»Thomas Knüwer 22. July 2008, 10:30 Uhr

Der erschreckende Misserfolg von Spiegel Online

Wäre dies hier ein “Spiegel”-Artikel, dann begänne er vielleicht mit den Worten: “Der Himmel über Hamburg ist grau wie die Stimmung von Wolfgang Büchner und Rüdiger Ditz.”

Doch dies hier ist kein “Spiegel”-Artikel, sondern ein Blog-Eintrag. Und deshalb kommen wir leserzahlenoptimierend direkt zur Sache: Deutschlands führende Online-Nachrichten-Seite, deren Chefs Büchner und Ditz sind, krankt unter ihrer Bedeutungslosigkeit.

Hinweis: Dieser Text ist nicht zu verstehen ohne einen Artikel aus dem “Spiegel”, den Sie hier finden.

Es wird Zeit für eine Rechnung. 89.1 Millionen Besucher hatte Spiegel Online laut der Messung der IVW im Juni. Damit ist die Seite Marktführer unter den Nachrichten-Angeboten im deutschen Internet.

Ein Blick in das Impressum zeigt, wie hoch der personelle Aufwand ist, um diese Position zu erreichen. So ich richtig gezählt habe, schreiben für Spiegel Online 87 feste journalistische Kräfte sowie 28 freie Autoren. Hinzu kommen zehn graphische und technische Kräfte.

125 Spiegelonlineraner, also. Das macht pro Mitarbeiter eine monatliche Besucherzahl von rund 712.800, was pro Tag 23.760 macht. Allerdings: Nicht eingerechnet ist dabei die Print-Redaktion des “Spiegel” als Inhaltelieferant.

Das klingt nach viel, ist aber erschreckend wenig. Vergleichen wir dies nur mit dem Spiegelfechter, einem Blogger, der nur dem Namen nach etwas mit dem Hamburger Magazin zu tun hat. 5.000 Besucher zählt er laut eigenen Angaben täglich auf seiner Seite. Aber natürlich betreibt er diese nicht hauptberuflich. Alle zwei bis drei Tage veröffentlicht Autor Jens Berger einen Artikel. Nehmen wir mal an, er investiert vier Stunden Arbeit, dann bedeutet das eine tägliche Belastung von zwei Stunden, was im Monat 60 Stunden bedeutet. Ein tarifvertraglich arbeitender Journalist – und die meisten Journalisten arbeiten weit mehr, als ihnen der Tarif gebietet – bringt es minus seines Urlaubs auf 120 Stunden, das Doppelte von Berger. Nur findet sich auf Spiegel Online eben eine Vielzahl von Themen – beim Spiegelfechter hingegen immer nur eines.

Noch dramatischer fällt der Vergleich mit Jens Matheuszik, dem Pottblogger aus. Mit einer Stunde Arbeit pro Tag bringt er es auf 2000 Besucher. Macht 60.000 Besucher monatlich mit einem Arbeitseinsatz von 30 Stunden. Wäre Matheuszik Spiegel-Online-Mitarbeiter, würde er mehr Leser erreichen als seine Kollegen.

Auch der Blick in die USA macht deutlich, wie wenig Gewicht Spiegel Online hat. Das monothematisch auf Wirtschaft aufgebaute Angebot des “Wall Street Journal” erreichte im Juni doppelt so viele Leser wie Spiegel Online. Und: Die rund drei Millionen Besucher täglich bedeuten, dass nicht einmal vier Prozent der Deutschen die führenden Nachrichten-Seite des Landes täglich nutzen.

Recht verwundern kann das niemand. Wer auf Spiegel Online schaut, entdeckt ein eng gestricktes Clübchen von Menschen, die im Forum Insider-Witzchen und Platitüden austauschen – kein Publikum, mit dem die meisten Deutschen sich identifizieren mögen.

Und überhaupt: Wer soll den Journalisten glauben? Wer ist dieser Frank Hornig? Oder nehmen wir nur Markus Brauck. Mal hier, mal da hat er geschrieben, ein karges Xing-Profil gibt es. Warum sollten die Leser ihm vertrauen? Nicht mal recht kontaktieren können sie die Journalisten – ein Anachronismus.

Das merken wohl auch die Redakteure selbst. Einst waren sie die vierte Macht im Staate, noch heute genießen sie besondere Freiheiten. Doch recht hören, mag niemand mehr auf sie. Sie sind nur noch zahnlose, alternde Haie, die sich an Themen verbeißen wie: “Wie ticken die Deutschen” oder der “Memory-Code”. Allein die Blog-Gemeinde hilft dem kränkelnden Angebot mit Links noch nach oben. In unausgesprochener Solidarität verschaffen die Profis im Netz den Amateuren aus der Print-Welt reichlich Leser.

Seien wir ehrlich: Spiegel Online ist ein Nischenprodukt. Mal lustig, mal interessant, sehr oft fehlerhaft, insgesamt ohne große Bedeutung. Man spricht nicht darüber. Große Enthüllungen gibt es keine. Damit ist Spiegel Online nicht allein: Eine ganze Reihe führender Medien bezieht seinen Inhalt sekundär, schreibt Agenturen und Zeitungen ab und sucht irgendwelchen Entertainment-Müll für seine Bildergalerien.

Das natürlich darf man so eigentlich nicht sagen. Egal, was man über Journalisten schreibt, hinterher wird man von ihnen doch nur verdroschen, weil man nichts verstanden oder mit den falschen Leuten gesprochen hat. Es ist ein bisschen so, als würde man sich einer Sekte nähern, die in internen Grabenkämpfen zwischen Redaktionen und Verlagen versunken ist.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier und hier oder auch hier und hier.

Nachtrag: Ja, was denn nun, liebe Spiegel-Online-Mannschaft? Blogger sind jetzt wieder Star-Blogger? Gibt es Schizphrenitätsattacken in der Redaktion?

»Thomas Knüwer 22. July 2008, 10:30 Uhr

    85 Kommentare zu “Der erschreckende Misserfolg von Spiegel Online”


  1. Jürgen says:

    Spiegel online braucht Blogger, die den Laden richtig nach vorne bringen. Einen Robert Basic z.B. sollte man verpflichten und damit die Bloggemeinde direkt ansprechen!

  2. Jack says:

    Sehr schön, wie zur zusätzlichen polemisierung des Artikels noch ein Seitenhieb auf das SPON-Forum gesetzt wird, mit Screenshots die völlig aus jeglichem zusammenhang gerissen sind, versehen mit lustigen Sprüchlein, was der gemeine Deutsche doch nicht möchte.
    Man mag dem Blog-Schreiber ein Foren-Profil von SPON schicken, damit auch in diesem Seitenhieb die Recherche stimmt.
    Aber dieser recht billige Schlag nach unten verwässert doch sehr den ansonsten gut zu lesenden und abseits dessen, informativen Artikel.

  3. Melanie Ertl says:

    Passend zum Thema: Klickhuren auf Spiegel Online und die neue Linie gegen die Blogger-Konkurrenz:
    http://derspringer.blogage.de/article/2008/7/22/Im-Print-eine-Dame-im-Web-eine-Klickhure#

  4. kramkiste says:

    Hallo lieber Besucher ! So wie es aussieht suchst du wohl Schnäppchen oder ein kostenloses Angebot ? Schau doch mal auf vergleiche online vorbei, hier kannst du kostenlos bares Geld sparen ! Ansonsten ist diese Webseite echt super und informativ – Respekt dem Webmaster ! Also bis zum nächsten mal !

  5. Alex says:

    Schade, dass sie sich einer ernsthaften Diskussion um besagten Artikel und die Qualität politischer Blogs entziehen. Ich hoffte, einige Anregungen geliefert zu haben.
    Meine Einschätzung: Politische Blogs haben dort ihre Chance, wo sie eine Lücke bedienen. Dort, wo die Zeitungslandschaft entweder nicht detailliert genug ist oder einfach ein Loch anbietet.
    Um Beispiele zu liefern:
    - Für Informationen, Einschätzungen und Diskussionen zum türkisch-deutschen Verhältnis lese und schätze ich das Istanbul-Blog: http://blogs.taz.de/istanbulblog
    - Für persönliche Erklärungen zum nicht immer einfachen deutsch-polnische Verhältnis habe ich nach entsprechenden Blogs gesucht, aber leider nichts adäquates gefunden.
    - Für solide Information zum amerikanischen Wahlkampf schätze ich das Blog “Der nächste US Präsident” ihres Handelsblatt-Kollegen Georg Watzlawek für die kompetenteste Informations- und Diskussionsquelle.
    - Die deutschen Zeitungen haben weite Bereiche der deutschen Politik-Inbteressen recht gut abgedeckt, sowohl für mittige as auch für linke Politikansätze (TAZ, Junge Welt). Lediglich der aggressiv rechtspopulistische Bereich wird nicht durch Zeitungen abgedeckt, was ich nicht gerade bedaure. Aber damit existiert hier eine Lücke, die dem Blog “politically incorrect” zu zahlreichen Zitierungen und einigem Einfluss verhilft.
    In den USA scheint der linksliberale Bereich durch herkömmliche Medien unzureichend abgedeckt zu sein. Und in diese Marktlücke sind Blogs wie “Huffington Post” http://www.huffingtonpost.com/ gestoßen und erfreut sich mit kompetenten Artikeln einer großen Leserschaft.

    So gesehen sind Blogs m.E. klassische Lückenfüller. Wenn die herkömmlichen Medien aus Zeitung und Fernsehen relevante Lücken lassen, können diese durch solideBlogs gefüllt werden. Sofern die herkömmlichen Medien ein Thema besetzen, haben Blogs kaum eine Chance.

    So gesehen erkenne ich in der auffallenden Bedeutung von Blogs in den USA im wesentlichen ein nachhaltiges Indiz für die Schwäche und Glaubwürdigkeitsprobleme von Zeitungen und Fernsehen.
    Die deutschen Medien hingegen verfügen (noch?) über eine stärkere Glaubwürdigkeit und Präsenz, so dass politische Blogs über deutlich geringere Nachfrage und Bedeutung verfügen.

    Zugegeben, heute würde man alternative und unabhängige Nachrichten wie die TAZ (oder JF) wahrscheinlich nicht als Zeitung gründen, sondern eher als Blog-Verbund – ähnlich wie die Huffington Post oder wie Politically Incorrect. Mit dem Nachteil, dass man einen relevanten Teil der Bevölkerung ausschließen würde.

    Mein persönliches Fazit: Wenn Sie feststellen, dass ein Wirtschaftsblog relevanten Einfluss gewinnt, sollten Sie über einen neuen Arbeitgeber nachdenken. Denn spätensten wenn Zeitungen, wie von Ihnen gerne prognostiziert, primär als Online-Marke agieren und die Druck-Ausgabe aufgeben, kann die Konkurrenz zu “Marken-Blogs” zu massiven Problemen und tödlicher Konkurrenz führen. Womit die gebremste Begeisterung Ihrer Kollegen mehr als verständlich wird.
    Vielleicht sind diese in ihrer gezielten Ignoranz ja einfach vorausschauender als Sie und bemühen sichschon prophylaktisch um ein Kleinhaltung der werdenden tödlichen Konkurrenz? ;-)

    PS: Debattenangebot?

  6. Alexey says:

    Geil, zwei Stunden Recherche für einen Artikel? Das nenn ich Qualitätsjournalismus. Leuchtende Vorbilder für einen neuen deutschen Qualitätsjournalismus. Großartig.

  7. ricky2000 says:

    Nun, schwieriges Thema.
    Den Zwist zwischen “Journalisten” und “Bloggern” finde ich hochnotalbern.
    Umso schlimmer, dass immer wieder alle darauf anspringen.

    Im Bezug auf die “bekannte, wahrgenommene” Blogosphäre hat der Spiegel-Artikel IMHO Recht. Zuviel Selbstbezug und -beweihräucherung.
    Das sage ich nicht aus einer wie auch immer gearteten Konkurrenzsituation, sondern als Leser.
    Zuviel Verlinkerei im Kreis, zu viele Zusammenfassungen von dem, was andere zusammengefasst haben…
    Kurz: zu wenig eigene Inhalte und Ideen. Dafür zu viele me-too-Geschichten – Gedanken anderer noch einmal in eigenen Worten wiedergeben. Wie soll das auf Dauer interessant für Nicht-Blogger werden?

    Es passt nicht zusammen, wenn einerseits alle voneinander abschreiben und sich gegenseitig nacherzählen und man sich gleichzeitig als Nachfolger der Massenmedien feiert.
    Ich verstehe den Spiegel-Artikel unter anderem auch auch enttäuschte Liebeserklärung. Blogs (ich spreche von den führenden Blogs) könnten so viel mehr und bleiben doch immer wieder dort stehen, wo sie vor vier Jahren schon standen.

  8. Herr Anon says:

    Ich nehm alles zurück.
    Ironie wird nicht erkannt:

    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2008/07/22/auf-der-suche-nach-entertainment-mull/#comments

    Kommentar Nr. 8 !
    Ich lach mir schlapp!!

  9. Herr Anon says:

    Ich finde es auch immer wieder erschreckend (besser: schade) , wie oft Ironie nicht verstanden wird.
    Ich muss die “nicht versteher” in diesem Fall allerdingsin Schutz nehmen. Jemand der nicht wusste, wo die Sau im Dorf anfing zu rennen, konnte nicht erkennen, dass es sich um Ironie handelt. Insofern kann man den Kommentar von “Chefredakteur” als unabhängige Bestätigung sehen, wie mieß der SPON-Artikel wirklich ist. Herr Knüwer hat das allerdings erkannt und den entsprechendem Hinweis eingefügt.

  10. Benjamin F. says:

    Erstaunlich, dass (relativ offensichtlich) wenige Leute

    1. den SPIEGEL-Artikel wirklich kennen und sich mit ihm auseinandergesetzt haben.

    2. Ironie nicht als solche erkennen, ohne dass man sie irgendwie kennzeichnet.

    Ich möchte mich ansonsten dem differenzierten Kommentar von Alex anschließen. Ich halte den SPIEGEL-Artikel für recht gelungen, besonders an den Stellen, an denen er sich mit den politischen Blogs auseinandersetzt.

    Die Hauptkritik trifft wohl doch die Blogs die einen politisch – gesellschaftsrelevanten – journalistischen Anspruch haben.

    Und diese sind in Deutschland nun mal bisher bedeutungslos.

    Blogs sind aber viel mehr! Ich z.B. blogge seit zwei Jahren munter vor mich hin (über Musik) und genieße einfach die Freiheit, mich ohne Beschränkungen und Vorgaben über mein Lieblingsthema auslassen zu können. Das sogar ein paar Leute regelmäßig vorbeigucken, ist schön.
    Da ich aber zu keiner Zeit die Motivation und Hoffnung habe, damit meinen Lebensunterhalt zu bestreiten oder noch mehr, dass die Leute “auf mich hören”, wird mir wohl diese Verbissenheit der Diskussion verschlossen bleiben.

  11. General Eric says:

    Fuer reine Nachrichten finde ich tagesschau.de sehr gut.
    Fuer hintergrundberichte diverse Wochen und Monatszeitungen.

  12. jakub says:

    Mich würde mal interessieren, welche deutschsprachige Alternative sich bietet um an Nachrichten zu kommen? Vielleicht fehlt in Deutschland eine solche vernünftige Alternative.

  13. Michel says:

    “…Sie [die Beta-Blogger] haben keine Abonnenten und keine Anzeigekunden, sie müssen auf niemanden falsche Rücksicht nehmen und sie sind nicht gezwungen, irgendeinem Chefredakteur in den Arsch zu kriechen. Sie müssen ihre Artikel nicht vorzeigen und sie von 230 auf 55 Zeilen kürzen. Sie können ohne Weiteres einen Rechtschreib- und Grammatikfehler nach dem anderen bauen und Sätze mit soviel Wörtern und Satzverschachtelungen entwickeln, dass dem Leser schwindelig wird. Euer Artikel “Die Beta-Blogger” hört sich an, als hättet ihr endgültig die Schnauze voll davon, solche Freiheiten nicht zu haben. Die Beta-Blogger können Euren Frust nachvollziehen. Schließlich müsst ihr ja weiter machen, ob ihr wollt oder nicht, denn Ihr verdient Euer Geld mit Euerem doofen Gesülze.” (von http://www.wirklichgutes.de)

  14. Keinen Bock Mehr says:

    Spiegel Online: “Eine ganze Reihe ,führender’ deutscher Blogs bezieht seinen Inhalt weitgehend sekundär, schreibt Zeitungen ab und sucht irgendwelchen Entertainment-Müll im Internet.” Noch Fragen, Indiskretion?

  15. General Eric says:

    Jeder der den Spiegel Artikel gelesen hat sollte sofort erkannt haben, dass es sich bei diesem Blogeintrag um eine Persiflage handelte, da er inhaltlich wie strukturell genauso aufgebaut ist wie der SpOn artikel. Bisschen blafasel, rausgerissene Zitate, schlecht konstruierte aussagefreie Zahlenspielereien, wahlloses gehacke gegen Einzelpersonen.

    Das ist weder Retourkutsche noch peinlich und jeder der es angreift greift eigentlich nur den Spiegel an, wer das nicht sieht wird wohl kaum Chefredakteur sein.

    Und dabei finde ich die deutsche Bloglandschaft auch ziemlich langweilig… aber der SpOn Artikel war keine sachlicher oder kritischer Kommentar sondern einfach nur schlecht. Ich fand diesen Blog eintrag eine lustige reaktion darauf. Nur schade, dass man im Internet offensichtlich immer fett und am besten dreimal drueber schreiben muss: dies ist eine Satire!

  16. SvenR says:

    Dafür, Herr Knüwer, liebe ich Sie! Also Ihr Blog, natürlich. Herrlich, das Stilmittel des Spiegelns (das heißt zwar intelektuell irgendwie anders, aber ich bin schon so lange aus der Schule raus…) ausgerechnet bei Spiegel anzuwenden. Und die vielen Kommentatoren, die zu faul oder zu blöd sind, das kritisierte Objekt ihrer Begierde sich anzuschauen, bevor sie auf Sie eindreschen.

    Diesen Artikel haben Sie für mich geschrieben! Ich habe Sie und Ihre Relevanz für mich ja schon beim Lukas Heinser “gelobt”: http://www.coffeeandtv.de/2008/07/20/selbstbezogen-und-unprofessionell/#comment-7899

  17. DL2MCD says:

    @Georg:

    “Noch blöder ist aber die Tatsache, dass die meisten Kommentatoren hier deinen Artikel gar nicht gelesen haben”

    Genau das ist, was Journalisten tagtäglich mit den Leserforen erleben. Ganze Gruppen von Kommenztatoren, die als erstes betonen, den Artikel, den sie kommentieren, nicht gelesen zu haben, weil das unter ihrer Würde sei!

    ich tendiere daher – ganz entgegen zur Ansicht der deutschen Blogger – inzwischen zu dieser Ansicht:

    http://gawker.com/5027287/why-newspapers-shouldnt-allow-comments

  18. Georg says:

    Thomas, Ironie ist ein scharfes Schwert. Im Internet lieber stecken lassen, verstehen leider nur wenige. Noch blöder ist aber die Tatsache, dass die meisten Kommentatoren hier deinen Artikel gar nicht gelesen haben, sondern nach dem dritten Satz schon dachten “Boah, jetzt kommentier’ ich aber gewaltig!”.

  19. David Georg says:

    Herr Knüwer, die Ironie in Ihrem Beitrag war dann wohl doch zu sehr versteckt ;) …denn wenn man von einem Vertreter des Handelsblattes Urteile über den Erfolg von SpOn lesen muss, dann stellen sich selbst dem geneigten Leser die Nackenhaare hoch. Wenn dann dieser Blog-Beitrag nicht einmal die Information bzw. den Link zur eigentlichen Ursache der Aufregung enthält und den Boden der Objektivität weit verlassen hat, dann ist meine Meinung: 6! Setzen. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister, die nächste Retourkutsche gelingt Ihnen bestimmt besser. Nichts für ungut! ;)

  20. Victoria says:

    Knüwer macht den Billig-Retourkutscher und drischt auf das SPON-Forum ein:

    „Wer auf Spiegel Online schaut, entdeckt ein eng gestricktes Clübchen von Menschen, die im Forum Insider-Witzchen und Platitüden austauschen – kein Publikum, mit dem die meisten Deutschen sich identifizieren mögen.“

    Als „Beweis“ bringt er einen screenshot von – zugegeben – blöden Antworten in der dortigen Diskussion über den besagten Spiegelartikel. Die geben aber wirklich nicht das Niveau der sonstigen Diskussionen wieder; Knüwers Schelte der User des SPON-Forums geht ebenso daneben wie die Spiegel-Schelte der deutschen Bloggerszene.

    Nur am Rande: ich schreibe nicht im SPON-Forum. ;-)

  21. @Chefredakteur: Lesen Sie bitte nochmal genau den “Spiegel”-Artikel. Danke.

  22. @Chefredakteur: “alle Blogger” wuerde ich nicht schreiben, weil es wirklich nicht alle Blogger interessiert. Die meisten Blogger in Deutschland fuehlen sich nicht davon angesprochen, weil sie nicht dem selbstreferenziellen Druck unterliegen, sondern einfach vor sich hin bloggen ohne zu den Alphatierchen der Kommunikation zu gehoeren. Das Problem in Deutschland ist ja auch, dass Journalisten selten ueber die grenzen der Bloggerkluengel hinaus gucken. Das liegt meist an Faulheit, oft aber auch an Unwissenheit ueber die eigentlichen Weiten der deutschen Blogosphaere. Die meisten Blogger wollen nicht die Medien veraendern, sie machen sich nicht ein mal Gedanken darueber was es eigentlich bedeutet, dass sie, als Privatperson, die Moeglichkeit haben sich auf so eine simple Art und Weise auszudruecken. Und das ist gut so.

  23. Chefredakteur says:

    @Herrn Knüwer
    Sie schreiben “Egal, was man über Journalisten schreibt, hinterher wird man von ihnen doch nur verdroschen, weil man nichts verstanden oder mit den falschen Leuten gesprochen hat. Es ist ein bisschen so, als würde man sich einer Sekte nähern, die in internen Grabenkämpfen zwischen Redaktionen und Verlagen versunken ist.” Exakt dasselbe kann man erleben, wenn man über Blogger schreibt, Ihr Eintrag ist das beste Beispiel dafür. Die ganze Diskussion zwischen Journalisten und Bloggern interessiert eigentlich niemanden, außer ein paar Journalisten und alle Blogger, interessant finde ich aber, dass die Vertrauenswürdigkeit eines Journalisten für Sie offenbar von dessen Xing-Profil abhängt. Was ist mit den Journalisten, die in keinem Netzwerk sind: Sind die völlig unglaubwürdig und verdienen kein Vertrauen? Und dass jemand mal hier und mal da geschrieben hat, spricht auch nicht gegen ihn als Journalisten, das dürfte für die meisten normal sein, außer man hatte das Glück (oder Pech) vom Volontariat bis zur Rente bei ein und demselben Blatt/Sender zu arbeiten. Was also sollen diese Hinweise?

  24. Wieviel verdient eigentlich ein Beschäftigungstherapeut in der Stunde?
    Ich meine, nicht dass der Verfasser des SpOn-Artikels im Nebenberuf einer ist, und alle Blogschreiber, die sich involvieren ließen (ich gehöre ja leider selbst dazu) dieser Tage eine Rechnung bekommen.

  25. Torsten says:

    Sorry – nicht alles was hinkt, ist auch schon Ironie…

  26. *Gelöscht* says:

    ***Hier stand ein unverständlicher und wirrer Kommentar.***

  27. Alex says:

    Ich habe den Spiegel-Artikel mittlerweile gefunden.
    Falls auch andere ihn suchen sollten, um die Bezugsquelle zu kennen: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,567038,00.html

    So leid es mir tut: Der Spiegel-Artikel ist sowohl als Stand Alone wesentlich besser als auch bildet er m.E. die Realität recht gut ab.

    “Blogs bleiben ein Nischenprodukt. Mal lustig, mal interessant. Sehr oft mit nichts als sich selbst beschäftigt. Aber insgesamt ohne große Bedeutung. Man spricht nicht darüber.” Volltreffer! Gute Blogs sind nettes Infotainment. Aber nur, solange die Nabelschau nicht überhand nimmt.

    “Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden.” Hätte dieser Satz mit “einflussreiche” begonnen, wäre es auch ein Volltreffer gewesen.
    Das beste politische Blog, dass ich regelmäßig und gerne lese, thematisiert das deutsch-türkischen Verhältnis: http://blogs.taz.de/istanbulblog
    Ein gutes Blog von einer Insiderin, allerdings zu einem sehr randständigen Thema.

    Auch die Don-Alphonso-Zitate sind recht gut gewählt:
    “wo wird Leistung erbracht, die die Debatte der Allgemeinheit erreichen und beeinflussen?”
    Mir fällt da auf Anhieb nur die Diskussion zur Datensicherheit bei Studi-VZ ein, an der Alphonso vorangig beteiligt war. Aber welches Level ist das, verglichen mit dem Einfluss einer Huffington-Post?

    “Verantwortlich für die Online-Stärke sei aber auch die Schwäche der etablierten US-Medien mit ihrer voreingenommenelitären Berichterstattung.” Ebenfalls ein Volltreffer. Zumindest erscheint es mir so, wenn ich im englischsprachigen Bereich nachlese: Zeitungen sind oftmals schwach, Blogs füllen die Lücke. Ausnahmen wie der Guardian und die NYT sind ehrenwert, aber eine Ausnahme. Diese Lücke besteht hier m.E. nicht.

    “Dass die Deutschen keine Nation von Blog-Warten geworden sind, ist kein Grund zur Häme. Eher zur Selbstironie. So schwach die Deutschen im weltweiten Vergleich als Blogger abschneiden, so gut sind sie als Bildungshuber. Die deutsche Ausgabe des Internet-Lexikons Wikipedia ist die zweitgrößte weltweit.”
    Auch ein stilistischer Volltreffer und ein interessanter Punkt.

    Den SpOn-Artikel halte ich sowohl stilistisch als auch argumentativ für recht gelungen. Er hat genug interessante Thesen vorgebracht, um sich daran inhaltlich abzuarbeiten, wenn man ihnen widersprechen will. Ihre Glosse erscheint mir in Kenntnis dieser Vorlage noch schwächer als ohne sie. Und sie hat implizit einige Vorwürfe bestätigt: Meinungsschwach, Selbstbezogen, Zänkisch.
    War das nötig?

    Es ist ehrenwert, dass sie regelmäßig für Blogs in die Bresche springen. Es wäre aber hilfreicher, wenn sie dass nicht mittels einer Teilnahme am Sandkastenspiel machen würden (Bäh, der hat angefangen Sand zu schmeißen, jetzt schmeiße ich zurück.), sondern ernsthaft auf die Thesen eingehen würden und gute Gegenbespiele popularisieren würden.

  28. BrainBomb says:

    Einige hier in den Kommentaren bezweifeln die “Wissenschaftlichkeit” bzw. “Aussagekraft” des Ansatzes, die Reichweite (in welcher Form auch immer) auf den Arbeitseinsatz (Mannstunden) zu beziehen? Ich bin da ganz anderer Meinung. Allerdings wird so nicht die Relevanz eines Mediums als Ganzes gemessen, sondern die Effizienz eines Mediums in Bezug auf die Erreichung eines möglichst großen Publikums bei einem gegebenen Arbeitsansatz. Man könnte eine solche Kennziffer als “Relevanz-Effizienz” oder “Reichweiten-Effizienz” oder ähnlich bezeichnen (was besseres fällt mir im Moment nicht ein). Das ist meiner Meinung nach der bisher fairste Ansatz für einen Vergleich von Medien, die sich mit ähnlichen Themen befassen (z.B. Politik). Und er ist durchaus valide. Ein Blogger hier hat ja bestätigt, dass die Schätzung des Arbeitsaufwandes realistisch ist. Und die Unterschiede der Vergleiche sind so groß, dass Ungenauigkeiten wenig in’s Gewicht fallen. Andere haben spontan nach der Methode die Reichweiten-Effizienz zwischen SpOn und z.B. Handelsblatt berechnet und das Ergebnis ist ebenfalls durchaus plausibel und aussagekräftig. Jetzt kann man leicht ausrechnen, dass mehrere Blogger zusammen (etwa in der Stärke der SpOn-Redaktion) eine weit höhere Reichweite besitzen, als SpOn. Das entspricht auch meiner persönlichen Wahrnehmung. Ich lese zwar auch SpOn und zwar jeden Tag, aber überfliege die dortigen Artikel mehr, als ich sie lese. Die Kommentare dort interessieren mich schon lange nicht mehr. Dagegen lese ich am Tag mehr Blogbeiträge und die häufig gründlich. Die Kennziffer widerlegt also tatsächlich ziemlich objektiv die These von der Bedeutungslosigkeit der Bloggosphäre.

  29. derherold says:

    Man darf Thomas Knüwer schon dafür loben, daß er aus Solidarität SpOn kritisiert- als bloggender Journalist zeigt er Korpsgeist, was der geschundenen Seele der dt. Blogosphäre gut tut.

    Das ändert aber nun mal nichts an der inhaltlichen Aussage des Spiegel-Artikel. Da, wo Blogger versuchen, “politisch relevant” zu sein, erinnern sie (zu) stark an “Opa mit Dackel schüttelt hochroten Kopfs die Gehhilfe und ereifert sich über ´die da oben´”. Es ist sicherlich in einem durchsozialdemokratisierten Land schwieriger, sich via “Meinung” zu positionieren und auf sich aufmerksam zu machen als in den USA – aber bisher haben dt.Blogger auch noch nicht den richtigen Zugang gefunden, um wirkliches Interesse hervorzurufen. Man ist schon froh, wenn “dort” nur “Neoliberale” verantwortlich gemacht werden und nicht “Freimaurer” oder gar Schlimmeres.

  30. @Alex: Bitte vergleichen Sie die Zitate mit dem “Spiegel”-Artikel…

  31. Matthias says:

    Ohjeee …

    Es sollte heissen ->
    “zumindest die, die ich nachvollziehen kann, SIND verdammt gut”

  32. Alex says:

    Ihre Kreuzzugmentalität gegen Blogkritiker kennend muss SpOn ein spitzes, provozierendes Pamphlet verfasst haben. Ein Kurzcheck auf SpOn (Suchwort Blog) half mir nicht weiter, daher bin ich so dumm wie zuvor. Aber wenn ein entsprechender Artikel ihr Vorlage war – wäre ich der Autor, würde ich jetzt zufrieden juchzen ob ihrer scheuklappigen Berechenbarkeit. Auch eine Replik sollte ohne Kenntnis des Originalartikels genügend Intelligenz besitzen, damit der Leser sich nicht ständig an den Kopf fassen muss ob der kruden Vergleiche.

    Man muss SpOn nicht mögen. Aber bedeutungslos?

    Wenn in irgendeinem Internet-Forum Diskussionen gestartet werden, basiert ein großer Teil auf irgendeinem zitierten SpOn-Artikel. Artikel anderer Medien, sei es Handelsblatt, Zeit oder Focus oder die Summe aller Blogs, fungieren nicht ansatzweise entsprechend häufig als Diskussions- und Denkansatz.
    Die meisten Zeitungsleser hat Bild. Vielleicht auch diese kostenlosen Fernsehbeilage, rtv. Der Einfluss des Spiegels war und ist deutlich größer. Also was soll ihr aleiniger Bezug auf Klickraten?

    Und was soll der Vergleich mit einer englischsprachigen Spitzenpublikation? Erstens gelten in anderen Ländern oftmals ganz andere Sitten und Relationen. Zweitens gibt es nicht unwesentlich mehr Menschen, die der englischen Sprache kundig sind als der deutschen. Derartige Vergleiche sind also nicht mehr als dumm.
    Sollte es keine vorhergegangene Provokation in SpOn gegeben haben, verstehe ich ihr misslungenes Pamphlet noch weniger – denn es ist einem normalerweise sehr intelligent denkenden und schreibenden Menschen unwürdig.

    Knüwer, Sie können das besser.

    Übrigens: Ihre neue Bloggo-soap-Folge war wieder gelungen!

  33. Matthias says:

    Herr Knüwer,

    wie wäre es einmal mit einer Recherche zum Thema Google Ad Planer und wie die cleveren Jungs die Daten so gut schätzen können (zumindest die, die ich nachvollziehen kann sie verdammt gut). Darauf würde ich sogar verlinken!

    ScreenShot –> http://www.rentaseo.de/wp-content/uploads/2008/07/newyorker-com.gif

    Nur mal so ne Anregung für investigativen Journalismus mit Blog-Bezug.

  34. Edgar Hugo says:

    @Thomas Knüwer: Ich finde ja auch Medien wahnsinnig spannend und geh gern in Oper, Theater, Kino & Co. Aber deshalb sollte man auch mal die Kirche im Dorf lassen. Den tollen Journalismus, den ich mir wünsche, machen immer noch die “Frontschweine”. Und da buddeln und wühlen und graben in den USA einfach mehr Journalisten/Blogger im Dreck. Wo ist denn der Online-Leyendecker? Einfach nur Links zu irgendwas setzen und dann in schönen Worten kommentieren, lasse ich einfach nicht gelten.

  35. @Edgar Hugo: Natürlich haben Sie ja recht. Wir sind hier ja nicht im Feuilleton oder auf der Medienseite einer Zeitung.