»Thomas Knüwer 25. July 2008, 16:11 Uhr

Klostermelisse – die Piemont-Kirsche aus dem Hause Klosterfrau

Das Thema Hademar Bankhofer ist noch nicht vom Tisch. Das Patent- und Markenamt bestätigte mir gerade einen Verdacht: Die Klostermelisse, die Bankhofer so heiß und innig empfohlen hat, existiert gar nicht. Über 20 Apothekergärten gibt es in Deutschland. Lehr- und Schaugärten sollen sie sein, oft kooperieren sie mit Universitäten. Und, klar, so ein Garten kostet was – deshalb sind Sponsoren aus dem Pharma-Bereich auch gerne mal mit mit an Bord. Zum Beispiel die Kölner Firma MCM Klosterfrau, deren Kommunikationschef sogar für den didaktischen Aufbau der Gärten mit zuständig ist.

So in Bad Salzelmen. Dort gibt es angeblich auch die Klostermelisse zu sehen.

Nun weiß ich nicht, ob man in Salzelmen vor einem schlichten Erdhaufen steht, vor einer 3-D-Projektion oder vor einer sich als Klostermelisse verkleidenden Zitronenmelisse. Auf jeden Fall wird dort etwas gezeigt, was es nicht gibt. Denn die Klostermelisse ist eine geschützte Marke, Pflanzen kann man aber gar nicht schützen lassen, die Klostermelisse also ist die Piemont-Kirsche unter den Heilkräutern. Diesen Verdacht bestätigte mir gerade ein Mitarbeiter des Deutschen Patent- und Markenamtes.

Und auch Plazeboalarm legt nochmal nach mit PR-Interviews von Bankhofer.

Nachtrag vom 28.7.: Die Knaller rund um Bankhofer wollen nicht aufhören, wie die Kommentatorin Alice hier einwirfrt. Der Garten, von dem das Morgenmagazin einst sendete, und in dem Bankhofer von der Klostermelisse sprach, steht keine Klostermelisse, schreibt der “Kölner Stadtanzeiger”:

“Horst Stadtmann von der Alten Apotheke in Bottrop, der den besagten Garten betreibt, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ dagegen: „Bei uns gibt es keine Klostermelisse – und die hat es bei uns auch vor drei Jahren nicht gegeben.“ Der WDR bestätigt, dass Bankhofer auch dem Sender gesagt hat, in dem Garten wachse die Klostermelisse.”

»Thomas Knüwer 25. July 2008, 16:11 Uhr

    19 Kommentare zu “Klostermelisse – die Piemont-Kirsche aus dem Hause Klosterfrau”


  1. SvenR says:

    Come on, Knüwer, würde Tanja-Anja jetzt schreiben müssen.

  2. SvenR says:

    Nur noch Journalist?

  3. SvenR says:

    @ Thomas Knüwer:

    Das hatte ich bereits verstanden.

    Sie haben Buchstaeblichs Frage, ob dieser Kommentar http://www.stefan-niggemeier.de/blog/hademar-bankhofer-der-melissa-mann/#comment-155567 Sie inspiriert hat, noch nicht beantwortet. Meine Nachfrage, falls ja, warum Sie dann nicht darauf hinweisen, auch noch nicht.

  4. @SvenR: Mein Kommentar bezog sich auf Herrn oder Frau Buchstaeblich…

  5. SvenR says:

    Und ich neige dazu, einfache Worte valsch zu schreiben, bin halt nur Kommentator…

  6. SvenR says:

    Der Herr Knüwer scheint manchmal dazu zu neigen, sich woanders inspierieren zu lassen (was ich sehr gut finde), aber nicht immer den Quell der Inspiration zu offenbaren. Ist halt doch mehr Journalist als Blogger ;-) )

  7. Sorry, das war definitiv missverständlich geschrieben. Er hat es nicht so gesagt. Den Text ändere ich entsprechend.

  8. “die Klostermelisse also ist die Piemont-Kirsche unter den Heilkräutern. Das sagte mir gerade ein Mitarbeiter des Deutschen Patent- und Markenamtes.”

    Hat der das wirklich so gesagt? Entweder denkt der Mensch sehr ähnlich wie ich – was mich ja auch freuen würde, oder ich muss überrascht feststellen, wer so alles meine irrelevanten Kommentare liest:
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/hademar-bankhofer-der-melissa-mann/

    ;-)

  9. Steffen says:

    Ich wollte mir gerade die Domain klostermelisse.de registrieren – ist mir aber doch zu heikel. Also falls jemand will: Noch ist sie frei!

  10. Alice says:

    Die Piemont-Kirsche hat wenigstens schon jemand (fast jeder) gesehen:
    Horst Stadtmann von der Alten Apotheke in Bottrop, der den besagten Garten betreibt, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ dagegen: „Bei uns gibt es keine Klostermelisse – und die hat es bei uns auch vor drei Jahren nicht gegeben.“ Der WDR bestätigt, dass Bankhofer auch dem Sender gesagt hat, in dem Garten wachse die Klostermelisse.

    ksta.de/html/artikel/1214566389755.shtml

  11. Magic Volker says:

    Da scheint uns aber einer lange einen riesen Bären aufgebunden zu haben.
    Herr B., der mit seiner netten Art die Glaubwürdigkeit in Person war, hat damit vielen wirklich unabhängigen Beratern das Leben schwer gemacht.
    Wem werden die Menschen bald überhaupt noch trauen können.

  12. Ulf J. Froitzheim says:

    Der Herr Professer ist bei mir unten durch, seit er sich das hier geleistet hat:

    http://www.wenatex-das-schlafsystem.com/de/aktuelles/4_2.php http://www.wenatex.com/de/aktuelles/4_3_1.html
    http://forum.geizhals.at/t149312,-1.html

    Wenn den WDR wirklich interessiert hätte, wie der Halstuchträger seinen Lebensunterhalt verdient und wie wenig wählerisch er bei der Auswahl seiner Auftraggeber aus der Wirtschaft ist, wäre er nicht so lange im Programm geblieben. Solange einer nett ist und Quote bringt, schaut man lieber nicht so genau hin, wie unabhängig er ist. Dabei ist mir egal, ob er plump im TV schleichwirbt. Es langt mir, dass er für den Aufbau seines (Werbe-)Marktwerts auch noch aus Gebührengeldern honoriert wird. Aber damit ist er ja leider nicht der einzige.

  13. Rüdiger says:

    Klosterfrau betont bei der Melisse, (wahrscheinlich melissa officinalis), den besonders hohen Gehalt an Inhaltsstoffen (hoch dosierte ätherische Öle). Das muss keine Züchtung sein. Abhängig vom Herkunftsland und damit den Wachstumsbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit, Boden), enthalten die Pflanzen alle Wirkstoffe in wechselnder Menge. Die markenrechtlich geschützte Klostermelisse könnte daher sowas wie “aus kontrollierten Anbau” sein.

  14. awjt says:

    Wobei auch der Botaniker da vielleicht nicht sofort Bescheid wüsste (ich bin keiner). Es gibt weltweit so ca. 4 Arten:
    Melissa axillaris – (Bentham) Bakhuizen f.
    Melissa flava – Bentham ex Wallich
    Melissa officinalis – Linnaeus
    Melissa yunnanensis – C. Y. Wu & Y. C. Huang
    Hier sind auch einige Unterarten gelistet:
    http://rbg-web2.rbge.org.uk/cgi-bin/nph-readbtree.pl/feout?GENUS_XREF=Melissa

    Nur welche von denen hat jetzt irgendwo einen Trivialnamen, der sich mit Klostermelisse übersetzen ließe?
    Ich vermute auch stark, dass hier immer Melissa officinalis gemeint ist, aber ohne die Anbaugebiete von MCM Klosterfrau besucht und ein paar Pflanzen zur Bestimmung mitgebracht zu haben, gebe ich kein Urteil ab.

  15. derherold says:

    Das ist so nicht ganz richtig.
    Es ist entscheidend, für welche Klasse(n) (auch) ein PflanzenNAME geschützt wird. So wie ich es sehe, hat man mit der Wortmarke nur best. Produkte und Erzeugnisse schützen lassen.
    Deshalb ist es theoretisch denkbar, daß die Pflanze existiert – insofern war der Anruf beim DPMA wenig nützlich. Ein Anruf bei einem Botaniker wäre sinnvoller gewesen. ;-)

  16. Lieber Andreas, bevor Sie anderen mangelnde Recherche vorwerfen, sollten Sie bitte genau hinlesen: Die Klostermelisse ist als Wortmarke geschützt. Das wurde hier nie bestritten. Aber gerade da sie als Wortmarke geschützt ist, kann sie – Fehlerfreiheit beim DPMA unterstellt – als Pflanze nicht existieren.

  17. Andreas F. says:

    Wer mal vor dem Schreiben beim DPMA recherchiert hätte (dauert 10 Sekunden, Online), hätte festgestellt, dass dort mit “Klostermelisse” gar keine Pflanze als solche geschützt wird.

    Vielleicht auf den Schreck mal einen “Kloster Likör”, ein “Kloster Pilsner” oder ein “Kloster Wasser” zur Beruhigung trinken (sind ebenfalls DMPA Marken).

  18. Meine Äußerung bezog sich selbstverständlich nur auf den Markenschutz, sollte das missverständlich gewesen sein.

  19. Janne says:

    Pflanzensorten lassen sich schützen, allerding nicht beim Deutschen Patent- und Markenamt sondern beim Bundessortenamt. Laut http://www.lfl.bayern.de/publikationen/daten/merkblaetter_url_1_73.pdf gibt es mindestens zwei Zitronenmelissensorten mit Sortenschutz.