Journalisten, die Nase rümpfend das ignorieren, was in Internet-Foren zum Thema Aktien passiert, machen einen großen Fehler. Sagt zumindest mein Kollege Christian Kirchner, Chef des Anlegermagazins “New Investor”. In der neuen Ausgabe unseres Medien-Podcast bel étage berichtet er über seine Recherchen zum Fall Wirecard contra Schutzgemeinschaft der Kleinanleger. Und über Hademar Bankhofer haben wir auch gesprochen – allerdings etwas voreilig.Manchmal denkt man ja: Nur Zeitungen haben ein Zeitproblem, weil viele Stunden zwischen Redaktionsschluss und Auslieferung liegen. Doch auch ein Teil des Internets hat mit solch einer Verzögerung zu kämpfen. Denn so ein Podcast, der muss auch erstmal geschnitten werden.
Deshalb ist das, was Christian Kirchner und ich über die Affaire Hademar Bankhofer sagen gerade von der Nachrichtenlage überholt worden. Der WDR trennt sich von Bankhofer. Hier das Statement:
“Der WDR hat seine Zusammenarbeit mit Prof. Hademar Bankhofer, der bislang als Gesundheitsexperte in der Service-Rubrik des ARD-Morgenmagazins tätig war, mit dem heutigen Tage beendet. Grund dafür ist der Anschein auf Schleichwerbung u.a. für Produkte aus dem Gesundheitsbereich. Zudem hat Prof. Bankhofer gegenüber dem WDR unterschiedliche Aussagen zu dem Sachverhalt gegeben.
Hademar Bankhofer hatte der Redaktion des ARD-Morgenmagazins gestern schriftlich versichert, dass er *mit keiner Firma, die mit dem Thema Gesundheit, Nahrungsergänzungen und Arzneimittel – zu tun hat, einen
Werbe- und PR-Vertrag habe und von Seiten einer Firma für seine Arbeiten kein Geld geflossen sei*.
Auf erneute Nachfrage des WDR bestätigte er heute, mit der Firma MCM Klosterfrau einen Beratervertrag abgeschlossen zu haben. Damit kann aus Sicht des WDR der Anschein von Schleichwerbung nicht ausgeschlossen werden. Nachdem vorgestern erste Hinweise auf Auffälligkeiten eingegangen waren, hat die Redaktionsleitung des ARD Morgenmagazins die Zusammenarbeit mit Hademar Bankhofer nach den heutigen Gesprächen beendet. Ungeachtet dessen wird der Sachverhalt im einzelnen noch aufgeklärt.
Dem WDR war der Beratervertrag nicht bekannt. An den Sender sind auch keinerlei Gelder geflossen.”
In Zeiten, da so häufig über die Relevanz von Weblogs diskutiert wird, muss man festhalten: Ohne die Detailkenntnis und Recherche von Stationäre Aufnahme, wäre diese Sache nicht losgebrochen. Lesenswert übrigens auch die Recherche von Marcus Anhäuser zur Frage, ob die PR für Klosterfrau wirkt.
Noch spannender als die Akte Bankhofer aber ist das Geschehen rund um das Bezahlsystem-Unternehmen Wirecard und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger SDK. Sie arbeiten die Kollegen Ralf Drescher und Christian Kirchner heute unter der, sagen wir mal: Handelsblatt-untypischen, Überschrift “In den Schnee gepisst, in die Tonne getreten” auf im gedruckten Blatt auf – online passte diese hübsche Überschrift leider nicht ins System.
Ein paar Hintergründe der Recherche verrät Christian – übrigens ein Podcast-Naturtalent, wie ich finde – in der bel étage. Zu hören gibt es die bei Itunes oder gleich hier:










9 Kommentare zu “Kungelnde Aktionärsschützer in der bel étage”
Wir haben das Problem eingekreist und arbeiten daran – versprochen!
Dito,
seit einem viertel Jahr bekomme ich keine kompletten bel étage Sendungen mehr via iTunes. Es fehlen immer mind. die letzten 3 Minuten
>Irgendwie verhaut es bei mir immer noch den Schluss >der Audiodatei des Podcast.
>Ist über iTunes abonniert
Ich habe den normalen RSS-Feed abonniert und es tritt leider das gleich Problem auf.
Irgendwie verhaut es bei mir immer noch den Schluss der Audiodatei des Podcast.
Ist über iTunes abonniert
***Hier stand ein ausschließlich beleidigender Kommentar.***
bankhofer hat immer nur die wahrheit gesagt. wenn er schriftlich zu protokoll gibt, er habe “mit keiner Firma, die mit dem Thema Gesundheit, Nahrungsergänzungen und Arzneimittel” zu tun hat, je einen beratervertrag gehabt, dann bestätigt er mit seinem expertenwissen nur was ich in erinnerung meiner grossmutter immer schon vermutet habe: “klosterfrau” ist keine arznei, sondern harter stoff für seniorinnen, deren whiskykonsum zwar wohlschmeckender und gesünder, aber gesellschaftich sanktioniert wäre.
im ernst: in ihrem investigativem potential sind blogs für professionelle journalsiten eine gesunde herausforderung.
Danke – ist korrigiert.
… oh, und außerdem “Kapitalanleger” (nicht Kleinaktionäre)
Noch spannender als die Akte Bankhofer aber ist das Geschehen rund um das Bezahlsystem-Unternehmen Wirecard und die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre SGK.
-> korrekt wäre “SDK”