»Thomas Knüwer 11. July 2008, 09:53 Uhr

Der MDR – ein Sender verlässt das Internet

Die Öffentlich-Rechtlichen wollen unbedingt ins Internet. Wenn sie aber mal drin sind, versagen sie kläglich. Der MDR liefert in diesen Tagen ein Musterbeispiel für Inkompetenz ab, das sich so kein Privatunternehmen leisten dürfte. Am Montag, auf dem Podium des Media Coffee in München, war vorab ein Thema gesperrt worden: der Rundfunkstaatsvertrag und die Internet-Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen.

Eigentlich war das auch gut so. Zu dem Thema ist so viel gesagt worden, die Positionen verschieben sich nicht mehr, es ist ein Thema, um das Publikum so richtig zu langweilen.

Wäre es trotzdem aufgetaucht, dann hätte ich dazu aufgerufen, die Öffentlich-Rechtlichen machen zu lassen. Und ihnen dann ihr Scheitern um die Ohren zu hauen. Denn ÖR-Strukturen und Internet – das sind zwei Welten, die nicht zusammen passen. Öffentlich-Rechtliche sind Anstalten, in denen oft genug der Wahnsinn grassiert, in denen Unbeweglichkeit durch Hierarchie gepaart mit turnhallengroßen Egos der Alltag sind.

Institutionen mit diesen Eigenschaften aber werden im Netz nicht viel bewegen. Gut, Mediatheken nehmen wir mal außen vor, die werden die Menschen haben wollen. Die ARD beweist aber mit ihrer Ausgabe, dass nicht einmal die saubere Programmierung einer solchen Seite zu schaffen ist.

Und nun der MDR. Ist offline. Seit Dienstag. Auf der Homepage ist zu lesen:

“Das Internetangebot des MDR ist zurzeit wegen einer technischen Störung nicht zu erreichen. An der Beseitigung dieser Störung wird fieberhaft gearbeitet. Wir bitten Sie um Ihr Verständnis!

Aktuelle Nachrichten und Sportergebnisse aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie Programminfos zu MDR FERNSEHEN und den Radioprogrammen des MDR können Sie trotzdem in der Internetausgabe des MDR TEXTES nachlesen.”

Das Blog des Presseclub Dresden berichtet:

“Eine vertrauliche hausinterne Mitteilung zeigt, wie dramatisch die Situation tatsächlich ist. Es habe sich ein Bauteil der Datenbank für immer verabschiedet, heißt es da – das konnte inzwischen ersetzt werden. Aber: Es sei sehr schwierig gewesen, einen Techniker zu finden, der sich mit der uralten Technik auskenne, so die interne Mitteilung sinngemäß.

Es kommt noch schlimmer: Ein Aufspielen der Datenbank-Sicherungskopie, die seit Jahren täglich gezogen wird, ist bislang nicht gelungen – offenbar hat man es all die Jahre versäumt zu testen, ob das überhaupt funktioniert. Der Fehler fällt jetzt erst im Krisenfall auf.”

Ja, lasst sie ruhig kommen, die Öffentlich-Rechtlichen. Und dann hauen wir ihnen ihre Inkompetenz um die Ohren. Es könnte ein großer Spaß werden.

»Thomas Knüwer 11. July 2008, 09:53 Uhr

    51 Kommentare zu “Der MDR – ein Sender verlässt das Internet”


  1. DL2MCD says:

    Ach je, ach je…

    Der Heizungsmonteur erscheint nicht, meine Kaffeemaschine ist kaputt und die Öffis haben hier gerade schon wieder das Internet kaputt gemacht! :o )

    “Also kann man nur hetzen als letzte Rettung.”

    Na, wenn M.S. ein öffentlich-rechtlicher Kollege ist, dann bin ich Astronaut. Nicht, daß nicht auch manche Mitarbeiter von öffentlich-rechtlichen Sendern großen Unsinn sagen – aber das ist zu dick aufgetragen. Netter Versuch.

    Links von Heise tun einfach nicht gut.

    Nun, die Gedanken sind frei, aber auch in denen habe ich nicht vor, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu vernichten. Ich habe mit ihm sowohl auf der Produzenten- wie Konsumentenseite zu tun, mit zumeist positivem Erlebnis. Die negativen Fälle überschreiten nicht das von anderen Medien ebenso bekannte Maß.

    Daß ich trotzdem einem bestimmten Sender in Köln im März 2000 nicht Zugriff auf meine berufliche und private E-Mail sowie damit auch meine Online-Accounts geben wollte, weil ich das auch niemand sonst geben würde, und dieser daraufhin seinerseits so tat, als ob das nun sein Verderben sei, seine Marke ruiniert und verwässert, sein Ruf beschädigt, sein Auftrag der Volksfortbildung nicht mehr erfüllbar – nun, das ahnte ich wiederum nicht. Anscheinend ist mein schädlicher Einfluß auf das Tagesgeschäft einer Hunderte Kilometer entfernten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt wesentlicher, als ich mir das auch heute vorstellen kann.

    Ich mag meinen Privatkram nicht konfisziert im Fernsehen haben und ich mag auch keine zweite Rundfunkgebühr für die berufliche Internetnutzung zahlen. Beides m.E. für neutrale Beobachter nachvollziehbar. Alles andere, das man mir so nachsagt, dürfte zu großer Langeweile der Gerüchteurheber entspringen.

    Und Kollege Knüwer habe ich bislang noch nicht mal die Hand geschüttelt, da er bei der letzten Gelegenheit hierzu in München im Januar gerade mit zwei jungen Damen selbiges tun mußte (ob dabei auch Rücken gerieben wurden, entzieht sich meiner Kenntnis) und ich zum nächsten Termin wollte.

    Ich will aber keinem den Spaß am Verschwörungstheorien basteln nehmen. Jetzt darf auch in die Heise-Foren wieder Unsinn über mich geschrieben werden, ich muß dafür ja nun nicht mehr zum Chef.

    Nur bleibt hier beim Thema. Das war: Der Mitteldeutsche Rundfunk war webtechnisch offline. Nun ist er wieder online. Ich nehme an, das entscheidende Bauteil der Datenbank, nämlich der Netzstecker des Servers, wurde unter Zuhilfenahme einiger Consultants gefunden, mit vereintem Einsatz wieder eingesteckt und die Putzfrau gebeten, im Serverraum doch zukünftig nicht mehr zu saugen oder Kaffee zu kochen. Also: Thema erledigt. Oder habt ihr nix Vernünftiges zu tun?