Gerade hab ich tief geseufzt. Weil es endlich jemand begriffen hat. Begriffen, dass Online-Bildergalerien kein Pupillenpulver sein müssen, sondern die Stärken des Mediums nutzen können. Leider – oder besser: wie erwartet – kommt das Beispiel nicht aus Deutschland. Bildstrecken, behauptet Süddeutsche.de-Chef Jakobs, Bildstrecken sind ein eigenständiges journalistisches Stilmittel des Internet. Das ist natürlich Blödsinn, wie man beim Durchblättern des gedruckten “Stern” schnell merkt.
Eines der großen Rätsel des Online-Journalismus ist es, warum solche Galerien sich größtentechnisch auf dem Niveau eines Ameisenhaufens bewegen. Wäre es den Machern der Seiten tatsächlich wichtig, die Leser über Bilder zu informieren, so würden sie dies mit großen Fotos machen – ausreichend hoch auflösende Bilder sind schließlich vorhanden.
Stattdessen bleibt alles schön klein, Hauptsache der Kunde klickt. Klickhurerei nennt das der Kenner, es treibt die Seitenabrufe hoch und das Niveau in den Keller.
Dabei geht es doch auch anders, wie mir der geschätzte Heiko Hebig gerade über Twitter zeigt: The Big Picture auf Boston.com – vorbildhaft.










6 Kommentare zu “Ein Blick aufs große Bild”
natürlich bauen oft online-redakteure die bilderstrecken selbst. wozu brauche ich auch dafür einen fotoredakteur? im gegenteil ich finde es sogar diskriminierend, wenn einem redakteur nicht einmal zugetraut wird, ein gutes bild auswählen zu können.
es stimmt aber schon, dass es fotostrecken gibt, die mies und nur auf klicks aus sind, aber es gibt auch tolle fotostrecken, oder gar foto-essays, um die sich jemand richtig bemüht hat.
letzten endes ist es aber auch schlicht eine kapazitäten-frage. online-redaktionen sind oft unterbesetzt und zudem müssen viele fotostrecken zu einem thema so schnell wie möglich auf die seite. es geht also nicht um die frage, wie gut kann ich eine fotostrecke bauen, sondern darum, wie schnell bin ich, wenn ich meinen ansprüchen noch genügen will.
und man muss auch die arten von fotostrecken unterscheiden. wenn ich nur zum neuen i-phone ein paar bilder brauche, dann ist das keine große sache, die man schnell (halbe stunde) abhaken sollte, stirbt jedoch fidel castro, kann man sich auch drei stunden für eine fotostrecke zeit nehmen (es gilt ja schließlich sein leben in bildern zu erzählen). und dann gibt es auch noch fotostrecken von massenveranstaltungen, wo sich die leute auf den bildern einfach nur wiederfinden möchte und man dementsprechend schon mal 100 bilder unbeschriftet hochlädt.
die bilder von boston.com sind aber zweifelsohne klasse. sie unterscheiden sich aber von deutschen fotostrecken nur dadurch, dass sie größere bilder haben. das befürworte ich wirklich. so etwas scheitert aber auch oft schnell am cms der redaktion, dass bisweilen noch aus zeiten stammt, in denen ein großteil der user kein high-speed-dsl oder überhaupt kein dsl hatte, weshalb die bilder eben sehr klein sein mussten.
bei den bosten-fotostrecken fände ich es im übrigen besser, wenn man sie klicken könnte. es ist praktischer als scrollen.
und davon abgesehen darf man nun auch wirklich nicht die währung der klicks aus den augen verlieren. ist ja schön, wenn die klickhurerei kritisiert wird, auf der anderen seite finanziert sie nun einmal auch die online-redaktionen mit. die user zahlen eben nicht für content. und wer käme auf die idee, die große auto-werbung in tageszeitungen zu kritisieren?
wie komm ich eigentlich bei der “Fan-tastische Euro”-Bildstrecke auf Handelsblatt.com auf die großen Bilder?
Den Stern durchgeblättert? Beim Arzt gewesen?
Richtig schön.
Aber bei den nichtssagenden Billig-Bildchen und den miesen aktuellen Agentur-Fotos, die in der Regel auf deutschen News-Seiten zu sehen sind, macht auch Größe keinen Sinn. Bildredaktionen wird es eh bald nicht mehr geben, die werden alle durch angelernte Content-Klicker ersetzt – wenn überhaupt.
Die inhaltlich-journalistische Qualität der Bilderstrecken finde ich oft noch erschreckender… Aber ich glaube, darauf wurde schon oft genug ergebnislos hingewiesen.
Volle Zustimmung; der Blog und dessen Bilder sind wirklich bestechend und ein Beispiel konstruktiver Bilderstrecken.
Hiesige Bilderstrecken leiden nicht nur unter mangelhafter Auflösung (und oft nerviger Javascript-Implementation) sondern auch an Überflüssigkeit: Bei einer Bilderstrecke in einem bekannten Online-Magazin über das “neu entdeckte” Buschvolk sah ich die zwei, drei Bilder die es davon gab in einer schieren Endlosschleife wobei jeweils einfach abwechselnd ein anderer Ausschnitt vergrößert wurde.
Entschuldigung, aber die müssen ihre “Leser” wohl für etwas bescheuert halten.