»Thomas Knüwer 12. June 2008, 16:41 Uhr

Selbstreferenzielle Blogger-Verortungsfragen

Die “Zeit” hat in ihrer heutigen Ausgabe die meist verlinkten Blogs Deutschlands auf einer Karte platziert – eine hübsche Idee. Viel interessanter als die Frage, wo diese liegen ist für mich aber das, was fehlt. Vielleicht liegt es in der Natur eines “Zeit”-Kollegen, schnell überfordert zu sein. Sollen ja zart besaitet sein, lautet das Vorurteil. Nur so kann ich mir erklären, warum neben der dieswöchigen Karte im “Zeit”-Magazin zu lesen ist, es sei so schwer festzustellen, wo welche Weblogs in Deutschland sitzen:
“…Blogs hingegen verstecken sie (die Herkunft) im schwierig zu findenden Impressum, wenn sie sie nicht sogar ganz verheimlichen…”

Mir persönlich ist es noch nie schwer gefallen, in Blogs das Impressum zu finden. Meist steht Impressum drauf. Sollte die dazu gewählte Schrifttype zu klein sein, hilft die Google Toolbar.

Außerdem setzt die “Zeit” das Gerücht in die Welt, es gebe das Gerücht, Blogs entstünden vor allem in kleinen Städten. Gehört habe ich von diesem Gerücht noch nicht, aber wenn die “Zeit” es schreibt, wird es das wohl geben, dieses Gerücht.

Die “Zeit” also kommt zum Schluss, die “erfolgreichsten” Blogs entstünden in Großstädten, weil dort Journalisten säßen, die “Gefallen finden an der Idee, so viel schreiben zu dürfen, wie sie wollen”. Eine bemerkenswerte Erklärung angesichts der allgemeinen Meinung, dass so wenige Journalisten bloggen.

Was für die “Zeit” Erfolg bedeutet, verrät sie nicht im Text, sondern nur verklausuliert in der Grafik. Das Wort “Verlinkung” scheint ihr Leserüberforderung Keineswegs ist dies ja eine Aufstellung der meistgeklickten Blogs – die würde das persönliche Abklappern aller Autoren erfordern. Es ist eine Liste der meist verlinkten Weblogs.
***Diese Passage wurde geändert.***

Es fallen auch flott ein paar Fehler ins Auge, die dafür sprechen, dass die Blog-Kompetenz beim “Zeit”-Magazin ausbaufähig ist. Rebellen ohne Markt, zum Beispiel, nach Bonn zu schicken, kann nur als böse Spitze an den Autor interpretiert werden. Die Blogbar ist zwar einerseits richtig in Ingolstadt aufgehoben – hat aber eine Dependance in Hamburg aufgemacht. Und die Macnotes haben zwar zwei Münsteraner Autoren, wären aber als Projekt eines Bochumer Unternehmens besser im Pott aufgehoben.

Viel interessanter aber finde ich die Abwesenheit ganzer Großstädte. Kein einziges Top-Blog existiert in Hannover. Oder in Nürnberg. Oder in Stuttgart. Oder Freiburg.

Warum? Derzeit fällt mir auch keine Erklärung ein. Aber überraschend finde ich das schon.

»Thomas Knüwer 12. June 2008, 16:41 Uhr

    15 Kommentare zu “Selbstreferenzielle Blogger-Verortungsfragen”


  1. Hendrik says:

    Hallo Thomas,

    Macnotes ist erst seit 1. Juni in Bochum beheimatet, siehe auch http://www.macnotes.de/2008/06/02/macnotes-zieht-um-say-hello-to-fliks/. Insofern sei der ZEIT der Fehler verziehen ;-)

  2. hockeystick says:

    Weil offenbar niemand die Frage nach dem “Warum?” beantworten will, möchte ich dann doch lösen:
    http://lanu.blogger.de/stories/1149180/#1149216

  3. Jaru says:

    Beetlebums Kommentar zur Falschschreibung seines Blogs sagt mehr als tausend Worte: .de/2008/06/12/immer-diese-cholerischen-blogger/http://blog.beetlebum.de/2008/06/12/immer-diese-cholerischen-blogger/

  4. weltherrscher says:

    ich will ja nichts sagen, so eine karte zu machen und NICHT mit anzugeben, wo genau der weltherrscher thront ist, um es kurz zu sagen: SCHEISSE!
    aber so ist die welt ja nun mal, mit oder ohne die zeit.

    GIEßEN!
    die schönste stadt überhaupt.
    berlin iss doch out und dreckig.

    tsss…journalisten!

  5. nnier says:

    > dass Content mehr ist als Grauwert + Platz für Bilder

    Das Zeit-Magazin ist ja leider nur ein Wohlfühl-Umfeld für irgendwelchen Modescheiß und Uhrenreklame.

  6. Rainersacht says:

    Inhalte im ZEIT-Magazin ernst nehmen, heißt, zu glauben, dass Mac-gläubige Grafik-Designer wüssten, dass Content mehr ist als Grauwert + Platz für Bilder. Mit Journalismus hat das Kreativspielfeld selten was zu tun – im Gegensatz zum Mutterschiff.

  7. Don Alphonso says:

    “Die Blogbar ist zwar einerseits richtig in Ingolstadt aufgehoben – hat aber eine Dependance in Hamburg aufgemacht.”

    Ich stehe seit dem Relaunch als Verantwortlicher dort im Impressum – und bin fast der einzige Autor. Und Kai steht als Ansprechpartner auch drin. Das ist mir wichtig, denn es war und ist unser Ding. Aber ich bin imhaltlich dafür verantwortlich. Thomas Aussage ist richtig. Vollumfänglich. Dass Rebellem ohne Markt in Bonn wäre, ist falsch. Also ist das Problem bei der Zeit.

  8. Danke für die Hinweise. Das Wort Verlinkung tauchte ja leider trotzdem nicht auf.

    Aber ich habe wieder was gelernt. Wenn Dich ein Thema interessiert und Du eine Diskussion anstoßen willst – beschränke Dich allein auf das Thema.

  9. Armin says:

    Erst meckern dass die Zeit zu bloed waere mal ins Impressum zu sehen und dann selber uebersehen dass bei der Blogbar recht klar auch ein gewisser Kai Pahl im Impressum steht? Der dort zwar nicht mehr oft schreibt, aber doch immerhin noch im Maerz einen Beitrag verfasst hat? Und meines Wissens noch immer in Hamburch wohnt.

    Mal davon abgesehen dass die Blogbar urspruenglich Dependancen in den USA, Hamburg (sogar mindestens zwei Hamburger Blogger) und wenn ich mich nicht irre auch Muenchen hatte. Um nur ein paar zu nennen. Wenn ueberhaupt hat die Blogbar Dependancen geschlossen, nicht geoeffnet.

    Die Blog-Kompetenz beim Handelsblatt scheint mir auch arg ausbaufaehig.

  10. Don Alphonso says:

    Sorry, aber das mit Blogger und Twoday ist Unsinn. Journalisten könnten ruhig auch nachfragen, meine Emailadresse steht im Impressum bei rebellmarkt, und wer nicht weiss, dass ich auch die Blogbar schreibe, sollte einfach ein anderes Thema beackern. Oder ne Mail schreiben. Bonn finde ich nicht schlimm, aber die zeit-Pfeifen haben es sogar schon mal fertig gebracht, mich als “Berliner Autor” zu bezeichnen. Das ist hart.

  11. Thomas, ich mache mir langsam Sorgen. Weil Du zu blind bist, die Legende der Karte zu finden, wirfst du der “Zeit” vor, ihre Karte “nirgends” zu erklären? Und nicht anzugeben, was für sie “Erfolg” bedeutet? Es steht in der Legende. In der Karte. In der Legende. In der Karte. Wo sollte es denn sonst stehen?

    Ja gut, vielleicht im zugehörigen Artikel. Ach: Da steht es ja auch! Sogar mit der genaueren Angabe “Quelle:Deutsche Blogcharts”.

    Wenn andere etwas nicht finden, sind sie blöd. Wenn Du etwas nicht findest, sind die anderen blöd. Hilfe.

  12. ms-local says:

    bei macnotes nicht so streng sein, das wurde von einem münsteraner studenten gegründet und erst vor ein paar tagen von der firma aus dem pott “übernommen”…

  13. Goerg says:

    Viel interessanter finde ich als “Ossi”, dass es abgesehen von Berlin im ganzen Osten nur 6 “erfolgreiche” Blogs (laut “Zeit”-Karte) geben soll. Sieht ja echt mau aus hier :)

  14. thomas says:

    Das es sich bei dabei um die am meisten verlinkten Blogs handelt ist schon zu lesen, allerdings auch erst wenn man danach sucht. Bei der Grafik dachte ich auch zunächst es seien die meistgeklicktesten Blogs, erst als mir die Reihefolge ein wenig merkwürdig vorkam, habe ich die wahre Grundlage für das Ranking gelesen.

  15. Volker says:

    Hallo Herr Knuewer,
    1. dass die Anzahl der Verlinkungen als Grundlage für das Ranking ergehalten hat, wird aber mehrfach in dem (online) Artikel erwähnt (selbst in dem GIF steht es links unten)
    2. dass Blogs, die bei twoday, blogger o.ae. geführt werden kein eigenes Impressum haben, ist sogar mit einem Link in dem Artikel “bewiesen”.

    Der Online Artikel ist übrigens hier zu finden (denn darauf fehlt ein Hinweis in Ihrem Artikel).

    Schon mit den Gedanken im Deutschlandspiel gewesen? :-)

    Ein nörgelnder Leser,
    Volker