»Thomas Knüwer 17. June 2008, 09:35 Uhr

AP – eine Nachrichtenagentur des Web 0.0

Manchmal sitze ich einfach nur entnervt und Kopf schüttelnd vor meinem Monitor und frage mich, wann, wann, WANN klassische Medienunternehmen gewisse Zusammenhänge begreifen werden. Jüngstes Beispiel: die Nachrichtenagentur AP. Medien könnten ohne das Zitatrecht nicht funktionieren. Denn nur so ist es möglich, Lesern, Hörern und Zuschauern einen vollständigen Überblick über den Stand einer Diskussion zu geben. Deshalb ist das Zitieren von Passagen aus den Werken klassischer Medien erlaubt.

Womit wir bei der AP wären. Die sieht das anders, wenn es um Weblogs geht. Selbst Passagen von 39 Worten sind ihr zu lang – dafür sollen die Blog-Autoren nun zahlen. Es gibt sogar schon eine Preisliste: Fünf Worte zitieren kostet 12,50 Dollar. Macht pro Wort knapp über zwei Dollar – ja, das Wort eines Journalisten hatte schon immer besonders Gewicht.

AP-Vize-Präsident Jim Kennedy weiß sogar, dass so dem Geist des Internets entsprochen würde, auch wenn die Geister des Web anderer Meinung sind:
“Cutting and pasting a lot of content into a blog is not what we want to see… It is more consistent with the spirit of the Internet to link to content so people can read the whole thing in context.”

Wie wäre es denn, wenn die AP stattdessen das Verlinken UND Zitieren vereinfachen würde? Warum nicht eine Web-Funktion (ihre Programmierung dürfte machbar sein), die es ermöglicht, eine Textpassage mit Verlinkung zu übernehmen, ähnlich dem Einbetten von Videos aus Youtube? Der Link würde auf die AP-Seite führen, wo im Gegenzug unter dem Artikel eine Liste der Blog-Einträge aufläuft, die auf diese Seite verlinken?

Ach so, ist zu kompliziert? Na dann, bin ich ja zumindest in einem Punkt sicher: Wenn AP demnächst aus Weblogs zitiert, wird die Agentur mit Sicherheit die Autoren entsprechend honorieren. Oder?

(Eine Anfrage an AP Deutschland, wie man hier zu Lande künftig mit dem Thema umgehen will, bliebt unbeantwortet.)

»Thomas Knüwer 17. June 2008, 09:35 Uhr

    6 Kommentare zu “AP – eine Nachrichtenagentur des Web 0.0”


  1. Ohne Zitatrecht können wir unabhängigen und kritischen Journalismus vergessen. Die Bewertung im Einzelfall, wieviel zitiert werden darf, scheint auch nicht ausreichend geklärt. Prinzipiell ist es wichtig einer Argumentation die Gegenargumentation durch Zitat anzufügen. In einer Recherche zu n-tv, wo einem Journalisten eine Unterlassung- und Schadensersatzklage vorgelegt wurde, ist es interessant, in welcher Länge ein Sendebeitrag zur Argumentation zitiert werden darf, oder ob überhaupt nichts zitiert resp. wiedergegeben werden kann. Juristen können mir ja gern per Mail ihre Sicht vortragen.

  2. Wintermute says:

    Und nochmal zum Thema Schutz von Oben:

    “Frage 13. Wie bewerten Sie die These, dass hochwertige Onlineangebote unmöglich sind, solange journalistische Inhalte im Internet kostenfrei zur Verfügung gestellt werden?”

    Siehe hier: http://immateriblog.de/?p=53

  3. Wintermute says:

    @Daniel Schultz:

    So wie sowas immer durchgesetzt wird. Sich mit der Film- und Musikindustrie zusammensetzen und das Zitatrecht dann im Rahmen der nächsten Phase der Urheberrechtsnovelle von der Politik kippen lassen.

    Schöner Text zu dieser Art von Verhalten:
    http://nielsenhayden.com/makinglight/archives/010341.html

  4. @Blauer Himmel

    Meines Erachtens widerspricht bereits dein Zitat im Kommentar der Auffassung von AP, selbst wenn es nachdem deutschen Zitatrecht (http://www.irights.info/index.php?id=156) wohl in Ordnung ist in dieser Form zu zitieren.

    Stellt sich dann halt nur noch die Frage, ob und wie AP ihre Bestrebungen in Deutschland durchsetzen möchten, da sie damit gegen deutsches Recht verstoßen.

  5. Nein, so blau ist der Himmel leider doch nicht. Es geht explizit auch um kleine Zitate. Das vollständige Kopieren wäre keine Diskussion wert – da ist AP heute bereits auf rechtlich problemloser Basis. Hier geht es ganz klar um die Aushebelung des Fair Use.

  6. Blauer Himmel says:

    Jetzt wollen wir mal schön den Ball flach halten.

    Also:
    Zunächst einmal finde ich es nachvollziehbar, dass AP gegen Websites und Blogger vorgeht, die deren Inhalte einfach so übernehmen/kopieren. Diese Menschen leben u.a. von dem was sie schreiben, wodurch auch die Texte einen Wert haben.

    Das erst mal grundsätzlich und zum Thema “klassische Medien”.

    Dann:
    Ich denke, dass das ausschnittsweise Zitieren von wenigen Wörtern nur in den selteneren Fällen problematisch ist. Wenn man schon zitiert, dann 1. nicht in übertriebenem Maße und 2. so, dass das Zitat den eigenen Artikel z.B. argumentativ stützt oder in anderer Form relevant für die eigene Meinung ist. Man kann nicht wissenschaftliches Niveau erwarten, aber man sollte auch nicht glauben, dass es i.O. ist alles mögliche zu kopieren, nur weil man sich im Internet befindet.

    Meiner Ansicht nach dreht sich die Diskussion auch gar nicht in erster Linie um Mini-Zitate, selbst wenn im Artikel darauf an einigen Stellen verwiesen wird. Die AP meint imho vor allem jene, die Texte einfach komplett übernehmen. Wie es in dem Artikel heißt, wäre es wünschenswerter den Text zusammenzufassen. Das sehe ich bei längeren Textpassagen ebenfalls so.

    Dass hier auch nicht im Hauruckverfahren eine neue Regelung durchgesetzt werden soll zeigt das folgende Zitat:

    ““We don’t want to cast a pall over the blogosphere by being heavy-handed, so we have to figure out a better and more positive way to do this,” Mr. Kennedy said.” (Quelle: NYTimes)

    Darüber hinaus heißt es:

    ““We are not trying to sue bloggers,” Mr. Kennedy said.” (Quelle: NYTimes).

    Und bezüglich der Vereinfachung der Verlinkung:
    1. Natürlich wäre das denkbar. Aber wieso ist es nicht möglich einen Link zum kompletten Artikel zu setzen und dann die entsprechende Textpassage mit Quellenangabe zu zitieren? Jeder sieht direkt, dass es sich nur um einen Ausschnitt aus dem Artikel handelt. Und bei einem Satz wird AP sicherlich nicht gegen irgendwen vorgehen, das wäre lächerlich.

    Fazit: Viel Auregung um nichts. Hauptsache der Versuch, klassische Medien als völlig inkompetent, rückständig und nicht mehr zeitgerecht hinzustellen und aus einer durchaus berechtigten Einstellung Skandalprofit zu schlagen.

    Schönen Abend noch