger arbeiteten und sich auf der Zunge mit Schokolade mischten? Sich kleine Plastikstangen kitzelnd in Ihrem Hals verklemmten und erst von einem Löffel Cornflakes mit Milch nach unten gespült wurden? Plastikräderchen unbeschadet durch den Verdauungstrakt rollten?

Nein, wissen Sie nicht mehr? Dann fragen Sie doch mal FDP-Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß, die wir hiermit zur blonden (womit nicht ihre Haarfarbe, sondern ihr Geist gemeint ist) Königin des Sommerlochs ernennen. Jedes Jahr im Sommer spielen Bundestagshinterbänkler das Ich-bin-doch-auch-wichtig-irgendwie-Spiel. Dann versichern sie sich ihres eigenen Gewichtes, indem sie gegenüber Journalisten abstruse Dinge fordern wie die Eingemeindung Mallorcas in die Bundesrepublik.

Und die Journalisten? Sind froh, dass sie was zu schreiben haben. Schließlich ist die eigene tarifvertragliche Urlaubszeit kürzer als die Parlamentsferien. Und auf einen Schlag mag man die freien Tagen ja auch nicht nehmen.

Doch wenn die Hauptstadt ruht, passiert wenig außer langweiligen Sommerinterviews der Großkopferten an blauen Seen.

So tanzen sie gemeinsam den Sommerloch-Walzer, die Berichterstatter und die Hinterbänkler – und mancher entblößt dabei, welch Geistes Kind er ist. Oder sie. Womit wir wieder bei Miriam Gruß aus Augsburg wären.

Die nämlich hat eine kindermassenmeuchelnde Gefahr entdeckt: Überraschungseier. Der “Welt” jubelt sie allen Ernstes unter, Kinder könnten nicht unterscheiden zwischen Spielzeug und Futtermittel. Es gibt zwar überhaupt keine Hinweise auf Tapsy-Turtle-Tote in den vergangenen 34 Jahren, aber behaupten kann man das ja mal. Sinnfrei und nur auf die eigenen PR bedacht.

Kinder, sind schlauer, als Erwachsene denken. Wenn sie nicht unterscheiden können, zwischen Spielzeug und Essen, dann sind Deutschlands Kinderzimmer sehr, sehr leer und Deutschlands Kinder sehr, sehr… Wird man von Plastik und Stoff eigentlich dick?

Aber Gruß kann noch kürzer und wilder denken. Zitat “Welt”:
“Auch die Idee, für Schulbücher leichtes Papier zu verwenden, damit Kinder weniger Gewicht mit sich herumschleppen müssen, hat einiges für sich. Sogar Taschenbücher statt gebundener Ausgaben können sie sich vorstellen.”

Und ich kann mir das Geheule der Eltern gut vorstellen, wenn Lehrbücher nicht mehr weitergegeben werden können, sondern nach einer Saison so zerfleddert sind, dass man sie aussortieren muss.

Oder der hier:
“Zudem sollten Schulen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Schüler möglichst viel Arbeitsmaterial wie Malkasten oder Sportschuhe in der Schule lassen können.”

Super-Idee. Schulen und Eltern freuen sich über Kosten für Schließfächer, die zu stinkenden Metallhöhlen konvertieren. Die Kunstlehrer dagegen werden nicht gemalte Hausaufgaben-Bilder bejubeln, weil der Tuschkasten in der Schule geblieben ist.

Der Lawblogger meint, selbst Tele-Tubbys würden mehr nachdenken als Miriam Gruß. Vielleicht Sicher aber ist: Sie sind nicht so PR-versessen wie die Augsburgerin.

»Thomas Knüwer 07. August 2008, 11:41 Uhr

    16 Kommentare zu “Miriam Gruß, die Prinzessen des Sommerlochs”


  1. Calamitas says:

    “Irgendwo habe ich gelesen, dass das die Dame ist, die Klinsmann vor der WM ‘06 wegen sportlicher Erfolgslosigkeit vor den Sportausschuss zitieren wollte.”

    Ja genau! Sie wollte dadurch beweisen, wie liberal die FDP ist.

    Aber Spaß beiseite. Niemand schließt sich der FDP an, weil er liberal ist. Man schließt sich ihr an, weil man dort schnell etwas werden kann, sogar eine Miriam Gruß.

    Was wird sie machen, wenn ihre Jugend nicht mehr über ihre Zottelhaare und ihre schlechtsitzenden Klamotten hinwegzutrösten vermag? Von der krassen Dummheit ganz zu schweigen.

    Arme Hildegard Hamm-Brücher!

  2. Pete says:

    Irgendwo habe ich gelesen, dass das die Dame ist, die Klinsmann vor der WM ‘06 wegen sportlicher Erfolgslosigkeit vor den Sportausschuss zitieren wollte.

  3. Danke für den Hinweis, Rebusch. Damit nicht jeder die PDF aufmachen muss (Frau Gruss könnte auch jemand gebrauchen, der ihr mal ne vernünftige Web-Seite baut), hier der Text:
    “Die FDP fordert kein Verbot von Überraschungseiern. In der Stellungnahme der Kinderkommission des Deutschen Bundestages ist von einem Verbot ausdrücklich nicht die Rede. Vielmehr geht es um einen expliziten Hinweis auf die Gefahren bei Kleinspielzeugen, die in Kombination mit Lebensmitteln angeboten werden und eine Erstickungsgefahr für Kleinkinder darstellen. Weiterhin richtet die Kinderkommission einen Appell an die Eltern, darauf zu achten, was ihre Kinder konsumieren.”

    Ja, Eltern sollten darauf achten, was ihre Kinder konsumieren. Und Politiker sollten darauf achten, welchen Stuss sie von sich geben.

  4. rebusch says:

    War doch alles nicht so gemeint, sie wollte nur spielen: http://www.metatag.de/webs/fdp/krebs/files/pdfs/1004-Gruss-KiKo_berraschungseier.pdf Und sowieso, schuld sind nur die bösen Medien, die das aufgreifen und ‘ne Story ‘draus machen.
    Andererseits, so kommen die Eier auch in ihrer Sommerpause mal wieder in die Presse. Ein Schelm, der…
    Aber: Kostenfreie Schul-Fächer für alle machen in der Tat Sinn. Hab mir zuletzt am leeren(!) Tornister meiner Nichte, fast ‘nen Bruch gehoben.

  5. Klardeutsch says:

    Ja, es scheint wirklich Sommerflaute zu sein. Sogar der Masterblogger Thomas Knüwer weiß nicht recht, was er schreiben soll. Die täglichen Einträge zur Apotheose des Bloggers an sich und die Beschimpfungen von PR-Leuten werden langsam ermüdend.

    Zeitungen müssen gefüllt werden, und sei es mit einem mehr (Schulschließfächer) und einem weniger (Überraschungseier) sinnvollen Vorschlag einer Augsburger FDP-Hinterbänklerin.

    Und Alpha-Bloggs müssen gefüllt werden, komme was wolle – und komme auch nur der Zeitungslektürefund über eine Augsburger Hinterbänklerin.

    Tja, Thomas Knüwer hat schon schwer zu tragen im Leben.

  6. Ossah23 says:

    Ach, wenns denn nur diese Sommerloch-Prinzessin wäre. Vor 10 jahren wars noch eine Sommerloch-Forderung, das Rauchen in der Gastronomie und im ICE ganz zu verbieten. Jetzt hat das Verfassungsgericht den Weg dafür freigemacht. Nach Zigaretten, Ü-Eiern und Helmpflicht für Radfahrer demnächst also Spike-Pflicht für Winterschuhe und Kartoffelchips-Verbot. Dank sei der Politik, hier zumal der FDP, dass sie uns blöde Bürger vor Schaden bewahrt!

  7. @Xpress: Ich gebe Ihnen Recht – Ganztagsschulen sehen natürlich anders aus. Aber Hausaufgaben in Kunst sind schon, zumindest nach meinem Wissen, recht normal.

  8. hihi says:

    Ach du Scheiße: Tapsy-Turtle-Tote. Kudos für dieses tolle Wort!

  9. Xpress says:

    Dass die Dame aus dem Bundestag einen ziemlichen Schmarren von sich gibt – geschenkt.

    Aber dass Sie, Herr Knüwer, auch auf dem Level diskutieren “haben wir immer schon so gemacht”, das irritiert mich doch.

    Meine Tochter geht auf eine Ganztagsschule und lässt ihre kompletten Sachen in einem Schließfach in der Schule. Hausaufgaben gibt es nämlich praktisch keine, und wenn dann doch mal vor einer Arbeit zu Hause gelernt werden muss, dann bringt sie halt ein einzelnes Buch mit. Das ergibt eine wunderbar leichte Schultasche.

    Wer braucht schon Hausaufgaben in Kunst (bei denen vor allem in den Grundschulklassen die schönsten Bilder von Mutti daheim gemalt wurden)?

    Aber ist natürlich einfacher, über Schließfächer oder stinkende Turnschuhe zu fabulieren als sich darüber Gedanken zu machen, wie wir unser Schulsystem aus dem (vor)letzten Jahrhundert in die aktuelle Zeit modernisiert bekommen.

  10. Erst mal nachdenken says:

    “Zudem sollten Schulen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Schüler möglichst viel Arbeitsmaterial wie Malkasten oder Sportschuhe in der Schule lassen können.”

    Völlig richtig.

    Knüwer 6. Setzen!

  11. Arnulf says:

    Komisch, wir hatten Schließfächer im Gymnasium, und die Welt ist davon nicht untergegangen. Wenn man dort ein Buch vergessen hatte, das für die Hausaufgaben nötig war, ist man eben nachmittags nochmal zur Schule geradelt – und war beim nächsten Mal nicht mehr so vergesslich. War auch eine Schule fürs Leben ;-)

  12. Alex says:

    Muss das sein, dass Du gleich zweimal schreibst, dass sie aus Augsburg kommt? :( Die ist bestimmt zugezogen… ;)

  13. Wir haben damals, als ich in der 13 war, das Angebot bekommen Schließfächer zu mieten. Es gibt Firmen die bieten das an und kümmert sich um alles, die Schule muss nur den Platz zur Verfügung stellen.

    Ich hab das dann mal ausprobiert und einfach mal eins gemietet. Lief dann darauf hinaus, dass ich einfach meine gesamte Tasche da gelassen habe. Hausaufgaben konnte man eh kurz vorher am besten machen, wenn überhaupt. Und beim Abischerz war es sehr praktisch, dass ein 11er Kasten reingepasst hat – Aber ob das der Sinn der Sache war?!

    Und zu den Ü-Eiern: Als Kind haben mir die Schlümpfe immer am besten geschmeckt!

  14. ths says:

    ich bin ehrlich froh über jeden Scheiß, den meine Tochter in der Schule lassen kann, Malsachen, Bastelsachen usw.
    Zugegeben, da ist nix Wertvolles dabei, und es gibt auch nur ein Regal im Klassenraum und keine Schließfächer.
    Aber stabil müssen Schulbücher schon sein, Bibelpapier wäre da eher schlecht ;) . Softcover gibt es schon teilweise statt gebundener Ausgaben. Aber da merkt man dann auch deutlich, daß die nicht so lange halten.

  15. Michael says:

    So einen Blödsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Bücher in der Schule zu lassen ist auch wenig sinnvoll, wie macht man dann seine Hausaufgaben?

  16. Stefan says:

    Klingt fast ein wenig USA-vertraut. Wenn ich an meine High School- und Unizeit in den USA zurückdenke, kommen mir Paperbacks und Spinde in den Schulen bekannt vor.

    Abgesehen von den Kosten fände ich aber die Lagerung der Bücher, etc. in den Schulen gut. Auch Paperbacks sind nicht zu verachten. Allerdings sollte man dabei eine etwas ältere Gruppe von Schülern ins Auge fassen und nicht unbedingt Grundschüler.